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Roland Bertet, Gustav Keller: Gewaltprävention in der Schule

Cover Roland Bertet, Gustav Keller: Gewaltprävention in der Schule. Wege zu prosozialem Verhalten. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2011. 124 Seiten. ISBN 978-3-456-84999-7. 19,95 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Klagen über abweichendes Schülerverhalten sind nicht neu

Die viel zitierten und für die jeweiligen Standpunkte von Vorstellungen darüber, wie in der Gesellschaft das Verhältnis der Generationen zueinander geregelt werden solle, passenden Aussprüche über unangemessenes und unangepasstes Verhalten, reichen von aristotelischen Klage – „Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen“ – bis hin zu der Feststellung in der Illustrierten „Stern“ – „Mobbing unter Schülern ist in Deutschland an der Tagesordnung“. Wir sind bei der Frage, wie in den institutionellen, schulischen Zusammenhängen Verhalten von Schülerinnen und Schülern wahr genommen wird und sich, im Vergleich zu den überkommenen Werte- und Anstandsregeln, verändert haben (vgl. dazu auch: Wolfgang Melzer u.a., Gewaltprävention und Schulentwicklung, Bad Heilbrunn 2011, vgl. www.socialnet.de/rezensionen/12560.php). Gesellschaftsanalysen und Schuluntersuchungen tendieren einheitlich zu der Aussage, dass sich das Sozialverhalten der jungen Menschen in den westlichen, industrialisierten Gesellschaften im Vergleich zu früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten rapide verändert habe; die Bewertung jedoch, ob dies positiv oder negativ für die Gesellschaft sei, wird äußerst kontrovers diskutiert.

Entstehungshintergrund und Autoren

Im Erziehungs- und Bildungskontext wird postuliert, „dass in der Schule eine neue Qualität von Aggression und Gewalt Einzug hält“. Die Zusammenhänge zur gestiegenen gesellschaftlichen Gewaltbereitschaft, zu Egoismus und Egozentrismus, werden dabei hergestellt: „Was an realer und medialer Gewalt außerhalb der Schule passiert, wird häufiger als früher von einem harten Kern gewaltbereiter Schüler schulintern reinszeniert“. Die Schule ist demnach herausgefordert, wirksame Gewaltpräventionskonzepte zu entwickeln und zu praktizieren.

Der Baden-Württembergische Diplom-Pädagoge, Lehrer, Lehrerfortbildner, Schulleiter und Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Roland Bertet und der Schulpsychologe und Lerntrainer Gustav Keller, legen,. für die Implementierung eines Gewaltpräventionskonzepts in der Schule, ein Büchlein vor, in dem sie ausgewählte theoretische Fragestellungen einbringen und aus ihren jahrzehntelangen Schul- und Beratungserfahrungen praktische Anregungen dazu geben.

Aufbau und Inhalt

Die Autoren gliedern das Buch, nach den einführenden Gedanken, in vier weitere Kapitel.

Nach der Begriffsklärung, der Darstellung des öffentlichen und schulinternen Erscheinungsbildes von „Gewalt in der Schule“, dem Ausmaß und der Frage nach den Ursachen, wird ein „Grundkonzept der Gewaltprävention“ skizziert, und es werden die wirkenden Handlungsgrundsätze thematisiert. Der Schwerpunkt des Diskurses bilden die Vorschläge zur Umsetzung von Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen für prosoziales Verhalten, sowie eine Darstellung von Präventions- und Interventionsmöglichkeiten in der Grundschule und Sekundarstufe I der weiterführenden Schule. Dabei wird deutlich, dass die Förderung von prosozialen Verhaltensweisen beim schulischen Lernen und der schulischen Erziehung als unverzichtbare Aufgaben für die Institution Schule verstanden und praktiziert werden muss: „Prosoziales Lernen bedeutet wertorieniertes Lernen in Beziehungen“ (vgl. dazu auch: Tobias Künkler, Lernen in Beziehung. Zum Verhältnis von Subjektivität und Relationalität in Lernprozessen, 2011, in: socialnet Rezensionen, www.socialnet.de/rezensionen/12017.php).

Fazit

Die knapp gehaltenen, inhaltlichen und methodischen Beschreibungen der ausgewählten pädagogischen Instrumente zur schulischen Gewaltprävention bieten Kollegien, Lehramtsstudierenden und Fortbildnern hilfreiche Anregungen, um die nach wie vor im schulischen Kontext vorhandenen Skeptizismen und Vorbehalte aus der Welt und aus den Köpfen und Erziehungsdenken zu bringen, dass Schule keine Präventionsaufgaben habe. Es sind die sich verändernden individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen, die an die gesellschaftliche Institution Schule neue pädagogische Herausforderungen stellt.

Das Büchlein ist kein Lehrbuch und kein Rezept; vielmehr gelingt es den Autoren, die Thematik Gewaltprävention aus der Ecke der kriminologischen Betrachtungen heraus zu bringen und in den pädagogischen und erziehlichen Blick zu nehmen und damit gewissermaßen professionell in Startposition für die Etablierung eines Gewaltpräventionskonzeptes für den schulischen Alltag zu gehen.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 27.12.2011 zu: Roland Bertet, Gustav Keller: Gewaltprävention in der Schule. Wege zu prosozialem Verhalten. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2011. ISBN 978-3-456-84999-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12533.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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