Thomas Kupser, Ida Pöttinger (Hrsg.): Generationen im Dialog durch aktive Medienarbeit
Rezensiert von Dr. Anne-Kathrin Mayer, 29.02.2012
Thomas Kupser, Ida Pöttinger (Hrsg.): Generationen im Dialog durch aktive Medienarbeit. kopaed verlagsgmbh (München) 2011. 273 Seiten. ISBN 978-3-86736-268-9. 18,80 EUR.
Schriftenreihe Gesellschaft - Altern - Medien
Band 3.
Thema, Entstehungshintergrund und Zielgruppe
Der vorliegende Band berichtet über Ergebnisse des Projekts Generationen im Dialog, das im Zeitraum von Januar 2010 bis Juni 2011 vom JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, München – durchgeführt wurde. Im Rahmen des Projekts wurden elf intergenerative Projekte realisiert, in denen im Austausch zwischen 14- bis 20-jährigen Jugendlichen und über 60-jährigen älteren Menschen angeregt und zugleich deren Medienkompetenz gefördert wurde: Gemeinsam wurde der Umgang mit verschiedenen Medien und der jeweils benötigten technischen Ausstattung erlernt, und es wurden nachhaltige Ergebnisse, z.B. Ausstellungen oder Videoclips geschaffen. Als Zielgruppe kommen vor allem Sozial- und Medienpädagoginnen und -pädagogen sowie Studierende dieser Fachrichtungen, aber auch Vertreterinnen und Vertreter kommunaler Einrichtungen und Verbände in Frage, die ähnliche Projekte gestalten wollen.
Herausgeber und Herausgeberin
Dr. Thomas Kupser absolvierte die Studiengänge „Master Kultur, Ästhetik, Medien (M.A.)“ in Düsseldorf sowie „Soziale Arbeit (Diplom)“ in Freiburg und Köln. Er ist seit 2010 als medienpädagogischer Referent am JFF beschäftigt.
Dr. Ida Pöttinger ist Diplom-Pädagogin und arbeitet seit 2008 im Bereich Projektentwicklung am JFF München. Sie fungierte als Autorin und Herausgeberin zahlreicher Bücher und Aufsätze zu medienpädagogischen Themen.
Aufbau und Inhalt
Der Band umfasst ein einleitendes Glossar, ein Vorwort der Herausgeber, vier Teile sowie einen Abschnitt mit weiterführenden Literaturhinweisen.
In dem Glossar von Elisabeth Jäcklein-Kreis werden zentrale Fachbegriffe, die in dem Band immer wieder auftauchen, in amüsanter, teils ironischer Weise erläutert.
Die drei Kapitel des ersten Teils („Theorie“) spannen den interdisziplinären wissenschaftlichen Rahmen auf, in dem die vorgestellten Projekte sich bewegen. Unter dem Titel „Generationenlernen als Chance der Persönlichkeitsentfaltung“ erläutert der Soziologe Kurt Lüscher den Generationenbegriff. Er verweist unter Rückgriff auf sein Modell der „intergenerationellen Ambivalenzen“ auf die Herausforderungen und Potenziale, welche die Begegnung zwischen den Generationen sowohl für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung als auch für die Gesellschaft bereithält. Die medienwissenschaftliche Perspektive ist repräsentiert durch den Beitrag von Bernd Schorb, der die Frage nach der „Medienkompetenz im Alter“ aus drei Perspektiven erläutert und dabei sowohl auf entsprechende sozial-normative Erwartungen an ältere Menschen als auch auf Prozesse der Medienaneignung sowie Möglichkeiten der Medienkompetenzvermittlung eingeht. Günther Anfang und Kathrin Demmler stellen die medienpädagogische Methode der „aktiven Medienarbeit“ dar, welche die Grundlage der realisierten Projekte bildete.
Der zweite Teil („Praxis“) besteht aus einem Kapitel, in dem die HerausgeberInnen „Konzept und Grundlagen“ des Projekts „Generationen im Dialog“ präsentieren.
Im dritten Teil („Projekte“) werden elf medienpädagogische Projekte, in denen das Konzept der intergenerationellen Medienarbeit praktisch umgesetzt wurde, in Wort und Bild vorgestellt. Das Spektrum der Projekte und der erzeugten (nachhaltigen) Ergebnisse reicht von einer musikalischen „Generation DJ-Battle“ über eine „GPS-Schnitzeljagd“ und eine „Internet-Werkstatt“ bis zu einem „Handy-Projekt“, in dem Handy-Videoclips erstellt wurden. Jedes Projekt wird zunächst auf einer Textseite sehr strukturiert anhand methodischer Eckdaten (z.B. Teilnehmende, Themen, Zeitraum, Spezialkenntnisse des Teams, räumliche und technische Ausstattung) stichwortartig beschrieben. Anschließend wird es ausführlicher und unter Verwendung zahlreicher Fotografien erläutert, der Zeitplan wird dokumentiert und es werden „Methodentipps“ für die Projektgestaltung gegeben. In einem Ausblick wird schließlich auf technische und pädagogische Herausforderungen hingewiesen, welche sich den Organisatoren stellten, und es wird auf das Besondere des jeweiligen Projekts (z.B. mit Blick auf den Lerngewinn der TeilnehmerInnen) hingewiesen.
Im vierten Teil („Reflexion“) werden von Susanne Eggert und Peter Gerlicher die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Gesamtprojekts zusammengefasst. Die empirische Datengrundlage der qualitativen Reflexionen bildet eine Befragung von 23 Teamerinnen und Teamern, 126 Jugendlichen und 55 älteren Menschen, die an den Projekten beteiligt waren. Thomas Kupser gibt darüber hinaus hilfreiche konzeptionelle Ratschläge für die Planung künftiger intergenerativer Projekte, die aus den Erfahrungen der Projektgruppe abgeleitet wurden.
Zwischen den Kapiteln eingestreut finden sich zahlreiche Stellungnahmen von Beteiligten des Gesamtprojekts: Veranstalter und Kooperationspartner sowie Jugendliche und älteren Menschen, die an einzelnen Projekten teilgenommen haben, stellen anhand eines (relativ) standardisierten Fragenkatalogs ihre Sicht auf Alter(n) und auf das miterlebte intergenerative Projekt dar.
Diskussion und Fazit
Berichte über abgeschlossene Projekte werden oftmals von den Verantwortlichen – verglichen mit der „eigentlichen“ Forschungs- und Praxisarbeit – lediglich als Pflichtübung betrachtet. Entsprechend lieblos und nüchtern vermitteln sie den finanziellen Zuwendungsgebern die Resultate – für Nicht-Beteiligte stellen solche Bände eine eher gefürchtete Lektüre dar. Der vorliegende Band hebt sich wohltuend hiervon ab. Man merkt den Herausgebern den Enthusiasmus an, mit dem sie sich ihrem Projekt gewidmet haben. Sehr geordnet, systematisch und doch anschaulich werden die zahlreichen Praxisprojekte in Wort und Bild präsentiert. Das unterhaltsame Glossar erleichtert Laien den Zugang zum Thema, während die drei den Projektberichten vorangestellten Fachtexte einen wissenschaftlich-theoretisch interessierten Adressatenkreis bedienen. Die zahlreichen Methodentipps und die ergänzenden Literaturhinweise stellen eine Fundgrube für all jene dar, die selbst vergleichbare Projekte realisieren wollen.
Dabei werden intergenerative Projekte keinesfalls idealisiert; im Gegenteil wird aus den qualitativen Evaluationsberichten sehr wohl deutlich, wie hohe technische und pädagogische Herausforderungen eine Begleitung der Zusammenarbeit zwischen den Generationen stellt. Die Autoren verdeutlichen jedoch in gekonnter Weise, wie diese Herausforderungen sich – sorgfältige Planung, professionelle Anleitung und realistische Erwartungen vorausgesetzt – bewältigen lassen und in positive Erfahrungen aller Beteiligten münden. Inwieweit diese Erfahrungen sich auch über die Projektdauer hinaus nachhaltig positiv auf Einstellungen und Verhaltensweisen im Umgang zwischen Jung und Alt auswirken, ist allerdings ungeklärt. Gleichwohl kann die Lektüre des Buches all jenen empfohlen werden, die auf der Suche nach einer Illustration medienpädagogischer Möglichkeiten und nach Anregungen für eigene Projekte sind.
Rezension von
Dr. Anne-Kathrin Mayer
Leibniz-Zentrum für Psychologische Information
und Dokumentation (ZPID), Trier
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