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Andrea Bramberger: Verboten Lieben

Cover Andrea Bramberger: Verboten Lieben. Bruder-Schwester-Inzest. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2011. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. 153 Seiten. ISBN 978-3-86226-071-3. D: 18,80 EUR, A: 18,80 EUR, CH: 26,00 sFr.

Reihe: Beiträge zur gesellschaftswissenschaftlichen Forschung - Band 26.
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Thema

Wer bei der Lektüre von „Verboten Lieben“ sich auf das Stichwort „Inzest“ gestürzt hat, wird beim Lesen des Werkes von Andrea Bramberger enttäuscht werden, thematisiert sie doch nicht das, was allenthalben in der Presse Sensationsmeldungen abgibt, die gewaltsame Vater – Tochter- Beziehung, sondern die Bruder-Schwester-Liebe, die eher selten ist oder öffentlich wird. Die Autorin, die neben Büchern wie „Das Lächeln der Mutter auf den Lippen der Tochter“, “ Die Kindfrau“ oder „Geschlechtssensible Soziale Arbeit“ auch ein Werk zum wissenschaftlichen Schreiben verfasst hat, gibt mit dem Buch ein plastisches Beispiel ihrer Wissenschaftsauffassung. So gibt sie sich nicht mit mit dem Bruder-Schwester-Inzest ab, wie er im Alltag zwar selten, so doch vorkommen mag mit dem drohenden Verbot, der Heimlichkeit etc., sondern mit dem Bruder-Schwester-Inzest in seiner literarischen Aufbereitung also schöngeistigen Form. Für die Autorin ist dies offenbar kein Unterschied.

Versprochen wird eine Mikroanalyse des Bruder-Schwester-Inzestes beispielhaft am Werk des Dichters Georg Trakls und ist damit ist ein Maßstab vorgegeben.

Aufbau

Gegliedert ist die Arbeit in zwei Teile:

  1. „Die Macht des Verbots“ und
  2. „Die Macht der Liebe“.

Damit wird kenntlich, wie die Geschwisterliebe gesehen wird als eine, die sich im Spannungsverhältnis zwischen Zuneigung und Reiz des Verbotenen bewegt.

Die Macht des Verbots

Im Teil A unter der Ankündigung „Macht des Verbots“ erfährt der Leser, dass die Schreiberin keinen Unterschied kennt zwischen Geschichte und Geschichtchen, wenn sie im Kapitel I unter dem Titel „Geschichten“ Motivvariationen in der Belletristik abhandelt und einen historischen Rückblick auf die unterschiedliche Behandlung des Themas im Verlauf der Geschichte gibt. Über die Macht des Verbots lernt der Leser so, dass es dies mal gegeben hat und mal nicht und dass dieses Thema in der Literatur sehr unterschiedlich im Laufe der Geschichte behandelt wurde.

Im Kapitel II „Strukturen“ werden der Dichter Georg Trakl als Person, mit seinem Werk, seinen Beziehungen, sowie Theorien im Rahmen der Inzestforschung und Diskurse zur Beziehung Trakls zu seiner Schwester vorgestellt und es wird darüber informiert, dass es sehr unterschiedliche Ansichten sowohl über den Dichter als auch über seine Beziehung zu seiner Schwester und die Behandlung dieses Themas in seinem Werk gibt.

Kapitel III „Konstruktionen“ behandelt unter der Überschrift „Ordnungen“ das Thema Liebe und seine unterschiedliche gesellschaftliche Sicht und als „Auflösungen“ Trakls Liebesleben und Liebesvisionen.

Die Macht der Liebe

Der zweite Teil gliedert sich in

  • „Androgyne Visionen“,
  • „Paradiesische Visionen“ und
  • „Todesvisionen“.

Unter diesen Titeln werden ausführlich die unterschiedlichen Mythen behandelt, die im Zusammenhang mit Liebe und damit auch mit der Geschwisterliebe in der literarischen Verarbeitung des Themas verwendet werden: Göttlichkeit, Androgynie, Narzissmus, Paradies, Zeit, Reinheit, Opfer, Blut und Tod.

Diskussion

Die Gliederung der Arbeit macht deutlich, was die Autorin unter einer Mikroanalyse versteht und das wird auch treffend auf der Rückseite des Buches charakterisiert: „Die Autorin theamatisiert die Geschichte des Umganges mit dieser verbotenen Liebe und stellt vielfältige mythologische, psychologische, philosophische Bezüge her.“

Es werden viele Sichtweisen und Bezüge hergestellt, wie diese beschaffen sind, welche davon Sinn machen oder unsinnig sind, wird offen gelassen, weil es nur darauf ankommt, dass man den Gegenständen vielfältige Sichtweisen abgewinnen kann. Und dabei beweist die Autorin Einfallsreichtum. So lässt sich am Verbot des Inzest zeigen, dass es dies mal gegeben hat und mal nicht, dass es in der Literatur als Drama und idealisiert behandelt wurde, es eine Vielzahl von Spekulationen über den Dichter Trakl, seiner Beziehung zu seiner Schwester gibt und sich auch vielfältige Hinweise dazu in seinem Werk finden lassen, wenn man es nur entsprechend deutet. Was einem unbedarften Leser vielfach nicht gelingt, findet der ungeschulte Geist doch oft nur Beispiele, wie Liebe und unerfüllte Liebe in der Dichtung eben behandelt werden.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der zweite Teil unter dem Stichwort „Macht der Liebe“ alle möglichen Themen aufgeführt werden, die in Verbindung mit Liebe in der Literatur Gegenstand sind. Und zu jedem Thema, ob es der Wunsch der Liebenden ist nach Vereinigung oder andere Themen sind, wird die Autorin zunächst grundsätzlich in dem Sinne, dass sie zunächst alle möglichen Bezüge in Geschichte, Literatur oder Philosophie herstellt und so unterstreicht, dass man zu diesem Thema alle möglichen Sichtweisen einnehmen kann, um dann auf die Geschwisterliebe zu sprechen zu kommen. Nach der Logik, wenn der Gegenstand soviele Sichtweisen beeinhaltet, dann kann man ihn auch auf die Geschwisterliebe beziehen. Oder um es noch deutlicher zu machen: Wenn der Gegenstand schon ein unbestimmter ist, kann er doch um so leichter zur Bestimmung des anderen herangezogen werden.

Diese Tour d`Horizon hat natürlich etwas gewaltsames, aber auch komisches, wenn z.B. über ein bis zwei Seiten der Bogen geschlagen wird von dem Thema Zeiterleben in der Literatur – die für die Liebenden zu lang ist, wenn sie getrennt sind, zu kurz, wenn sie zusammen sind etc – um dann über den Zeitbegriff schlechthin auszulassen, auf die Relativitätstheorie zu sprechen zu kommen usw., um dann das Thema Zeit in Beziehung zur Geschwisterliebe zu setzen.

Der Subjektivität dieses Verfahrens sind damit keine Grenzen gesetzt, lässt sich dies doch an jedem Thema praktizieren. So wird dann auch eine Vielzahl von literarischen Auszügen bemüht, die das Thema Liebe und Schmerz variieren und bei denen der unbefangene Leser nie auf die Idee käme , dies als Beleg für die Existenz der Geschwisterliebe z.B. des Dichters Trakl zu nehmen. Den Anstrich der Wissenschaftlichkeit erhält das Werk durch die Vielzahl der Literaturangaben, die die Belesenheit der Autorin unter Beweis stellen, so dass das Literaturverzeichnis in seinem Umfang jedes inhaltliche Kapitel bei weitem übertrifft.

Fazit

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Rezension von
Prof. Dr. Suitbert Cechura
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Zitiervorschlag
Suitbert Cechura. Rezension vom 17.01.2012 zu: Andrea Bramberger: Verboten Lieben. Bruder-Schwester-Inzest. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2011. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. ISBN 978-3-86226-071-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12506.php, Datum des Zugriffs 10.07.2020.


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