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Kirk J. Schneider, Orah T. Krug: Humanistisch-Existentielle Therapie

Cover Kirk J. Schneider, Orah T. Krug: Humanistisch-Existentielle Therapie. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2012. 180 Seiten. ISBN 978-3-497-02280-9. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 35,50 sFr.
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Thema

Es geht in diesem Buch um die Humanistisch-Existentielle Therapie, in deren Zentrum die Diskussion existentieller Fragen steht. Das Ziel ist die Bewusstmachung der Grenzen menschlicher Existenz, sowie die damit verbundene Angst zu spüren und zu akzeptieren.

Autor und Autorin

Kirk J. Schneider ist promovierter Psychologe und außerordentliches Fakultätsmitglied der Saybrook Graduate School und des Institute of Integral Studies in San Franzisco/Kalifornien.

Orah T. Krug ist promovierte niedergelassene Psychotherapeutin in Oakland/Kalifornien und lehrt an der Saybrook Graduate School.

Aufbau

Die Publikation befasst sich nach der Einführung mit folgenden Aspekten:

  1. Geschichte;
  2. Theorie;
  3. dem therapeutischen Prozess;
  4. der Evaluation;
  5. der zukünftigen Entwicklung.

Inhalte

„Bei der Humanistisch-Existentiellen Therapie handelt es sich um eine Mischung aus der europäischen humanistischen und existentialistischen Philosophie und der US-amerikanischen humanistischen Psychologie“ (S. 11).

Zum theoretischen Verständnis werden die Ziele der Humanistisch-Existentiellen Therapie genannt. Diese sind:

  • die Freiheit innerhalb von Grenzen;
  • das Anerkennen der Freiheitseinschränkungen;
  • das Integrieren von Freiheit und Einschränkungen;
  • der gegenwärtige Augenblick – und das ist das zentrale Anliegen;
  • das Kultivieren der Präsenz;

Die vier Kernziele sind:

  1. den Klienten dabei zu helfen, sich selbst und anderen gegenüber präsenter zu sein;
  2. den Klienten bei der Erfahrung zu helfen, wie sie sich, bezüglich einer volleren Präsenz, selbst mobilisieren und blockieren;
  3. den Klienten dabei behilflich zu sein, Verantwortung für die Gestaltung ihres gegenwärtigen Lebens zu übernehmen;
  4. den Klienten dabei zu helfen, die Möglichkeiten des Seins in ihrem äußeren Leben zu wählen bzw. zu verwirklichen.

Weiter werden die Schlüsselkonzepte behandelt. Die humanistisch-existentielle Therapie geht davon aus, „dass die gelebte Erfahrung die Grundlage ist, auf der man ein Selbstgefühl entwickelt oder aufbaut“ (S. 27).

Zu den Schlüsselkonzepten widmen sich die Autoren den Mustern psychischer Gesundheit von

  • Rollo May, Freiheit und Schicksal;
  • James Bugental, das verkörperte, sich dennoch verändernde Selbst;
  • Irvin Yalom, vier Gegebenheiten der menschlichen Existenz
  • T. Greening, mit Bezug zu Yalom, die Gegebenheiten als Dimensionen oder Dialektik;
  • K. J. Schneider, das einschränkende/expansive Kontinuum und der existentiell-integrative Ansatz;
  • Martin Buber, Maurice Friedmann und Irvin Yalom, die dialogische oder interpersonale Dimension.

Abgeschlossen wird die Theorie mit einer klinischen Bewertung der Fähigkeit, präsent zu sein.

Im therapeutische Prozess wird der Fokus auf die Rolle des Therapeuten und des Patienten sowie deren Beziehung gelegt. Genauer betrachtet werden die wichtigsten ineinander übergreifenden und sich zum Teil überlappenden humanistisch-existentiellen Einstellungen, als da wären:

  • das Kultivieren der therapeutischen Präsenz: Präsenz als Grundlage;
  • das Kultivieren und Aktivieren der therapeutischen Präsenz durch Anstrengungen und Kampf: Präsenz als Methode und Ziel;
  • die Begegnung mit dem Widerstand gegen therapeutische Anstrengungen oder Kampf;
  • das Verschmelzen von Sinn, Intentionalität und Ehrfurcht, das das Ergebnis der Anstrengung oder des Kampfes sein kann.

Bezüglich der Evaluation geben die Autoren an, dass die humanistisch-existentielle Therapie zu den am wenigsten erforschten Therapieansätzen gehört. Daher erscheint es sinnvoll einen Blick auf die spezifischen Probleme und die Klientenpopulationen zu richten. Eine weitere Frage ist die der Funktion der humanistisch-existentiellen Therapie bei unterschiedlichen Klienten.

Fazit

Leserinmnen und Leser, die sich danach fragen wie wir leben sollen, was tatsächlich wichtig ist im Leben und die sich mit Tod, Freiheit, Isolation und/oder Sinnlosigkeit befassen, sei die Lektüre der besprochenen Publikation anempfohlen. Durch dieses Buch werden ihnen die Grenzen menschlicher Existenz bewusst gemacht.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 28.06.2012 zu: Kirk J. Schneider, Orah T. Krug: Humanistisch-Existentielle Therapie. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2012. ISBN 978-3-497-02280-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12701.php, Datum des Zugriffs 21.11.2018.


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