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Luzie Brenn, Thomas Seidel (Hrsg.): Der Internet-Führerschein für Kinder

Cover Luzie Brenn, Thomas Seidel (Hrsg.): Der Internet-Führerschein für Kinder. Clever surfen - Infos finden - sicher chatten. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2011. 71 Seiten. ISBN 978-3-8346-0781-2. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 32,10 sFr.
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Thema

Laut KIM-Studie1 waren im Jahre 2010 rund Dreiviertel aller Sechs- bis Dreizehnjährigen mindestens einmal in der Woche im Internet unterwegs. Suchmaschinen-Recherche, der Besuch von Kinderseiten, das Anschauen von Filmen sowie die Teilnahme an sozialen Netzwerken, Email- und Chat-Kommunikation waren neben dem ungezielten Surfen die wichtigsten Aufgaben, welche die Kinder im Internet ausführten. Dies führt noch einmal vor Augen, dass das Internet auch im Grundschulalter für den Wissenserwerb und für die Kommunikation zunehmende Bedeutung erlangt. Einerseits bildet dieses Medium sowohl einen Bestandteil der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern und gerät für die Grundschule als Wissensmedium zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses, andererseits sind weder alle Inhalte und Funktionen des Netzes vorbehaltlos für Kinder geeignet, noch bedeutet häufiges Surfen eine effiziente, angemessene Nutzung. Da liegt es nahe, den angemessenen und sicheren Umgang mit dem Internet im Unterricht zu erarbeiten. Wie dies auf praktische und strukturierte Weise geschehen kann, dazu wollen die Autorinnen mit der vorliegenden Werkmappe Materialien, Ideen und Anregungen für die Arbeit mit 3. und 4. Klassen an die Hand geben.

Autorin und Autor

Über die Autorin und den Autor wird nichts angegeben. Eine Internetrecherche ergibt aber, dass Luzie Brenn Mitarbeiterin des Kinderhilfswerkes ist und bereits am "Internetguide für Kids"2 mitgearbeitet hat. Bei Thomas Seidel handelt es sich wahrscheinlich um den Lehrer und IT-Betreuer an der Maria-Montessori-Grundschule in Berlin und den Betreiber der „dortigen“ "MMGKinderseite"3 .

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Veröffentlichung erscheint in der Reihe der Kopiervorlagen-Werkmappen, mit welcher sich der Verlag an der Ruhr auf dem Markt der Unterrichtsmaterialien in den vergangenen 25 Jahren profiliert hat.

Aufbau und Inhalt

Den größten Anteil der 71seitigen Werkmappe stellen Arbeitsblätter und Lernmaterialien für die Hand der Schüler dar, welche durch eine knappe thematische Einführung eingeleitet werden: Leser/innenorientiert und ohne viel Theoriemodelle zu bemühen, steigt das Autorenduo anhand von fünf knappen Praxisfragen in die Thematik ein, zum Beispiel: "Wie gelingt der Einstieg in das Internet?", oder "Wonach suchen Kinder im Netz?" Die konzise Beantwortung bringt eine komprimierte Vorschau der Themen, an die sich dann gleich ab Seite 8 die Materialien anschließen – nicht bevor noch kurz der Aufbau der Werkmappe sowie Anregungen für die Weiterarbeit und Elternarbeit erläutert werden.

Die Materialien der Mappe gliedern sich dann in fünf Bausteine, deren Durchlaufen so etwas wie eine Grundkompetenz im Umgang mit dem Internet sicherstellen sollen, einen "Internetführerschein", der auch als Urkunde zertifiziert an die Schülerinnen und Schüler ausgegeben werden kann.

Baustein Nummer eins, "Das Internet" befasst sich mit den Grundlagen: Beispielsweise der Geschichte des Internets, Adressen, Aufbau von Seiten, oder Hintergrundinformationen.

Der zweite, umfänglichste Baustein befasst sich mit der Aufgabe: "Informationen gezielt suchen". Behandelt werden Zweck und Umgang mit Suchmaschinen für Kinder, wie "fragFinn" oder "Blindekuh", die Planung und Formulierung von Suchanfragen sowie die Auswertung der Ergebnislisten. Auch Fragen des Urheberrechts werden im Rahmen von Internetbildern aufgegriffen, ebenso das Vorgehen beim Melden von anstößigen, kinder- und jugendgefährdenden Inhalten, auf die man bei der Recherche stoßen kann.

Nachdem die Basiskompetenzen zum Auffinden von Informationen vermittelt sind, geht es um die Aufgabe: "Informationen richtig verarbeiten". Dazu gehört die Bewertung der Echtheit von Informationen, der Umgang mit Wikis, aber auch die Sensibilisierung für das berüchtigte "copy-and-paste" im Zusammenhang mit Referaten und schriftlichen Ausarbeitungen. Das Anlegen von Lesezeichen zum Wissensmanagement und das Thema „Lieblingsseiten“ runden diesen Schwerpunkt ab.

"Medien über Medien" ist der vierte Baustein. Darin geht es um den Vergleich von Printmedien, Funk und Fernsehen mit dem Internet. Kriterien sind beispielsweise Erreichbarkeit, Partizipationsmöglichkeiten oder notwendige Technikausstattung für die Nutzung.

Dem Bereich "Chats" ist ein eigener, fünfter Baustein gewidmet: Was sind Chats? Welche Regeln gibt es? Wie drücke ich meine Gefühle mit Emoticons aus? Wie und wo kann ich sicher chatten? Dies sind die Fragestellungen, um die es sich in diesem Schwerpunkt dreht.

Ein Quiz, in welchem die Schülerinnen und Schüler ihren Wissensstand messen können, schließt jeden der fünf Bausteine ab.

Ein Anhang bietet Platz für alle Materialien, die sich so nicht in einem Schwerpunktbereich platzieren ließen: Die Kopiervorlage der Führerschein-Urkunde, um die erlernten Kompetenzen auf motivierende Weise zu dokumentieren, ein Handout zum sicheren Surfen für Eltern, ein kleines Glossar, Lösungshinweise für die Quizaufgaben am Ende der Schwerpunktkapitel, Linklisten für kindgerechte, sichere Internetseiten zu Schulfächern und anderen Themen.

Diskussion

Die Arbeitsbögen und Materialien sind optisch ansprechend gestaltet, enthalten z.T. auflockernde und spielerische Elemente. Sie vermitteln motivierende Aufträge, die teilweise eingebettet sind in kleine Geschichten mit lebensnahen Situationen und Figuren aus der Umwelt der Grundschüler. Piktogramme und Kopfzeilen ermöglichen die schnelle Orientierung und die übersichtliche Zuordnung der einzelnen Seiten zu den Bausteinen. Erwähnt sei im Zusammenhang mit der Nutzer/innenfreundlichkeit auch das neue Schnellheftersystem, das die Entnahme von Einzelseiten ohne späteres "Blätterchaos" ermöglicht.

Die Arbeitsaufträge werden verständlich vermittelt und reichen von einfach bis komplex, etwa wenn es um die Veranstaltung einer Podiumsdiskussion geht zum Thema: "„Suchmaschinen für Kinder“ – Braucht man mehr als nur ein Suchfeld?"

Für die Bewältigung der Aufgaben ist nicht dauernd ein Zugang zum Internet, bzw. die Anwesenheit im Computerraum erforderlich: Ein guter Teil der Aufgaben lässt sich auch ohne Internet-PC erledigen, wie z.B. Medienvergleiche, das Chatspiel u.v.m. Die Schülerinnen und Schüler haben viele Gelegenheiten, ihr Internetverhalten auf Papier zu dokumentieren und zu reflektieren, Auswertungen und Forscherhandbücher zu erstellen oder Informationen über verschiedene Funktionen des Internets zu erwerben.

Insgesamt macht die Werkmappe zum "Internetführerschein für Kinder" einen aufgeräumten, strukturierten und sehr praxisorientierten Eindruck. Die Materialien sind in der Regel sofort einsetzbar, liefern aber auch gute Ideen für weitere Modifikationen. Der curriculare Aufbau gibt auch Lehrkräften, die wenig Erfahrung mit dem Thema besitzen, eine wertvolle Orientierungshilfe an die Hand, Internetkompetenzen mit den Schülerinnen und Schülern gezielt und aufeinander aufbauend zu entwickeln. Auch die projektmäßige Ausrichtung mit dem Ziel des Erwerbs einer Urkunde verdeutlicht den inneren Zusammenhang der einzelnen Bausteine. Dabei ist es aber nicht zwingend notwendig, alle Aufgaben durchzugehen, es lassen sich auch bestimmte Schwerpunkte bilden. Der Internetführerschein umfasst letztlich die Kompetenzen der Informationsgewinnung, den Umgang mit Informationen und die Kenntnis sicherer Seiten und Dienste. Um diese Kompetenzen und Kenntnisse zu erarbeiten, bietet die Werkmappe reichhaltige Ideen und Anregungen.

Angesichts der Tatsache, dass laut KIM-Studie (s.o.) bereits ein Drittel der Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 11 Jahren Mitglied einer "Community" sind, wäre der Schwerpunkt "Soziale Netzwerke" in Zukunft eine sinnvolle Ergänzung der fünf Bausteine.

Fazit

Die praxisorientierte Werkmappe "Der Internet-Führerschein für Kinder" ist für alle geeignet, die mit Grundschülern auf strukturierte und motivierende Weise grundlegende Kompetenzen im Umgang mit dem Internet erarbeiten wollen.

1 KIM-Studie 2010: Kinder + Medien, Computer + Internet. Online im Internet: www.mpfs.de/fileadmin [Stand: 20.3.2012]

2 Deutsches Kinderhilfswerk (42009): Internetguide für Kids. Online im Internet: dkhw.de/cms/images/downloads [Stand: 20.3.2012]

3 www.mmgkinderseite.de/ [Stand: 20.3.2012]


Rezensent
Dr. Stefan Anderssohn
Sonderschullehrer an einer Internatsschule für Körperbehinderte. In der Aus- und Fortbildung tätig. Weitere Informationen auf der Homepage.
Homepage www.anderssohn.info
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Zitiervorschlag
Stefan Anderssohn. Rezension vom 21.05.2012 zu: Luzie Brenn, Thomas Seidel (Hrsg.): Der Internet-Führerschein für Kinder. Clever surfen - Infos finden - sicher chatten. Verlag an der Ruhr (Mülheim an der Ruhr) 2011. ISBN 978-3-8346-0781-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12386.php, Datum des Zugriffs 26.06.2017.


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