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Martina Löw, Georgios Terizakis (Hrsg.): Städte und ihre Eigenlogik

Cover Martina Löw, Georgios Terizakis (Hrsg.): Städte und ihre Eigenlogik. Ein Handbuch für Stadtplanung und Stadtentwicklung. Campus Verlag (Frankfurt) 2011. 254 Seiten. ISBN 978-3-593-39534-0. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 41,90 sFr.

Reihe: Interdisziplinäre Stadtforschung - Band 11.
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Thema

Was macht die Eigenlogik einer Stadt aus? Natürlich ist jede Stadt anders – und Städte unterscheiden sich in vielem, was eine Stadt ausmacht: in ihrer städtebaulichen Gestalt, in der Gestaltung von Plätzen, Straßen, Parks, überhaupt in der Gestaltung von öffentlichen Räumen. Sie sind entweder Industriestädte oder Handels- und Hafenstädte, Hauptstädte und als solche ökonomische oder politische Zentren bzw. Verwaltungszentren. Sie haben eine unterschiedliche Geschichte und Entwicklung, sind unterschiedlich alt - all dies macht sicher auch Städte zu jeweils besonderen urbanen Räumen.

Und man wohnt nicht nur in einer Stadt, sondern wird auch von ihr geprägt. Wenn die Dialektik von Habitat und Habitus stimmt, dann unterscheiden sich auch Hamburger von Stuttgartern und Münchnern, weil Hamburg, Stuttgart und München verschieden sind. Und dennoch bleibt die Frage, was macht die Stadt als Stadt aus, unabhängig von konkreten Ausprägungen des Städtischen in einer bestimmten Stadt. Sind Städte auch von ihrer Struktur her vergleichbar und was ist ihnen allen gemeinsam?

Herausgeberin und Herausgeber, Autorinnen und Autoren

Herausgeberin und Herausgeber

Martina Löw ist Professorin für Stadt- und Raumsoziologie und Sprecherin des LOEWE-Schwerpunkts "Eigenlogik der Städte" an der Technischen Universität Darmstadt.

Georgios Terizakis ist Koordinator der Hochschul-Praxis-Koordinationstelle am Forschungsprojekt "Eigenlogik der Städte" an der Technischen Universität Darmstadt.

Autorinnen und Autoren

Die übrigen Autorinnen und Autoren arbeiten ausschließlich an der Technischen Universität Darmstadt; die allermeisten arbeiten in dem LOEWE-Schwerpunkt "Eigenlogik der Städte", andere kommen aus dem Bereich der Architektur, der Politikwissenschaft oder aus dem Bereich Sportpädagogik und -geschichte.

Aufbau

Nach einer Einleitung wird das Buch in vier Teile untergliedert:

  • Stadt als Wirtschaftsraum
  • Stadt als kultureller Raum
  • Stadt als bebauter Raum
  • Stadt als politischer Raum

In einem Schlusskapitel werden Schlussfolgerungen gezogen und Empfehlungen für die Stadtplanung und Stadtentwicklung formuliert.

Jeder Teil ist mit einer Einführung in das Thema versehen.

Inhalt

In seiner Einleitung "Die Eigenlogik der Städte und was die Praxis davon hat" stellt Georgios Terizakis das Projekt des Buches vor. Die zentrale Hypothese des Forschungsschwerpunktes "Eigenlogik der Städte" ist, "dass sich in jeder Stadt spezifische und unterscheidbare Konstellationen, zusammenhängende Wissensbestände und Ausdrucksformen herausbilden, die Menschen in ihren Praktiken auf unterschiedliche Weise prägen" (11). Die Eigenlogik ist das Rückgrad der Stadt und das zentrale strukturierende Element. Daraus entstehen spezifische Logiken, wie die Integrations- und Ausgrenzungslogik, die Logik, nach der sich eine Bevölkerung in einem städtischen Raum verteilt, die Art und Weise der Repräsentation im öffentlichen Raum, der Habitus im Alltäglichen u. v. m. Und weil es ein Handbuch ist, ist die Frage relevant, was für die Praxis ist und was die Praxis davon hat.

Stadt als Wirtschaftsraum

Dieser Teil wird ebenfalls eingeführt von G. Terizakis. Dabei greift er auf klassische stadtsoziologische Anätze M. Webers oder J. Jacobs zurück und begründet den Markt als (eines der) zentralen Strukturmomente der Stadt. Die Stadt war immer schon der Ort der Produktion und Reproduktion des Lebens, des Wirtschaftens und der damit verbundenen Lebensqualität und Lebensart.

Martina Löw beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit der "Lokalen Ökonomie – Lebensqualität als Standortfaktor". Bei Lebensqualität geht es um Fragen der Umweltverschmutzung, der Kosten für ein Haus, der Gesundversorgung, Lebensmittelkosten, Kriminalität, der Qualität und des Ausbaus des öffentlichen Nahverkehrs und der Bildungsinstitutionen etc. Dabei spielen Unternehmen und Firmen eine zentrale Rolle. Diese Unternehmen - so die Autorin – entwickeln spezifische Muster der Beziehungen zu ihren Angestellten, ihren Kunden, ihren Lieferanten, insgesamt zu ihrer Umwelt, die einer bestimmten eingespielten und unhinterfragten Praxis entsprechen. Die räumliche, zeitliche, soziale, politische und emotionale Dimension einer Struktur werden dann in ihrer jeweiligen dialektischen Verflechtung zu einem prägenden Element, das die Eigenlogik hervorbringt.

Sybille Franks Beitrag "Stadtmarketing" verweist auf die Beziehung zwischen den stadttypischen Momenten und den Strategien der Vermittlung eines spezifischen Verständnisses von Stadt in dieser Stadt, dem Stadtimage. Im Fokus steht das lokal Spezifische. Dies müsse in der Stadtmarketingforschung noch mehr in den Blick geraten. Dabei geht es um eine ganzheitliche Form der kooperativen Stadtentwicklung, die die Stadt als Ganzes in den Blick nimmt und nicht nur funktionale Teile herausnimmt und darstellt. Stadtmarketing ist ein Teil der Stadtentwicklung, was die Stadtentwicklung eigentlich schon verstanden hat.

Urbane Innovationssysteme nennt Johannes Rode seinen Beitrag. Ist Innovation etwas Städtisches? fragt er. Ja – denn die Stadt war schon immer der Ort des Austauschs von Wissensbeständen und ihrer Weiterentwicklung, der Ort der Integration und Rekombination unterschiedlichster Wissensbestände. Dies wird an einigen Beispielen auch verdeutlicht; auch eine Überblickstabelle verschiedener Städte in Kombination mit verschiedenen Innovationsindikatoren macht dies anschaulich.

Raika Espahangizis Beitrag heißt "Migrantische Unternehmen in Köln. Die Autorin geht auf die die Vielfältigkeit migrantischer Unternehmen in Köln ein, die die städtischen Alltagsroutinen prägen; die aber auch durch das Städtische Kölns – durch das lokal Spezifische geprägt werden. Da bietet sich natürlich der Stadtteil Köln-Ehrenfeld an, der als viel zitiertes Beispiel eines Wandels von einem Industrie- und Arbeiterquartier zu einem besonderen Stadtteil mit einer Vielfalt der Kulturen heran gewachsen ist. Die Autorin plädiert für eine transkulturelle Praxis statt ethnischer Ökonomie, weil es sonst auch wieder um die Frage der Problem- und Defizitperspektive geht, mit der dieser Stadtteil betrachtet wird. Migration soll als Teil des Alltäglichen deutlicher werden, die Alltäglichkeit der Produktion und Reproduktion erlaubt die Konzeption auch bestimmter städtischer Strukturen und ihre Integration in ein Gesamtkonzept des Eigenen von Köln.

Stadt als kultureller Raum

Peter Noller setzt sich einführend mit dem Kulturbegriff auseinander und bezogen auf die Stadt geht es auch um dien Begriff des Sinnzusammenhangs (Löw), wie also die Stadt als historisch gewachsene Realität die alltäglichen Praktiken und Deutungsmuster der Menschen prägen. Und es geht um Kulturen in der Stadt unter dem Aspekt der Heterogenität großstädtischen Lebens.

"Lokale Sinnstiftung – Die Bedeutung der Denkmale" nennt Gerhard Vinken seinen Beitrag. Denkmale sind in Bauten geronnene Geschichte. Wie werden sie auf lokaler Ebene rezipiert? Dies wird an Beispielen verdeutlicht. Wenn Eigenlogik auch bedeutet, dass bestimmte Dinge hier eine höhere Dignität besitzen als anderswo: welcher Zusammenhang besteht dann zwischen der Ortsgeschichte und der Eigenlogik genau dieses Ortes, warum haben bestimmte Deutungen hier eine höhere Dignität als anderswo? Auch dieser Frage wird an Hand von Beispielen nachgegangen. Für die Denkmalpflege sind das zentrale Fragen ihres Selbstverständnisses. Der Autor kommt zu dem Fazit, dass die Erforschung lokaler Rezeptionsformen und Sinnstiftungsprozesse die Nachhaltigkeit der Denkmalpflege erhöht, dass die Eigenlogik-Forschung die Möglichkeit bietet, den normativen Geschichtsbegriff zu überwinden und dass die Einbeziehung von lokalen Sinnhorizonten die Möglichkeit bietet, Erinnerungskultur und Gegenwart bei der Denkmalpflege zu versöhnen.

Kristina Siekermann diskutiert in ihrem Beitrag "Stadt und Mode – Annäherung an die Städte München und Frankfurt am Main am Beispiel der Mode-Szenen". Es geht um Wirkungszusammenhänge von Stadt und der in ihr handelnden Kreativschaffenden. Dabei werden Frankfurt eher international-globalisierende Effekte zugeschrieben, während München eher lokal-traditionale Muster reproduziert. München ist auch eher die schöne Stadt, was Frankfurt nicht zugeschrieben wird.

Regine Sauerwein setzt sich mit dem Scheitern der Lahnstadt auseinander: Zwei Stadtkonzeptionen im Widerstreit. 1977 wurden die Städte Gießen und Wetzlar und eine Reihe von kleineren Gemeinden zu der Großstadt Lahn zusammengeführt. Die Frage, die die Autorin beschäftigt, ist, warum das Projekt gescheitert ist. Es fehlte an einer verlässlichen Ordnung der sozialen und materiellen Umwelt, was auch zu Protesten geführt hat. Gewohnte Umwelten und Alltagskonzepte mussten umgeschrieben werden. Die Autorin setzt sich mit der Diskussion um die Lahnstadt auseinander; es ging um die Stadtgestalt von zwei gewachsenen Städten mit ihrer eigenen Identität, es ging auch um die wirtschaftlichen Strukturen und Lebensbedingungen, die in beiden Städten unterschiedlich ausgeprägt war und es ging um Kultur und Außenbeziehungen (wo bleibt dabei Wetzlar?). Die Reflexion dessen, was man lernen kann aus diesem Prozess, bezieht R. Sauerwein auf die Frage der Alltagskonzepte, auf Integrations- und Aneignungsfähigkeiten, die zur Identifikation notwendig sind, und auf die Qualität der planerischen Entwürfe.

"Sport im öffentlichen Raum – am Beispiel moderner Stadionarchitektur" heißt der Beitrag von Franz Bockrath. Es geht um die Bedeutung und Funktion ikonischer Bauwerke und Stadtbilder. Fußball ist nicht gleich Fußball – es macht einen Unterschied, ob man Fan von Schalke 04 oder Borussia Dortmund ist, ob man einem anfänglichen Arbeiterverein angehört oder nicht. Aber was hat das mit der Eigenlogik der Städte zu tun, zumal die Stadien fast alle gleich aussehen? Und dass ein Stadion in die Stadt gehört und zu ihr gehört - ist das nicht auch ein Argument, das allen zugänglich ist?

Stadt als gebauter Raum

In seiner Einleitung "Städtische Materialität" macht Michael Toyka-Seid deutlich, dass die Eigenlogik der Städte materielle Einprägungen gleichberechtigt neben soziale, kulturelle und mentale Phänomene stellt (127). Auch die Geschichte einer Stadt lässt sich nicht einfach von ihrer materialen Gestaltung abkoppeln, was uns spätestens mit der Industriestadt deutlich geworden sein dürfte.

Architektur heißt der Beitrag von Silke Steets. Es geht um das Verständnis des Prinzips der räumlichen und symbolischen Struktur einer Stadt. Gebaute Umwelt ist Ausdruck und Verkörperung sozialen Sinns, Gebäude sind stets symbolisch, physisch-materiell und immer an Orte und damit an lokale Kontexte gebunden. Bezogen auf die raumsoziologische Architekturforschung zitiert die Autorin Berking wenn sie feststellt, "dass als Folge spezifischer Verdichtungsprozesse in jeder Stadt unterschiedliche Konstellationen zusammenhängender Wissensbestände und Ausdrucksformen entstehen (137). Der Mehrwert für die auf die Eigenlogik zentrierte Stadtforschung besteht in der Erforschung der Rolle der gebauten Umwelt für ortsspezifische Prozesse.

Annette Rudolph-Cleff nennt ihren Beitrag "Wahlverwandtschaften – Städtebauliche Entscheidungen in Mannheim". Spannungsvolle Nachbarschaften zur Industrie und Mannheims wechselvolle Geschichte als Stadt der Arbeit oder noch früher als Stadt an zwei Flüssen spiegeln sich wider in der städtebaulichen Gestaltung Mannheims. Die Neugestaltung der Innenstadt und anderer Bereichen werden ausführlich diskutiert, der Vergleich mit Karlsruhe wird beschrieben. Es geht nicht nur um die Aufwertung räumlicher Qualitäten und um die Behebung räumlicher Defizite, vielmehr geht es auch um die Bilder und Themen, die die Stadt bewegen.

Diana Böhm beschreibt in ihrem Beitrag "Stadtrandzonen", wie sich die Bedeutung und der Charakter der Stadt vom Zentrum weg bewegt zu den Rändern hin. Und Stadtränder haben eine Vorder- und eine Rückseite. Die Vorderseite zeigt zur Stadtmitte hin, die Rückseite ins offene Umland. Dies wird am Beispiel von Wiesbaden konkretisiert.

"Zwischenräume" heißt der Beitrag von Martina Fendt und sie meint damit alle Arten von Räumen zwischen den Bauten. Das damit verbundene breite Spektrum wird alltäglich erfahrbar, zur alltäglichen Raumaneignungs- und Raumerfahrung. Städte haben auch ihre Qualität durch ihre Freiräume in der Stadt und sie können zur Eigenlogik der Stadt beitragen. Auch hier dient Wiesbaden als Fallbeispiel, wobei auf ein Projekt Bezug genommen wird und die Argumentationslinien seiner Befürworter und des Protests vorgestellt werden. Die Eigenlogik auf die lokalspezifischen Besonderheiten in der Stadtentwicklung zu beziehen, ist inzwischen geläufig; freiraumbezogene Entwürfe mit einzubeziehen in die Stadtentwicklung könnte einen Gewinn darstellen.

Stadt als politischer Raum

Karsten Zimmermann führt in diesen Teil ein, indem er anmerkt, dass das Politische zur Stadt gehört, zur Stadt als politische Organisation, in der Interessen gebündelt sind und Wissensbestände strukturiert werden. Weiterhin gibt er einen Überblick über die in diesem Teil zusammengefassten Beiträge.

Anna Mayr überschreibt ihren Beitrag "Auf dem Weg zu Weltstadt: Johannisburg und Delhi zwischen globaler Anschlussfähigkeit und Selbstfindung". Einführend beschäftigt sich die Autorin mit Weltstädten als Forschungsfeld. Global Cities als Kontroll- und Kommandozentralen einer globalen Wirtschaft, die gleichzeitig Weltstädte sind – das ist ein Konzept, das mit anderen Anforderungen an die Stadt oder besser: an die Großstadt und Metropole herangetragen wird. Insofern ist interessant, wie A. Mayr Global Cities aus der Perspektive der Stadt betrachtet – der Stadt mit einer Eigenlogik. Dazu bedarf es spezifischer Weltstadtstrategien, die in Johannisburg und Delhi ausgehandelt wurden. Als World-Class Cities streben beide nach einem engeren Anschluss an Weltmärkte. Dies wird vor dem Hintergrund der jeweiligen nationalen Entwicklung in Indien und Südafrika ausführlich beschrieben und begründet. Welche Eigenstellungsmerkmale kann eine solche Stadt noch haben, die auch eine Eigenlogik begründen?

"Europe matters! Die Europäisierung des städtischen Raums" heißt der Beitrag von Michèle Knodt. Es geht weniger um die europäische Stadt mit ihren spezifischen Merkmalen (vgl. Siebel) als vielmehr um die notwendigen Anpassungsprozesse der Städte in Europa an den zunehmenden Prozess der Europäisierung der Politik, der Wirtschaft, der Märkte. Was wissen Städte von der EU als politisches System, von den europäischen Institutionen? M. Knodt diskutiert diese Frage unter den Aspekten der Anpassung auf lokaler Ebene, der direkten Interessenvertretung auf europäischer Ebene, auf der Ebene der Institutionalisierung regionaler Belange und der innerregionalen Vernetzung kommunaler Akteure und auf der Ebene der Zusammenarbeit über nationalstaatliche Grenzen hinweg. Die Gestaltungsfähigkeit von Städten hängt von ihrer verfassungsmäßigen Stellung, aber auch von ihren administrativen und finanziellen Ressourcen und ihren Fähigkeiten zur strategischen Interaktion auf mehreren Ebenen.

"Lokale Planungskulturen – Zur Eigenlogik Münchens und Frankfurts" heißt der Beitrag von Julian Wékel. Es gibt eine Reihe von Differenzen in der deutschen Stadtentwicklung – bei gleichzeitiger Erkenntnis, dass bestimmte Probleme wie die der Energiewende, des Klimaschutzes, der demographischen Entwicklung, der Schrumpfung fast alle Städte gleich treffen. Weiter ist die Frage, wie unter dem besonderen Charakter der auf Bundesebene formulierten planungsrechtlichen Grundlagen der Kommunalpolitik stadtspezifische Besonderheiten zur räumlichen Planung berücksichtigt werden können. Dazu ist eine bessere Kenntnis der inneren städtischen Logik notwendig.

Nicola Below und Jaqui Dopfer nennen ihren Beitrag "Stadttypische Formen der Bürgerbeteiligung: Eine Annäherung an Frankfurt und München". Dabei steht der Wandel des Partizipationsverständnisses seit den 90er Jahren zur Diskussion, das sich ja eher durch eine governance-orientierte Bürgerbeteiligung auszeichnet. Gerade die eigenlogische Perspektive bringt bei den Untersuchungen Aspekte zutage. Untersucht wurden Aspekte der Impuls- und Auftaktveranstaltungen, des Informationszugangs, der Kommunikation und Konsultation, der Kooperation und der Netzwerke und der Umgang mit Ergebnissen. Dabei lassen sich unterschiedliche Handlungslogiken der Akteure herausfiltern.

Schluss

Hubert Heinelt stellt einige Schlussfolgerungen für eine erfolgreiche Gestaltung des Regierens von Metropolregionen vor. Metropolregionen verweisen auf spezifische Arrangements von institutionellen und anderen Akteuren. "brich eine gefrorene Landschaft auf!" meint Heinelt, wenn er über verharschte Akteurskonstellationen spricht und es geht um "metropolitan leadership". Auch hier stehen Frankfurt und München als Paten für die Argumentation. Sein Fazit "überwinde Umverteilungskonflikte".

Zum Schluss gibt Martina Löw Empfehlungen für die Stadtplanung und Stadtentwicklung. Diese macht sie an den für die nationale Stadtentwicklung formulierten Schlüsselforderungen fest:

  • Stadt als Gemeinschaftsprojekt vieler Akteure auffassen,
  • soziale Integration in Städten und Quartieren fördern,
  • wirtschaftlichen Wandel gestalten und kreative Potentiale nutzen,
  • Städte energieeffizienter machen,
  • öffentlichen Raum als baukulturelle Herausforderung entwickeln,
  • regionale Standortprofile und Kooperationen entwickeln. (245)

Das Buch endet mit einem Abbildungs- und Autorenverzeichnis.

Diskussion

Es ist in der Tat ein Handbuch für Stadtplanung und Stadtentwicklung. An Hand vieler konkreter Untersuchungsbeispiele wird deutlicher, was mit der Eigenlogik der Städte gemeint ist. Und wenn die der Städte eigene Geschichte, ihre Strukturen und ihre je eigenen Entwicklungschancen und -grenzen diese Eigenlogik ausmachen, kann man sich vorstellen, dass diese Eigenlogik auch zu einem spezifischen Verständnis von Stadtplanung und zu einer eigenen Philosophie führt, wie sich diese Stadt und ihre Entwicklung versteht.

Dennoch braucht es ein Verständnis dessen, was Stadt ausmacht – was die Stadt als Gestaltungsraum des Urbanen in der modernen europäischen Kultur ist, was sie in modernen postindustrialisierten Gesellschaften prägt. Denn wie will man die kulturelle, ökonomische und soziale Dynamik von Städten als eingebettet in den größeren Zusammenhang von Gesellschaft sonst begreifen? Dies noch mal deutlicher zu machen, wäre hilfreich gewesen!

Fazit

Ein Handbuch für die Stadtplanung und Stadtentwicklung, das deutlich machen will, dass sich diese beiden Bereiche verstärkt mit den Eigenheiten ihrer jeweiligen Städte beschäftigen sollten – wenn sie es nicht eh“ schon tun!


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 16.02.2012 zu: Martina Löw, Georgios Terizakis (Hrsg.): Städte und ihre Eigenlogik. Ein Handbuch für Stadtplanung und Stadtentwicklung. Campus Verlag (Frankfurt) 2011. ISBN 978-3-593-39534-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12719.php, Datum des Zugriffs 08.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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