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Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Sozialmedizinische Begutachtung für die gesetzliche Rentenversicherung

Cover Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Sozialmedizinische Begutachtung für die gesetzliche Rentenversicherung. Springer (Berlin) 2011. 7., aktualisierte Auflage. 708 Seiten. ISBN 978-3-642-10249-3. 69,95 EUR.
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Thema

Die soziale Sicherung ist eine wichtige Lebensgrundlage für jeden Menschen. Die Solidargemeinschaft schützt den Versicherten, der seinerseits bestimmte Pflichten hat, wie z. B. Beitragszahlungen, dafür aber auch Anspruch auf bestimmte Leistungen, beispielsweise die Rehabilitation (Leistungen zur Teilhabe) oder die Erwerbsminderungsrente. Das gesamte Sozialrecht wird im Sozialgesetzbuch (SGB) zusammenfasst. Die gesetzlichen Grundlagen für die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) sind speziell im SGB VI aufgeführt. Daneben gelten aber auch Bestimmungen aus anderen Sozialgesetzbüchern, insbesondere das trägerübergreifende Recht des SGB IX, das sich mit den Leistungen zur Teilhabe bzw. der Rehabilitation beschäftigt. Dabei ergeben sich nach den versicherungsrechtlichen Bedingungen für die verschiedenen Sozialleistungsträger jeweils eine unterschiedliche Klientel und eine grundsätzlich geregelte Vorrangigkeit der Zuständigkeit für gleichartige Leistungen.

Herausgeber

Die „Deutsche Rentenversicherung Bund„ist der größte bundesweit tätiger Träger der deutschen Rentenversicherung mit Hauptsitz in Berlin und Standorten in Brandenburg, Gera, Stralsund und Würzburg. Als größter der 16 deutschen Rentenversicherungsträger nimmt sie außer der Betreuung der Versicherten und Rentner auch Grundsatz- und Querschnittsaufgaben sowie die gemeinsamen Angelegenheiten aller Träger der Rentenversicherung wahr, etwa in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Statistik und Finanzen. Zum Präsidenten der Deutschen Rentenversicherung Bund wurde Dr.Herbert Rische, zu weiteren Direktoren wurden Dr. Axel Reimann und Herbert Schillinger gewählt. Sie sind hauptamtliche Repräsentanten der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Seit Oktober 2005 treten alle Rentenversicherungsträger unter dem gemeinsamen Dach „Deutsche Rentenversicherung“ auf.

Entstehungshintergrund

Die sozialmedizinische Begutachtung ist Grundlage von Entscheidungen über Anträge auf Rehabiliationsleistungen oder Erwerbsminderungsrente in der gesetzlichen Rentenversicherung. Für sachgerechte Entscheidungen der Rentenversicherungsträger im Rehabilitations- und Rentenverfahren ist die sozialmedizinische Begutachtung von wesentlicher Bedeutung. Hauptmerkmal der gutachterlichen Tätigkeit ist, die hierfür zugrunde liegenden Sachverhalte zu erheben und – unter besonderer Berücksichtigung der Gegebenheiten des Einzelfalles - sozialmedizinisch zu werten und einzuordnen. Eine qualifizierte Beurteilung der Auswirkung sich abzeichnender bwz. bereits manifester Gesundheitsstörungen auf die Erwerbsfähigkeit von Versicherten ist für das Leistungssgeschehen von besonderer Bedeutung.

Dieses Standardwerk zur sozialmedizinischen Begutachtung liefert die aktuellen Rahmenbedingungen der Begutachtung und soll den ärztlichen Gutachtern einheitliche Bewertungsmaßstäbe für die sozialmedizinische Beurteilung des Einzelfalls an die Hand geben, damit alle Versicherten gleich behandelt werden. Entscheidungen dürfen nicht willkürlich getroffen werden, sondern müssen transparent und überprüfbar sein. Dabei ist die Unabhängigkeit der Gutachter zu wahren wie auch den Versicherten individuell gerecht zu werden. Ein weiteres Ziel des Werks ist die Förderung des fachübergreifenden Verständnisses für die sozialmedizinische Begutachtung. Das vorliegende Buch zielt vor allem darauf ab, die Qualität der sozialmedizinischen Begutachtung zu fördern und eine Gleichbehandlung der Versicherten durch einheitliche medizinische Beurteilungskriterien zu gewährleisten. Es ist damit ein unverzichtbares Nachschlagewerk für ärztliche Gutachter der gesetzlichen Rentenversicherung und andere Zweige der Sozialversicherung und Berufsgenossenschaften. Komplett überarbeitet und aktualisiert wurde das Begutachtungsbuch durch ein interdisziplinäres Autorenteam von mehr als 40 Experten aus Sozialmedizin, Sozialrecht und Rehabilitation aus der Deutschen Rentenversicherung, Wissenschaft und Sozialgerichtsbarkeit. Damit liefert das Buch einen Beitrag zur fachübergreifenden Verständigung und Zusammenarbeit aller am Begutachtungsgeschehen beteiligten Berufsgruppen.

Auch Juristen und Verwaltungsangehörigen wird es eine Orientierungshilfe sein. Die 7. Auflage des Buches ist im August 2011 erschienen und beziehbar über den Wissenschaftsverlag Springer.

Aufbau

Das Buch ist in einen Allgemeinen und einen Speziellen Teil gegliedert. Der Allgemeine Teil umfasst die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen, arbeitsmedizinische Aspekte, ausgewählte Klassifikationssysteme, sowie statistische Auswertungen. Im Speziellen Teil sind die einzelnen Krankheiten und Erkrankungen, sowie Syndrome und Symptomkomplexe gegliedert nach den einzelnen Fachgebieten aufgeführt.Es finden sich jeweils allgemeine Abschnitte zur sozialmedizinischen Bedeutung, Diagnsotik und Begutachtungskriterien und anschließend die speziellen Krankehitsbilder.

Inhalt

Der Allgemeine Teil stellt alle wesentlichen Fakten zum Gutachtenbegriff, die Inhalte der Begutachtung und die formalen und rechtlichen Rahmenbedingungen der sozialmedizinischen Begutachtung in der gesetzlichen Rentenversicherung dar.

Der zunehmenden Bedeutung der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der WHO und damit des bio-psycho-sozialen Modells wird Rechnung getragen.

Berücksichtigt werden ferner die zunehmenden Anforderungen der Qualitätssicherung an die sozialmedizinische Begutachtung.

Der Spezielle Teil dieses Standardwerks zur sozialmedizinischen Begutachtung ist auf krankheitsspezifische Beeinträchtigungen im Erwerbsleben ausgerichtet und definiert Kriterien für die Beurteilung der körperlichen und psychischen Leitungsfähigkeit. Er behandelt systematisch die Begutachtung konkreter im Erwerbsleben sozialmedizinisch relevanter Krankheitsbilder aller Fachgebiete.

Das Sozialmedizinsche Glossar gibt einen raschen Überblick über die in der sozialmedizinischen Begutachtung relevanten Begriffe.

Diskussion

Mit diesem Standardwerk wird das umfangreiche Gebiet der Rentenbegutachtung recht gut abgedeckt, wenn auch mitunter Fragen im Einzelfall offen bleiben. Von der Tendenz her ist schon erkennbar, dass der Herausgeber (Verband deutscher Rentenversicherungsträger) und die hier publizierenden Autoren tendentiell eher restriktiv bei Bewertungen sind. Teils werden – z.B. bei Fibromyalgie – auch keine klaren Klassifikationsmöglichkeiten der Schwere gegeben, so dass man etwas in der Luft hängt.

Sehr gut gelungen sind aber die Mindestanforderungen an das Leistungsvermögen (z.B. hinsichtlich des Sehvermögens)und die Einbeziehung der Schmerzsyndrome.

Das Rentenrecht seit 2001 mit Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung (SGB VI) nebst Leistungen zur Teilhabe am Erwerbsleben (SGB IX) wird integrativ dargestellt.

Vor Gericht fährt man als Sachverständiger bei Zitaten aus diesem Werk recht gut, da die Beklagtenvertreter (=LVA oder BfA) die in diesem Werk gemachten Aussagen und Wertungen schlecht widerlegen können (stammt es doch vom Verband Deutscher Rentenversicherungsträger).

Das Buch ist sehr angenehm zu lesen, ohne zuviel Fachchinesisch, auf das wirklich Wichtige reduziert und auch für Laien verständlich.

Fazit

Es handelt sich um das bewährte Standardwerk für sozialmedizinische Gutachter im Rehabilitations- und Rentenverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung, ohne das Rentengutachter fast nicht auskommen können. Kürzlich wurde das Werk von führenden sozialmedizinischen Experten komplett überarbeitet und aktualisiert. Es bietet die Grundlage für Gutachter, damit die Entscheidung in Rehabilitations- und Rentenverfahren gerecht ausfällt.


Rezension von
Dr. med. Sandra Krüger
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Zitiervorschlag
Sandra Krüger. Rezension vom 30.11.2011 zu: Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Sozialmedizinische Begutachtung für die gesetzliche Rentenversicherung. Springer (Berlin) 2011. 7., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-642-10249-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12428.php, Datum des Zugriffs 03.04.2020.


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