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Michael Charlton, Christoph Käppler u.a.: Einführung in die Entwicklungspsychologie

Rezensiert von Dr. Martin R. Textor, 23.12.2003

Cover Michael Charlton, Christoph Käppler u.a.: Einführung in die Entwicklungspsychologie ISBN 978-3-407-25278-4

Michael Charlton, Christoph Käppler, Helmut Wetzel: Einführung in die Entwicklungspsychologie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. 240 Seiten. ISBN 978-3-407-25278-4. 14,00 EUR.
(Beltz Studium)
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Um es gleich zu sagen: Wer den Titel dieses Buches ausgewählt hat, wird wohl nur an eine Erhöhung der Absatzchancen gedacht haben, nicht aber an eine adäquate Wiedergabe der Inhalte. Das Buch ist keinesfalls eine "Einführung in die Entwicklungspsychologie", sondern eher eine Zusammenstellung der "Lieblingsthemen" der drei Autoren.

Die Autoren

Prof. Michael Charlton, Dr. Käppler und Dr. Helmut Wetzel haben gemeinsam in der Arbeitsgruppe für Klinische Entwicklungs- und Familienpsychologie an der Universität Freiburg gelehrt und geforscht. Ferner haben alle drei Autoren in der Kinder- und Familienambulanz therapeutisch gearbeitet und sich gegenseitig supervidiert. Da sie zudem unterschiedliche wissenschaftliche und therapeutische Traditionen vertreten, bringen sie beste Voraussetzungen mit, um eine "Einführung in die Entwicklungspsychologie" zu verfassen. Aber was haben sie daraus gemacht?

Kind und Familie

Im ersten Kapitel "Kind und Familie" skizzieren die Autoren verschiedene Blickwinkel, unter denen Familien untersucht werden können, und beklagen die schlechten gesellschaftlichen Lebensbedingungen sowie das Versagen der Familienpolitik. Dann stellen sie das Fallbeispiel eines neunjährigen Mädchens vor, das in ein heilpädagogisch-therapeutisches Kinderdorf aufgenommen werden soll. Sie benötigen hierzu 27 Seiten, da sie Begriffe wie Triade, Genogramm, Risiko- und Schutzfaktoren erklären, sich lange über die frühe Menstruation des Mädchens auslassen und so "wichtige" Sätze schreiben wie: "Es beginnt die Geschichte eines auffälligen und verwalteten Mädchens, erzählt in der Amtssprache von Juristen, im Jargon von Sozialarbeitern, Psychologen oder Ärzten, in der Wissenschaftssprache unterschiedlicher Fachbereiche. Wir versuchen also weiter, zwischen Skylla und Charybdis, zwischen Komplexität und Unübersichtlichkeit und Trivialisierung, zwischen dem Einzigartigen und dem Allgemeinen hindurchzuschippern, den schmalen Grad zu erwandern, zwischen einer Kartografierung der individuellen Gene, einer Analyse komplizierter biochemischer Funktionskreise, der Beschreibung persönlicher Erfahrungsräume und Verhaltensweisen und der Rekonstruktion einer Familiengeschichte, die wie alle, genau betrachtet, wohl vor drei Millionen Jahren in Afrika begonnen hat" (S. 21).

Letzteres verweist auf die Inhalte des zweiten Kapitels "Zur Genetik und Naturgeschichte des Menschen". Hier geht es um das Anlage-Umwelt-Problem und die Entwicklung der Hominiden in den letzten fünf bis sieben Millionen Jahren. Sonderbarerweise finden sich unter dieser Überschrift auch Unterkapitel über Forschungsmethoden zur Ermittlung des Alters bei Eintreten der Menstruation, über prä- und perinatal bedingte Behinderungen und Entwicklungsrisiken sowie über psychosoziale Risikofaktoren.

Lernen und Entwicklung

Im dritten Kapitel "Theorien zur pädagogischen Interaktion und zum Lernen" wird gezeigt, dass man aus der Betrachtung von Schachcomputern etwas über das menschliche Handeln lernen kann. Ferner werden der behavioristische Ansatz (inkl. kognitiver Lerntheorien) und der symbolische Interaktionismus vorgestellt.

Im vierten Kapitel "Dimensionen der Entwicklung" werden verschiedene Erfahrungsregionen unterschieden und die sich darauf beziehenden Entwicklungstheorien skizziert: Bedürfnisse/ Bewusstsein (Theorien von Mahler, Freud und Erikson), Erkenntnisse über die äußere Natur/ Spracherwerb (Theorien von Piaget u.a.) sowie Entwicklung der sozialen Kompetenz (Theorien von Piaget, Kohlberg und Selman).

Im fünften Kapitel "Der Lebens- und Familienzyklus" wird die Bedeutung des Paars für die Familie herausgestellt und die Geschlechtsrollenaufteilung problematisiert. Es werden verschiedene Arten von Ehen unterschieden, Probleme des Zusammenlebens thematisiert und die mit dem Übergang zur Elternschaft verbundenen Herausforderungen beschrieben. Für die kindliche Entwicklung im Säuglingsalter reichen dann 8 Seiten, für das Kleinkind- und Vorschulalter 6 Seiten, für das Schulalter 4 Seiten und für die Adoleszenzkrise knapp 11 Seiten. Spätere Phasen des Lebens- und des Familienzyklus werden nicht behandelt...

Psychopathologie und Therapie

Das sechste Kapitel "Klinische Kinder- und Familienpsychologie" ist der Psychopathologie gewidmet, wobei Angststörungen, Sucht, suizidale Krisen und Gewalt in der Familie ausführlich beschrieben und auch auf Hilfsmaßnahmen verwiesen wird.

Im siebten Kapitel "Therapeutische Begleitung und Behandlung" werden dann tiefenpsychologische, verhaltenstherapeutische und familientherapeutische Therapieansätze skizziert. Das Buch endet abrupt mit dem Literaturverzeichnis.

Fazit

Das Buch ist in einem leicht verständlichen Stil verfasst. Bei einem Titel wie "Aspekte der Familien- und Entwicklungspsychologie" und einem Untertitel wie "Mit Exkursen zur Psychopathologie und klinischen Psychologie" hätte es diesen Rezensenten weniger enttäuscht.

Rezension von
Dr. Martin R. Textor
Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF)
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Es gibt 72 Rezensionen von Martin R. Textor.

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Zitiervorschlag
Martin R. Textor. Rezension vom 23.12.2003 zu: Michael Charlton, Christoph Käppler, Helmut Wetzel: Einführung in die Entwicklungspsychologie. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. ISBN 978-3-407-25278-4. (Beltz Studium). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1243.php, Datum des Zugriffs 24.05.2022.


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