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Albert Biesinger (Hrsg.): Auf die Eltern kommt es an!

Cover Albert Biesinger (Hrsg.): Auf die Eltern kommt es an! Interreligiöse und interkulturelle Bildung in der Kita. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2011. 234 Seiten. ISBN 978-3-8309-2571-2. 24,90 EUR.

Reihe: Interreligiöse und interkulturelle Bildung im Kindesalter - Band 2.
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Thema

Unter der Prämisse, dass religiöse Bindung und Bildung grundsätzlich positiv und dem gesellschaftlichen Zusammenleben förderlich ist, werden hier Berichte und Befunde dargelegt, die aufzeigen, wie interkulturelle und interreligiöse Vermittlung in professionellen Einrichtungen der Kinderbetreuung besser gelingen kann.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist Bestandteil einer Serie, die sich mit dem Vermitteln von Religion und Kultur in Kindertagesstätten beschäftigt. Während bereits eine Befragung von Kindern und eine Befragung von Erzieherinnen erschienen sind, beschäftigt sich dieser Band mit den Aussagen von Eltern. Ein weiterer Band ist geplant, der anhand von ausgewählten Beispielen gelingende interkulturelle und interreligiöse Bildung vorstellen wird.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in vier Teile:

  1. Im ersten wird der Forschungsstand zu religiöser (christlicher und muslimischer) Erziehung in Familien in Deutschland dargelegt.
  2. Im zweiten werden ausführlich die Tübinger Eltern-Studie und ihre Resultate vorgestellt.
  3. Im dritten Teil folgen Berichte und Reflexionen aus der Praxis.
  4. Im vierten Teil werden die Praxisberichte kritisch kommentiert.

Inhalt

Religion wird in erster Linie über die Familie und in derselben über das Erleben gefühlsmässiger Inhalte vermittelt. Kindertagesstätten haben dadurch die Chance, religiöse und kulturelle Feste im Jahreszyklus aufzunehmen und interkulturell zu vermitteln, andererseits stehen sie auch vor der Herausforderung, mit unterschiedlichsten Religionshintergründen und Elternansprüchen konstruktiv umzugehen.

In einer erst qualitativen (Interviews mit 41 Müttern und 4 Vätern) und anschliessend quantitativen (versandt: 6000 Fragebogen in deutscher und 1200 in türkischer Sprache/ Rücklauf: 590) Erhebung wurden die Wünsche, Vorstellungen und Bedenken von Eltern mit mindestens einem Kind im Kindergartenalter erforscht. Beide Untersuchungen sind, obwohl breit angelegt, nicht repräsentativ. Sie umfassen jedoch sowohl nicht-konfessionelle Einrichtungen (70%) wie auch solche mit katholischen (15%) und evangelischen (15%) Trägern aus insgesamt 14 Bundesländern.

Die religiöse Erziehung der befragten Familien bewegt sich in einem äusserst breiten Spektrum von gar nicht vorhanden bis zu stark christlicher und stark muslimischer Prägung. Einige Eltern erwarten von der Kita Unterstützung in ihren eigenen religiösen Werthaltungen (z.B. in der Einhaltung von Speisevorschriften), anderen geht es gerade darum, den häuslichen Blickwinkel zu öffnen und Toleranz für anderes religiöses Leben zu schaffen. Wieder andere Eltern betrachten Religion als Privatsache und nur in die Familie gehörend, andere schlicht als unwichtig. Während Informationen über andere Religionen auch von religiösen und atheistischen Eltern gutgeheissen werden, werden religiöse Praktiken (z.B. gemeinsames Beten, Feiern von Gottesdiensten) problematischer beurteilt. Einige Eltern fürchten, dass die Kinder überfordert sind, wenn sie mit Geschichten und Glaubenspraktiken aus verschiedenen Religionen konfrontiert werden, und dass sie als Folge die Kulturen nicht mehr auseinanderhalten können.

Von einem Elternkonsens kann aufgrund der Studie keineswegs die Rede sein. In diesem multikulturellen Spannungsfeld ist es – so die Autoren – von grosser Bedeutung, die Eltern von Anfang an in die interreligiöse und interkulturelle Bildungsarbeit einzubinden. Dies geschieht, indem sie über das religionspädagogische Konzept der Einrichtung informiert und in multikulturelle Anlässe einbezogen werden. Hierzu finden sich im dritten Teil des Buches einige konkrete Beispiele zu Theateraufführungen, gemeinsamen Festen, Kirchen- und Moscheenbesuchen oder zur Gestaltung der Adventszeit mit Kindern verschiedener Bekenntnisse.

Diskussion

Der Fokus des Buches liegt – wie es der Untertitel besagt – im Bemühen, interreligiöse Bildung in den Kitas zu vermitteln. Ob dies tatsächlich ein wichtiges und gesellschaftlich wertvolles Unterfangen ist, wird an keiner Stelle kontrovers diskutiert, sondern von den Autoren vorausgesetzt. Sie sind der Meinung, dass kulturelle Toleranz aus religiöser Bildung resultiert und dass Kinder gleichsam ein Recht auf religiöse Erziehung haben. Es ist daher wenig erstaunlich, dass die Autoren zum Schluss kommen, dass religiöse Bildung in den Kitas tatsächlich wichtig ist und weiter ausgebaut werden sollte.

Wenn man den geringen Rücklauf der Fragebogen und die Tatsache mitberücksichtigt, dass viele Eltern sich in der Befragung auch in unterschiedlichem Mass kritisch zur religiösen Erziehung äusserten, könnte man durchaus zu einer anderen Einschätzung gelangen und beispielsweise die Frage diskutieren, wie wichtige Werte des menschlichen Zusammenlebens anders als über Religion vermittelt werden könnten, bzw. wie Kultur anders als religiös begründet und ausgestaltet werden kann.

Fazit

Wer Argumente sucht, um religiöse Bildung in Kindertagesstätten zu vermitteln, wer Ideen und Anregungen wünscht, um diese Bildung konkret auszugestalten oder wer sich damit auseinandersetzen möchte, auf welche Wünsche, Erwartungen und Schwierigkeiten er von Seiten der Eltern im Zusammenhang mit Religion in Kitas stossen könnte, der ist mit diesem Buch gut bedient.


Rezension von
Ursula Christen
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Zitiervorschlag
Ursula Christen. Rezension vom 02.02.2012 zu: Albert Biesinger (Hrsg.): Auf die Eltern kommt es an! Interreligiöse und interkulturelle Bildung in der Kita. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2011. ISBN 978-3-8309-2571-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12484.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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