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Manfred Prenzel, Michael Schratz u.a. (Hrsg.): Was für Schulen!

Cover Manfred Prenzel, Michael Schratz, Gisela Schultebraucks-Burgkart (Hrsg.): Was für Schulen! Schule der Zukunft in gesellschaftlicher Verantwortung. Klett-Kallmeyer (Seelze/Velber) 2011. 144 Seiten. ISBN 978-3-7800-1094-0. 22,95 EUR.

Reihe „Der Deutsche Schulpreis“.
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Schulen in Bewegung

Als 2006 die Robert-Bosch-Stiftung und die Heidehof-Stiftung, in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift stern und der ARD, den Deutschen Schulpreis ausschrieben, da reagierten die Initiatoren auch auf die Ergebnisse der verschiedenen internationalen Vergleichsuntersuchungen, vor allem die des „Programme for International Student Assessment“ (PISA), in denen deutschen Schulen und Schülerinnen und Schülern insgesamt erhebliche Defizite bei Lernleistung, den Kompetenzen zur gesellschaftlichen Teilhabe, dem Zusammenhang mit der ethnischen und gesellschaftlichen Herkunft und der Unterrichtsqualität und Schulentwicklung bescheinigt wurden. Dem im öffentlichen Diskurs daraufhin angeheftetem Etikett: „Alle Schulen in Deutschland sind schlecht“, wollten die Initiatoren des Deutschen Schulpreises ein Contra entgegensetzen: „Es geht auch anders“.

Die Stifter des Preises wollen „herausragende Schulen mit richtungsweisenden pädagogischen Leistungen herausheben, damit ihre beispielhaften Innovationen anderen Schulen zugute kommen können“. Mit dem schönen Slogan „Dem Lernen Flügel verleihen!“, werden Schulen eingeladen, sich beim jährlich einmal ausgeschriebenem Deutschen Schulpreis zu bewerben. Es werden jeweils ein Hauptpreisträger (mit einem Preisgeld von 100.000 Euro) und fünf weitere Schulen (mit jeweils 25.000 Euro) ausgezeichnet. Eine Jury aus 14 ErziehungswissenschaftlerInnen, PädagogInnen und gesellschaftlichen ExpertInnen, ergänzt durch ein Gremium von Fachleuten, wählen eine Anzahl von Bewerbern aus, besuchen die jeweiligen Schulen und nominieren schließlich 15 Schulen, aus denen dann der Hauptpreisträger und die fünf weiteren Preisträger bestimmt werden. Die ausgezeichneten Schulen arbeiten weiterhin in einem Netzwerk zusammen, der „Akademie des Deutschen Schulpreises“, tauschen ihre Erfahrungen aus, diskutieren ihre geplanten Innovationen, bilden Hospitationszirkel und Gesprächskreise und öffnen sich vor allem für interessierte Schulen. Mehr als 1000 Schulen haben sich bisher um den Deutschen Schulpreis beworben. Die Kriterien für die Auswahl von Schulen werden in sechs Inhaltsbereichen benannt:

  1. Leistung
  2. Umgang mit Vielfalt
  3. Unterrichtsqualität
  4. Verantwortung
  5. Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner
  6. Schule als lernende Institution.

Zum fünften Gründungsjahr des Deutschen Schulpreises, 2011, haben Manfred Prenzel, Dekan der TUM School of Education in München, Michael Schratz, Dekan der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Innsbruck / Österreich (und Sprecher der Jury) und Gisela Schultebraucks-Burgkart, Leiterin der Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund (Hauptpreisträger des Deutschen Schulpreises 2006), das Buch „Was für Schulen!“ herausgegeben. Neben den Zielsetzungen des Deutschen Schulpreises werden dort vor allem die Sieger des Schulpreises 2011 vorgestellt.

Die Sieger

Hauptpreisträger ist die Göttinger Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, eine Integrierte Gesamtschule als gebundene Ganztagsschule. Hans Anand Pant, Direktor des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen der Humboldt-Universität Berlin und Helmut Kopecki, ehem. Schulleiter des Gymnasiums Neckartenzingen, eine der nominierten Schulen 2007, stellen die Schule vor. Die IGS Göttingen-Geismar wurde 1975 auf Initiative von Göttinger Bürgern gegründet. Die Präsentation der Schule wird getitelt mit: „Die Choreografie von Verantwortung“. Neben dem konsequenten Verzicht auf Notengebung – die Schülerinnen und Schüler erhalten von der Eingangsstufe, 5. Jahrgang, bis einschließlich 8. Jahrgang, wie übrigens an mehreren niedersächsischen Integrierten Gesamtschulen auch, anstelle der Noten Lernentwicklungsberichte, in denen die Leistungen und Förderungen der Schülerinnen und Schüler ausführlich in Worten dargestellt werden. Die binnendifferenzierte Unterrichtsarbeit basiert auf dem Tischgruppenmodell, das eine individuelle Lernförderung ermöglicht und eine Kooperation zwischen den Tischgruppen zwingend macht. Elternarbeit ist ein Grundelement der Schulkultur; Projektarbeit ist Alltag und die Teamarbeit im Lehrerkollektiv ist Garant für demokratisches Lernen und Zusammenleben. Die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule in Göttingen ist übrigens die zweite niedersächsische IGS, die zu den Hauptpreisträgern des Deutschen Schulpreises gehört; bereits 2007 hat die Hildesheimer Robert-Bosch-Gesamtschule (RBG) den Preis gewonnen (vgl. dazu: G. Binsteiner u.a., Teamarbeit macht Schule. Bausteine der Entwicklung. Die Robert-Bosch-Gesamtschule, Hildesheim, 2009, Reihe Der Deutsche Schulpreis: Von Schulen lernen).

Die Ganztagsschule Johannes Gutenberg in Wolmirstedt / Sachsen-Anhalt ist eine der 4 Schulen, die zu den weiteren Preisträgern gehören. Das Motto – „Vom Geist, der Erfindungen möglich macht“ – ist gleichzeitig Profil der Wolmirstedter Ganztagsschule und verbindet Lernen mit Kopf, Herz und Hand miteinander. In der Laudation, in der der Leiter des Instituts für Schulentwicklung in Überlingen, Otto Seydel, die Preisvergabe begründet, heißt es u. a.: „Dem Wolmirstedter Kollegium ist es in Sachsen-Anhalt gelungen, wertvolle Elemente der Schulkultur der DDR-Zeit… auf organische Weise mit ‚westlichen‘ Ideen zu verbinden und auf fruchtbare Weise zu neuen Qualitäten zu bringen“.

Die Gemeinschaftsgrundschule Hackenberg in Remscheid stellt ihr Profil „Schulentwicklung mit Vergnügen“ dar. Die Schulleiterin Neue Grundschule Wolfsburg, Helga Boldt, laudatiert die Arbeit der Ganztagsschule, indem sie die differenzierten, auf die individuellen Lernbedürfnisse der Kinder ausgerichteten Organisation hervorhebt.

Das Johann-Schöner-Gymnasium im unterfränkischen Karlstadt ist „in jeder Hinsicht eine große Familie“. Die Ganztagsschule beteiligt sich an mehreren Initiativen, wie etwa „Schule ohne Rassismus“ und bieten offene Unterrichtsformen für individuelles und gemeinschaftliches Lernen an. Helmut Frommer, Professor für Pädagogische Psychologie ist von der pädagogischen Arbeit der Schule begeistert.

„Lernen auf der Höhe der Zeit“ will die Marktschule in Bremen, eine Ganztagsgrundschule, realisieren. Mit jahrgangsübergreifenden Klassenfamilien, projektorientiertem Unterricht und Formen der Mitbestimmung soll kein Kind zurückgelassen, sondern gefördert werden. Der Laudator Jan von der Gathen, Grundschullehrer und Diplom-Pädagoge stellt die bemerkenswerten Innovationen der Schule heraus.

Mit dem neuen Konzept des „Lernbüros“ nimmt die Heinz-Brandt-Schule in Ost-Berlin, als integrierte Sekundarschule, die Herausforderungen der Berliner Schulreform an. Schülerfirmen, Teamarbeit und Schulklima sind für die Kölner Erziehungswissenschaftlerin Anne Ratzki, die die Schule darstellt, bemerkens- und nachahmenswerte Innovationen.

Den gesondert ausgelobten Preis der Jury des Deutschen Schulpreises 2011 erhält das Genoveva-Gymnasium in Köln für ihre pädagogische Arbeit. In der Schule lernen rund 70% der SchülerInnen, die nicht Deutsch als Muttersprache erworben haben. Das Motto der Schule – „Über Integration wird nicht geredet“ – spiegelt sich im Schulalltag wieder, wie die Erziehungswissenschaftlerin der Universität Hamburg, Hannelore Faulstich-Wieland erläutert.

Die weiteren Schulen haben einen Anerkennungspreis erhalten: Don-Bosco-Berufsschule Würzburg („Schlussstein in einem Gefüge inklusiver Schulen“, so der Ludwigsburger Sonderpädagoge Gotthilf Gerhard Hiller); das Erich-Gutenberg-Berufskolleg in Bünde („Kaufmännische Bildung auf den Kopf gestellt“, wie die Heidelberger Schulpädagogin Monika Buhl vermerkt); die Grundschule Borchshöhe in Bremen („Gebundener Ganztag: Präsenz und Gestaltungskraft“ findet der Göttinger Pädagoge Hermann Veith); die Gesamtschule Friedenstal in Herford („Begabungen entfalten in Friedenstal“ erkennt die Ludwigsburger Schulpädagogin Katrin Höhmann); die Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Dortmund („Die weiße Rose: ‚fast wichtiger als das Zeugnis‘“ verdeutlicht die Dortmunder Didaktikerin Silvia-Iris Beutel); die Martin-Kneidl-Volksschule in Grünwald („Anspruchsvolle Eltern, ausgleichende Pädagogik: Der Seiltanz gelingt“ stellt die Rottweiler Psychologin Gislinde Bovet fest); die Schule An der Gartenstadt in Hamburg („Was Eltern schätzen!“ zeigt die Bremer Erziehungswissenschaftlerin Ursula Carle auf); und schließlich die Eduard-Dietrich-Schule in Ratingen („Kosmische Erziehung: Denken in großen Zusammenhängen“ formuliert die Erziehungswissenschaftlerin und Organisationsberaterin Maike Reese).

Fazit

„Stell dir vor, es ist Schule und alle wollen hin“ (Margret Rasfeld, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11659.php); dass es Schulen in Deutschland gibt, die sich sehen lassen und ihre innovative Arbeit vorzeigen können und „Schule als kreatives Feld“ verstanden werden kann (siehe dazu: Olaf-Axel Burow, Positive Pädagogik. Sieben Wege zu Lernfreude und Schulglück, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11968.php), hat nicht zuletzt die Initiative des Deutschen Schulpreises an den Tag gebracht. Damit Best Practice-Schulprojekte mehr werden und die „Schule der Zukunft in gesellschaftlicher Verantwortung“ im Bewusstsein und Bildungs- und Erziehungshandeln selbstverständlich und allgemeinverbindlich wird, dazu dienen auch Schriften wie die in der Reihe „Deutscher Schulpreis“ im Friedrich-(Klett/Kallmeyer)Verlag (siehe dazu auch: www.deutscher-schulpreis.de).


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 09.01.2012 zu: Manfred Prenzel, Michael Schratz, Gisela Schultebraucks-Burgkart (Hrsg.): Was für Schulen! Schule der Zukunft in gesellschaftlicher Verantwortung. Klett-Kallmeyer (Seelze/Velber) 2011. ISBN 978-3-7800-1094-0. Reihe „Der Deutsche Schulpreis“. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12587.php, Datum des Zugriffs 19.01.2019.


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