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Rolf Ebeling: Moderne (Klein-) Gruppenpädagogik [...]

Cover Rolf Ebeling: Moderne (Klein-) Gruppenpädagogik in Jugendwohngemeinschaften als erfolgreiche Alternative wirtschaftlicher Denkmodelle. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2003. 148 Seiten. ISBN 978-3-89821-321-9. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.

Reihe: Qualität und Qualitätssicherung in der Sozialen Arbeit, Band 5.
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Zum Thema

Jugendwohngemeinschaften werden heute noch als Auswirkung der Heimkampagne Anfang der siebziger Jahre betrachtet. Obwohl vielfach etabliert und erfolgversprechend taucht diese Hilfeform im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) nicht explizit auf. § 34 KJHG bezeichnet sie als "sonstige betreute Wohnformen" und siedelt sie gleichrangig neben der Heimerziehung an. Die Qualitätsentwicklung und Evaluation dieses Bereiches hat in jüngster Zeit neue Aufmerksamkeit erfahren. Nicht zuletzt, weil es im Nonprofitbereich der Dienstleistung nur über eine nachgewiesene Qualität langfristig möglich sein wird, sich zu legitimieren und weiterzuentwickeln, ist ein Handbuch aus der praktischen Evaluationsarbeit von besonderer Bedeutung.

Der Autor

Dr. Rolf Ebeling ist Diplom-Sozialpädagoge in der Jugendhilfe Eckehardt in den von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel. Er forscht im Bereich des Qualitätsmangements der Jugendhilfe und ist Lehrbeauftragter der Fakultät für Pädagogik an der Universität Bielefeld und der Fachhochschule für Sozialwesen Bielefeld. Er veröffentlichte bereits die Taschenbücher

  • "Evaluation des Qualitätsmanagements der Jugendhilfe am Beispiel des Eckehardter Modells",
  • "Qualitätsdialoge in der Jugendhilfe Eckehardt. Professionalisierung und Ökonomisierung der Sozialen Arbeit zur strukturierten Bewertung und Weiterentwicklung der Güte der sozialen Dienstleistung",
  • "Entwicklung und Evaluation des Fragebogens Tagesgruppenarbeit aus Elternsicht des Qualitätsbeurteilungssystems für Hilfen zur Erziehung (QuBus-TG-E)",
  • sowie "Evaluationsforschung in der Jugendhilfe: Die Einbeziehung der Klientenperspektive als zentrale Ressource zur Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements die Meinung der Kunden zählt" (vgl. dazu die Rezension dieses Buchs)(allesamt ibidem-Verlag).

Aufbau, Inhalt, Gliederung

Das Buch gliedert sich in drei wesentliche Kapitel.

  • Einer kurzen Einleitung des Autors folgt das 20-seitige Kapitel 2 "Erzieherische Hilfen in Jugendwohngemeinschaften", welches in sich einen Schwerpunkt auf die retrospektive Betrachtung einzelner AdressatInnen setzt. Dort behandelt Ebeling u.a. die Jugendwohngemeinschaften aus Sicht der jungen Menschen (Kap. 2.7.1.), Bilder von Heimerziehung in Jugendwohngemeinschaften im Rückblick (Kap. 2.7.2) und Jugendwohngemeinschaften als wichtiger und prägender Lebensabschnitt (Kap. 2.7.3.).
  • Kapitel 3 beschäftigt sich mit der "Ressourcen- und Lösungsorientierung als Ansatz in der alltäglichen Arbeit".
  • Die "Evaluationsforschung in Jugendwohngemeinschaften" (Kapitel 4) dominiert schließlich das Taschenbuch mit rund 55 Seiten. Der Autor greift dort neben den Grundlagen seiner Evaluation und der Anlage und Durchführung des Eckehardter Modells (Kap. 4.2.) insbesondere die Ergebnisse der empirischen Untersuchung im Wohngemeinschaftsverbund (Kap. 4.3.) dezidiert auf.

Die 31-seitige Anlage verzeichnet alle verwandten Arbeitsmaterialien, Fragebögen, eine Übersicht zum Leistungsangebot Wohngemeinschaft und eine kurze Selbstdarstellung des Wohngemeinschaftenverbunds Bielefeld.

Zielgruppe

Das Handbuch richtet sich in erster Linie an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendwohngruppen und ihrer Träger. Gerade diejenigen, die die Rahmenbedingungen für Qualitätsentwicklung und Evaluation maßgeblich beeinflussen sind Adressaten des Werkes. Gleichermaßen ist es wohl auch für die Mitarbeiter öffentlicher Träger geeignet, die für ihren Zuständigkeitsbereich Qualitätsmaßstäbe erarbeiten und festschreiben wollen. Nicht zuletzt ist das Handbuch auch für Studierende sozialer und soziologischer Studiengänge von besonderem Interesse.

Einschätzung

"Wenn ein/eine SozialpädagogIn glaubt, mit seiner/ihrer Planung das zukünftige Geschehen in der Gruppe umfassend festgelegt und gedanklich vorweggenommen zu haben, hat er/sie die Arbeit gründlich missverstanden." (S. 102) schreibt Ebeling in seinem Resümee. Dieser Satz hätte sich ebenso gut im Bereich der Einleitung niederlegen lassen. Denn der Trugschluss, man könne - sei es allein oder im Fachgespräch mit Kollegen - Reaktionen anderer und ihre Befindlichkeit umfassend antizipieren ist weit verbreitet und geht dabei auch weit über den sozialen Bereich hinaus. Gerade hier aber sind mit den Evaluationen vergangener Jahre effektive Instrumente entwickelt worden, die Arbeit einzelner Fachbereiche zu durchleuchten und unter Qualitäts- wie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Ebeling beschreibt dezidiert die durchgeführte Evaluation im Bereich der Jugendhilfe Eckehardt. Sein Buch ist nicht als theoretische Anleitung, sondern als praxisnahe Handreichung gestaltet. Die Fragebögen der Interviewer, die Auswertungen der Gespräche mit Jugendlichen und viele andere Bausteine mehr lassen die begonnene Arbeit in Bielefeld plastisch erscheinen. Hierin liegt der Vorteil des Werkes.

Als Zielrichtung seiner Arbeit beschreibt Ebeling "die im Zeichen der drängenden Sparpolitik aufgeworfene Diskussion um eine Reduzierung der Jugendhilfeleistungen zur Kosteneinsparung in einem anderen Licht" führen zu wollen. Die Frage nach dem Nachweis der Leistungen und der damit verbundenen Kosten sei zwar notwendig, sie müsse aber in Korrelation zu dem konkreten Nutzen für die Adressaten der Hilfe gestellt werden. Professionelles sozialpädagogisches Handeln habe seinen angemessenen Preis und zahle sich aus, es dürfe sich somit nicht nur auf rein wirtschaftliche Diskussionen reduzieren lassen.

Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich der Jugendwohngruppen können mit der von Ebeling unter 64 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, ihren Erziehungsberechtigten und den zuständigen Mitarbeitern der Jugendwohngemeinschaften gezogenen Stichprobe gestärkt in entsprechende Verhandlungen um Finanzfragen einsteigen.

Fazit

Die von Ebeling vorgelegte Evaluation ist eine solide Grundlage, eigene Qualitätssicherungsprozesse zu überdenken und - wo noch nicht vorhanden - zu etablieren, die soziale Arbeit ein Stück weit transparenter zu machen und auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu stärken.


Rezension von
Robert Hotstegs
Direktor des Instituts für Jugendleiter und Qualifikation (Institut juleiqua)
Referent für Jugendgruppenleiterschulungen
Homepage www.juleiqua.de


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Zitiervorschlag
Robert Hotstegs. Rezension vom 11.05.2004 zu: Rolf Ebeling: Moderne (Klein-) Gruppenpädagogik in Jugendwohngemeinschaften als erfolgreiche Alternative wirtschaftlicher Denkmodelle. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2003. ISBN 978-3-89821-321-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1259.php, Datum des Zugriffs 04.03.2021.


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