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Peter-Michael Hax, Thomas Hax-Schoppenhorst (Hrsg.): Kommunikation mit Patienten in der Chirurgie

Cover Peter-Michael Hax, Thomas Hax-Schoppenhorst (Hrsg.): Kommunikation mit Patienten in der Chirurgie. Praxisempfehlungen für Ärzte aller operativen Fächer. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2012. 275 Seiten. ISBN 978-3-17-021613-6. 36,90 EUR.
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Thema

Das Statistische Bundesamt teilte 2010 mit, dass jährlich in Deutschland annähernd 14 Millionen Operationen in Krankenhäusern bzw. Kliniken durchgeführt werden. Mit der Notwendigkeit eines chirurgischen Eingriffs müssen sich folglich sehr viele Menschen unterschiedlichen Alters tagtäglich – bei Verletzungen durch Unfälle sogar binnen weniger Stunden – vertraut machen. Nicht selten ist mit der Zeit nach dem Eingriff eine längere Zeit der Rehabilitation verbunden; unter Umständen ergeben sich grundlegende Veränderungen des Lebens.

Was für chirurgisch Tätige Alltag bzw. Routine ist, bedeutet für die Betroffenen weitaus mehr: Sie erleben Angst, Unsicherheit und Scham, machen sich Sorgen um ihre körperliche Unversehrtheit, haben Verständnisprobleme, eine Fülle von Fragen und fühlen sich mitunter der ‚Gesundheitsmaschinerie‘ – ein häufig bedientes Bild in den Medien – hilflos ausgeliefert.

Ärztinnen und Ärzten nehmen in dieser Situation nicht nur als kompetent im chirurgischen Sinn Handelnde eine Schlüsselrolle ein – auch als Gesprächspartner der Patienten sind sie gefragt! Über lange Zeit herrschte die Auffassung vor, den kommunikativen Aspekt in der Arzt-Patienten-Beziehung könne man als zweitrangig ansehen, das eher wortkarge und wenig empathische Miteinander sei der aktuellen Dringlichkeit bzw. dem Primat der bestmöglichen medizinischen Versorgung geschuldet. Mittlerweile ist jedoch unstrittig, dass eine gekonnte, intakte Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten Sicherheitsgefühle und Wohlbefinden bei den Kranken erkennbar steigert, den Umgang mit Komplikationen deutlich erleichtert und damit auch eventuellen Klagen wegen vermuteter Behandlungsfehler vorbeugt, Heilungsprozesse beschleunigen bzw. Verweildauern verkürzen kann und schließlich in entscheidender Weise zum guten Ruf eines Hauses beiträgt, da Patientenzufriedenheit von der zentralen Frage abhängig ist, inwiefern die ‚Kunden‘ sich umfassend informiert, verstanden und gut aufgehoben fühlen.

Das Problem: Die Trennung zwischen Leib und Seele ist in den Köpfen der Behandelnden noch immer präsent; eine vitale Kommunikation in der Chirurgie will ebenso erlernt sein wie der geschickte Umgang mit dem Skalpell! Wenn auch in den letzten Jahren vielfache Angebote – Seminare, rhetorische Trainings, Übungen mit Schauspielern als Patienten – zu verzeichnen sind, fehlt es bislang an einer fundierten, systematischen und interdisziplinär ausgerichteten Aufarbeitung in Buchform.

Herausgeber

Dr. med. Peter-Michael Hax, Unfallchirurg und Orthopäde, ist seit über 30 Jahren an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Duisburg tätig, derzeit als 1. Oberarzt und Stellvertretender Ärztlicher Direktor. Im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit konnte er beobachten, dass sich sein Verständnis von der Beziehung zu seinen Patienten grundlegend gewandelt hat. Das Gespräch mit ihnen sah er zunehmend als „Nadelöhr“ zu einer guten und erfolgreichen Behandlung an und entschloss sich, seine Erfahrungen, sein Wissen Kolleginnen und Kollegen, aber auch jungen Medizinern in der Ausbildung im Sinne einer hilfreichen Empfehlung mitzuteilen.

Thomas Hax-Schoppenhorst, Pädagoge und seit über 20 Jahren als Autor verschiedener Sachbücher tätig, ist seit 25 Jahren an der LVR-Klinik Düren, Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, beschäftigt. Er ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, arbeitet im Qualitätsmanagement und unterrichtet das Fach „Kommunikation“ an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege.

Entstehungshintergrund

Die Gebrüder Hax entschieden sich zu einer fächerübergreifenden Kooperation, bündelten somit ihre Erfahrungen und Talente. Im Vorfeld ihrer Arbeiten an dem Manuskript schlossen sie Kontakt mit Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen ‚schneidenden Disziplinen‘, psychosomatisch orientierten Medizinern, Anbietern von Coachings und Kommunikationskursen für Chirurgen und weiteren Berufsgruppen des Krankenhauswesens in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auf der Grundlage dieser intensiven Orientierungsphase entschlossen sie sich gemeinsam mit ihren Coautorinnen und Coautoren zu dem Herausgeberband.

Aufbau

21 Beiträge der für das jeweilige Schwerpunktthema zuständigen Experten machen das Gesamtwerk aus. Durch eine sorgsame Herausgeberschaft wurde jedoch verhindert, dass hiermit Lesenden eine wenig koordinierte Aufsatzsammlung vorgelegt wird. Inhaltliche Dopplungen gibt es lediglich im Fall einer notwendigen, angebrachten Wissensvertiefung; eine stattliche Zahl von Verweisen auf zuvor Geschriebenes bzw. kommende Aspekte stärkt den Eindruck, dass alle Beteiligten ‚das Ganze‘ im Sinn hatten, statt mit isolierten Texten glänzen zu wollen.

Den Geist des Buches geben zwei vorangestellte Geleitworte zu erkennen. Prof. Dr. med. Dieter Rixen, Ärztlicher Direktor der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Duisburg, lässt nicht den geringsten Zweifel daran, dass ein Umdenken in Bezug auf das Arzt-Patientenverhältnis in der Chirurgie dringend erforderlich ist und appelliert überzeugend, darin weit mehr als ein (zusätzliches und Zeit raubendes) Pflicht-Thema zu sehen.

Dr. Bernd Hontschik, Chirurg in Frankfurt und exponierter Gegner einer „Medizin für Körper ohne Seelen“ und einer „Medizin für Seelen ohne Körper“ (S. 9), berichtet eindrucksvoll von seinem Werdegang als Arzt, von dem Wandel in der Haltung, fordert – zu Recht – ein neues chirurgisches Curriculum (S. 11) und wünscht dem Buch eine weite Verbreitung.

Allen Texten schließen sich ausführliche Literaturangaben an, die eine vertiefende Bearbeitung ermöglichen. Das Stichwortverzeichnis ist sehr umfangreich und erleichtert ein schnelles, gezieltes Suchen.

Inhalt

Grundlegende Beiträge zur Kommunikation gehen den Betrachtungen aus den einzelnen operativen Fächern voran. Im sich daran anschließenden Teil werden bestimmte Patientengruppen (Kinder, alte Menschen, Migranten) in den Fokus gerückt.

Im Einzelnen:

1. Dr. Dieter Theuer, Prof. Dr. Rolf Verres, Prof. Dr. Eike Martin und Prof. Dr. Markus Büchler definieren ausführlich die Voraussetzungen, welche einen Mediziner zu einem „Guten Arzt“ werden lassen, vertiefen ihre Gedanken zu einem ethisch begründeten ärztlichen Umgang mit chirurgischen Patienten und postulieren, dass „keine regulatorische Behörde (…) durch Auferlegung bürokratischer und anderer Lasten in die Zeit hinein regieren“ kann, „welche der ‚Gute Arzt‘ für ein tiefgründiges und vertrauensvolles Gespräch mit den Patienten braucht.“ (S. 20)

2. Jens Hager van der Laan und Dr. med. Ulrike Schlein thematisieren die Systembedingungen für erfolgreiche Patientengespräche. Ihre These lautet: „Die Qualität des Kommunikationsklimas in einer Abteilung, in einer Klinik und die Gesprächskultur selbst in einem Krankenhauskonzern wirken sich auf die Art und Weise aus, wie Gespräche mit verschiedenen Kooperationspartnern (Patienten, Angehörige, zuweisende Ärzte, Kostenträger usw.) zustande kommen und geführt werden.“ (S. 36)

3. Claudia Tödtmann ist die Vertreterin der Patientenperspektive. Mit Blick auf auch selbst gemachte, zum Teil leidvolle Erfahrungen im Krankenhaus kommt sie zu dem Schluss, dass mit der Begegnung zwischen Arzt und Patienten „zwei Welten“ aufeinanderstoßen (S. 57); sie bezeichnet die Visite als „kommunikativen-Supergau“ (S. 59), legt ihre Gefühle von Angst und Scham im Krankenbett schonungslos offen und zeigt damit auf, wie es anders laufen müsste, wollte man sich als Patientin gut aufgehoben fühlen.

4. Dr. Christoph und Dr. Ruperta Mattern fragen sich sehr konkret: „Was bedeutet ein chirurgischer Eingriff für das Seelenleben eines Patienten?“ (S. 63) und kommen u. a. zu dem Schluss, dass Gefühle von Angst, Hilflosigkeit und Scham noch nicht ausreichende Berücksichtigung im Gespräch finden. (S. 73)

5. Thomas Hax-Schoppenhorst sieht das Gespräch als „Herz der Medizin“ (S. 75) und stellt fest, dass „jede Gesundheitsreform, wenn sie wirksam sein will, die Frage klären“ muss, „wie sie das Gespräch zwischen Arzt und Patient gestalten kann.“ (S. 80)

6. Prof. Dr. Wolf Langewitz gibt sehr praxisnahe Empfehlungen für ein Arzt-Patientengespräch, skizziert die Erwartungen von Patienten an ihren Arzt und geht der Frage nach, wie man überhaupt Chirurg wird bzw. welche Studenten sich für die Chirurgie entscheiden, wobei er ernüchternd feststellen muss, dass „Studierende, die später ein chirurgisches Fach wählen, auf Grund ihrer Persönlichkeit weniger daran interessiert sind, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen – sich zu binden.“ (S. 92) Er sieht kommunikative Kompetenzen als Kernkompetenzen – auch des chirurgisch Tätigen – an (S. 96) und plädiert daher für einen Gesinnungswandel.

7. Dr. med. Peter-Michael Hax gibt in Anlehnung an seine langjährigen praktischen Erfahrungen wertvolle Empfehlungen für Gespräche in Unfallchirurgie und Orthopädie. Das Gebot der Ruhe und Vertrauen schaffenden Klarheit im Umgang mit seinem jeweiligen Gegenüber prägt seine Ausführungen.

8. Der heiklen Thematik „Behandlungsfehler“ widmet sich der Beitrag von Prof. Dr. med. Martin Hansis und resümiert: “Je stabiler und glaubwürdiger der belastete Arzt dem Patienten bzw. seinem Angehörigen wirkliche Achtung, wirklichen Respekt entgegenbringen kann (…), desto leichter wird er die richtigen Worte und die richtigen Formen der non-verbalen Kommunikation finden.“ (S. 115) Seine Empfehlungen zum Umgang mit Behandlungsfehlern vermitteln eine in solchen Fällen sicherlich erwünschte Beruhigung der Gemüter.

9. In ähnlicher Weise gestaltet Prof. Dr. Michael Scherer seine mit Fallbeispielen unterlegten Darlegung des Gesprächs über Komplikationen und ermöglicht durch die Erläuterung von Standardfehlern in der Kommunikation (S. 120) klar, wie entlastend eine korrekte, ehrliche Gesprächsweise wirken kann.

10. Dr. Jan und Dr. Eva Schildmann nehmen Bezug auf eine Problematik, der sich wohl niemand in der Chirurgie gerne bzw. ohne hohe innere Not und Anspannung stellt: Die Überbringung schlechter Nachrichten (schwere Verletzungen, Tod eines Angehörigen, Malignität, …) will wohl überdacht, angemessen formuliert sein. Es gibt bewährte Schritte (S. 131), die dabei helfen können, auch diese kommunikative Herausforderung erfolgreich zu bewältigen.

11. Ausführlich stellt Dr. med. Horst Poimann das Konzept der Idiolektik (Umgang mit der Eigensprache des anderen) vor. Er setzt es in seiner neurochirurgischen Praxis ein, eine Anwendung ist jedoch auch in den anderen Disziplinen möglich und sogar empfehlenswert.

12. Um die Bedeutung des Erstkontakts bzw. Erstgesprächs, die Struktur eines Entlassungsgesprächs sowie um die Erstdiagnose in sehr jungem Alter geht es in den Ausführungen zur Kommunikation mit urologischen Patienten (S. 153) von Dr. med. Robin Epplen und Prof. Dr. med. Axel Heidenreich.

13. Prof. Dr. med. Herhard Gebauer und PD Dr. Holger Maul veranschaulichen, inwiefern das „Shared decision making“ – ein Modell der partnerschaftlichen Arzt-Patient-Beziehung – in der Gynäkologie und Geburtshilfe erfolgreich Anwendung finden kann.

14. Dr. med. Monika Keller und Jelena Zwingmann stellen das bundesweit mit großem Erfolg angewandte KoMPASS-Konzept (S. 168) vor und machen damit Mut zur sicherlich nicht spannungsfreien Kommunikation mit Krebskranken.

15. Gespräche mit Kindern und deren Eltern in der Chirurgie sind der Gegenstand der Ausführungen von Prof. Dr. med. Felicitas Eckoldt. Sie gibt unter Bezugnahme auf Standardeingriffe in der Chirurgie (S. 183) wichtige Orientierungen.

16. Prof. Dr. Lutz von Laer, Dr. med. Ralf Kraus und Prof. Dr. med. Wolfgang E. Linhart stellen ein Kommunikationskonzept im Interesse kranker Kinder und den Verein „Li-La e. V.“ (Licht und Lachen für Kinder) vor und zeigen typische Kommunikationsfehler in dem Dreieck ‚Arzt-Kind-Eltern‘ auf.

17. Prof. Dr. med. Linus Geisler beklagt eine patronisierende Kommunikation (S. 206) in Gesprächen mit alten Menschen in der Chirurgie und spricht sich für einen altersgerechten Umgang mit Seniorinnen und Senioren aus.

18. Eine Vertiefung der Gedanken von Geisler ermöglicht der Beitrag von Prof. Dr. med. Stefanie Becker, die sich mit der Forderung „So viel Zeit muss sein!“ (S. 224) engagiert für eine Wahrung der Interessen unserer alten Menschen ausspricht.

19. Mit der Devise „Aufklären – hinhören – mitfühlen“ (S. 227) setzt Claudia Sciborski klare Akzente in Bezug auf die Kommunikation mit Angehörigen. Sie stellt die humanistische, klientenzentrierte Kommunikation anschaulich vor und beschreibt verschiedene Gesprächstechniken.

20. Ein schlüssiges Konzept liefert Monika Eicke mit dem Text zum Umgang mit Migrantinnen und Migranten im Gesundheitswesen und betont die Bedeutung einer qualifizierten interkulturellen Vermittlung. (S. 249)

21. Dass das von Chirurgen und anderen Mitarbeitenden im Krankenhaus häufig nicht gerade freudig begrüßte Qualitätsmanagement durchaus gute Seiten haben kann, belegt der abschließende Text von Dörte Lemmer. Unter Bezug auf Patientenbefragungen (S. 257) und das Beschwerdemanagement (S. 260) macht sie nachvollziehbar, inwiefern ein akzeptiertes, von allen Seiten getragenes und gelebtes Qualitätsmanagement einer guten Kommunikationskultur dienlich sein kann.

Diskussion

Zunächst ist Herausgebern und Autoren Respekt zu zollen! Ihr Buch vermittelt glaubwürdig, engagiert und fundiert die feste Überzeugung, dass die kommunikative Praxis in der Chirurgie auf den Prüfstand gehört. Somit ist auch der verfolgte Ansatz völlig richtig, nicht eine Facette aus den breiten Spektren ‚Chirurgie‘ bzw. ‚Kommunikation‘ gewissermaßen isoliert zu betrachten. Bemerkenswert ist auch, dass es gelungen ist, sehr namhafte Vertreter für das Projekt zu gewinnen. So gilt zum Beispiel Prof. Dr. Markus Büchler als bundes- und europaweit anerkannte Kapazität; Prof. Dr. Wolf Langewitz ist Verfasser der Kommunikations-Leitlinien für Chirurgen in der Schweiz; Prof. Dr. Linus Geisler ist in der Fachwelt ein Begriff und Dr. Bernd Hontschik hat sich u. a. durch seine kritischen Kolumnen in der Presse einen Namen gemacht. Ihre Bereitschaft zur Mitarbeit an dem Band (und selbstverständlich auch die der jetzt nicht unmittelbar Genannten) ist ein überzeugendes Votum und eine kaum zu überlesende Einladung an Kolleginnen und Kollegen, sich beherzt anzuschließen und über neue Wege in der Kommunikation in der Chirurgie nachzudenken.

Auch relativiert sich der vielleicht von kritischen Betrachtern vorgebrachte Einwand, das Werk sei eventuell zu speziell, also für den jeweils Lesenden nur in einigen Abschnitten von praktischem Nutzen, denn allgemein gültige Aussagen bzw. praxisnahe Empfehlungen durchziehen alle Texte und geben damit kostbare Ratschläge für alle Bereiche der Chirurgie.

Vielleicht sollte man bei einer weiteren Auflage die in der Krankenhausseelsorge Beschäftigten berücksichtigen, denn zu ihrem ‚täglichen Brot‘ gehört die Kommunikation mit Patienten; ihre Erfahrungen, ihre Sichtweisen könnten gute Hinweise geben. Interessant dürfte ebenso sein, welche Empfehlungen Pflegende (die weitaus mehr mit den Patienten im Kontakt sind) ihren ärztlichen Kollegen gäben – würde ihnen Gehör geschenkt …

Fazit

Es liegt hiermit ein überzeugender, sorgfältig erarbeiteter, längst fälliger und zugleich mutiger Titel vor. Zu Aspekten der Kommunikation in der Chirurgie handelt es sich um die erste Veröffentlichung in Buchform im deutschsprachigen Raum. Von daher könnte man mutmaßen, dass das Interesse sehr groß ist, da an den Universitäten, die sich endlich auch dem Thema öffnen, der Bedarf an Grundlagenliteratur zweifelsfrei gegeben ist und da immer mehr chirurgisch Tätige den Wunsch äußern, sich in Fragen der kommunikativen Kompetenz fortzubilden. Mutig ist das Projekt, weil es andererseits immer noch Vorbehalte innerhalb der Zielgruppe gibt. Die Überzeugung, ein gutes Arzt-Patientengespräch sei in erster Linie eine Frage des gesunden Menschenverstandes, ist weit verbreitet. Umso mehr sind Engagement des Verlags und der Autorenschaft zu begrüßen, denn das Buch, das sehr wohl mit Gewinn von vielen Berufsgruppen (Sozialdienst, Pflege, Seelsorge, Wirtschaftsabteilung) gelesen werden kann, liefert entscheidende Gedankengänge, wichtige Impulse und eine Vielzahl praktischer Beispiele.

Schließlich sei ein Argument nicht unerwähnt, das häufig zu hören ist, wenn der Wunsch geäußert wird, Ärzte sollten doch eingehender mit ihren Patienten sprechen: „Dazu fehlt einfach die Zeit!“ Abgesehen davon, dass ein gutes Gespräch die Zahl der sich anschließenden erkennbar reduziert (der schlechte, auf die Schnelle absolvierte Kontakt schafft vielfach erst die Grundlage für weiteres, ungeduldiges Nachfragen …), verweist Dr. med. Peter-Michael Hax auf einen Ausspruch seines ehemaligen Chefs, Prof. Dr. med. Günther Hierholzer: „Der Faktor Zeitnot richtet sich zu Unrecht gegen den einzelnen Patienten, er hat Ursachen, die in unserer Gesellschaft begründet sind und zu denen auch wir Chirurgen kräftig beitragen.“ (S. 107)

Verlage unterscheiden bei der Planung von Buchprojekten zwischen „Kann-Titeln“ und „Muss-Titeln“ – es gibt also Bücher, deren Anschaffung für Ausbildung oder Praxis unverzichtbar ist, und Bücher, die man sich ‚gönnen‘ kann. Es wäre zu wünschen, dass das Buch sehr schnell ein „Muss“ wird.


Rezension von
Dr. med. Matthias Kötting
Arzt für Viszeral-, Unfall-, spezielle Unfall- Chirurgie Chefarzt am Herz-Jesu-Krankenhaus Dernbach
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Zitiervorschlag
Matthias Kötting. Rezension vom 14.06.2012 zu: Peter-Michael Hax, Thomas Hax-Schoppenhorst (Hrsg.): Kommunikation mit Patienten in der Chirurgie. Praxisempfehlungen für Ärzte aller operativen Fächer. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-17-021613-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12606.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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