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Kirstin Pfefferkorn: Innovatives Versorgungsmanagement

Cover Kirstin Pfefferkorn: Die Altenrepublik. Von der Herausforderung zur Chance. Wagner Verlag GmbH (Gelnhausen) 2011. 111 Seiten. ISBN 978-3-86683-997-7. 9,80 EUR.
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Thema

Unsicherheit ist angesichts demografischer Verschiebungen mit immer zahlreicher werdenden Älteren bei Abnahme der Zahl Jüngerer weit verbreitet. Rentenzahlungen und Gesundheits- wie Pflegeleistungen scheinen schwieriger zu werden. Die Gegenrechnung sich erhöhender Produktivität in den Wohlstandsländern und partieller Bevölkerungsabnahme bei einer Weltbevölkerung von sieben Milliarden Menschen wird seltener aufgemacht. Auch Kirstin Pfefferkorn legt in ihrem populärwissenschaftlichen, bei Wagner-Gelnhausen erschienenen, 111seitigen Büchlein „Die Altenrepublik. Von der Herausforderung zur Chance“ den Akzent auf Geburtenrückgang und Überalterung. Sie plädiert für eine Revitalisierung der Familie und für vermehrte Selbstständigkeit und Aktivität der Alten.

Autorin

Kirstin Pfefferkorn studierte als inzwischen 47jährige verheiratete Mutter zweier Kinder nach ursprünglich kaufmännischer Ausbildung nochmals Sozialwirtschaft und absolvierte eine Weiterbildung zum kreativen Schreiben.

Grundlegende Inhalte

Das Buch „Die Altenrepublik. Von der Herausforderung zur Chance“ zieht einen Bogen vom Geburtenrückgang der 1960er und 1970er Jahre zum kommenden demografischen Altersüberhang der deutschen (und anderer europäischer) Gesellschaften. Die Veröffentlichung begreift die Entwicklungen aber nicht nur als Problem der Finanzierung und Allokation von Leistungen für die Ruheständler. Aufgerufen wird zur Stärkung der Familien und zur Entwicklung von Selbsthilfe- und Aktivitäts-Potenzialen bei der Altenbevölkerung.

Inhalte im Einzelnen

Die Darlegungen der demografischen Verwerfungen und die Folgerungen daraus sind in fünf Kapitel gegliedert.

In ihrer Einleitung behandelt die Verfasserin die Herausforderungen der altersdominanten Gesellschaft zu mehr Aktivitäten und Mitwirkung der Alten selbst.

Die Ursachen der Überalterung werden in Erosionen der Familie erblickt. Um sich greifender familialer Orientierungslosigkeit soll mit stärkerer, gemeinsam geübter Verantwortung von Vätern und Müttern begegnet werden.

In einem kurzen Zwischenabschnitt wird Abschied genommen vom Jugendwahn der alten Menschen. Diese müssten vielmehr erhöhte Lernfähigkeit, Flexibilität und Einsatzfreude zur Lösung ihrer Alltagsprobleme an den Tag legen.

In ihrem ausführlichen vierten Kapitel zeigt Kirstin Pfefferkorn Wege aus der demografischen Krise auf. Sie nennt familienfreundlichere Ausrichtung der Lebensumstände, längere Erwerbsbeteiligung, erhöhte Gesundheitssorge und bürgerschaftliches Engagement der alten Menschen. Aufgerufen wird zu einer integrierten Familien-, Senioren-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik.

In ihrem Ausblick umreißt die Autorin Konsequenzen für Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen und Arbeitsmarkt, die auch ein neues Frauenbild bedingten, nämlich das einer durchgängigen Frauenerwerbsbeteiligung, von Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein der nachwachsenden Frauen.

Diskussion

Das Buch „Die Altenrepublik“ versucht, einen Zusammenhang herzustellen zwischen den heutigen Problemen der Familie (Scheidungshäufigkeit, Geburtenrückgang) und der Überalterung der Gesellschaft. Lösungen für die altersdominante Gesellschaft sollen aufgezeigt werden. Das ist der Autorin bedingt gelungen, wenn man einmal davon absieht, dass auch die verlängerte Lebenserwartung zum demografischen Ungleichgewicht beiträgt, und dass die Überalterung nicht ausschließlich als problematisch an sich gesehen werden muss (soweit die Arbeitsproduktivität steigt und Überbevölkerung andernorts ausgeglichen wird).

Die Teilabschnitte mit den Hilfe-Angeboten für Ältere von Bildungs- und Gesundheitsdiensten über Verbraucher- und Rechtsschutz-Beratung bis zu Service-Hilfen innerhalb und außerhalb des Wohnbereichs sind hilfreich und informativ. Das ehrenamtliche Engagement ist in vielen Facetten von Motivation, Zurüstung und Einsatzfeldern bis zur Gratifikation zutreffend umrissen.

Bei der äußeren Anmutung der populärwissenschaftlichen Schrift fallen jedoch Negativa auf: Eine stringente Gliederung scheint nicht eingehalten, dafür wirken die Teilgebiete zu unproportioniert gewichtet und sind zu viele Dopplungen zu bemerken; ein Literaturverzeichnis fehlt. Die zitierten Quellen bestehen im Wesentlichen aus Sekundärliteratur („Spiegel“, „Stern“, „Psychologie heute“, Veröffentlichungen des Bundesfamilienministeriums). Längere Passagen stützen sich auf ein und dieselbe, mehrmals zitierte Quelle. Das vermittelt den Eindruck einer Seminararbeit von bestenfalls mittlerer Güte.

Die Darlegungen erscheinen oftmals eindimensional undifferenziert, wirken auf den Leser sprachlich unpräzise, sitzen mitunter Gemeinplätzen auf und erscheinen nicht immer empirisch bewiesen. Das geht von Sätzen wie der rhetorischen Frage „Wie sollen Kinder in so einer Welt großwerden…?“ (Seite 12) über Behauptungen wie „Medien schließen Familie und Kinder aus“ (Seite 19) bis zur Feststellung „Das Modell Familie ist wieder groß im Kommen“ (Seite 13) und zum pauschalen Seitenhieb auf den Kapitalismus „Der Kapitalismus kam aus Amerika und brachte den Jugendkult nach Europa“ (Seite 32). Einerseits wird der Jugendkult gegeißelt, dann aber wird Jugendlichkeit zum Rezept erhoben (so auf Seite 33: „Wir werden die Aufgabe meistern müssen, unser Alter mit Jugendlichkeit zu verbinden“.).

Das in seinem Anliegen sympathische Buch „Die Altenrepublik“ erscheint ein Autorinnen-Selbstversuch in einem Verlagsprogramm für Hobby-Verfasser zu sein, das mit den Worten um Auftraggeber wirbt „Sie wollten schon immer einmal ein eigenes Buch schreiben?“ (beiliegender Reklamestick des Verlags). Insofern genügt die Schrift wissenschaftlichen Ansprüchen nicht. Der Wunsch, sich selbst auch einmal unter die Buch-Autorenschaft zu begeben, wirkt als zu schwacher Impuls für einen Beitrag zu einer gesellschaftswissenschaftlichen Problematik wie derjenigen der Verschiebung der generativen Dimensionen.

Fazit

„Die Altenrepublik“ kann als sympathischer Abriss mit Vorschlägen für die Aktivierung älterer Menschen durchgehen. Eine fundierte Auseinandersetzung über Ursachen, Folgen und Konsequenzen des demografischen Wandels bleibt das Bändchen schuldig.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
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Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 07.11.2011 zu: Kirstin Pfefferkorn: Die Altenrepublik. Von der Herausforderung zur Chance. Wagner Verlag GmbH (Gelnhausen) 2011. ISBN 978-3-86683-997-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12326.php, Datum des Zugriffs 22.10.2019.


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