Ulrich Siegrist, Martin Luitjens: 30 Minuten Resilienz
Rezensiert von Petra Rechenberg-Winter, 29.02.2012
Ulrich Siegrist, Martin Luitjens: 30 Minuten Resilienz.
Gabal Verlag GmbH
(Offenbach) 2011.
96 Seiten.
ISBN 978-3-86936-263-2.
D: 8,90 EUR,
A: 9,20 EUR,
CH: 12,90 sFr.
Reihe: 30 Minuten.
Autoren
Ulrich Siegrist ist Arbeits- und Organisationspsychologe, Supervisor, Coach und Lehrbeauftragter, Martin Luitjens arbeitet als Fachberater im Gesundheitsmanagement und als Supervisor.
Entstehungshintergrund
Vorliegendes Buch basiert auf der Masterarbeit von U. Siegrist (2010). Der Resilienzprozess. Ein Modell zur Bewältigung von Krankheitsfolgen im Arbeitsleben. Wiesbaden: RESEARCH.
Aufbau und Inhalt
Im Vorwort führen die Autoren das Stehaufmännchen als Metapher für Resilienz ein, das nach Misserfolgen und Rückschlägen nicht am Boden zerstört liegen bleibt, sondern sich vielmehr und Dank der besonderen Schwerpunktlagerung in seinem Inneren, immer wieder verlässlich aufrichtet. Dieses Bild zieht sich als Roter Faden durch die folgenden Kapitel:
1. Krisendynamik und
Krisenbewältigung. Ausgehend vom Verständnis, Krisen als
lebensimmanent Veränderungsprozesse anzusehen, grenzen die Autoren
Resilienz begrifflich von Coping, Stress und Krise ab, bevor sie kurz
auf ausgewählte Auslöser im Privatleben, im Arbeitsfeld und in
organisationalen Strukturen hinweisen. Diese stellen sie in den
Kontext individueller Annahmen, Bewertungen, Haltungen und
Möglichkeiten.
Ein (grafisches) Modell illustriert eine
sich wechselseitig bedingende Stressdynamik und zeigt mögliche
Eskalationen ebenso auf wie Ansatzpunkte, Fixierungen auf die Krise
zu unterbrechen und aufzuweichen. Sie erweitern den Krisenbegriff um
den Aspekt der Entwicklungschance und Lernaufgabe. Coachingfragen
laden in diesem Zusammenhang ein, mit dem Gedanken einer
Neuorientierung zu spielen.
2. Das Resilienzkonzept. Der
Paradigmenwechsel von Pathologieverständnis zum Ansatz des
Salutogenesekonzepts wird kurz skizziert und mit dem
Stress-Coping-Modell (Lazarus), der Existenzanalyse (Fankl) und
Ansätzen der Positiven Psychologie verbunden.
Widerstandsfähigkeit als Ressource wird als persönliche
Kompetenzen, proaktive Grundhaltung, soziale Ressourcen erläutert.
Weiter wird die Frage, was Resilienz fördert, als ein dialektischer
Bewältigungsprozess emotionaler und kognitiver Auseinandersetzung
beantwortet. Eine grafische Darstellung charakterisiert das
Reslienzmodell als ganzheitliche, dynamische Wechselwirkung zwischen
Person und Situation, als ein „Prozess, der dazu führt, dass eine
Krise oder eine Belastung kompetent verarbeitet wird, so dass am Ende
ein positives Ergebnis im Sinn einer neuen Orientierung oder eines
Zugewinns an Fähigkeiten und Zufriedenheit erzielt wird.“ (S. 37)
3. Resilienzfaktoren. Welche
Faktoren fördern Resilienz? Welches Umfeld brauchen
Stehaufmenschen? Worauf achten Stehaufmenschen? sind die Leitfragen
des 3. Kapitels, die zu Beschreibungen emotionaler Stabilität
(innere Sicherheit, Gelassenheit, Kontrolle der eignen Emotionen,
Selbstreflexion, Selbstwertgefühl), kognitiver Fähigkeiten
(akkurates und zielgerichtetes Denken, umfassende Betrachtung,
Ausrichtung auf das Gute) und Kontaktfähigkeiten (Empathie) führen.
Die Autoren erläutern die proaktive Grundhaltung,
verweisen auf Selbstverantwortung, die Notwendigkeit tragender
Sinnkonzepte, auf Akzeptanz und Lösungsorientierung. Sie gehen auch
auf die Bedeutung eines förderlichen Umfelds ein, im privaten wie
im Arbeitsumfeld. Als bewährte Strategien werden Erinnern früherer
Erfolge, Realismus, Zielstrebigkeit und das Einnehmen einer aktiven
Rolle vorgestellt.
4. Resilienzföderung. An dieser Stelle erhalten die Leser/innen praktische Hinweise und gezielte Übungen, wie sie stark durch die Krise kommen, welche Techniken dabei helfen, wie sich Krisenfestigkeit erhöhen lässt und Resilienzpotentiale erschlossen werden können.
5. Ihr Resilienzprofil. Hier findet sich eine ausführliche Checkliste zum persönlichen Resilienzprofil mit je einer Seite zu den den Kategorien Grundhaltung, persönliche Kompetenzen, soziale Ressourcen und arbeitsbezogene Ressourcen mit kurzen Auswertungshinweisen.
6. Fast Reader. Die zentralen Aussagen des Ratgebers finden sich abschließend noch einmal kurz und knapp zusammen gefasst.
Die Hinweise auf Weiterführende Literatur fallen mit vier Literaturangaben äußerst knapp aus.
Diskussion
Auf ca. 90 Seiten lösen die Autoren ihren Anspruch ein, in kürzester Zeit über Resilienz zu informieren. Jedes Kapitel ist nach einem durchgehenden Leitsystem deutlich gegliedert, so dass Leser/innen sich schnell einen Überblick verschaffen können dank Leitfragen zu Beginn, blau abgesetzten Stichworten und einer knappen Zusammenfassung am Schluss.
Alle Zusammenfassungen sind farbig abgesetzt, um das Querlesen zu erleichtern. So gelingt es beinahe in dreißig Minuten, in ein komplexes Thema einzuführen. Systematisches Lesen mag dies unterstützen, doch macht es mitunter auch kurzatmig, spielt es doch mit dem Phänomen Zeitdruck und Zeitknappheit. Die Fähigkeit, sich auf Tempo zu umfangreichen Themen kundig und kompetent zu machen, ist meines Wissens nach noch nicht als Resilienzfaktor belegt und wäre eine Diskussion wert.
Doch insgesamt wird deutlich, dass hier Autoren mit hoher Fachlichkeit niederschwellig informieren, für diejenigen, die eine ruhige Vertiefung suchen, liegen Fachpublikationen vor.
Fazit
Das vorliegende Buch gibt erste Informationen zu psychischer und mentaler Widerstandskraft und lädt in seinem Ratgebercharakter zum Selbststudium ein, besonders mit Ceckliste und kleinen praxiserprobten Übungen. Es sei Interessierten als Einstieg und evtl. Selbstcoaching empfohlen.
Rezension von
Petra Rechenberg-Winter
Mailformular
Es gibt 12 Rezensionen von Petra Rechenberg-Winter.



