Ulrich Beer: Zivilcourage
Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 30.12.2011
Ulrich Beer: Zivilcourage.
Centaurus Verlag & Media KG
(Freiburg) 2011.
50 Seiten.
ISBN 978-3-86226-079-9.
D: 5,80 EUR,
A: 5,80 EUR.
Reihe: Centaurus Pocket Apps - 16.
Zivilcourage ist eine demokratische Grundtugend
„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, so steht es zuoberst in der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 proklamierten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, als globale Ethik und der Überzeugung, dass „die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet“. Die Verwirklichung dieser allgemein ethischen Prämisse kann nicht allein durch eine tolerante Haltung – „Ich habe ja nichts dagegen, dass du anders bist als ich…“ – gelingen, sondern bedarf des aktiven Handelns, wenn das Recht auf Menschenwürde von anderen Menschen missachtet und einem anderen Menschen oder einer Menschengruppe abgesprochen wird, in Gedanken, Worten und Werken. Diese Haltung, für das Menschenrecht und die Menschenwürde eines anderen Menschen einzutreten, wird als Zivilcourage oder sozialer Mut bezeichnet (vgl. dazu auch: Gerd Meyer, Lebendige Demokratie. Zivilcourage und Mut im Alltag, 2004, www.socialnet.de/rezensionen/1464.php sowie: Dieter Lünse, Jörg Kowalczyk, u.a., Zivilcourage können alle! Ein Trainingshandbuch für Schule und Jugendarbeit, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12124.php). Insbesondere in der schulischen und außerschulischen Politischen Bildung wird die Tugend der Zivilcourage als ein Schlüsselbegriff für ein demokratisches, friedliches und gerechtes Zusammenleben der Menschen, lokal und global, verstanden und gefordert.
Autor und Entstehungshintergrund
Am 11. Mai 2011 verstarb in Eisenbach-Oberbränd der Psychologe, Schriftsteller und Fernsehautor Ulrich Beer. Er hat sich Zeit seines Lebens in vielen Schriften und Aktivitäten dafür eingesetzt, wie es gelingen kann, negative Gefühle ins Positive zu verwandeln, eine kreative Autorität zu zeigen und Vertrauen im Zusammenleben der Menschen zu erwerben. „Sein ganzes Leben hat er Spaß daran gehabt, seine Träume in kurzen Geschichten, seine Gefühle in Gedichten und blitzartige Erkenntnisse in Aphorismen auszudrücken“. Als politischer Mensch war es ihm immer wichtig, nicht nur selbst Toleranz und Zivilcourage zu praktizieren, sondern auch andere Menschen zu ermutigen, dies zu tun; etwa indem er die Eisenbacher Autorenstiftung gründete, mit der alle fünf Jahre der Ulrich-Beer-Förderpreis des „Eisenbacher Dorfschreibers“ an junge Autorinnen und Autoren verliehen wird. Seit 2002 fungierte er als Herausgeber der Schriftenreihe „Lebensformen“ im Centaurus Verlag. Nun bringt der Verlag in der Pocket-Reihe das Heftchen heraus, das man getrost in der Tasche oder auch unter dem Arm tragen, bei vielen Alltagsgelegenheiten lesen und als Gesprächsstoff bei Zusammenkünften benutzen kann.
Inhalt
Das Eintreten für die eigene Freiheit und die der anderen Menschen, aktiv und konsequent, ist eine Voraussetzung für ein friedliches, gemeinsames Zusammenleben in unserer (Einen?) Welt. Denn „die Freiheit ist keine Torte, die genossen, sondern ein Muskel, der trainiert werden will“. Mit dem Gedicht, das Dietrich Bonhoeffer angesichts seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten 1945 schrieb, verdeutlicht Ulrich Beer seine Auffassungen von Zivilcourage, die er mit einigen Regeln für die Praxis versieht: Nicht das Beliebige, / sondern das Rechte tun und wagen / nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen, / nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit. / Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens, / nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen, / und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend empfangen.
Fazit
„Zivilcourage ist Zielcourage“ – und bedachter Mut! So wie es notwendig ist, Demokratie zu lernen, so bedarf es nicht nur der Bereitschaft zum sozialen und Friedensmut, sondern auch der Einübung in zivilcouragiertes Verhalten. Zwischenrufe wie die von Ulrich Beer (?) können dazu beitragen, die Überzeugung zu leben, dass Zivilcourage aus Lebensmut und Lebenshoffnung besteht. Der kurze, prägnante Text, der die Vielfalten für die Haltung „Zivilcourage“ thematisiert, lässt sich gut für den Bildungs- und Erziehungsprozess in der Schule einsetzen und in der Politischen Bildung für Erwachsene verwenden!
Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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