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Sir Peter Ustinov Institut (Hrsg.): Kompetenz im Umgang mit Vorurteilen

Cover Sir Peter Ustinov Institut (Hrsg.): Kompetenz im Umgang mit Vorurteilen. Lehrbehelf und Materialien für die Sekundarstufe I. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2011. 110 Seiten. ISBN 978-3-89974-752-2. D: 24,80 EUR, A: 25,50 EUR.

Reihe: Sozialwissenschaften unterrichten.
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Für eine vorurteilsbewusste Bildung

In der Vorurteilsforschung wird kontrovers diskutiert, ob es nicht nur negative, sondern auch positive Vorurteile gibt. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich jedoch durchgesetzt, dass Vorurteile Denk- und Verhaltensweisen sind, die sich in Ablehnung, Antipathie, Diskriminierung, Stigmatisierung, Fremdenfeindlichkeit oder rassistischer Haltung gegenüber Individuen und Gemeinschaften zeigen (Gordon W. Allport). Diese inhumanen und gesellschaftsschädigenden Stereotypisierungen gilt es zu überwinden. Bildungs- und Erziehungsanstrengungen sind dafür die geeigneten Maßnahmen.

Entstehungshintergrund und Herausgeber-Einrichtung

Ein friedliches, gleichberechtigtes und demokratisches Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft, wie auch im globalen Maßstab ist ein Wert, der zu den obersten Prinzipien einer humanen Ethik gehört, wie dies in der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) formuliert wird, dass nämlich „die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet“. Die Durchsetzung dieser Verpflichtung ist in allen Verfassungen von freiheitlich-demokratischen Gesellschaften grundgelegt, und sie ist in allen Schulgesetzen postuliert.

Peter Ustinov, der bei vielen Menschen „nur“ als Schauspieler bekannt war (1921 – 2004), hat sich während seines Lebens in vielfältiger Weise darum gekümmert, wie Vorurteile bei Menschen entstehen und wie sie aus den Köpfen und aus der Welt geschafft werden können. Der zweifache Oskar-Preisträger und UNICEF-Botschafter gründete an den Universitäten im britischen Durham (dessen Kanzler er war) und in Wien Institute zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen.1999 schuf er die Sir Peter Ustinov-Stiftung, die in mehreren so genannten Entwicklungs- und Krisenländern internationale Kinder- und Jugendprojekte fördert. Zahlreiche Schulen in der Welt, u. a. in Afghanistan, tragen den Namen Sir Peter Ustinov-Schulen; in Deutschland sind es Schulen in Berlin-Charlottenburg, Eckernförde, Hannover-Ricklingen, Hude, Köln-Nippes, Mönchengladbach und Monheim (www.ustinov.at). Das Sir Peter Ustinov Institut in Wien hat bereits zahlreiche Informations- und Lernmaterialien herausgebracht, wie das Buch „Vorurteile in der Kindheit“, das als Ergebnis einer Fachtagung im Verlag Braumüller (Wien 2007) erschienen ist, und die Broschüre „Kompetenz im Umgang mit Vorurteilen. Vorurteilsbewusstes Unterrichten an Grundschulen“ (SPU-Stiftung, Düsseldorf, 2009, www.teachernews.de/).

Die Stiftung hat soeben im Wochenschau-Verlag gewissermaßen die Fortsetzung der Grundschul-Broschüre heraus gebracht, in der anerkannte Fachleute aus der Sozial- und Vorurteilsforschung und Praxis darüber nachdenken, wie Vorurteile bei 10- bis 14jährigen wirken und sich in der Entwicklung der Jugendlichen darstellen.

Aufbau und Inhalt

In fünf Bereichen diskutieren die Autorinnen und Autoren die Vorurteilsthematik:

  1. Rassismus,
  2. Fremdenfeindlichkeit,
  3. Ethnisierung,
  4. Diskriminierung aufgrund von religiöser Zugehörigkeit und
  5. Vorurteile, die sich auf das Geschlecht beziehen.

Der ehemalige Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, stellt in einem Theorie-Praxis-Beitrag die Frage: „Was sind Vorurteile und Feindbilder?“. Der Innsbrucker Sozialpsychologe Josef Berghold thematisiert „Vorurteile auf individueller Ebene“. Der Wiener Politikwissenschaftler und Direktor des Instituts für Konfliktforschung Anton Pelinka thematisiert „Vorurteile auf gesellschaftlicher Ebene“. Der Pädagoge Dietmar Larcher setzt sich auseinander mit Vorurteilsbildungen: „Du sollst dir kein Bildnis machen“. Siegfried Frech, Fachreferent der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg und Elfriede Windischbauer, Leiterin des Instituts für Didaktik und Unterrichtsentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Salzburg, informieren über „Didaktische Leitprinzipien vorurteilssensiblen Unterrichtens“. Josef Berghold und der Schweizer Geschichtsdidaktiker Kurt Messmer stellen zwei Unterrichtsbeispiele zur Vorurteilsthematik „Rassismus“ vor, Siegfried Frech und Dietmar Larcher zu „Fremdenfeindlichkeit“, Siegfried Frech zu „Ethnisierung“, die Berliner Historikerin Angelika Königseder zu „Diskriminierung aufgrund von religiöser Zugehörigkeit“, und Elfriede Windischbauer zu „Doing und Undoing Gender, als Beispiel für einen geschlechtersensiblen Unterricht.

Eine annotierte Auswahl von Unterrichtsmaterialien vervollständigt das Handbuch.

Das Vorwort dazu schreibt der Vorsitzende des Vorstandes des Sir Peter Ustinov Instituts zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen, Friedrich Gehart; und in der Einleitung formuliert Gertraud Diendorfer vom Demokratiezentrum Wien.

Fazit

Als Sir Peter Ustinov einmal gefragt wurde, ob seine engagierte, humanitäre Arbeit nicht ein Tropfen auf einen heißen Stein wäre, antwortete er: „Nein, es ist ein Tropfen im Ozean, und der geht nicht verloren?. Dieses Bonmot kann als Ermunterung und Ermutigung dienen, das Thema Vorurteile nicht mit dem erhobenen Zeigefinger und moralisierend im Erziehungsprozess zu bearbeiten, sondern mit Unterrichtsmaterialien wie die von den Autorinnen und Autoren angeboten. Sie sind so angelegt, dass sie von den Lehrenden und Lernenden in einer wachen Lernsituation mühelos rezipiert und mit eigenen Beispielen weiterentwickelt werden können.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 11.01.2012 zu: Sir Peter Ustinov Institut (Hrsg.): Kompetenz im Umgang mit Vorurteilen. Lehrbehelf und Materialien für die Sekundarstufe I. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2011. ISBN 978-3-89974-752-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12620.php, Datum des Zugriffs 18.09.2019.


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