socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Jan Kemper, Anne Vogelpohl (Hrsg.): Lokalistische Stadtforschung, kulturalisierte Städte

Cover Jan Kemper, Anne Vogelpohl (Hrsg.): Lokalistische Stadtforschung, kulturalisierte Städte. Zur Kritik einer "Eigenlogik der Städte". Verlag Westfälisches Dampfboot (Münster) 2011. 234 Seiten. ISBN 978-3-89691-882-6. 24,90 EUR.

Reihe: Raumproduktionen: Theorie und gesellschaftliche Praxis - Band 13.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Ist jede Stadt wirklich anders? Im Wettbewerb der Städte versuchen diese ihre Eigenstellungsmerkmale herauszustellen, ihre Geschichte, die in öffentlichen Bauten geronnene historische Entwicklung darzustellen und auf bestimmte Wesenszüge ihrer Bewohnerschaft abzuheben; denn natürlich ist der Münchner ein Bayer und der Kieler ein Schleswig-Holsteiner.

Und eine Stadt ist trotzdem von einer Dynamik erfasst und mit einer Struktur ausgestattet, die nur die Stadt in dieser Größe, Dichte und Heterogenität ihrer Bewohnerschaft und nur in dieser ökonomischen, kulturellen und sozialen Gestalt haben kann. Insofern sind Städte auch immer vergleichbar in Blick auf die in ihr vorherrschenden Machtverhältnisse, der dort dominanten ökonomischen Prozesse, der Segregationslogik, mit der sich eine Bevölkerung in einer Stadt sozialräumlich verteilt und verortet und der Integrations- und Ausgrenzungsmechanismen, mit denen die Stadt bestimmten gesellschaftlichen Gruppen die Möglichkeit gibt, sich als integriert zu fühlen oder eben als ausgegrenzt. Aber ist das schon das, was hier zur Debatte steht: die Eigenlogik der Städte?

Herausgeberin und Herausgeber, Autorinnen und Autoren

Herausgeberin und Herausgeber

  • Jan Kemper ist Sozialwissenschaftler und promoviert am Transatlantischen DFG-Graduiertenkolleg Berlin – New York.
  • Anne Vogelpohl ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt/Main.

Autorinnen und Autoren. Die übrigen Autorinnen und Autoren kommen aus den Bereichen der Stadtforschung, Stadtsoziologie, Sozialgeographie, Ethnologie, Architektur und Literaturwissenschaft und aus dem Bereich der Stadt- und Regionalplanung

Entstehungshintergrund

Nachdem Helmuth Berking und Martina Löw den Band „Die Eigenlogik der Städte. Neue Wege für die Stadtforschung“ herausgegeben haben, ist eine Debatte um die darin enthaltenen Thesen entstanden. Der vorliegende Band dokumentiert eine Tagung an der TU Berlin, auf der man sich mit diesen Thesen auseinander gesetzt hat.

Aufbau

Nach einer Einleitung und einem einführenden Beitrag der Herausgeberin und des Herausgebers gliedert sich das Buch in drei große Kapitel:

  1. Konzepte
  2. Traditionen
  3. Forschungspraktiken

In ihrer Einleitung und dem einführenden Beitrag von J. Kemper und A. Vogelpohl machen die beiden noch einmal auf die Zielsetzung des Buches aufmerksam und stellen ihre Positionen vor. Die Absicht der hier dokumentierten Tagung war folgende:

  1. Es geht einmal um die Kritik der Stadtforschungsperspektive einer Eigenlogik der Städte. Die Verengung auf das kulturell Eigene einer Stadt und die damit verbundenen Effekte für einen bestimmten Habitus übersähen die politisch-ökonomischen Kontexte der Stadtentwicklung und die damit verbundenen sozialen Konflikte.
  2. Der Band möchte anregen, die theoretischen und praktischen Arbeitsergebnisse der Stadtforschung besser in den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext einzubetten, in dem sie entstanden sind.
  3. Forschungsanliegen müssten dann auch so formuliert sein, dass die Stadt in ihrem historisch gewachsenen, von Menschen gemachten und geprägten Charakter präsent bleibt; denn nur dadurch wird dieser Charakter auch als veränderbar und gestaltbar begriffen.

Die kritischen Anmerkungen zu einer Forschungsperspektive werden zunächst vor dem Hintergrund der sozialwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Forschungsgegenstand Stadt entwickelt: die Stadt als Repräsentationsraum für Gesellschaft, die Stadt mit ihren ihr eigenen Prozessen von Segregation, Umgang mit Heterogenität, Mobilitätsverhalten, Wohnstandort-Entscheidungsverhalten etc.

Gewinnt durch die Forschungsperspektive einer Eigenlogik der Städte die Stadtsoziologie ihren Forschungsgegenstand zurück, nachdem deutlich wird, dass die Stadt mehr ist als nur allgemeine Gesellschaft?

Der der Eigenlogik unterstellte Sinnzusammenhang ist nicht einfach und klar. Die Autorin und der Autor referieren die Basisannahmen zusammenfassend in fünf Punkten: Struktur und Handlung (1), Kultur als Gesellschaft (2), Eigenlogik und Logik der Ganzen Stadt (3), Orientierung auf Differenz zwischen Städten (4) und Städtevergleich als Methode (5).

Danach gehen J. Kemper und A. Vogelpohl auf die Evidenzproduktion der „Eigenlogik der Städte“ ein, die sie festmachen

  • an der Identifikation der Stadt mit dem „Lokalen“,
  • an der Homogenisierung des sense of place und
  • an der Ausklammerung der Soziogenese.

Die Kritik der Eigenlogik der Städte wird dann schließlich geltend gemacht an dem Einwand einer lokalistischen Stadtforschung, die das Eigene auf das Lokale bezogen thematisiere und reduziere. Außerdem vermittele eine Eigenlogik der Städte eine kulturalisierte Perspektive, die deutlich mache, dass Kultur nur in dieser Stadt so ist wie sie ist, weil sie dort auch entstanden ist. Weiterhin wird diesem Ansatz eine Kongruenz von Explanans und Explandandum vorgeworfen und es gehe um eine unterbestimmte Forschungsagenda. Die Konsens- und Stabilitätsorientierung korrespondiere mit einer konzeptionellen Problemlosigkeit und schließlich würde ein parteilicher Praxisbezug deutlich.

I. Konzepte

Norbert Gersting setzt sich mit seinem Beitrag „Habitus, Handeln, Stadt“ mit einer „soziologischen Kritik der 'Eigenlogik der Städte'“ auseinander. Stadt geht mit einem bestimmten Habitus einher, der unhinterfragten Überzeugungen (Doxa) folgt. Die auf Bourdieu zurückgehende These spielt auf die von M. Löw gemeinten „verborgenen Strukturen der Städte als vor Ort eingespielte, zumeist stillschweigend wirksamen Prozesse der Sinnkonstitution“ an, die sie in ihrem Buch „Soziologie der Städte“ formuliert hat. Die Kritik bezieht sich auf drei Punkte:

  1. Der Handlungsbegriff ist unklar.
  2. die Konzepte Habitus und Doxa sind an Bourdieu angelehnt, ohne dass sie im Einklang mit ihm formuliert sind.
  3. Die These, dass die Stadt Handlungsweisen prägt, ist theoretisch und empirisch nicht plausibel.

Oder anders formuliert: Wo spielen dann noch z. B. sozialräumliche Verteilungsprozesse eine Rolle, die privilegierte Quartiere zu privilegierenden Räumen und deprivierte Räume zu deprivierenden machen? Und muss denn gleich jeder Unterschied in Städten zu einer Eigenlogik führen?

In Stefan Höhnes Beitrag „Identitätslogische Prämissen des eigenlogischen Denkens und die Multiplikation des Urbanen“ geht es um das dialektische Verhältnis des Universellen des Urbanen einerseits und dem je eigenen urbanen Charakter der Stadt andererseits. Die Stadt als Ganzes und als Individuum setzt sich ins Verhältnis zu der anderen Stadt – und nur auf dem Weg der Identitätsdarstellung gegenüber anderen kann man sein Eigenes darstellen. Es ist eher das Eigensinnige, was die Stadt von der anderen abgrenzt.

Lost in „Spatial Turn“ – Konstruktionen von Dichte und Raum im Projekt „Eigenlogik der Städte“ nennt Nikolai Roskamm seinen Beitrag. Wesentliche Begriffe in der Konzeption der Eigenlogik der Städte sind die Begriffe der Dichte und des Raumes. Stadt könne räumlich erfasst werden und über Dichte als Qualität. Dabei geht der Autor auf Durkheim zurück, wenn er Dichte als materielle und moralische Dichte bezeichnet. Überhaupt wird die gesamte Literatur auf das Dichteverständnis hin untersucht und vorgestellt. Das Gleiche wird mit dem Begriff des Raumes gemacht. Auch hier wird der spatial turn, also die theoretische Fokussierung der Stadt auf ihren Raum, auf das ihm zugrunde liegende Raumverständnis und auf die Relation von Raum und Individuum zum Zentrum der Argumentation. Lassen sich mit diesen beiden Begriffen eigenlogische Perspektiven ableiten? Die Diskussion um diese Frage steht erst am Anfang.

II. Traditionen

Peter Dirksmeier leitet dieses Kapitel mit einem Beitrag ein, der die Argumentationslinie der Klassischen Geographie in der neueren deutschsprachigen Stadtsoziologie nachzeichnet. „Man kann einen geographischen Raum unter dem Gesichtspunkt des Typus wie dem des Individuums betrachten“ - ein Zitat ist der Titel des Beitrags. Die sozialwissenschaftlich orientierte Geographie muss sich stärker als bisher mit den sozial- und humangeographischen Prämissen auseinandersetzen. Und die Klassische Geographie – so der Autor – muss sich stärker mit den historischen und stadtsoziologischen Erkenntnissen und Forschungsstrategien beschäftigen, um deutlich zu machen, dass sie sich mit der Eigenlogik der Städte auf der Basis des idiographischen Regionalismus beschäftigten kann und auch diesem die Eigenlogik der Städte entgegenzusetzen vermag.

„'Modificationen, wie sie dem Individuum innerhalb der Gesellschaft eigen sind' – Wie Georg Simmel eine Eigenlogik der Städte hätte begründen können“ heißt der Beitrag von Erhard Schütz. Hier wird kritisch auf M. Löws Umgang mit einigermaßen differenzierten kulturwissenschaftlichen Forschungen zur Imagologie reagiert. Wenn man sich mit Simmel auseinandersetzt, dann doch um immer wieder festzustellen, dass die Stadt als Ausdrucksform der modernen Gesellschaft Simmel mehr beschäftigt hat, als die Stadt als Lebensform oder als das Städtische. Diese Auseinandersetzung mit Simmel ist kenntnisreich und differenziert und lenkt einen neuen Blick auf das Simmel'sche Oeuvre. Auf alle Fälle ging es nicht um eine Individualisierung der Städte.

Boris Michels Beitrag heißt: „Neue Wege in der Stadtforschung oder fragwürdige Abstraktionen? Zur 'eigenlogischen' Lesart der 'Neuen Stadtsoziologie'“. Die dahinter steckende Argumentation ist, „dass die neue Stadtsoziologie von Vertretern des eigenlogischen Ansatzes als zentrale Negativfolie konstruiert wird, um den eigenen Ansatz inhaltlich sowie theoriepolitische zu positionieren“ (118). Es wird ein Begründungsrahmen dieser neuen Stadtsoziologie vorgestellt, der den Bogen von den klassischen Ansätzen bis zur neuen Urbanität (Siebel/Häußermann) schlägt. Dazu gehören auch die damit verbundenen Stadtbegriffe, die dann dem des eigenlogischen Ansatzes entgegengestellt werden, die dort eigentlich nicht fundiert sind.

„Wie der Habitus über die Städte kam“, erklärt uns Thomas Bürk in seinen „Erkundungen zur Wanderung und Wandlung des Konzepts 'City Habitus'“.

Der aus den britischen Cultural Studies in die deutsche Stadtforschung gelangte Begriff des City Habitus basiert auf dem Verständnis, „dass Wahrheiten immer einen sozial konstruierten Bestand darstellen“ (137). Dies wird ausführlich begründet. Habitus als Spezifik der Stadt finden wir vor allem in der historischen Stadtforschung, wobei der Habitus als Eigenstellungsmerkmal in Verbindung gebracht wird mit der Geschichte und ihrer städtebaulichen Repräsentanz.

Weiterhin geht der Autor auf Martyn Lees „Relocating Location“ ein, dessen Ausgangspunkt eine Untersuchung Coventrys und dessen Auseinandersetzung mit der britischen Kulturgeographie ist.

III. Forschungspraktiken

Dieser Teil wird eingeleitet mit einer kritischen Rezension des Buches von M. Löw, „Soziologie der Städte“ von Hartmut Häussermann (sic!). Die Tatsache, dass kulturelle Muster und Traditionen, Sitten und Bräuche jede Stadt mit ihrer eigenen Geschichte verbindet und auch prägt, ist noch kein hinreichender Grund, von einer Eigenlogik der Städte zu sprechen. Auch wenn die Stadtplanung meistens davon ausgeht, die Eigenheit der Stadt zu wahren, ist doch die Stadt mehr als nur ihre eigene Geschichte. Und dieses Mehr war bislang auch Gegenstand der Stadtsoziologie. Häußermann geht auf die kulturpessimistische Quelle der Stadtsoziologie ein, fragt nach der bislang nicht hinterfragten Prämisse, Stadt sei die Grundform der Vergesellschaftung, und er zitiert einige wichtige Studien, die bereits den Eigencharakter der Stadt als Vergesellschaftungsform zum Gegenstand haben. Auch gerade in den Gemeindestudien wurde oft die Gemeinde als Einheit erfasst, ohne auch ihre sozialen, ökonomischen und kulturellen Verflechtungen ernsthaft in den Blick zu nehmen, in die sie eingebettet sind. Weist die Rede von der Eigenlogik den Weg aus der „Krise der Stadtsoziologie“? fragt der Autor kritisch und wer ist der Träger von Eigenlogik, bzw. wo erkennt man die soziologische Relevanz der Eigenlogik?

Derya Özkan nennt ihren englischsprachigen Beitrag „Neither Critical nor Affirmative: The 'Eigenlogik der Städte'. Approach as Analytics for Analytic Sake“.

Die Stadt in ihrem kulturellen und historischen Charakter wird als geschlossene Einheit untersucht – so die Autorin. Die daraus sich ergebende intrinsische Logik wird an Hand der Studien von Sheffield und Manchester von M. Löw begründet und D. Özkan merkt an, dass es sich hier um die Begründung einer Eigenlogik der Eigenlogik willen handelt. Auch Martina Löws Frage des Stadtmarketings und die Gestaltung öffentlicher Räume durch shopping malls als Eigenstellungsmerkmal der Stadt wird von D. Özkan kritisch diskutiert und reflektiert vor dem Hintergrund eines Neoliberal Urbanism. Und die Autorin fragt, ob eine andere Stadt denkbar ist, was sie in Anlehnung an H. Lefebvre diskutiert.

Hat die nachhaltige Stadt eine eigene Logik? fragt Sybille Bauriedl in ihrem Beitrag und gibt „Hinweise zum Eigenlogik-Ansatz aus der diskursanalytischen Praxis“.

Die Logik der Nachhaltigkeit kann nicht alleine aus der Eigenlogik der Städte heraus begründet werden. Der starke methodologische Lokalismus berücksichtigt nicht andere Ebenen der Analyse, die für Nachhaltigkeit aber konstitutiv sind. Es geht gerade beim Raumverständnis um die sozialökologische Verträglichkeit zunehmender Urbanisierung und Verstädterung. Die von Martina Löw beschriebene Eigenlogik als die „verborgenen Strukturen der Städte als vor Ort eingespielte, zumindest stillschweigend wirksame Prozesse der Sinnkonstitution“ (M. Löw, Soziologie der Städte, 19) macht deutlich, wie wenig Nachhaltigkeit mit der Eigenlogik zusammen gebracht werden kann. Dies macht die Autorin auch an einigen Fallstudien deutlich. Ihr Fazit: Der Ansatz der Eigenlogik ist für die Problemstellung nur bedingt anwendbar.

Robert Lorenz nennt seinen Beitrag „Görlitz – Die schöne Stadt oder: Wenn Stadtforscher/innen zu sehr lieben“. Der ethnologische Beitrag versucht zu analysieren, welche Rolle der Forscher/die Forscherin im Prozess des Forschens spielt. Weiterhin will der Autor in seinem Beitrag am Beispiel eigener Feldforschung die Möglichkeiten und Grenzen des eigenlogischen Ansatzes aufzeigen. Macht uns der Ort oder machen wir den Ort? – dieser Frage geht R. Lorenz am Beispiel Berlins nach. Die Personifizierung der Stadt, indem ihr eine eigene „Persönlichkeit“ zugesprochen wird, die quasi das Handeln und Denken, das Bewusstsein bestimmt – dieser Ansatz scheint zunächst auch interessant. Dem Autor geht es auch um das Verhältnis von Stadtforschung und Ethnologie, das er auch historisch begründet.

Schließlich geht um das „schöne Görlitz“, um Görlitz mit seinem schlesischen Hintergrund. Und am Beispiel wird für R. Lorenz deutlich, dass in den Diskussionen um das Stadtbild tatsächlich „ein Erzählstrang gefunden wurde, an dem sich für die Stadt typische Diskursmuster herauskristallisieren lassen“ (211). Die Frage ist nur, ob diese sich aus sich heraus erklären lassen, wie der Eigenlogik-Ansatz unterstellt oder ob sie in offenen Diskursen, Macht- und Einflusssphären erarbeitet wurden.

Sirko Möge fragt nach dem Eigenen oder der Inszenierung des Eigenen, in dem er „aktuelle Ergebnisse der Eigenlogikforschung in Deutschland“ vorstellt und diskutiert.

Dabei geht es um die forschungspraktische Umsetzung eines kulturalistischen Blicks auf die Stadt als Forschungsfeld. Der Autor geht dabei auf die Studien von Martina Löw ein, die München mit Berlin vergleicht und dabei den Vergleich auf Imagekampagnen fokussiert. Dies wird der Komplexität der Stadt nicht gerecht, so der Autor. Dies macht er auch an anderen Forschungen in diesem Feld fest. Dabei kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass „die Erforschung der Eigenlogik… bis hierhin als Erforschung historischer und gegenwärtiger Repräsentationslogiken und -rhetoriken eines spezifischen urbanen Milieus verstanden werden (kann).“

Schließlich geht er auf eine Typisierung der Städte auf Grund vorrangig erschlossener habitueller Muster ein und diskutiert die die Stadt der Nischen, die Stadt als Ort der Avantgarde und die Stadt des Mittelmaßes.

Diskussion

Man muss eigentlich die beiden Bücher kennen, die hier Grundlage der Diskussion sind:

  • Helmuth Berking/Martina Löw (Hg.) Die Eigenlogik der Städte. Neue Wege für die Stadtforschung (2008),
  • Martina Löw, Soziologie der Städte (2008).

Anderenfalls versteht man die hier geführten Diskurse um die Eigenlogik der Städte und ihren Stellenwert für die Stadtsoziologie und die Stadtforschung nicht.

Die Kritik an diesem Ansatz ist vielfältig und richtet den Blick auf die verschiedensten Facetten der Stadt in ihrer Komplexität der Vergesellschaftung. Inwieweit Stadt als Repräsentation von Gesellschaft begriffen werden kann und inwieweit sie einen Eigensinn entwickelt, ist keine Frage der Alternativen, sondern eine Frage eines dialektischen Verhältnisses von Gesellschaft und Stadtkultur und dem daraus sich entwickelnden Habitus. Lokalistische Stadtforschung verliert sich dann oft in den lokaltypischen und kulturalistischen Mustern und ihrem städtebaulichen Geronnensein der Stadt und verliert dadurch auch den Blick auf die sozioökonomischen, sozialkulturellen und sozialintegrativen Aspekte der Stadt als Teil dieser Gesellschaft und ihrer Logik der Vergesellschaftung, der Logik von Integration und Ausgrenzung. Vielleicht ist das die reduzierte Zusammenfassung der Beiträge dieses Bandes.

Fazit

Eine engagierte Auseinandersetzung mit einem sicher noch sich etablierenden Ansatz in der Stadtforschung, den man aber kennen muss, wenn man dieser Auseinandersetzung folgen will.


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
E-Mail Mailformular


Alle 169 Rezensionen von Detlef Baum anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 14.02.2012 zu: Jan Kemper, Anne Vogelpohl (Hrsg.): Lokalistische Stadtforschung, kulturalisierte Städte. Zur Kritik einer "Eigenlogik der Städte". Verlag Westfälisches Dampfboot (Münster) 2011. ISBN 978-3-89691-882-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12718.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung