Ruth Schneidewind: Die Wirklichkeit des elementaren Musizierens
Rezensiert von Dipl. Musiktherapeut Thomas Schrauth, 03.02.2012
Ruth Schneidewind: Die Wirklichkeit des elementaren Musizierens. Dr. Ludwig Reichert Verlag (Wiesbaden) 2011. 198 Seiten. ISBN 978-3-89500-809-2. 24,80 EUR.
Reihe: Zeitpunkt Musik. Forum Zeitpunkt.
Autorin
Ruth Schneidewind leitet seit 1990 sowohl den Fachbereich für Elementare Musikpädagogik als auch den Lehrgang für Elementares Musizieren an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. 2010 promovierte sie zum Doctor of Philosophy (PhD).
Thema und Entstehungshintergrund
In dem Buch über die Wirklichkeit des Elementaren Musizierens beschreibt PhD Ruth Schneidewind basierend auf langjähriger Praxis- und Forschungstätigkeit ihre Herangehens- und Arbeitsweise im Bezug auf das Elementare Musizieren. Durch ihre Lehrtätigkeit an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und eigener jahrelanger Musiziertätigkeit entstand eine Fülle an Wissen, das in diesem Buch zusammengefasst wird.
Aufbau und Inhalt
In sieben Kapiteln legt die Autorin ausgehend von einer Kontextbeschreibung und einem Diskurs zum Thema "Elementar" (Kapitel 1) ihren persönlichen Bezug zum Elementaren Musizieren dar. Daneben beschreibt sie ihre Vorgehensweise bezüglich der qualitativen Forschungsarbeit. Im zweiten Kapitel definiert sie entsprechend ihres Forschungsprozesses den Begriff des Elementaren Musizierens und arbeitet die fünf Wirkungsfaktoren, bedingungslos, eigenständig, gemeinsam, empfänglich und stimmig heraus. In den folgenden Kapiteln drei bis sieben werden jeweils an einem praktischen Beispiel verschiedene Aspekte Elementaren Musizierens fokussiert. "Beim Beispiel "Linienimprovisationen" (Kapitel 3) wird eine Idee für unterschiedliche Gruppen (Kinder verschiedenen Alters, Erwachsene) beschrieben. Die "Papiermusik" (Kapitel 4) und "Einander" (Kapitel 5) werden als zwei unterschiedliche "Ich"-Sichtweisen von Teilnehmerinnen (an Erwachsenengruppen) einfühlend konstruiert. Die "Wanderung" (Kapitel 7) wird aus der "Ich"-Sichtweise der Leiterin beschrieben." (S. 33)
Im Gegensatz dazu führt Ruth Schneidewind im sechsten Kapitel "Das musikalische Füllhorn" verschiedene beispielhafte Musikstücke auf, die in ihrem persönlichen Repertoire von Bedeutung sind und an dieser Stelle exemplarisch inhaltlich ausgebreitet werden.
"Die Füllhorn-Metapher beschreibt die Rolle, die Musik für das Elementare Musizieren spielt. Was immer es an Musik in der Welt gibt, finden wir in der Metapher des musikalischen Füllhorns aufgehoben. Das Füllhorn steht für die unerschöpfliche Quelle aller Musik. (…) Musiken unterschiedlicher Genres und Idiome sind dem Elementaren Musizieren gleich wertvoll." (S. 130) Diese bei jeder Person unterschiedlichen musikalischen Füllhörner dienen als Ausgangsbasis für Elementares Musizieren. "Wesentliche Bausteine und Strukturen der Musik werden aufgespürt (…) und in einem intensiven Prozess der praktischen Auseinandersetzung verarbeitet." (S. 131) Diese Kernideen ermöglichen im Weiteren Verlauf verschiedene Möglichkeiten im Umgang mit Musik:
- Nach-Musizieren
- Weiter-Musizieren
- Neu-Musizieren
- Ganz-anders-Musizieren.
"Die musikalischen Kernideen entfalten sich in allen Praktiken des Elementaren Musizierens. Die Sensibilisierungsphase macht aufmerksam, fokussiert, die Erkundungsphase lädt dazu ein, alle Möglichkeiten auszuprobieren, selbst Zusammenhänge innerhalb einzelner Elemente (…) zu entdecken und Unterschiede deutlich zu machen. Die Spielphasen ermöglichen, die erkundeten Erfahrung bereits spielerisch anzuwenden, zu variieren, Sicherheit im eigenen Umgang mit den musikalischen Elementen und ihren Qualitäten zu gewinnen, und die Improvisations- und Gestaltungsphasen erlauben, sich auf das Musizieren mit den durch eigene Erfahrungen "fruchtbar" gewordenen Elementen der Musik einzulassen und mit ihnen schöpferisch umzugehen." (S. 136)
Fazit
In dem Buch „Die Wirklichkeit des Elementaren Musizierens“ beschreibt Ruth Schneidewind anhand persönlicher Praxis- und Lehrerfahrung sowohl theoretischen Kontext als auch dessen Umsetzung in konkreten Gruppenaufgaben. Durch ihre genaue und schrittweise nachvollziehbare Darstellung vermittelt sie sowohl beeindruckende Einblicke in relevante Inhalte Elementaren Musizierens als auch einen spannenden Überblick über mögliche Einsatzgebiete Elementaren Musizierens in der Arbeit mit Kindern und Erwachsenen. Darüber hinaus regt sie den Leser zum Nachdenken über eigene Musizierpraxis und mögliche Verknüpfungen zum Elementaren Musizieren an. Ruth Schneidewind gelingt es durch ihren angenehmen Schreibstil und ihre anregende Wissensvermittlung mit ihrem Buch „Die Wirklichkeit des Elementaren Musizierens“ eine Brücke zwischen dem Elementaren Musizieren und vielen anderen Bereichen der praktischen Musiziertätigkeit zu schlagen, die jeden Leser zur Reflektion eigener Überzeugungen anregen und Ängste im praktischen Umgang mit Musik abbauen dürfte.
Rezension von
Dipl. Musiktherapeut Thomas Schrauth
M.A. - Musiktherapeut am Klinikum Stuttgart, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
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