socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Dagmar Giersberg: Und dann? 101 Ideen für den Ruhestand

Cover Dagmar Giersberg: Und dann? 101 Ideen für den Ruhestand. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2011. 2., Auflage. 188 Seiten. ISBN 978-3-7639-4957-1. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 26,90 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Für das Vermeiden von Leerlauf in den nunmehr oftmals drei Jahrzehnte währenden Ruhestandsjahren gibt es Ideen zuhauf. Aktivität ist zwar nicht die einzige Bedingung für Glück im Alter, aber doch eine hinreichende Voraussetzung für das Ausgefüllt-Sein in den Ruhestandsjahren. Jenseits der innerhäuslichen und innerfamilialen Aktivitäten tut sich eine Fülle an Betätigungsmöglichkeiten auf. Die Zivilgesellschaft sieht sie zu ihrer eigenen Bereicherung und Humanisierung gerne wahrgenommen. Dagmar Giersberg hat in ihrem bei Bertelsmann nun in zweiter Auflage heraus gekommenem und überarbeitetem Buch „Und dann? 101 Ideen für den Ruhestand“ eine Fülle von möglichen Alters-Aktivitäten in Vereinen, Organisationen und sonstigen sozialen Feldern zusammen geschrieben und nennt in ihrem 190seitigen Ratgeber hilfreiche Anlaufstellen. Niemand muss sich langweilen, ist die Devise.

Autorin

Dr. phil. Dagmar Giersberg arbeitet nach germanistischem und philologischem Studium als Publizistin, Lektorin und Erwachsenenbildnerin unter anderem auf dem Gebiet Deutsch als Fremdsprache für Ausländer/im Ausland.

Allgemeine Inhalte

Das Buch zu den bereichernden Alters-Aktivitäten will bereits praktizierte Ruhestands-Betätigungen weitergeben und zur Entwicklung neuer, eigenständiger Ideen für Tätigkeits-Initiativen anregen. Dazu werden der Leserschaft Motivations-Checks, rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen sowie wegweisende Adressen an die Hand gegeben.

Inhalte im einzelnen

Das typografisch einladend gestaltete und leicht lesbare Ratgeber-Buch zu den Alters-Aktivitäten ist in fünf Abschnitte gegliedert. Eingestreute Interviews mit Henning Scherf, Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft BAG der Seniorenorganisationen BAGSO, Gabriella Hinn von der BAG Seniorenbüros und Tobias Kemnitzer von der BAG Freiwilligenagenturen nehmen Ängste beim „Sprung auf“ ins Tätigwerden und motivieren zusätzlich.

Eingangs wird gezeigt, dass auch alte Menschen noch Ideen entwickeln können, wenn sie im Training geblieben sind. Rechtliche Fragen betreffen die Zuverdienst-Möglichkeiten zur Rente, Versicherungsschutz und Steuerbefreiungsmöglichkeiten. Die persönliche Motivation lässt sich mit den Checklisten zu Gebieten, Tätigkeiten, Klientel und eigenen Kompetenzen abklären. In drei Tableaus zu 33 (Tableau 1 und 2) und 35 Beispielsaktivitäten (Tableau 3) werden querbeet kurz und knapp 101 Initiativen beschrieben. Sie beackern so heterogene Gebiete wie das Gesundheitswesen, Bildung/Kunst, soziale Kommunikation, Kirchen, Hauswirtschaft, Landschaft/Natur, Administration/Strafvollzug, Vereinsleben, Reisen und Veranstaltungen. Dieses weite Tableau-Spektrum schließt mit der kurzen Skizzierung von aktuellen überörtlichen Initiativen und verwaltungsförmigen Diensten wie dem Programm Freiwilligendienste aller Generationen FDaG (mindestens acht Stunden pro Woche für mindestens sechs Monate), dem Bundesfreiwilligendienst (mindestens 20 Stunden pro Woche für 12 Monate) und den SeniorTrainer-Kursen nach dem Programm Erfahrungswissen für Initiativen EFI (mit 50 Kursstunden und Erfahrungspraktikum). Ein abschließendes Adressen-Register nennt Anschriften von Verbänden und Organisationen, die als Anlaufstellen für die in Aussicht genommenen Aktivitäten dienen können.

Diskussion

Ohne ehrenamtliche Aktivität wäre die Welt gewiss kälter und herzloser. Diese Wahrheit teilt das Aktivierungs-Buch von Dagmar Giersberg beinahe auf jeder Seite mit. Positiv ist, dass der Ratgeber die Leserschaft nicht planlos in einen Aktivitäts-Aktionismus treibt, sondern einige Reflexionskapitel zu Erwartungen und persönlicher Motivation voraus schickt. Man soll sich vor gut gemeinten Einsätzen genau überlegen, ob man dauerhafte Kontakte mit Behinderten, Sterbenden und Strafgefangenen aushält und ob man im Krankenhaus-Besuchsdienst der Grünen Damen so regelmäßig erscheint, dass man von den dort tätigen Professionellen auch ernst genommen wird. Zu solcher Erhellung sind einige besonders gekennzeichnete Initiativen mit erweiterten Erläuterungen versehen.

Der Aktivierungs-Ratgeber lenkt den Blick nur auf Felder außerhalb der eigenen Familie und Hauswirtschaft, die bei vielen alten Menschen ja ein bevorzugtes Einsatzfeld sind. Das könnte ein falsches Bild von zu vielen Inaktiven geben, die sich indes innerhäuslich einbringen. Auch entstehen viele Aktionen alter Menschen nicht erst nach Ruhestandseintritt, wie sich bei der Lektüre des Ratgebers vermuten lässt. Ein Großteil von Ruhestandsbetätigungen wurde bereits in der beruflichen Aktivzeit entwickelt und wird im Ruhestand fortgeführt und eventuell ausgeweitet. Ob die in bunter Reihenfolge geschilderten Alters-Aktivitäten nicht doch besser nach Einsatzgebieten hätten abgehandelt werden sollen, steht dahin. So steht das Gassi-Führen zwischen der Waschmaschinen-Reparatur, dem Deutsch-Lehren bei Zugewanderten und der Leih-Oma.

Das Hohelied vom Ehrenamt lässt sich bei der gesellschaftlichen Vernachlässigung vieler sozialer, gesundheitlicher und hauswirtschaftlicher Bedarfe trefflich singen. Hier hätte das Buch ein Korrektiv anmahnen können für gesellschaftspolitische Initiativen mit dem Ziel der Verbesserung der Situation der Altenpopulation. Allein das Ehrenamt kann hier anstehende nachhaltige Reformen zur Vermeidung von Altersarmut, zu wirksamer Demenztherapie, hinreichender professioneller Versorgung Pflegebedürftiger und hilfreicher Überleitung alter Patienten nach Krankenhausbehandlung in ihre häusliche Umgebung nicht ausgleichen, wenn auch manche Situation etwas erträglicher machen. Man darf vom Ehrenamt bei aller Wertschätzung nicht zuviel erwarten. Die Grenzziehung zwischen ehrenamtlichen Korrekturen und politischen und professionellen Ressourcen-Mobilisierungen lässt sich konziser ziehen als in diesem Buch geschehen.

Fazit

Dagmar Giersbergs Ruhestands-Initiativbuch gibt eine Fülle von Anregungen für die Anreicherung des eigenen Ruhestands zum Segen der Allgemeinheit. Langweilen braucht sich im Ruhestand niemand, und Initiativen für ein Projekt im Rentnerstatus ergreifen lassen sich auch. Damit sollen aber erforderliche gesellschaftspolitische Reformen auf dem Gebiet der Altenhilfe nicht auf die lange Bank geschoben werden.


Rezensent
Prof. Kurt Witterstätter
Dipl.-Sozialwirt, lehrte bis zur Emeritierung 2004 Soziologie, Sozialpolitik und Gerontologie an der Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen - Hochschule für Sozial- und Gesundheitswesen; er betreute zwischenzeitlich den Master-Weiterbildungsstudiengang Sozialgerontologie der EFH Ludwigshafen
E-Mail Mailformular


Alle 89 Rezensionen von Kurt Witterstätter anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Kurt Witterstätter. Rezension vom 30.12.2011 zu: Dagmar Giersberg: Und dann? 101 Ideen für den Ruhestand. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2011. 2., Auflage. ISBN 978-3-7639-4957-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12671.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung