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Aktion Psychisch Kranke e.V, Peter Weiß u.a. (Hrsg.): (Pauschalierendes Entgeltsystem) [...] gemäß § 17d KHG

Cover Aktion Psychisch Kranke e.V, Peter Weiß, Heinrich Kunze, Norbert Röder (Hrsg.): Einführung eines pauschalierenden Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen gemäß § 17d KHG. Dokumentation des Expertenworkshops am 04. Juli 2011 in Berlin. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2011. 160 Seiten. ISBN 978-3-88414-546-3.

Reihe: Aktion psychisch Kranke. Zu bestellen über apk@psychiatrie.de oder apk-bonn@netcologne.de.
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Autoren

Neben den Herausgebern sind folgende Autoren vertreten:

  • Herr Georg Baum ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft in Berlin.
  • Herr Prof. Dr. Karl H. Beine ist Vorsitzender des Arbeitskreises der Chefärztinnen und Chefärzten von Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an Allgemeinkrankenhäusern in Deutschland (ackpa).
  • Herr Prof. Dr. Thomas Bock arbeitet in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
  • Herr Dipl. Volkswirt Thomas Brobeil ist Geschäftsführer der Vinzent von Paul gGmbH in Rottenmünster.
  • Herr PD Dr. med.Dipl.-Psych. Ulrich Cuntzist Chefarzt in der Schön Klinik Roseneck.
  • Herr Prof. Dr. Arno Deister arbeitet in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosomatische Medizin am Klinikum Itzehoe.
  • Herr Dr. Peter Dirschedl ist stellv. Leitender Arzt des MDK Baden-Württemberg.
  • Herr Prof. Dr. Jürgen Fritze ist Leitender Arzt des Verbandes der privaten Krankenversicherungen.
  • Herr Prof. Dr. Wolfgang Gaebel arbeitet in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LVR-Klinikums Düsseldorf.
  • Herr Ministerialrat Andreas Hauk leitet das Referat psychiatrische Versorgung, Maßregelvollzug, Sucht im Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz in Potsdam.
  • Herr Dr. Frank Heimig ist Geschäftsführer des Institutes für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) in Siegburg.
  • Herr Prof. Dr. Peter Kruckenberg ist Vorstand des Aktion Psychisch Kranke e.V. in Bremen.
  • Herr Rainer Kukla war Leiter des Dezernats Gesundheitspflege und heilpädagogische Heime des Landschaftsverbandes Rheinland.
  • Herr Prof. Dr. Heinrich Kunze ist stellv. Vorstand des Aktion Psychisch Kranke e.V.
  • Herr Dr. Wulf-Dietrich Leber ist Abteilungsleiter Krankenhäuser des GKV-Spitzenverbandes in Berlin.
  • Frau Dr. Gunda Ohm arbeitet in der Strategischen Unternehmensentwicklung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.
  • Herr Prof. Dr. Norbert Roeder ist Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Münster.
  • Herr Matthias Rosemann ist Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde (BAG GPV) und Vorstand des Aktion Psychisch Kranke e.V.
  • Frau Gudrun Schliebener ist Vorsitzende des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch Kranker e.V.
  • Frau Annette Widmann-Mauz (MdB) ist Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit in Berlin.
  • Herr Peter Weiß (MdB) ist Vorsitzender der Aktion Psychisch Kranke e.V.
  • Herr Stefan Wöhrmann arbeitet als Abteilungsleiter Stationäre Versorgung beim Verband der Ersatzkassen e.V.
  • Herr PD Dr. Jürgen Zielasek arbeitet in der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LVR-Klinikums Düsseldorf.

Thema

Der Band enthält die Dokumentation des Expertenworkshops vom 4. Juli 2011 in Berlin. Diese Dokumentation stellt inhaltlich den aktuellen Entwicklungsstand im Einführungsprozess eines neuen Vergütungssystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen dar. Die Beteiligten bewerten den Prozess und stellen sowohl Ihre Bedenken als auch Ihre Verbesserungsvorschläge vor.

Aufbau, Begrüßung und Grußwort

Die von dem Aktion psychisch Kranke e.V. herausgegebene Dokumentation des Expertenworkshops ist in drei Kapitel gegliedert. Im Zentrum steht die Erfassung der Ist-Situation und der Gegenüberstellung verschiedenen Vor und Nachteile der bisherigen Entwicklung. Des Weiteren verdeutlichen die Stellungnahmen der am Prozess Beteiligten das gesellschaftliche Interesse.

Die zunächst wiedergegebene Begrüßung beinhaltet einen einführenden Beitrag des Mitherausgebers Peter Weiß. Weiß stellt das Tagungszentrum und wesentliche Teilnehmer des Workshops vor. Er stellt einen Diskurs über die wesentlichen mittel- und langfristigen Ziele im thematisierten Bereich in Aussicht.

Das Grußwort beinhaltet einen Beitrag von Annette Widmann-Mauz. Zunächst wird die Begrüßung von Frau Widmann-Mauz wiedergegeben. Nach einer kurzen Einführung wird die Notwendigkeit des neuen Entgeltsystems sowie der derzeitige Stand der Entwicklung umrissen. Es wird deutlich, dass das pauschalisierte Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen weltweit als innovative Neuerung angesehen werden kann.

Der Tagungsband gliedert sich in drei Teile:

  • A. Beiträge der Referenten
  • B. Statements
  • C. Anhang

zum Teil A. Beiträge der Referenten

Die Einführung des Moderators beinhaltet einen Beitrag von Norbert Roeder. Die Notwendigkeit zur Veränderung des Entgeltsystems steht im engen Zusammenhang mit dringenden Strukturveränderungen im Versorgungsbereich. In diesem Zusammenhang mehrere Aspekte zu berücksichtigen. Die Klassifikation der Patienten führt dabei zu verschiedensten Diskussionen. Des Weiteren besteht der Wunsch eine effizientere und ökonomischere Versorgungsstruktur zu gestalten. Die entstehenden Spannungen zwischen den verschiedenen „Stakeholdern“ sollen im Rahmen des Workshops dargestellt und diskutiert werden.

Der Beitrag Entwicklungsschritte und Perspektiven beim Psych-Entgeltsystem beinhaltet Ausführungen von Wulf-Dietrich Leber. Zunächst geht Leber auf die Entwicklungsschritte des §17d Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) ein. Aus dem Gesetzestext ist die Aufforderung zur Neuauflage des DRG Systems im Bereich der psychiatrischen und psychosomatischen Versorgung zu erkennen. Einführend steckt Leber einen klar definierter Zeitplan die Rahmenbedingungen ab. Der Zyklus bestehend aus Datenerhebung, -auswertung und Umsetzung/Pretest folgt der Denkweise eines „lernenden Systems“. Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des Entgeltsystems besteht in der Dokumentation/ Kodierung von erbrachten Leistungen, die Umsetzung hingegen gestaltet sich dabei jedoch schwieriger. Eine weitere ernstzunehmende Schwierigkeit besteht darin, eine umsetzbaren Grundstruktur zu errichten. Der Text stellt die verschiedenen zur Diskussion stehenden Möglichkeiten der Tagessatzvergütung dar, welche derzeit erörtert werden.

Im Zusammenhang mit den Tages-, Fall- und Zeitpauschalenwird die Prüfung verschiedener alternativer Abrechnungsmöglichkeiten verlangt, da ein Entgelt basierend auf Tagespauschalen zu negativen Veränderungen der Verweildauer führen kann.

Einen weiteren Diskussionspunkt stellen sogenannte Regionalbudgets dar. Positiv sind in diesem Zusammenhang die Steigerung ambulanter Leistungsangebote und die bessere Steuerbarkeit des Budgets einzuschätzen. Negativ steht dem der erhöhte Vertrags- und Verwaltungsaufwand gegenüber.

Der Text erörtert im übrigen die psychiatrischen Institutsambulanzen, da eine verbindliche Regelung seitens des Gesetzgebers für diese Institutionen noch aussteht.

Die Diskussion zum ordnungspolitischen Rahmenstellt sich als schwieriger Komplex dar. Die zu berücksichtigenden Aspekte werden im Text dargestellt, besonders die Strukturierung der Leistungen und Leistungsbereiche gilt als Herausforderung. Weiterhin kann eine überstürzte Einführung eines leistungsbezogenen Vergütungssystems die Versorgungsqualität negativ beeinflussen. Daher sollte ein Ziel die Verbindung des ambulanten und stationären Leistungsspektrums im Rahmen der Neuordnung des Vergütungssystems sein.

Zu den nächsten Schrittenwerden die verschiedenen Handlungen des Bundesministeriums für Gesundheit, der Spitzenverbände, der InEK, der Kalkulationshäuser und des Gemeinsamen Bundesausschusses dargestellt.

Der Beitrag Entwicklungsschritte und Perspektiven beim Psych-Entgeltsystem von Georg Baum umreist nochmals kurz sowohl die Notwendigkeit der Reform als auch die zu berücksichtigenden zentralen Faktoren. Es wird des Weiteren klar, dass es im Entwurf des Vergütungssystems noch eine Vielzahl zu klärender Fragen und zu definierender Faktoren gibt. Baum hält kritisch fest, dass sowohl der Zeitplan zu kurz als auch der Gesamtumfang sehr komplex ist.

Ein weiterer Beitrag Transparenz des Versorgungsgeschehens psychisch kranker Menschen stammt von Jürgen Fritze, Jürgen Zielasek und Wolfgang Gaebel. Die Transparenz des Versorgungsgeschehens ist im Zusammenhang mit der Einführung eines neuen Vergütungssystems eine nicht zu vernachlässigende Komponente. Wie im Text dargestellt steht eine Reihe von Datenquellen zur Verfügung, lediglich der Inhalt und die Vollständigkeit sind kritisch zu prüfen.

Zur Nutzung von GKV-Routinedaten wird auf ein Modellprojekt der Ersatzkassen verwiesen. Es werden die Ergebnisse des Modellprojektes wiedergegeben. Zusammengeführte Daten stellen den Behandlungsverlauf transparent dar. Im weiteren Verlauf des Beitrages werden verschiedene Statistiken und Datenquellen dargestellt. Die in dieser dargestellten Ergebnisse im Bereich psychiatrischer und psychosomatischer Erkrankungen befassen sich mit folgenden Themen:

  • Arbeitsunfähigkeit
  • Suizidale Handlungen
  • Arzneimittelversorgung
  • Ambulante Psychotherapie
  • Teilstationäre Versorgung
  • Psychosomatische Krankenhausversorgung
  • Diagnosespektren
  • Krankheitshäufigkeit und -verweildauer

Unter den Schlussfolgerungen ist als wesentlich darzustellen, dass die erfassten Daten eine transparente Darstellung des Versorgungsprozesses zulassen. Gefordert wird die Transparenz, Qualität und Abbildung der Variabilität der psychischer Krankheiten). Des Weiteren wird die geringe Leistungsfähigkeit des Qualitätsmanagements in diesem Bereich kritisiert.

Am Ende dieses Beitrags findet sich ein einseitiges Literaturverzeichnis.

Der Beitrag von Heinrich Kunze und Rainer Kuklabeinhaltet eine Darstellung der Entwicklung des Psych-Entgeltsystems aus Sicht der Aktion Psychisch Kranke. Einleitend wird zunächst der Orientierungsrahmen in zeitlicher Hinsicht und bzgl. der Ziel-Perspektiven dargestellt. Die Entwicklung eines neuen Entgeltsystems gliedert sich in zwei Phasen: der Entwicklungsphase (bis 2013) und der Einführungsphase (bis 2020).

Anschließend werden die Anforderungen an die Organisation und Finanzierung von Behandlungen erörtert. Dabei sind zunächst die Unterschiede zwischen Patienten mit psychischen und somatischen Erkrankungen zu berücksichtigen. Der Unterschied zum DRG-System ist in der Individualität des Patienten zu suchen. Diese erschwert die Umsetzung eines einheitlichen Entgeltsystems, das leistungsgerecht sein soll. Der Beitrag stellt dies an verschiedenen Beispielen dar (Lebensumfeld, kontinuierlicher Versorgungsprozess, Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, rechtliche Rahmenbedingungen).

Dargestellt wird die Problematik der derzeitigen Krankenhausfinanzierung. Diese zeige tendenziell Schwachstellen. So stellen fehlende Anreize zur Veränderung der Behandlungsform, die verminderte Umsetzung individueller Behandlungskonzepte und die ungenügende Einbeziehung des Lebensumfeldes ein Problem dar.

Zu fragen ist nach Ansicht der Autoren, ob aus der Umsetzung des fachlichen Konzepts der Integrierten Krankenhausbehandlung als Teil der Regelfinanzierung gelernt werden kann. Die zielgerichtete Organisation des Behandlungspfades ist ein wichtiger Parameter bei der effizienten Nutzung der Integrierten Versorgung (nach § 140 SGB V). Das dargestellte Beispiel des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf stellt das spezielle Vorgehen beispielhaft dar. Besonders die pauschalisierte Finanzierung ist ein Wettbewerbsvorteil. Die Autoren schränken allerdings ihre Aussage abschließend ein, da sie nicht ausschließen können, dass sie in der betrachteten Periode bei der Patientenauswahl eine ungünstige Verzerrung hatten.

Am Schluss des Beitrags werden die Perspektiven für konkrete Ziele und Wege für die Einführung des neuen Entgeltsystems ab 2013 besprochen. Die Umsetzung des gesamten Vorhabens bedarf einer größeren Zeitspanne. In einem „Detailpapier“ des AOK Bundesverbandes wird eine budgetneutrale Phase von 5 Jahren und eine angeschlossene Konvergenzphase vorgeschlagen. Aus diesem Vorschlag werden zwei Ziele im Text formuliert:

  1. „Einführung und jährliche Verbesserung der Leistungsbeschreibung“
  2. „Flexibilisierung der Leistungen“

Der Beitrag verdeutlicht den komplexen Inhalt des bevorstehenden Themas. Es sollten nicht nur verschiedene Perspektiven und die allgemeinen Ziele dargestellt werden, sondern auch mögliche Probleme und Alternativen erwähnt werden.

Der Beitrag von Kunze und Kukla schließt mit einem Literaturverzeichnis über 1,5 Seiten.

Der Beitrag Pauschalierende Entgelte für Psych-Leistungen von Peter Dirschedlbeinhaltet einen internationalen Vergleich. Dirschedlstellt verschiedene Entgeltsysteme dar:

  • USA (Tages-Basisfallwert und spezifische Einflussfaktoren)
  • Ungarn (DRG Abrechnung bei Akutbetten sonst tagesgleiche Pflegesätze)
  • Österreich (Punktesystem mit leistungsorientierten Diagnosefallgruppen)
  • Frankreich (Erfassung von Leistungen und Ressourcenverbrauch)

Die vorgestellten Systeme sind „Mischsysteme“ aus Diagnosebezug, Verweildauer und Behandlungsbedarf.

Der Beitrag von Frank Heimig zum Aktuellen Stand bei der Entwicklung des Psych-Entgeltsystems ist eine Wiedergabe der Folien des Vortrags. Ein erläuternder Text fehlt. Die Folien sind z.T. schlecht lesbar und ohne erläuternden Text nicht verständlich!

Thomas Brobeil stellt Praktische Erfahrungen eines Kalkulationshauses beim Vortest des neuen Entgeltsystems dar. Das Interesse zur Teilnahme des Paul Hospitals in Rottenmünster erwuchs zum Teil aus der „Neugier“. Als Basis einer Teilnahme muss die konsequente Kostenträgerrechnung und eine leistungsstarke EDV vorausgesetzt werden. Der Beitrag stellt zur Veranschaulichung detailliert (auf vier Seiten) zwei Kostenverläufe für die Diagnose F 33.2 (Rezidivierende depressive Störung) und F 20.0 (Paranoide Schizophrenie) dar.

Brobeil fasst die praktischen Erfahrungen wie folgt zusammen: die Umsetzung auf allen Ebenen verlangt erhebliche Veränderungen und setzt nicht unwesentliche Bedingungen, die erfüllt werden müssen, voraus. Eine neue Struktur in der Verwaltung ist zu schaffen. Die Gewichtung eines Basisfallwertes gestaltet sich im Bezug auf eine leistungsgerechte Vergütung als besonderes Problem, da die Kosten zwar die Leistungen widerspiegeln aber individuelle Einflüsse kaum berücksichtigt werden.

zum Teil B. Statements

Andreas Haukstellt die Position der Länder zur Einführung des neuen Entgeltsystems dar. Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) beurteilt die Vergütung der psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen im Rahmen des neuen Entgeltsystems durchaus kritisch. Sowohl die Umsetzung in Bezug auf die gesetzlichen Anforderungen (durchgängig, leistungsorientiert, pauschal) als auch die Einbeziehung der PIAs lässt Fragen offen. Die Bettenzahl (Investitionskosten der Länder) ist in einem engen Zusammenhang mit dem Entgeltsystem zu sehen. Daher sollten im Entgeltsystem verstärkt Anreize zur Senkung der Belegungstage eingearbeitet werden. Dem Beitrag nachgestellt ist zur Verdeutlichung der Position der Beschluss der 84. Gesundheitsministerkonferenz vom 29./30. Juni 2011.

Der Beitrag von Stefan Wöhrmann geht kurz auf das Entgeltsystem als Versorgungssystem ein. Wöhrmann stellt kritisch die Rahmenbedingungen, die für die Einführung des neuen Entgeltsystems gelten, dar. Die Umsetzung innerhalb eines Fallpauschalensystems stellt einige Anforderungen: Sowohl die Kostenstruktur mit einem hohen Anteil von Personalkosten als auch die Abbildung von „Prozeduren“ ist zu gewährleisten. Es wird deutlich, dass die Vergütung der stationären Behandlung nicht mit dem angestrebten leistungsorientierten Ansatz im Einklang steht. Eine Verschmelzung von DRG-System und Psych-Entgeltsystem in einem Landesbasisfallwert ist daher nicht möglich und wird auch nicht angestrebt.

Unter den Statements folgt eine Darstellung des Integrierten Versorgungs-Projekts des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Es wird in zwei Teilen dargestellt. Am Schluss ist auf einer halben Seite die Literatur zum Hamburger IV-Projekt wiedergegeben.

Der erste Teil beinhaltet einen Beitrag von Thomas Bock. Dargestellt wird von Bock das IV-Model der Universitätsklinik Hamburg. Die Vergütung der Krankenhausleistung als Jahrespauschale bildet den zentralen Aspekt. Als Ergebnis können eine Reihe von positiven Entwicklungen festgestellt werden. Dies eröffnet einen weiteren Ansatz zur Umsetzung innerhalb des Entgeltsystems.

Der zweite Teil beinhaltet einen Beitrag von Gunda Ohm. Die sektorenübergreifende Gesamtversorgung umfasst den vollständigen Behandlungsablauf. Die Verschmelzung der intensiven, stationären Erstbehandlung mit konstanter, ambulanter Weiterbehandlung schafft das Qualitätsmerkmal. Der Beitrag stellt das IV-Model anschaulich dar (Chancen vs. Risiken).

Beitrag von Arno Deister gibt die Erfahrungen und Erwartungen aus Sicht der Regionen mit integrativen Versorgungskonzepten (Regionales Budget) wieder. Deister stellt die Anforderungen an ein zukünftiges Finanzierungssystem dar. Die Ausführungen orientieren sich am System der integrierten Versorgung. Die Weiterentwicklung dieses Versorgungssystems beinhaltet die Chance, ein flexibles, individuelles und bedarfsorientiertes Behandlungssystem zu entwerfen. Dies haben durchgeführte Modellprojekte zur IV nach Ansicht von Deister bereits erfolgreich gezeigt.

Gudrun Schliebener stellt in ihrem Beitrag diePerspektive einer Angehörigen dar. Die Einführung eines neuen Entgeltsystems zieht nicht nur die Verunsicherung der „Leistungserbringer“ nach sich, sondern lässt auch für Angehörige viele Fragen offen. So sehen diese den umfangreichen Dokumentationsaufwand als zusätzliche Belastung des Personals oder sehen eine qualifizierte Nachsorge außerhalb der klinischen Vergütung als gefährdet an. Schliebener fordert eine übergeordnete Expertenkommission, die den Entwicklungsprozess konstruktiv-kritisch begleitet.

Karl H. Beine stellt in seinem BeitragdiePerspektive des Arbeitskreises der Chefärztinnen und Chefärzten von Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an Allgemeinkrankenhäusern in Deutschland (ackpa) dar. Beine verdeutlicht kritisch, dass der bisherige Reformprozess der Selbstverwaltungspartner sich vom ursprünglichen Willen des Gesetzgebers (im §17d KHG) entfernt habe. Diese Abweichungen schaffen einen Spielraum für die Umsetzung falscher Anreizsysteme. Insgesamt wird die Reform in allen Bereichen (IV-Konzepte, hoch aufwändige Leistungen,…) als nicht gesetzestreue Bemühung interpretiert.

Mit Vorschlägen zur Weiterentwicklung des KHRG-Prozesses befasst sich der Beitrag von Peter Kruckenberg. Auch in diesem Beitrag wird deutlich, dass die Umsetzung der Gesetzesreform von den Selbstverwaltungspartnern als ungenügend angesehen wird. Die durch das Gesetz verbindlich festgehaltenen Aufträge sollten stärker berücksichtigt werden. Kruckenberg sieht den Gesetzgeber in der Verantwortung, einen Kurswechsel zu gestalten, welcher die ursprünglichen zentralen Vorgaben einhält.

Matthias Rosemann stellt in seinem Beitragdie Sicht der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde (BAG GPV) dar. Die Nutzung der OPS-Prozeduren zur Erfassung der Behandlungsdaten stelle den falschen Weg dar. Rosemann gibt zu bedenken, dass die Patientengruppen nicht eindeutig abgebildet werden. Zudem verliere das System die Individualität des Patienten aus den Augen. Es wird daher nötig sein, die Erfassung der Behandlungsdaten der Realität und den tatsächlichen Kosten anzupassen.

Ulrich Cuntzverfasst ein Statement aus Sicht der Psychosomatischen Fachverbände. Cuntzstellt kurz die Grundlagen des psychosomatischen Behandlungskonzeptes dar. Die Behandlung ist im Gegensatz zur psychiatrischen Intervention meist elektiv (planbar und koordiniert). Daraus ergeben sich andere Ansprüche an das Entgeltsystem. Cuntzstellt die Vergütung im Rahmen eines regionalen Budgets sowie die Einbeziehung der psychosomatischen Institutsambulanzen dar.

Der Tagungsband endet mit der Wiedergabe des Schlussworts von Norbert Roeder. Roeder stellt kurz die erörterten Themen dar. Er verweist auf zahlreiche Gemeinsamkeiten der Teilnehmervoten. Dennoch bleiben seiner Meinung nach noch viele Fragen vor der Einführung zu klären. Die Kerngedanken der Referate sind in der Entwicklung des Vergütungssystems einzubeziehen und weiterzuverfolgen.

zum Teil C. Anhang

Der Anhang beinhaltet:

  • das Eckpunktepapier „Neustart für §17d KHG: Sektorübergreifende Versorgung für psychisch Kranke“ von ackpa, APK, vdek und AOK-Bundesverband
  • die konzeptionelle Grundlage für „Die Weiterentwicklung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Krankenhausbehandlung“ (Empfehlung der Aktion Psychisch Kranke, Mai 2010)
  • das Autorenverzeichnis

Fazit

Die Dokumentation des Expertenworkshops zum Thema Einführung eines pauschalisierten Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen gemäß § 17d KHG“ am 4. Juli 2011 in Berlin stellt die verschiedensten Standpunkte der am Veränderungsprozess beteiligten Interessensvertreter dar.

Die zahlreichen kritischen Darstellungen der Entwicklungsprozesse deuten auf die noch zu bearbeitenden Einzelaspekte hin, die bei der Einführung eines neuen Entgeltsystems zu überprüfen und zu bearbeiten sind. Ein Lösungsansatz bietet die vorgeschlagen Überwachung des Veränderungsprozesses durch eine Expertengruppe.

Anhand der Dokumentation wird deutlich, welche zentralen Aspekte die Beteiligten als noch unvollständig ausgearbeitet ansehen.

Negativ zu werten ist die Wiedergabe der Folien des Beitrags von Heimig zum aktuellen Stand bei der Entwicklung des Psych-Entgeltsystems. Es fehlt ein erläuternder Text. Die Folien sind z.T. schlecht lesbar und ohne erläuternden Text nicht verständlich! Diese formale Schwäche (offenkundig hat der Vortragende keinen Text geliefert!) bleibt aber eine Ausnahme.

Insgesamt stellt das Werk einen zeitnahen Überblick über den Diskussionsstand zur Einführung des neuen Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen dar. Die an den Gesetzgeber gerichteten Wünsche und Erwartungen können dem Tagungsband entnommen werden. Damit kann der aktuellen Diskussionsstand und die sich abzeichnende Entwicklung zur Kenntnis genommen werden.

Die Broschüre wurde vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert, sie ist deshalb kostenlos zu beziehen.


Rezension von
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 19.03.2012 zu: Aktion Psychisch Kranke e.V, Peter Weiß, Heinrich Kunze, Norbert Röder (Hrsg.): Einführung eines pauschalierenden Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen gemäß § 17d KHG. Dokumentation des Expertenworkshops am 04. Juli 2011 in Berlin. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2011. ISBN 978-3-88414-546-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12836.php, Datum des Zugriffs 28.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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