socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Heike Herrmann (Hrsg.): Die Besonderheit des Städtischen

Cover Heike Herrmann (Hrsg.): Die Besonderheit des Städtischen. Entwicklungslinien der Stadt(soziologie). VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2011. 347 Seiten. ISBN 978-3-531-17844-8. 34,95 EUR.

Reihe: Stadt, Raum und Gesellschaft.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Eigentlich muss man die Stadt nicht neu entdecken, um mit ihr etwas Besonderes zu verbinden: ein besonderer Lebensstil, eine urbane Lebensführung. Hinter Urbanität steckt ja nicht nur eine besondere Lebensweise; dahinter verborgen ist ja auch eine besondere Logik von Integration und Ausgrenzung, eine besondere Art des Zusammenlebens unter den Bedingungen von Differenz und Heterogenität. Vielleicht ist es auch das, was die Stadt vom Land unterscheidet, obwohl die Unterschiede eingeebnet scheinen. Aber zumindest die Großstadt ist doch noch so etwas wie eine besondere „Integrationsmaschine“ (Simmel), die auf besondere Weise signalisiert, unter welchen Bedingungen man dazugehört oder auch nicht. In der Regel verbinden wir mit der Kulturgeschichte der Stadt ihre zivilisatorischen Leistungen; die europäische Stadt mit ihrer besonderen Struktur und auch ihre Sozialstaatlichkeit ist etwas, was Besonderheit signalisiert gegenüber anderen Stadttypen und vielleicht haben wir in der Stadtsoziologie in der letzten Zeit weniger darauf geachtet als auf die Probleme, die wir mit der Stadt verbinden: Spaltung, Schrumpfung, bedrohte Integrationspotentiale u. ä.

Herausgeberinnen und Herausgeber

  • Dr. Heike Herrmann ist Professorin an der Hochschule Fulda.
  • Dr. Carsten Keller ist Vertretungsprofessor an der Universität Duisburg-Essen.
  • Dr. Rainer Neef arbeitet an der Universität Göttingen.
  • Dr. Renate Ruhne ist Privatdozentin an der TU Darmstadt und lehrt Soziologie an der Universität Kassel.

Autorinnen und Autoren

Die weiteren Autorinnen und Autoren kommen allermeist aus dem Hochschulbereich und lehren und forschen in Bereichen der Stadt- und Regionalsoziologie, der Stadt- und Regionalplanung und -ökonomie; einige sind in verantwortlichen Positionen der Stadtplanung tätig.

Aufbau

Das Buch gliedert sich nach einer Einleitung von Carsten Keller und Renate Ruhne in vier große Teile:

  1. Das Städtische: zentrale Perspektiven
  2. (Neue) Städtische Kulturen
  3. Umkämpfte Räume
  4. (Innen-)Stadtquartier und Suburb

Inhalt

In ihrer Einleitung setzen sich Carsten Keller und Renate Ruhne mit den Klassikern der Soziologie und den Protagonisten der Stadt in der Soziologie auseinander. Sie weisen zurecht darauf hin, dass die Stadt immer auch die Aufmerksamkeit hatte, die ihrer Entwicklung und Bedeutung auch gerecht wurde. Es haben ja nicht nur Max Weber mit seiner Bürgerstadt und Georg Simmel mit seiner Auseinandersetzung mit dem Geistesleben des Großstädters die stadtsoziologische Diskussion bestimmt, sondern viele andere auch, die man deshalb ja noch nicht als Stadtsoziologen bezeichnen würde. Die Autoren weisen auf Marx und Engels hin und auf Durkheim und in der jüngsten Zeit gibt es Fülle von Autorinnen und Autoren, die die Stadtsoziologie vorangebracht haben. Es ging nicht nur um die Stadtstruktur, es ging auch um das Städtische, um cityness (S. Sassen), um das Urbane und seinen Wandel.

Die Autorin und der Autor fragen nach der Stadt als Ort besonderer Kulturen, meinen dabei die Kreativwirtschaft, aber auch die Spaltung der Städte und die sozialräumliche Polarisierung und die Entstehung von Global Cities. Und es geht um die unterschiedliche Prägung von Quartieren und die dort vorherrschende Logik von Integration und Ausgrenzung.

Ethnische Segregation in Quartieren, wo auch eine deutsche Bevölkerung nach Anerkennung und Integriertsein ringt, schafft Konflikte und führt zu umkämpften Räumen. Schließlich geht es um die Bedeutung von Stadtquartieren, die als Communities immer eine besondere Qualität entwickelt haben und die in der Tradition der Chicago School erforscht wurden und auch die stadtsoziologische Debatte in Europa angeregt hatten.

Im Folgenden der Einleitung werden die einzelnen Beiträge ausführlich vorgestellt.

I Das Städtische: zentrale Perspektiven

Dieser Teil wird eingeleitet von einem Beitrag von Jürgen Friedrichs, der sich mit der Frage auseinandersetzt: Ist die Besonderheit des Städtischen auch die Besonderheit der Stadtsoziologie? Was ist die Besonderheit der Stadt und ist die Auseinandersetzung um den Raum und das Raumverständnis schon ausreichend für das Besondere des Städtischen? Muss man nicht – um die Stadt richtig zu verstehen als einen in sich agierenden von der besonderen Logik der Integration und Ausgrenzung geprägten sozialen Raum nicht doch noch einmal die Metapher vom Raum als Container bemühen? Für Friedrichs ist es zunächst nicht der Raum.

Weiter geht es um Opportunitätsstrukturen, um Handlungsmöglichkeiten in Anschluss an die ökonomische Rational-Choise-Theorie. Und es geht um Diversität, die mit der Opportunitätsstruktur zusammenhängt; denn die Vielfalt von Handlungsmöglichkeiten hängt mit Diversität zusammen, aber auch mit Urbanität, mit der für die Stadt konstitutiven Heterogenität. Daraus ergeben sich Folgerungen und Forschungsperspektiven, die unter den Stichworten „Soziale Mischung und Diversität“ und „Soziale Ungleichheit“ entfaltet werden.

Martina Löw nennt ihren Beitrag „Städte als sich unterscheidende Erfahrungsräume. Grundlagen für eine sinnverstehende Stadtsoziologie.“ Städte unterscheiden sich offensichtlich, haben ihren Eigensinn, ihr Eigenstellungsmerkmal. M. Löw wundert sich angesichts der Tatsache, dass Soziologie einerseits mit der Frage nach dem Sinn ihr zentrales Erkenntnisinteresse formuliert, aber die soziologische Erforschung der Stadt andererseits danach - nach dem Eigensinn, der Eigenlogik – nie gefragt hat. Dies wird an Hand stadt- und regionalsoziologischer Arbeiten verdeutlicht. In der Darmstädter Eigenlogik-Studie etwa werden in unterschiedlichen Städten wie Salvador da Bahia, Frankfurt, München, Stuttgart, Tel Aviv und Haifa und vielen anderen Städten Untersuchungen angestellt. Die zentrale Erkenntnis ist, dass eine Relation zwischen baulicher Form und kollektiver Sinnformation festgestellt werden kann (56). Diese und weitere Erkenntnisse werden von der Autorin rückgebunden an die klassischen soziologischen Theorien wie die von Max Weber, Alfred Schütz, Pierre Bourdieu, Karl Mannheim und anderen.

„Der Klassiker der Soziologie und die Besonderheit des Städtischen“ heißt der Beitrag von Thomas Krämer-Badoni. Der Autor setzt sich sehr grundsätzlich mit dem Forschungsgegenstand der Stadtsoziologie auseinander, bis hin, dass die Frage nach der Berechtigung der Stadtsoziologie virulent wird und ob die Stadt als sozialwissenschaftlicher Gegenstand nicht auch eine veraltete Perspektive ist. Dabei wird eine allgemeine Diskussion um den Gegenstand wieder „aufgewärmt“, die allenthalben aufkommt, wenn es um die Stadt als Handlungs-, Lebens- und Erfahrungsraum geht und das wäre ja der Gegenstand der Stadtsoziologie. Neben der Bedeutung von Stadtbegriffen und der Frage, ob das Städtische schon ein Forschungsgegenstand konstituiere, setzt sich Krämer-Badoni mit der Gesellschaftstheorie in Blick auf den Stadtbegriff auseinander. Die Besonderheit des Städtischen – so der Eindruck beim Lesen – ist keine Besonderheit, auf die der Autor zentralen Wert legt.

II (Neue) Städtische Kulturen

Silke Steets überschreibt ihren Beitrag „Die Stadt als Wohnzimmer und die Floridarisierung der Stadtpolitik“ Es geht um Richard Florida; der meint nämlich, dass Städte zukünftig nur dann prosperieren, wenn sich die so genannte „creative class“ darin wohl fühlt. Die Autorin nimmt sich zunächst dieses Autors an, um anschließend die Frage zu beantworten was „Kultur- und Kreativwirtschaft“ eigentlich ist. Es geht um die erwerbswirtschaftliche Produktion und Verteilung von kulturellen Gütern. Die Stadt als Wohnzimmer, soll dabei auf die die Gemütlichkeit, Privatheit und Familialität der Orte verweisen, die kreativwirtschaftliche Akteure oft „bewohnen“. Die Autorin macht dies an einem Beispiel im Leipziger Stadtteil Connewitz deutlich. Zum Schluss geht die Autorin noch auf die Floridarisierung der Stadtpolitik ein. Das Ambivalente, Experimentelle, das „Dazwischen“, was eine andere Art der Konstituierung von Orten und der Aneignung von Räumen bedeutete, könnte für die Stadtsoziologie und die Stadtpolitik interessant sein.

Joachim Thiel: „Hoffnungsträger Kreativität? Ambivalenzen einer (Sozial-)Ökonomie der kreativen Stadt“. Der Autor appelliert. Man möge sich doch in der Stadtsoziologie mehr um die Verzahnung von Ökonomie und Stadtgesellschaft kümmern. Es geht um eine Ökonomie des kreativ erschaffenen Kulturgutes in der Stadt. Ebenfalls in Anschluss an R. Florida versucht der Autor Ansatzpunkte zu finden für eine Sozialökonomie von Kreativwirtschaft. Kultur- und Kreativwirtschaft als reflexives Produktionssystem, dessen zivilgesellschaftlichen Kontext im Non-Profit-Sektor angesiedelt ist. Es geht weiter um die Stadt als Ressource, Verstärker und Kompensation einer reflexiven Ökonomie. Schließlich illustriert und diskutiert er Ambivalenzen und Vielfalt in der kreativen Stadt. Sein Schlussplädoyer: Es geht um eine Art Wirtschaftssoziologie der Stadt.

Erol Yildiz beschreibt „Migration und Diversität als urbane Ressource“. Die offene Stadt, die immer schon ambivalent, widersprüchlich war, heterogen und durch kulturelle Vielfalt charakterisiert werden konnte - mit dieser offenen Stadt, mit der „Öffnung der Orte zu Welt“ beschäftigt sich der Autor. „Stadt ist Migration“ sagt E. Yildiz und meint damit auch die Wahrnehmung, mit der wir den Anderen als Anderen begreifen und ihm einen besonderen Status zuweisen. Immer wieder taucht in solchen Kontexten die Kölner Keupstraße auf, in der es um ein Beispiel für eine „Integration auf eigene Rechnung“ geht. Diese wird nun ausführlich beschrieben und charakterisiert, um dann zu zeigen, dass Migranten zu einem tragenden Element der Urbanität eines Stadtteils werden.

Lothar Bertels und Friedhelm Steffens beschreiben unter dem Titel „Mehr Segregation als Integration“ zwei Generationen türkischer Fordarbeiter in Köln.

Die Autoren referieren eine Studie und sie interessieren sich für mehrere Forschungsfragen.

  • Welche Stabilität und welche Umbrüche gab es in den der Arbeits- und Lebenswelt zwischen der ersten und der zweiten Generation?
  • Folgen die residentiellen Segregationslinien ethischen oder sozioökonomischen Kriterien?
  • Folgt die Migrationsgeschichte eher der Logik der Integration oder lässt sich die Geschichte eher in Richtung Parallelgesellschaft interpretieren?

Diese Fragen werden im Folgenden ausführlich diskutiert.

Türkisches Leben lässt sich nicht mehr „verheimlichen“ – überall in größeren deutschen Städten wird diese Kultur sichtbar. Auch wenn sie sich in Quartieren konzentrieren, in denen auch Deutsche nach Anerkennung ringen; ein Teil dieser Türken kann als integriert gelten.

III Umkämpfte Räume

„Even when I see the real scoundrel around here, I don't feel unsafe – On neighbourhood diversity, conflicts, and safety" heißt der englischsprachige Beitrag von Talja Blokland. Sind hochgradig konfliktträchtige Quartiere noch sicher, bilden deprivierte Quartiere eher den Boden für abweichende Verhaltenweisen und für kulturelle Konflikte in Bezug auf die Nutzung öffentlicher Räume, in Bezug auf Zuschreibungen und die Verteilung von Chancen und Status? Die Autorin stellt die Ergebnisse der Rotterdam-Studie vor, wo vier benachteiligte Quartiere untersucht wurden. Dabei wurden Nachbarschaften auf ihre Bedeutung für die Akteure untersucht. Die nachbarschaftliche Umgebung wird dabei in dem Maße als sicher identifiziert wie es den Nachbarn gelingt sich zu vernetzen. Dabei kommt es auf die symbolische Bedeutung von nachbarschaftlicher Vernetzung im Sinne von peer groups an. Man fühlt sich dann bedroht, wenn der Gegenüber einem fremd und anders ist.

„Die Eigenheim-Welt der „kleinen mittleren“ Leute: Soziale Werdegänge und Abgrenzungen in der Region Paris“ reflektieren Marie Cartier, Isabelle Countant, Oliver Masclet und Yasmine Siblot. Untersuchungsgebiet ist ein Einfamilienhaus-Quartier im Norden von Paris im Übergang zur ländlichen Region der „better residence“. Es geht um den Eigenheimbesitz kleiner Leute die sich diesen Besitz „endlich“ leisten können. Dementsprechend achten sie auf ihre Umgebung und auf den Besitz. Es kam zu sukzessiver Abwanderung wegen der Zuwanderung anderer, schlechter gestellter Gruppen. Das führte zu Spannungen, aber auch zur Aktivierung der Bewohnerschaft.

Andrej Holms Beitrag heißt „Gentrification in Berlin: Neue Investitionsstrategien und lokale Konflikte“. Zunächst beschreibt der Autor Gentrification als neuen städtischen Mainstream. Danach geht er auf Berlin ein, auf Aufwertungsprozesse und auf Modernisierung von Altbaubeständen. Dies macht er an den Quartieren Prenzlauer Berg, Neukölln und Kreuzberg fest, um dann noch einmal auf die Proteste gegen diese Aufwertungsprozesse einzugehen.

IV (Innen)Stadtquartiere und Suburb

Rainer Neefs Beitrag beschäftigt sich mit dem Quartiersleben und sozialen Klassen. Quartiere werden dargestellt als räumlich abgrenzbare Räume, in denen sich soziale Beziehungen und Netzwerke überlagern. Gleichzeitig hängt der Grad der Segregation von den Beziehungen ab, die man außerhalb des Quartiers hat.

Im Rückgriff auf die Chicagoer Schule werden (Großstadt)quartiere beschrieben, Sozialbeziehungen im Quartier analysiert, und Quartierseinrichtungen und -organisationen beschrieben. Als Resultat analysiert der Autor das Verhältnis von Quartier und Klassenbeziehungen.

Tim Butler nennt seinen englischsprachigen Beitrag „Gentrification in London – Modes of middle-class establishment in a Global City“. Der Autor behandelt dabei den sozialen und urbanen Kontext von Gentrification, nachdem er in seiner Einleitung die Bedeutung von Gentrification in London hervorhob. Auf diese kommt er dann wieder zurück und diskutiert dies auch im Kontext von London als Global City. Dabei kommt der Autor auch zu dem Schluss, dass diese Prozesse die Stadt auch spalten – gar polarisieren.

Susanne Frank beschäftigt sich mit den aktuellen Diskussionen um Suburbanisierung und Gentrifizierung. Ihr Beitrag: „Je näher man hinschaut, desto fremder schaut es zurück“ setzt sich kritisch mit dem Verhältnis von Gentrifizierung und Suburbanisierung auseinander. Suburbanisierung als der bedeutendste Trend einer fordistischen Stadtentwicklung, dann aber auch die Wiederentdeckung der Städte und die Reurbanisierung als Strategie – all diese Trends werden kritisch diskutiert. Auch wer wie in der Stadt lebt und arbeitet, wird einer kritischen Analyse unterzogen. Dabei wird der Genderaspekt deutlich hervorgehoben. Schließlich geht es um die Reurbanisierung der Innenstädte.

„Die Vielfalt von Lebensentwürfen in „trägen Raumstrukturen“ – sind suburbane Räume erneuerungsfähig?“ heißt der Beitrag von Marcus Menzl. Anhand von drei Fallbeispielen erläutert der Autor Lebensentwürfe im suburbanen Alltag. Es sind drei Familien, die unterschiedlich strukturiert sind. Während die Männer dieser Familien gemeinsam haben, wie sie ihrer Erwerbsarbeit nachgehen, verändert sich vor allem etwas für die Frauen, in allen drei Studien auf unterschiedliche Weise. Ihre Lebensentwürfe werden zurückgestellt, wenngleich nicht aufgegeben. Dies wird detailliert erläutert und analysiert.

Der letzte Beitrag dieses Buches stammt von Heike Herrmann, die unter dem Titel „Von der „Krise der Stadt“ zur „Stadt des Sowohl – als auch“ zum Wandel der (stadt)soziologischen Wahrnehmung der Stadt“ Ausführungen macht. Hier wird noch einmal die Frage nach der Bedeutung der Stadt in der Soziologie gestellt und die Frage steht im Raum, ob die Stadt eine soziologische Konstruktion ist. Gleichzeitig wird die Stadt als Raum der Möglichkeiten beschrieben, in der eine funktionale Diversität gedeihen kann. Aber neben dieser Frage nach der Bedeutung des Urbanen fragt Heike Herrmann auch nach der Bedeutung der Community, der Nachbarschaft und sicher geht es auch um das Verhältnis von Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung, von quartiersbezogener sozialer Verortung und gesellschaftlicher Positionierung und sozialem Status außerhalb des Quartiers. Das Beispiel Hamburg-Wilhelmsburg verweist zudem noch auf eine andere Facette: ein über Generationen hinweg ausgeprägtes Arbeiterquartier mit seinem spezifischen Milieu schafft eine eigene Integrationsbasis, in der eine eigene Dignität gilt, die anderswo nicht gilt. Mit der Entwicklung sozialer und kultureller Diversität bedarf es anderer Integrations- und Verständigungsmuster, die nur über Aushandlungsprozesse erreicht werden können, so dass es in der Tat zu einem Sowohl-als auch kommt.

Diskussion

Was ist nun die Besonderheit des Städtischen? J. Friedrichs sagt, nicht der Raum. M. Löw hebt auf den Eigensinn der Städte als unterscheidendes Kriterium ab und bei Th. Krämer-Badoni kann man herauslesen, dass die sozialen Strukturen der Stadt ohnehin genug Potential bieten, das Städtische herauszuarbeiten.

Oder sind es doch die neuen städtischen Strukturen, die im zweiten Teil beschrieben werden: die Floridarisierung der Stadt, kreative Stadtkulturen und Migration und Diversität?

In diesen beiden ersten Teilen kann man noch erahnen, was das Besondere des Städtischen ist, in den anderen Teilen wird dies nicht immer ganz deutlich. Es geht eher um das Städtische, das was eine Stadt zur Stadt macht etwa im Unterschied zum Dorf oder zur ländlichen Kleinstadt.

Gleichwohl sind die Beiträge – auch in ihrer Diversität – schöpferisch, hilfreich zu verstehen, warum gerade die Stadt – vielleicht auch die europäische Stadt – so ist wie sie ist: mit ihren Chancen und Problemen, ihrer Integrations- und Ausgrenzungslogik, mit ihrer Heterogenität und ihrer sozialen Ungleichheit, die sich auch in der Dichte des Zusammenlebens auch als konfliktträchtig erweisen.

Das Buch begreift die Besonderheit sehr weit; von einigen Facetten kann man denken, dass sie eigentlich zum Wesen der Stadt gehören, also nichts Besonderes sind; ab und zu – in einigen Beitragen scheint auf, dass auch diese Facette z. B. der Gentrifizierung auch etwas Besonderes hat.

Fazit

Ein Buch, das man sich aneignen muss, das einen auch nicht in Ruhe lässt, wenn man über das Besondere des Städtischen nachdenkt.


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
E-Mail Mailformular


Alle 169 Rezensionen von Detlef Baum anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 06.12.2011 zu: Heike Herrmann (Hrsg.): Die Besonderheit des Städtischen. Entwicklungslinien der Stadt(soziologie). VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2011. ISBN 978-3-531-17844-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12342.php, Datum des Zugriffs 08.07.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung