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Margarete Rettkowski-Felten, Michaela Jordan: Wahrnehmen und Gestalten

Rezensiert von Prof. Dr. Birgit Dorner, 26.07.2012

Cover Margarete Rettkowski-Felten, Michaela Jordan: Wahrnehmen und Gestalten ISBN 978-3-427-41225-0

Margarete Rettkowski-Felten, Michaela Jordan: Wahrnehmen und Gestalten. Kunstpädagogik für sozialpädagogische Berufsfelder. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2011. 301 Seiten. ISBN 978-3-427-41225-0. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR.
Reihe: Ausbildung und Studium
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Autorinnen und Entstehungshintergrund

Margarete Rettkowski-Felten studierte Kunst, Pädagogik in Düsseldorf und Köln, sie qualifizierte sich im Bereich der Sonderpädagogik weiter und übte langjährig eine

Dozentinnentätigkeit an einer Fachschule für Sozialpädagogik in Köln aus. Margarete Rettkowski-Felten hat mehrere Werkstattbücher für die kunstpädagogische Bildung in der Kindheit veröffentlicht. Sie ist darüberhinaus verantwortliche Leitung der Weiterbildung zum/r Kunstpädagogen/in des Kölner Instituts für Kulturarbeit und Weiterbildung.

Michaela Jordan lebt als Künstlerin, Cutterin und Tonfrau in Köln und Berlin. Sie hat zusammen mit Margarete Rettkowski-Felten bereits ein Werkstattbuch für die kunstpädagogische Bildung in der Kindheit veröffentlicht.

Das Buch richtet sich an Lehrende und Lernende in der ErzieherInnenausbildung sowie an teilnehmende sozialpädagogische Fachkräfte von beruflichen Weiterbildungen im Bereich der Kunstpädagogik.

Aufbau und Inhalt

In den ersten beiden Kapiteln des Bandes werden zunächst die aktuelle Situation der Kunstpädagogik in der Erzieherinnenausbildung und die Einbettung kunstpädagogischer Inhalte in die Bildungspläne der unterschiedlichen Bundesländer beschrieben. Die Ziele des pädagogischen Ansatzes der Lernfelddidaktik, die diese kennzeichnet, werden ebenso dargestellt wie deren Auswirkungen auf Inhalte und Methoden in der kunstpädagogischen Vermittlungsarbeit an den Fachakademien für Sozialpädagogik. Daraus entwickeln die Autorinnen ein didaktisches Modell mit einer Abfolge von sechs Phasen für den lernfeldorientierten Unterricht: Problem erfassen und analysieren, Ziele formulieren, planen und entscheiden, ausführen und durchführen, präsentieren und dokumentieren, bewerten, reflektieren und evaluieren. Sie nennen diese Abfolge das „Modell der ganzen Hand“, wobei diese Hand allerdings sechs Finger aufweist.

An die Darstellung des Modells schließt sich eine Erläuterung der Begriffe Kunsterziehung und Kunstpädagogik an sowie ein Abriss der Geschichte der Kunstpädagogik vom Beginn der Menschheitsgeschichte bis zur Gegenwart.

Im folgenden Kapitel werden zentrale Themen der Kunstpädagogik wie Wahrnehmen, Gestalten, Kreativität facettenreich eingeführt. Theoretische Aspekte wechseln sich mit Wahrnehmungsübungen und Praxisbeispielen aus der kunstpädagogischen Arbeit in Kindertagesstätten, Jugendarbeit und Fachschule ab. Die Gliederung der Aspekte erfolgt hierbei eher assoziativ als systematisch.

Das vierte Kapitel thematisiert die Bedeutung biografischer Ansätze in der Kunstpädagogik für die ErzieherInnenausbildung unter dem Titel „Ästhetische Lebenswege“. Die Reflexion der eigenen ästhetischen Prägungen und des eigenen Lernweges werden als zentral für die Ausbildung und die Arbeit als KindheitspädagogInnen herausgearbeitet. Hierzu geben die AutorInnen einen guten Einblick in biographische Methoden.

Im anschließend Kapitel „Wahrnehmen und Gestalten der Welt“ werden wesentliche Aspekte von Carl-Peter Buschkühles Rezeption der Kunst von Joseph Beuys als Kunstpädagogik dargestellt, um damit die Bedeutung von prozesshaften Arbeitsweisen in der Kunstpädagogik akzentuieren. Die Autorinnen schlagen daraufhin den Bogen zu den spezifisch kunstpädagogischen Möglichkeiten der Gestaltung von Welt durch Projektarbeit. Es schließt sich nun ein Abschnitt über die Bedeutung des ko-konstruktiven Lernens auch in der künstlerischen Bildung an. Zwischen diese größeren Themen des Kapitels finden sich eingeflochten verschiedenen Aspekte der Kritik am bundesdeutschen Schul- und Unterrichtswesen und ein Ausblick auf Nachhaltigkeit sowie interkulturelle und globale Kunstpädagogik.

Hier beeinträchtigt eine allzu assoziative Darstellungsweise bisweilen die Verständlichkeit, der rote Faden des Kapitels, der sich wohl aus Joseph Beuys“ erweiterten Kunstbegriff ableitet, kann oft nur erahnt werden.

Abschließend wird zunächst allgemein erklärt, wie man sich Lernfelder beispielsweise in den Bildungsplänen erschließen kann, um dann in ein eigenes Modell der Autorinnen von Lernfeldern für die kunstpädagogische Bildung in der ErzieherInnenausbildung einzuführen, das sich an dem Phasenmodell der Entwicklungspsychologie von Erikson orientiert. Die wichtigsten Themen dieser Lernfelder werden sehr praxisorientiert bearbeitet. Konkrete Lernsituationen aus dem Alltag von ErzieherInnen in den unterschiedlichen Institutionen der Kinder- und Jugendbildung stellen den Hintergrund für komplexe Aufgaben und Übungen dar. Zur Bearbeitung dieser Situationen, die sich des „Modells der ganzen Hand“ bedienen soll, wird noch weiteres methodisches und theoretisches Material zur Verfügung gestellt.

Fazit

Zielgruppe des Bandes sind laut Autorinnen Studierende an Fachschulen/­akademien für Sozialpädagogik sowie sozialpädagogische Fachkräfte in der Praxis, die sich im Bereich der Kunstpädagogik weiterbilden wollen. Das Buch orientiert sich ganz offensichtlich an der Gestaltung von Schulbüchern, für einen Einsatz auch in einem akademischen Studium der frühkindlichen kunstpädagogischen Bildung im Rahmen von dualen oder grundständigen Studiengängen genügt es nicht den wissenschaftlichen Standards, was den Umgang mit Quellenmaterial betrifft. So werden häufig wörtliche Zitate nicht mit entsprechenden Quellen belegt, sondern nur mit dem Namen von AutorInnen. Bei Paraphrasierungen werden in den allermeisten Fällen keinerlei Quellenangaben gemacht. So werden Argumentationsketten oftmals nicht transparent nachvollziehbar. Aufgrund der recht assoziativen und bisweilen sprunghaften Darstellung theoretischer Aspekte ist das Buch auch nur eingeschränkt für eine Verwendung als einziges Lehrwerk im Unterricht an Fachschulen zu empfehlen.

Das im Buch vertretene didaktische „Modell der ganzen Hand“ für den Unterricht und das Lernen in Lernfeldern irritiert darüber hinaus durch seine sechsfingrige Hand. Es wird nicht erläutert, warum quasi als „Eselsbrücke“ für die sechs Phasen des Modells auf das Bild der menschlichen Hand zurückgegriffen wird, die normalerweise keine sechs Finger aufweist.

Eine große Stärke des Buches sind dagegen die praxisbezogenen Aufgaben, anregende Übungen und die vielfältigen Verweise auf Internetquellen. Hier können sich sicherlich nicht nur Lehrkräfte und Kursleitungen von Weiterbildungen wertvolle Anregungen holen.

Rezension von
Prof. Dr. Birgit Dorner
Katholische Stiftungsfachhochschule München, Fachbereich Soziale Arbeit
Professorin für Kunstpädagogik in der Sozialen Arbeit
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Es gibt 12 Rezensionen von Birgit Dorner.

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Zitiervorschlag
Birgit Dorner. Rezension vom 26.07.2012 zu: Margarete Rettkowski-Felten, Michaela Jordan: Wahrnehmen und Gestalten. Kunstpädagogik für sozialpädagogische Berufsfelder. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2011. ISBN 978-3-427-41225-0. Reihe: Ausbildung und Studium. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12380.php, Datum des Zugriffs 05.10.2022.


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