Thomas Schmidt: Konfliktmanagement-Trainings erfolgreich leiten
Rezensiert von Petra Rechenberg-Winter, 21.03.2012
Thomas Schmidt: Konfliktmanagement-Trainings erfolgreich leiten. Der Seminarfahrplan.
managerSeminare Verlags GmbH
(Bonn) 2011.
3., überarbeitete Auflage.
488 Seiten.
ISBN 978-3-936075-90-8.
59,00 EUR.
Reihe: Edition Training aktuell.
Autor
Der Autor ist Diplom-Psychologe und Diplom-Pädagoge. Als „Global Professional Development Manager“ ist er in einer international tätigen Wirtschaftskanzlei engagiert und daneben freiberuflich als Berater, Coach und Trainer. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kommunikation, Konfliktmanagement, Führungskräfte-Entwicklung, Potentialanalyse und Teamentwicklung. Seit 1996 leitet er Konfliktmanagement-Trainings.
Aufbau und Inhalt
In 3 Teilen bietet das vorliegende Buch einen Fahrplan zur Seminargestaltung des Themas Konfliktmanagement, einen weiteren speziell für ein Konfliktmanagement-Training für Führungskräfte und einen ergänzenden Methodenkoffer. Die meisten Seminarbausteine sind systematisch gegliedert nach den folgenden Kriterien:
- Ziele,
- benötigte Zeit,
- erforderliches Material,
- wichtigste Schritten im Überblick und Erläuterungen zum Einsatz,
- konkrete Hinweise zum methodischen Vorgehen,
- spezielle Hinweise,
- inhaltliche Varianten und
- empfehlenswerte weiterführende Literatur.
Im ersten Teil stellt der Autor auf diese Weise sein Seminarkonzept für Mitarbeiter/innen eines Unternehmens vor, die keine Führungsverantwortung tragen. Das beschriebene Training geht von den Rahmenbedingungen aus, dass 12 Mitarbeiter/innen eines Wirtschaftsunternehmenens, die sich bisher nicht kannten, über 3 Tage mit einem Trainer arbeiten.
Nach einem konkreten Ablaufplan mit Zeitangaben beginnt das Kapitel mit Vorüberlegungen, Hinweisen zu Raumgestaltung und gründlicher Vorbereitung.
Anschließend werden die drei Seminartage detailliert dargestellt, von der Begrüßung am ersten Tag mit einführenden Hinweisen über eine Kennenlernübung zur Aktivierung, soziometrischer Aufstellungsarbeit und Reflexionsübungen des eigenen Konfliktverhaltens. Konfliktdefinition und Konfliktarten mit Lösungsoptionen werden anschlließend bearbeitet. Dann folgen die Themen Konfliktdynamik, Hintergründe von Konflikten (nach Riemann) und Konfliktmanagement im Kontext von Persönlichkeitsstilen (Thomann). Reflecting Team und Metakommunikation sind in ihrem methodischen Ablauf dargestellt.
Der zweite Tag stellt ebenso ausführlich aufbereitet die Aspekte Eskalationsstufen (Glasl), Konflikte konstruktiv ansprechen und Konfliktstile dar, methodisch ergänzt von Actstorming, einer Übung zur Identifikation mit den Konfliktpartnern, Feedback und Fallarbeit.
Der dritte Seminartag behandelt das Harvard-Konzept, Konflikt-Gesprächsführung, Umgang mit Emotionen und inneren Konflikten (Inneres Team). Es wird in Kleingruppenarbeit die Kollegiale Fallbesprechung erprobt. Gezielte Übungen, wie den eigenen Standpunkt vertreten u. a. Transferübungen sind den einzelnen theoretischen Abhandlungen zugeordnet.
Teil zwei ist nun speziell für Führungskräfte ausgerichten und beinhaltet neben den Grundlagen des ersten Teils entsprechen ausführlich die Bereiche Konfliktsymptome, Konfliktdiagnostik, Konfliktmoderation und das Machtgefälle in Konflikten (Mitarbeiter/in mit Führungskraft). Der Übung von Konfliktgesprächen wird viel Raum gegeben. Die Rolle der Führungskraft als Konfliktmoderator und Prozessbegleiter wird bearbeitet.
Fallstudien, Hypothesenbildung und Interventionen werden lebendig vermittelt (Improtheater, Rollenspiel, Forumtheater) und die Konfliktmoderation praxisnah geübt. Wieder bildet ein detaillierter Drei-Tages-Ablaufplan die Grundlage, des größeren Umfangs wegen ist er insg. eine Stund länger veranschlagt.
Der Methodenkoffer des dritten Teils basiert auf der Transaktionsanalyse (Cohn, Ernst, Harris, Berne) und der gewaltfreien Kommunikation (Rosenberg). Der konstruktive Umgang mit emotionalen Konfliktpartnern wird bearbeitet und eine Reihe zusätzlicher Seminarbausteine dargestellt, wie Wahrnehmung der drei Ich-Zustände mit Analyse der Transaktionen (TZI), Drama-Dreieck (Karpman) und Prisoner´s Dilemma (Spieltheorie). Anleitungen zur Selbstreflexion, Psychologische Spiele mit deren Auswegen und Lehrgeschichten komplettieren diese Sammlung.
Diskussion
Schmidt bietet seinen Leser/innen einen umfangreichen Werkstatteinblick. Ausgehend von seinem Grundverständnis, dass Konflikten immer Entwicklungschancen beinhalten, leuchtet er entsprechend sein Vorgehen im Konfliktmanagement in dessen Komplexität gründlich aus, mitunter in übergroßer Ausführlichkeit. Insgesamt vermittelt seine Darstellung eine Art O-Ton-Veranstaltung.
Gezielte Interventionen, Anregungen zur entsprechenden Selbstreflexion und Methodendiskussion unterstützen die Praxisnähe ebenso wie Flipcharts, Übungsbeschreibungen und einige Vorlagen für Arbeitsblätter. Als Leser/in bekommt man mitunter den Eindruck, mitten im Seminar zu sitzen und fühlt sich aufgefordert zur einen oder anderen Übung.
Da ist sein verantwortliche Hinweis angebracht, das dies kein Rezeptbuch ist und keine entsprechende Weiterbildung ersetzt, sondern diese nur ergänzen möchte.
Fazit
Das vorliegende Buch richtet sich an erfahrene Konfliktmanagement-Trainer, junge Trainer und Referenten, an interne Personalentwickler, Coachs, Supervisoren, Ausbilder und Lehrer sowie an Führungskräfte und Projektmanager. Dieser Zielgruppe wird es mehr als gerecht und sei ihr als umfangreiches Handwerksbuch sehr empfohlen. Auch einzelne Interventionen lassen sich gewinnbringend in andere Beratungskontexte und Fortbildungen übernehmen.
Rezension von
Petra Rechenberg-Winter
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Es gibt 12 Rezensionen von Petra Rechenberg-Winter.





