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Christoph Kröger, Carolin Ritter u.a.: Akute Belastungsstörung. Ein Therapiemanual

Cover Christoph Kröger, Carolin Ritter, Richard A. Bryant: Akute Belastungsstörung. Ein Therapiemanual. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2012. 125 Seiten. ISBN 978-3-8017-2418-4. 36,95 EUR.

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Thema

Die Autoren stellen ein Therapiemanual vor, das zur Behandlung der akuten Belastungsstörung eingesetzt werden kann. Dieses Manual ist für sieben Therapiesitzungen konzipiert.

Autoren

Die Autoren Christoph Kröger, Carolin Ritter und Richard A. Bryant sind im Bereich der psychosozialen Notfallversorgung tätig.

Aufbau

Inhaltlich ist das Werk in die folgenden Kapitel gegliedert:

  • Kapitel 1: Einleitung
  • Kapitel 2: Akute Belastungsstörung
  • Kapitel 3: Störungsmodelle
  • Kapitel 4: Versorgungskonzepte zur psychosozialen Notfallversorgung
  • Kapitel 5: Diagnostik
  • Kapitel 6: Indikation und Voraussetzungen für die trauma-fokussierende Behandlung
  • Kapitel 7: Beschreibung der Therapiesitzungen
  • Kapitel 8: Hindernisse während der Behandlung
  • Kapitel 9: Wirksamkeit der Behandlung der akuten Belastungsstörung
  • Literatur
  • Anhang

Inhalt

Das zweite Kapitel gibt einen Überblick über die Merkmale der akuten Belastungsstörung. So werden die diagnostischen Kriterien der akuten Belastungsstörung innerhalb der Klassifikationssysteme DSM-IV-TR und ICD-10 (hier: akute Belastungsreaktion) aufgeführt.

Die Häufigkeiten eines Auftretens der akuten Belastungsstörung bei im Straßenverkehr Verunglückten, nach einem Industrieunfall und bei Opfern von Raub und Überfällen lassen darauf schließen, dass von Menschen absichtlich verursachte Ereignisse die Symptomatik mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auslösen.

Als Risikogruppen für die Entwicklung einer akuten Belastungsstörung gelten Opfer, deren Angehörige und engere Freunde sowie Zuschauer und Rettungskräfte, wobei die Vorgeschichte einer psychiatrischen Behandlung und bereits früher erlebte traumatische Ereignisse als besondere Risikofaktoren angesehen werden können.

Wird eine akute Belastungsstörung diagnostiziert und bleiben therapeutische Maßnahmen aus, ist es wahrscheinlicher, dass eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickelt wird.

Im dritten Kapitel nennen die Autoren Faktoren, die die Entwicklung einer anhaltenden posttraumatischen Belastung begünstigen: Furchtkonditionierung, eine Sensibilisierung des hormonellen Stress-Systems und eine Sensibilisierung bzw. eine Schädigung des Hippokampus als die psychophysiologischen Reaktionen, die für die Entwicklung einer anhaltenden posttraumatischen Belastung förderlich sind. Informationsverarbeitungstheorien und Sozial-kognitive Theorien dienen zur Erklärung der begünstigenden kognitiven Reaktionen. Ein von den Autoren vorgestelltes Integratives Modell zur Entwicklung einer akuten Belastungsstörung und weiterer Traumafolgestörungen soll eine gezielte Exploration, eine individuelle Fallkonzeption und darauf basierend eine fundierte Behandlung erleichtern.

Das vierte Kapitel thematisiert die Versorgungskonzepte zur psychosozialen Notfallversorgung. Empirische Befunde waren die Basis der grundsätzlichen Empfehlungen der TENTS-Leitlinien (The European Network for Traumatic Stress), wobei das Ziel dieser Leitlinien die Prävention von Traumafolgeschäden ist.

Die universelle Prävention beinhaltet Informationsmaterialien über typische Erlebnisprozesse, Bewältigungsstrategien und Betreuungsangebote. Die selektive Prävention enthält detaillierte Informationen (beispielsweise für Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte) über Stressreaktionen, psychische Störungen und formelle Abläufe nach einem Einsatz. Die indizierte Prävention umfasst die fünf Prinzipien der psychologischen Ersten Hilfe. Die sekundäre Prävention wird bei nicht erfolgter Remission eingesetzt und besteht in einer psychotherapeutischen Behandlung.

Der Schwerpunkt des fünften Kapitels ist die Diagnostik der akuten Belastungsstörung. Es wird eine Vielzahl von Tests vorgestellt, um Betroffene anhand von Beschwerden oder bekannter Risiko- und Schutzfunktionen zu identifizieren.

Im sechsten Kapitel werden die Indikation und die Voraussetzungen für die trauma-fokussierende Behandlung erläutert. Die Autoren geben als deren Ziele an, dass sie ab zwei bis drei Wochen nach dem traumatischen Ereignis in kurzer Zeit

  • die aufgetretenen Beschwerden normalisieren,
  • ein individuelles Störungsverständnis mit dem Betroffenen entwickeln,
  • Intrusionen, Vermeidungsverhalten und Übererregung reduzieren,
  • negative Bewertungen und Interpretationen modifizieren und
  • die Anwendung der gelernten Fertigkeiten im Selbstmanagement fördern

soll.

Als mögliche Hindernisse für die Behandlung sind Suizidalität, Komorbidität, Substanzmissbrauch, Trauer und anhaltende Stressoren zu berücksichtigen.

Im siebten Kapitel werden die sieben Sitzungen der trauma-fokussierenden Behandlung beschrieben. Die Therapie stützt sich auf die Techniken der Atemkontrolle, der in sensu-Exposition, der in vivo-Exposition, Methoden der kognitiven Therapie und psychoedukative Informationsvermittlung. Die Autoren beschreiben zu den einzelnen Sitzungen den jeweiligen Ablauf, die angewendeten Materialien, Fallbeispiele und mögliche Probleme.

Das achte Kapitel befasst sich mit den möglichen Schwierigkeiten, die im Verlauf der Behandlung auftreten können sowie mit den Wegen, diese Schwierigkeiten zu bewältigen. Angeführt werden in diesem Zusammenhang frühere traumatische Ereignisse, angemessenes versus unangemessenes Vermeidungsverhalten, anhaltende Vermeidung, Dissoziation, extreme Angst, extreme Traumatisierung, Wut und Ärger, Schuld, Scham, Ekel sowie die Rollen von Angehörigen und Freunden.

Die Wirksamkeit der trauma-fokussierenden kognitiv-behavioralen Behandlung der akuten Belastungsstörung belegt im neunten Kapitel eine Vielzahl von Studien.

Der Anhang und die beiliegende CD-ROM enthalten die Materialien, die in den einzelnen Therapiesitzungen zur Anwendung kommen, wie den Trauma-Screening-Fragebogen, den Fragebogen zur posttraumatischen Anpassung, das Interview zur akuten Belastungsstörung und die Skala zur akuten Belastungsstörung. Darüber hinaus befinden sich im Anhang und auf der CD-ROM die Arbeitsblätter zur typischen Reaktion auf ein Trauma, zum Atemtraining, zur Kognitiven Therapie, zur Trauma-Hierarchie, zur Rückfallprävention und die Protokolle zum Atemtraining, zur Exposition in sensu, zur Exposition in vivo, zur Exposition zu Hause und zum ABC-Modell. Im Anhang werden auch Hinweise für die Auswertung der Fragebögen gegeben.

Diskussion

Das Therapiemanual zur Behandlung der akuten Belastungsstörung eignet sich für Psychologen und Psychologische Psychotherapeuten, bei deren Klienten diese Störung diagnostiziert worden ist. Es ist ein klar strukturiertes Manual, das neben einer Beschreibung der Merkmale der ABS gut gegliederte Anleitungen für die einzelnen Therapiesitzungen dieser trauma-fokussierenden kognitiv-behavioralen Behandlung gibt. Die in den Text eingefügten Definitionen, Merksätze, Abbildungen, Tabellen und Fallbeispiele komplettieren das Behandlungskonzept.

Fazit

Die Autoren Christoph Kröger, Carolin Ritter und Richard A. Bryant haben ein fachkundiges und anwendungsorientiertes Therapiemanual zur Behandlung der akuten Belastungsstörung entwickelt, die nach belastenden Ereignissen wie Unfällen, Gewalttaten etc. auftreten kann.


Rezension von
Dr. Barbara Mahmoud
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Zitiervorschlag
Barbara Mahmoud. Rezension vom 27.02.2012 zu: Christoph Kröger, Carolin Ritter, Richard A. Bryant: Akute Belastungsstörung. Ein Therapiemanual. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2012. ISBN 978-3-8017-2418-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12431.php, Datum des Zugriffs 13.08.2020.


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ISSN 2190-9245

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