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Rilo Pöhlmann, Gudrun Ludwig u.a.: Sensomotorik, Psychomotorik, Soziomotorik

Rezensiert von Prof. Dr. Dörte Detert, 23.07.2012

Cover Rilo Pöhlmann, Gudrun Ludwig u.a.: Sensomotorik, Psychomotorik, Soziomotorik ISBN 978-3-427-40340-1

Rilo Pöhlmann, Gudrun Ludwig, Ann-Katrin Pahl: Sensomotorik, Psychomotorik, Soziomotorik. Für heilpädagogisch-medizinische Berufe. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2011. 328 Seiten. ISBN 978-3-427-40340-1. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.

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Thema

Das Buch „Sensomotorik-Psychomotorik-Soziomotorik für heilpädagogisch-medizinische Berufe“ gibt eine Einführung in „Grundlagen und Anwendungsfelder der „movement sciences“ – der Wissenschaften von den menschlichen Bewegungen und motorischen Handlungen. Dabei beschäftigen sich die Autor_innen aus unterschiedlichen Perspektiven mit Fragestellungen der motorischen Entwicklung und ihrer Bedeutung für das menschliche Leben. Das Buch soll aufgrund seiner Struktur und der gewählten Inhalte als Grundlage für pädagogisch-medizinische Berufe dienen und unterschiedlich qualifizierten Fachkräften die Kooperation erleichtern, „das heißt die aufgabenorientierte Zusammenarbeit … in einem gemeinsamen Team.“ (S.9)

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an in erster Linie an Studierende und Auszubildende in Gesundheits-, Pflege-, Sozial- und Heilberufen, in deren Curriculum die Bewegungsentwicklung und -förderung verortet ist. Auch wenn ein Schwerpunkt auf der Theoriebildung liegt, sind die Anregungen der letzten Kapitel ebenfalls für die Praxis zu nutzen. Das Buch ist in einer gut verständlichen Weise geschrieben.

Aufbau

Das Buch hat nach Angaben der Autor_innen drei Schwerpunktbereiche. Es baut sich vom Allgemeinen über das Konkrete zum Speziellen auf. Dabei werden „weder die Vorschul- bzw. die Gerontomotorik als Ausschließlichkeiten gesehen, noch die Unterschiede zwischen motorischem Lernen und Leisten in den Hochleistungs- oder Niedrigleistungsbereichen. Den gemeinsamen Schnittmengen wird der Vorrang vor der applikativen Spezifik gegeben“ (S.11). Am Anfang jedes Kapitels stehen die erkenntnisleitenden Fragestellungen der jeweiligen Darstellung. Jedes Kapitel beinhaltet mehrere Zusammenfassungen und am Ende immer einen Fragenkatalog, der der Leserin/ dem Leser die Reflexion des eben Erfahrenen ermöglicht.

Es lassen sich nach Auffassung der Autor_innen Kapitel 1-3, Kapitel 4-6 und Kapitel 7-14 als Einheit verstehen.

Inhalt

In Kapitel1 steht zunächst die Frage nach Motorik im Vordergrund. Was ist Motorik und was kann sie? Es wird ein evolutionärer Blickwinkel eingenommen genauso wie die unterschiedlichen Einflüsse auf die menschliche Motorik dargestellt. Begrifflich möchten die Autor_innen Motorik und Bewegung synonym verstehen (S.14). Weitere Begriffe werden dargestellt und erklärt (S.20) sowie nach Sinn- und Zweck motorischer Abläufe gefragt. Immer wieder werden Alltagsbeispiele eingestreut, um die Anschlussfähigkeit des Lesers/ der Leserin zu erhöhen.

Während es in Kapitel 2 um biologisch-medizinische Grundlagen geht, stehen in Kapitel 3 die entscheidenden psychologischen Subsysteme der Motorik im Vordergrund. Geht es in Kapitel 2 um die „Hardware des Bewegungsapparats“ (S.32), möchten die Autor_innen in Kapitel 3 den vielschichtigen Zusammenhang zwischen Psyche und Motorik betonen (S.47). Dabei funktioniert das Zusammenspiel wechselseitig. Durch die Förderung motorischer Prozesse kann die Psyche sich verändern und umgekehrt.

Nach den einführenden Grundlagen der Motorik wird diese in den folgenden Kapiteln mit weiteren Entwicklungsdimensionen des Menschen zusammengeführt. Beginnend bei der Sensomotorik über die Psychomotorik hin zur Soziomotorik (Kapitel 4-6). In allen drei Kapiteln geht es um das wechselseitige Zusammenspiel. So stellen die Autor_innen dar, dass „die Ausschaltung von Sinnesinformationen zum Zerfall zielgerichteter Bewegungskoordinationen und zu scheren psychisch-psychiatrischen Gefährdungen führt“ (S. 83) Genauso „leistet das Denken einen wichtigen Beitrag für die kognitiv-motorischen Abbilder. Ohne diese Abbilder sind ziel- und zweckgerichtete psychomotorische Handlungen nicht möglich.“ (S.91)

In Kapitel 7 stehen die motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten im Vordergrund. „Auf das motorische Handeln wirken komplexe Einflüsse in Form von physischen, psychischen und sozialen Faktoren. Aus Gründen der differenzierten Beeinflussung und der Erfassung motorischer Leistungsdispositionen … ist die Kennzeichnung möglichst konkreter Zielgrößen erforderlich“ (S.134). Diese Aussage der Autor_innen kann als Grundlage für die Wahl der Darstellung verstanden werden. Neben den rein motorischen Fähigkeiten umfasst dieses Kapitel noch den Bereich der psychomotorisch-koordinativen Fähigkeiten.

Kapitel 8 gibt einen Überblick über motodiagnostische Verfahren, mit ihren Möglichkeiten und in ihrer Umsetzung kurz dargestellt und die bestimmten Fähigkeitsbereichen zugeordnet werden (S.163f).

In Kapitel 9 kommt es zu einer Darstellung verschiedenster Verfahren der Motopädagogik und -therapie. Die Darstellung (S.182f) erfolgt unter den Kategorien Zielgruppe, Zielstellung, Inhalt und Kernmerkmale. Hier wird auf ein breites Spektrum an Verfahren zurückgegriffen.

Kapitel 10 und 11 dient der Darstellung der motorischen Entwicklung. Während Kapitel 10 die Genese aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, wird in Kapitel 11 der motorische Lernprozess abgebildet. Hier kommen verschiedene Lerntheorien zum Tragen, die in Bezug zu Motorik dargestellt werden. Auf Seite 249 kommt es zusammenfassend zu einer Abbildung unterschiedlicher Einflussfaktoren des Lernprozesses.

In Kapitel 12 und 13 berücksichtigen die Autor_innen die bisher noch nicht benannten Entwicklungsdimensionen der Rhythmik und der Sprache. Auch hier wird versucht den Begriffen zunächst gerecht zu werden und die Entwicklung dieser Bereiche darzustellen. In einem zweiten Schritt erfolgt dann die Zusammenführung mit motorischen Prozessen.

Kapitel 14 widmet sich dann im speziellen pathomotorischer Krankheitsbilder. Hier stehen unter anderem traumatische Erfahrungen, degenerative Prozesse, Durchblutungsstörungen und psychiatrische Krankheitsbilder im Focus. Zu jedem der angeführten Krankheitsbilder gibt es eine kurze Definition und Anregungen für die Praxis. In den vorherigen Kapiteln wurde zu den dort gewählten Schwerpunkten am Ende ebenfalls ein kurzer Abschnitt der besonderen Herausforderungen dargestellt.

Diskussion

Das vorliegende Buch leistet einen Beitrag für einen Einstieg in das Themenfeld Motorik und seine Vielschichtigkeit. Es wird eine Vielzahl an Ansatzpunkten für die Auseinandersetzung geliefert. Durch die gute Lesbarkeit wird die Zielgruppe erreicht und eine Auseinandersetzung unterstützt. Die Einleitungen jedes Kapitels, die Zusammenfassungen und Hervorhebungen innerhalb des Textes sowie die Fragestellung am Ende liefern wertvolle Hinweise zur Vertiefung der Inhalte. Die Beispiele und Bilder ermöglichen die Anschlussfähigkeit der Leserin/ des Lesers.

Leider werden viele Theoriebausteine lediglich angerissen und sehr kurz dargestellt, so dass eine Meinungsbildung angezweifelt werden kann. Hier stellt sich die Frage, ob eine Schwerpunktlegung zum Beispiel auf einen Themenblock nicht zielführender gewesen wäre. Durch die verkürzten Darstellungen steht auch die gewünschte Zusammenführung unterschiedlicher Professionen in Frage. Eine kompetente und durchaus notwendige Auseinandersetzung kann auf dieser Ebene nicht erfolgen. Lediglich Neugierde wird geweckt.

Durch das anzuerkennende und wünschenswerte Ziel der Autor_innen Professionalitäten zusammenzuführen und Kooperation anzuregen, kommen in dem vorliegenden Buch eine Menge Begriffe zum Tragen, die der oder die Einzelne mit ihrem eigenen Wissen besetzt. Da sie in immer anderen Zusammenhängen auftauchen, fehlt die Definition und Zuordnung. Je nach fachlicher Brille scheinen Begriffe zusammengewürfelt, die nicht zusammengehören.

Fazit

Das Buch liefert einen ersten Einblick in die Vielfalt der theoretischen Ansätze und Berufsqualifikationen, die sich mit Bewegungsentwicklung und -förderung auseinandersetzen. Es kann als Ideengeber für mögliche Unterrichtsinhalte in Theorie und Praxis an Ausbildungsstätten dienen.

Rezension von
Prof. Dr. Dörte Detert
FH Hannover, Fakultät V – Diakonie, Gesundheit und Soziales
Abteilung Heilpädagogik

Es gibt 4 Rezensionen von Dörte Detert.

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Zitiervorschlag
Dörte Detert. Rezension vom 23.07.2012 zu: Rilo Pöhlmann, Gudrun Ludwig, Ann-Katrin Pahl: Sensomotorik, Psychomotorik, Soziomotorik. Für heilpädagogisch-medizinische Berufe. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2011. ISBN 978-3-427-40340-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12707.php, Datum des Zugriffs 30.01.2023.


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