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Oliver König, Karl Schattenhofer: Einführung in die Gruppendynamik

Cover Oliver König, Karl Schattenhofer: Einführung in die Gruppendynamik. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2011. 5., unveränderte Auflage. 125 Seiten. ISBN 978-3-89670-609-6. D: 12,95 EUR, A: 13,40 EUR, CH: 23,00 sFr.

Reihe: Compact.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8497-0172-7 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Autoren

Oliver König ist u.a. Soziologe, Karl Schattenhofer Psychologe, Pädagoge und Soziologe. Beide Autoren sind Trainer in der Deutschen Gesellschaft für Gruppendynamik, beide arbeiten auch in der Beratung und Supervision.

Zielsetzung

Wie im Titel angekündigt gibt das Buch eine Einführung in die Gruppendynamik, wobei die sozialpsychologische Tradition mit systemischen Sichtweisen ergänzt werden und auch deren praktische Bedeutung dargestellt werden soll. Damit wird ein tiefes Verständnis für Gruppen und gruppendynamische Arbeitsformen angestrebt, und es soll gezeigt werden, wie in gruppendynamischen Trainings gelernt werden kann. Gruppendynamik als Begriff zielt

  1. auf die Dynamik des Geschehens in Gruppen,
  2. auf die wissenschaftliche Erforschung dieser Prozesse und
  3. auf ein als solches bezeichnetes Verfahren sozialen Lernens.

Im vorliegenden Buch geht es v.a. um die beiden letztgenannten Aspekte.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beginnt mit der universellen Bedeutung von Gruppen im Alltagsleben und deren gleichzeitiger Beeinflussung durch soziale Veränderungen. Mit zunehmender Flexibilisierung von Lebenszusammenhängen werden neue Freiheiten geschaffen, es wird Einzelnen aber immer mehr abverlangt, sich rasch in wechselnden Gruppen zurecht zu finden. Dies ist umso eher möglich, je besser die Gruppe in ihrer Dynamik verstanden wird. Danach wird knapp und übersichtlich die Entstehung der Gruppendynamik als Lernmethode und Forschungsrichtung beschrieben, v.a. mit Bezug auf die Arbeit von Lewin und Moreno.

Auf folgende Aspekte wird in den folgenden Kapiteln jeweils in kurzer Form eingegangen:

  • Definition von Gruppen und Teams und Gruppen als soziale Systeme – hier wird auch eine Abgrenzung zu Netzwerken, Organisationen, Institutionen und Massenphänomenen gezogen und die Eigensteuerung und Eigenwertigkeit der Gruppe („mehr als die Summe der Mitglieder“) hervorgehoben.
  • Abgrenzung der Gruppe von ihrer äußeren und inneren Umwelt: Als soziales System haben Gruppen eine äußere Umwelt, zu der Rahmenbedingungen und Ziele gheören, wie auch eine innere Umwelt, also die Mitglieder mit ihren Emotionen, Werten, Wahrnehmungen etc.
  • unterschiedliche Ebenen in Gruppen (sachliche, soziodynamische, psychodynamische Ebene – also unbewusste Motive, Kernkonflikte). Hier wird v.a. der Unterschied von Kommunikation und Metakommunikation betont, wie auch die Notwendigkeit, den Wechsel zwischen diesen beiden Formen in jeder Gruppe zu lernen und zu üben.
  • Der gruppendynamische Raum bzw. Differenzierungskriterien wie Macht und Einfluss, Zugehörigkeit, die Aktualisierung lebensgeschichtlicher Erfahrungen im Gruppenprozess
  • Normen und Rollen
  • Beschreibung von Gruppenprozess bzw. Phasen der Gruppenentwicklung
  • Gruppendynamische Arbeitsformen, -designs und -prinzipien
  • Die Rolle von TrainerInnen und angemessene Haltungen wie etwa Allparteilichkeit, angemessene Balance von Widersprüchen (z.B. Kooperation und Konfrontation, Abstinenz und Auseinandersetzung, Ruhe und Bewegung) und Interventionsverständnis
  • Soziale Kompetenzen für die Arbeit in Gruppen (Selbst- und Fremdwahrnehmung, Rollenflexibilität, Emotionale Stabilität etc.)
  • Gruppendynamische Anwendungsformate und -felder wie z.b. Fortbildungen, themenspezifische Trainings, Organisationsentwicklung und -beratung, Gruppenpsychotherapie

Diskussion

Das Buch ist als begleitende Lektüre gedacht für TeilehmerInnnen an gruppendynamischen Fortbildungen – dementsprechend einfach und übersichtlich ist es gehalten. Dies sowie die Kürze der Ausführungen macht es rasch lesbar, oft allerdings auch auf Kosten einer angemessenen Differenziertheit. Wenn z.B. auf Seite 19 Teams als Alternative zur hierarchischen Ordnung unf funktionalen Ausdifferenzierung von Organisationen dargestellt werden, dann kann ich das weder empirisch noch theoretisch nachvollziehen – werden doch die meisten Teams im Rahmen von ausdifferenzierten Organisationen und ergänzend zur nach wie vor bestehenden Hierarchie eingesetzt. Das Verspechen, auch auf systemische Sichtweisen einzugehen, wird kaum gehalten, hier gibt es viel Literatur insbesondere zum Verhältnis von Gruppendynamik und systemtheoretisch orientierter Organisationsberatung – v.a. im Umfeld der Österreichischen Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsberatung ist hier viel diskutiert und publiziert worden, im vorliegenden Buch findet dies allerdings nur wenig Berücksichtigung.

Fazit

Eine knapp gehaltene, übersichtliche und einfache Einführung, die TeilnehmerInnen an Gruppendynamik sicher einen guten Überblick und Orientierung gibt.


Rezension von
Prof. Dr. Ruth Simsa
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Soziologie, NOP Institut
Homepage www.ruthsimsa.at
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Zitiervorschlag
Ruth Simsa. Rezension vom 22.08.2012 zu: Oliver König, Karl Schattenhofer: Einführung in die Gruppendynamik. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2011. 5., unveränderte Auflage. ISBN 978-3-89670-609-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12812.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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