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Ingeborg Milz, Irmgard Schwiderski: Zeit der Zuwendung

Cover Ingeborg Milz, Irmgard Schwiderski: Zeit der Zuwendung. Kindern und Jugendlichen gerecht werden. Praxisbuch. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2011. 208 Seiten. ISBN 978-3-8080-0681-8. 19,95 EUR, CH: 32,30 sFr.
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Autorinnen

  • Ingeborg Milz, Lehrerin für Grund- Haupt- und Realschule, Diplompädagogin, Montessori-Pädagogin und Frostig-Therapeutin.
  • Irmgard Schwiderski, Rektorin a. D.

Thema

Kinder brauchen Zuwendung – je nach Alter in unterschiedlichem Ausmaß; Überbehütung und Unterversorgung haben negative Folgen. In den Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs, veranschaulicht in der gegenwärtigen Bildungs- und Erziehungsproblematik, ist dies von besonderer Bedeutung.

Das Buch will dem Erwachsenen, sei es Elternteil oder Erzieherin, helfen, dem Kind und Jugendlichen ein sicherer Begleiter zu sein.

Inhalt und Aufbau

Das Buch umfasst drei Teile, vom Neugeborenen zum Schulkind, vom Schulkind zur frühen Adoleszenz, und den Heranwachsenden.

Im ersten Teil geht es um die erste Entwicklungsphase. Beginnend mit dem kompetenten Säugling, wie er seine Bedürfnisse zeigt, und den Problemen eines Schreibabys, wird anschließend der Übergang zum Kleinkind, bei dem der Spracherwerb und das Spiel wichtige Rollen spielen, besprochen. Einen weiteren Schwerpunkt stellt der Übergang in den Kindergarten dar, Konzepte von Emmi Pikler und Maria Montessori und die Waldorfpädagogik sind Themen.

Der zweite Teil (zweite Entwicklungsphase) versucht Verständnis für das Schulkind zu wecken. Flexible Eingangsphase und freies Arbeiten mit dem Wochenplan sind Beispiele einer am Kind orientierten Schule. Die Autorinnen fragen bei verhaltensauffälligen Kindern, ob diese vielleicht nur zuwendungsbedürftig sind. Teilleistungsstörungen, ADHS, soziale Kompetenz sind weitere Themen. Die Autorinnen gehen dann kurz auf die Bedeutung von Spiel und Singen ein und formulieren Regeln gegen Sucht. Der Teil schließt unvermittelt ab mit einigen Seiten mit Materialien, die auf Fortbildungsveranstaltungen in den 70iger Jahren den Teilnehmern überlassen wurden.

Im dritten Teil werden die Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz formuliert. Aggression und Gewalt, Mobbing mit dem Internet als Plattform sowie Formen der Mediation als Interventionsstrategie werden besprochen. In einem kritischen Beitrag beschäftigt sich Dietrich von der Oelsnitz mit Einstellungen und Motivation der heutigen Studierendengeneration.

In jedem Teil wird ausführlich von der Mutter die Geschichte eines Kindes /Jugendlichen mit Entwicklungs- und Lernproblemen geschildert und fortgeführt („Conti“).

Ein Anhang mit Fragen zur Entwicklung des Kindes für Eltern und Informationsbogen, in dem Störungen und Fehlentwicklungen stichwortartig aufgeführt sind, beendet das Buch.

Diskussion

Das Buch soll ein Verständnis für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen wecken und helfen, dass sie die notwendige Zuwendung bekommen. Ich hatte mir vom Titel ein interessantes Buch versprochen, das dieses Thema kompetent aufgreift.

Es werden zwar viele Themen aufgegriffen, aber manchmal viel zu kurz, so z.B. die Sprachentwicklung als Überblick mit Spiegelstrichen. In einem Absatz über Empfehlungen zur Zweisprachigkeit wird nur auf eine (zwar gute) Adresse im Internet verwiesen. Auffallend ist auch, dass es sich bei der zitierten Literatur häufig um Zitate aus Tageszeitungen und Wochenmagazinen handelt.

Noch zwei Beispiele für meine Unzufriedenheit:

  1. Auf Seite 85 wird das Thema angesprochen, wenn der Kindergarten vorzeitige Einschulung empfiehlt. Zu dieser Frage wird nur folgendes Fallbeispiel angeführt und sonst keine weiteren Erläuterungen gegeben. Das Kind sei hochbegabt, die Schule forderte ein ärztliches Gutachten, dieses empfiehlt außerschulische Förderung. Es stellte sich heraus, dass das Kind eine hervorragende mathematische Begabung habe, aber Probleme z.B. in der visuellen Wahrnehmung Förderung erfordere, damit es schulreif werde. Es wird festgehalten „Viele Fragen!“ Das Kapitel endet mit dem Satz „Großes Vertrauen konnten die Eltern in das Konzept seiner künftigen Schule haben“. Dieser Satz klingt ironisch; wenn er nicht so gemeint ist, ist mir nicht einsichtig, wie die Autorinnen zu diesem Urteil kommen. Wahrscheinlich sollte diese Seite zum Nachdenken ermuntert, mich lässt sie ratlos zurück.
  2. Beim Thema Mobbing wird „quasi aus dem Nichts“ der Name Christ Limmer (als Leser kann man den Namen überhaupt nicht einordnen) gezaubert, der zum Problem Mobbing mit drei Sätzen Stellung nimmt; zusätzlich ist eine e-mail-Adresse angegeben (S. 171): Es wird weiter verwiesen, dass Anregungen auch das Internet bietet, ohne Adressen anzugeben. Bei meiner Internetrecherche stellt sich heraus, dass es sich bei der zitierten Person wahrscheinlich um Christa Limmer (Aktion Kinder- und Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Schleswig-Holstein e. V.) handelt und bei der email-Adresse ein Buchstabe fehlt.

Zielgruppen

Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen

Fazit

Das Buch wird als geistiger Begleiter verstanden, der uns helfen soll, das Kind und den Jugendlichen in verschiedenen Entwicklungsphasen zu verstehen. Diesem Anspruch wird das Buch nur zum Teil gerecht.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 20.04.2012 zu: Ingeborg Milz, Irmgard Schwiderski: Zeit der Zuwendung. Kindern und Jugendlichen gerecht werden. Praxisbuch. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2011. ISBN 978-3-8080-0681-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12794.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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