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Birgit Greif: Das aktuelle Handbuch der Pflegestufen

Cover Birgit Greif: Das aktuelle Handbuch der Pflegestufen. Alle Ansprüche kennen und ausschöpfen ; kein Geld verschenken ; Checklisten, Beispiele, Musterschreiben. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2011. 135 Seiten. ISBN 978-3-8029-7392-5. 17,90 EUR.

Reihe: Walhalla Vorsorge.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8029-7357-4 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Laut Untertitel: Alle Ansprüche kennen und ausschöpfen. Kein Geld verschenken. Checklisten, Beispiele, Musterschreiben

Autorin

Birgit Greif, zertifizierte und unabhängige Pflegesachverständige, Pflegeexpertin, Dozentin für Pflegeassistenz, Fachkraft für Pflegebedürftigkeit mit 20-jähriger Berufserfahrung als staatlich geprüfte Krankenschwester u. a. in den Bereichen Chirurgie, Psychiatrie/ forensische Psychiatrie. Langjährige Tätigkeit in Seniorenheimen/ Geriatrie, Heilpädagogischen Heimen für geistig und körperlich behinderte Menschen, auf Suchtstationen sowie in der Hauskrankenpflege.

Entstehungshintergrund

Ein Entstehungshintergrund ist nicht benannt, doch gleich im ersten Satz des ersten Kapitels das mehr einem Vorwort ähnelt, gibt Greif an, dass das vorliegende Werk als Anleitung zur Selbsthilfe gedacht sei, jedoch nicht als Rechtsratgeber. Dennoch wird als Ziel des Buches deutlich die Hilfestellung zur Geltendmachung von Rechten bei der Pflegekasse genannt.

Das Buch ist der Freundin „Moni“ der Autorin gewidmet, die 81-jährig rege an Aus- und Weiterbildungen teilnimmt, sowie sich ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen engagiert.

Aufbau

Das DIN A 4 große Buch ist vierfach gelochte und die Seiten sind perforiert. Das Stichwortregister auf der letzten Seite des Buches ist sehr übersichtlich mit lediglich 55 Stichworten. Eine Schnellübersicht auf der fünften Seite gibt die Überschriften und Seitenzahlen der einzelnen Kapitel an.

Die 135 Seiten wurden in zehn Kapitel aufgeteilt, wobei Kapitel neun lediglich aus einer halben Seite Text „besteht“ und Kapitel zehn das Stichwortregister darstellt.

Inhalt

Kapitel 1 – Die Pflegestufen begreifen; Greif stellt sich und ihr Werk vor.

Kapitel 2 – Den Antrag richtig stellen; Eingeteilt in „Ablauf“, „Der Gutachter-Termin“, „Der Zeitrahmen“ und „Die Kosten“.

Kapitel 3 – Die drei Pflegestufen, unterteilt in „Die Pflegestufen“, „Pflegestufe I – Erhebliche Pflegebedürftigkeit“, „Pflegestufe II – Schwerpfelgebedürftigkeit“, „Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit“ und „Das betrifft alle Pflegstufen“. Einzelne Beispiele erklären kurz und knapp, leider ohne Begründung, ob es zur Bewertung der Pflegezeit zählt oder nicht. Eine schematische Darstellung der notwendigen Hilfen und Bedarfe erläutern den Text.

Kapitel 4 – Die Leistungsarten werden unter den Teilüberschriften „Stationäre Pflege“, „Teilstationäre Pflege“, „Kurzzeitpflege“, „Vollstationäre Pflege“, „Leistungen für Pflegebedürftige mit erheblichem allgemeinen Betreuungsbedarf“ und „Freistellung zur Pflege“ erläutert. Der Leser erhält anhand von Schaubildern und in stichpunktartigen Texten die Fakten aufgelistet.

Kapitel 5 – Das Pflegegutachten betrachtet „Das Wichtigste zum Pflegegutachten“ in Form eines mehrseitigen Muster-Formulars, das die Gutachter des MDK?s zur Einschätzung des Pflegebedarfs verwenden. Unter der Teilüberschrift „Kein blindes Vertrauen!“ berichtet Greif auf einer halben Seite von einem Fallbeispiel und warnt vor Beeinflussung durch die Gutachter des MDK. Die anschließenden Textabsätze unter der Teilüberschrift „Optimale Vorbereitung: Atteste der behandelnden Ärzte“ rufen den Leser im Rahmen eines Beispiels, als Praxis-Tipp und mit dem Vermerk „Wichtig“ dazu auf, selbst für aktuelle und vollständige ärztliche Atteste zum Zeitpunkt der Begutachtung zu sorgen. Im Kapitelteilbereich „Widerspruch“ erhält der Leser zwei Musterbriefe für einen Widerspruch an die zuständige Pflegekasse.

Kapitel 6 – Das Pflegetagebuch enthält ein mehrseitiges Muster eines Pflegetagebuchs, listet pflegebegründete Diagnosen auf kümmert sich um die pflegebetreffenden Zeitwerte einschließlich Erschwernisfaktoren.

Kapitel 7 – 12 Fallbeispiele bilden den Hauptteil des vorliegenden Buches. Die Fälle sind nach Gutachter-Typus, wie beispielsweise „Der einsichtige Gutachter“, „Der einfühlsame Gutachter“, „Der allwissende Gutachter“ oder „Die mulitflexible Gutachterin“ benannt. Jedes Fallbeispiel umfasst einen ausführlichen Situationsbeschreibungstext, eine Auflistung der Diagnosen und einem ausgefüllten Pflegetagebuch.

Kapitel 8 – Die Zukunft regeln; Hier werden sowohl altersgerechtes Wohnen als auch Patienten- und Betreuungsverfügung angesprochen.

Diskussion

In diesem Buch werden zunächst zwei Gruppen klar definiert: die „armen und meist missverstandenen, teilweise um ihre Rechte gebrachten“ Pflegebedürftigen und die „bösen“ Gutachter. Der eingangs beschriebene Humor der Autorin kann auf die Leserschaft als zynisch und gegenüber den Gutachtern des MDK?s als geringschätzig aufgefasst werden. Diesbezüglich wäre mehr Neutralität wünschenswert gewesen.

Die Lochung des Buches ist zunächst fremdartig und gewöhnungsbedürftig. Eine Erklärung oder gar Beschreibung (eventuelle Vorteile gegenüber einem „normalen Buch“) wäre schön gewesen. Beim häufigen hin- und herblättern der einzelnen Seiten trennen sich diese an der Perforation schnell ab.

Farblich abgehobene Praxis-Tipps, Grafiken und Musterbriefe lockern das Textbild auf. Die Sprache ist meist einfach und praxisnah gehalten. Das Engagement und ein guter Wille der Autorin für ihr Klientel ist beim Lesen spürbar.

Bestimmte Textpassagen enthalten jedoch noch die „Gesetzestextsprache“ und werden nicht weiter erklärt. Die Texte sind in ihrem fachlichen Inhalt ungenau und unvollständig, als Beispiel der Bereich der Verhinderungspflege und der zusätzlichen Betreuungsleistungen nach § 45 SGB XI. Vielfach könnten noch Fakten ergänzt werden, auch hier beispielsweise für die Verhinderungspflege, für Leistungen pflegender Angehörige (Mindestalter oder Voraussetzungen) oder zur Hilfsmittelversorgung. Leider fehlen dem Werk von Frau Greif sowohl Fußnoten als auch deutliche Quellennachweise.

Fazit

Noch immer herrscht bei vielen Menschen, seien es Hilfe- bzw. Pflegebedürftige selbst oder deren Angehörige, aber auch bei beruflich-tätigen Pflegepersonal ein Mangel an Wissen zu den Voraussetzungen und Leistungen der Pflegeversicherung. Der Wunsch nach verständlicher und hilfreicher Literatur ist nachvollziehbar. Daher ist es umso wichtiger, dass sich alle Autoren und Verantwortlichen in diesem Bereich sich ihrer Aufgabe und ihrer Ziele bewusst sind.

Das vorliegende Buch scheint eine Art Anleitung für Menschen zu sein, die sich in Eigenregie eine Pflegestufe „erkämpfen“ wollen. Wie die Autorin im neunten Kapitel schreibt, ist es möglich, sich Hilfe in Form von Beratung zu holen. Das sollten sowohl Angehörige als auch hilfe- bzw. pflegebedürftige Menschen bei den entsprechenden Einrichtungen und Institutionen tun. Ob dies nach dem Eigenständigen Erwerb und Lesen der vorliegenden Lektüre noch der Fall ist, bezweifle ich allerdings.

Sätze wie „Das Spritzen von Insulin allein rechtfertig nicht die Anerkennung einer Pflegestufe.“ sprechen sicherlich vielen Gutachtern aus der Seele, können aber leicht überlesen werden und werden nicht näher begründet.

Die Würdigung des Pflegetagebuches findet meinen vollsten Zuspruch, aber leider wurde dem Leser das Ausfüllen des Pflegetagebuches nicht erklärt, obwohl die Autorin selbst schreibt, dass Sie sich in diese Materie selbst einarbeiten musste, obwohl sie ein Profi sei.


Rezensentin
Sonja Fröse
Homepage www.sonjafroese.de
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Zitiervorschlag
Sonja Fröse. Rezension vom 29.12.2011 zu: Birgit Greif: Das aktuelle Handbuch der Pflegestufen. Alle Ansprüche kennen und ausschöpfen ; kein Geld verschenken ; Checklisten, Beispiele, Musterschreiben. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2011. ISBN 978-3-8029-7392-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12445.php, Datum des Zugriffs 16.09.2019.


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