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Christian Schulz-Du Bois, Benjamin Gohr u.a.: Neues Entgeltsystem in Psychiatrie und Psychosomatik

Cover Christian Schulz-Du Bois, Benjamin Gohr, Thorsten Rüter: Neues Entgeltsystem in Psychiatrie und Psychosomatik. Anleitung für die Anwendung im Klinikalltag und beim Medizincontrolling. Walter de Gruyter (Berlin) 2011. 83 Seiten. ISBN 978-3-11-026375-6. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
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Autoren

Dr. Christian Schulz-Du Bois studierte Medizin an der Universität Kiel und leitet derzeit den Konsildienst und das Medizincontrolling der ZIP gGmbH.

Benjamin Gohr arbeitet als Medizinischer Kodierer im Medizincontrolling der ZIP gGmbH.

Thorsten Rüter studierte Betriebswirtschaft an der Gesamthochschule Siegen und leitet den Bereich Unternehmenssteuerung und Controlling der ZIP gGmbH.

Thema

Der Band stellt eine praxisorientierte Darstellung des derzeit in der Einführungsphase befindlichen „Neuen Entgeltsystems in der Psychiatrie und Psychosomatik“ dar. Das kompakte Buch richtet sich an Kliniken und deren Mitarbeiter, die sich in die Thematik des neuen Entgeltsystems einarbeiten möchten. Inhaltlich umfasst das Buch sowohl theoretische als auch praktische Gesichtspunkten. Die eigenen beruflichen Erfahrungen als Mediziner, Controller und Pflegeleitung fließen direkt in die praxisorientierte Darstellung ein.

Der Inhalt spiegelt die Kernfragen wieder, die sich für die Anwender aus medizinischer, pflegerischer und betriebswirtschaftlicher Sicht stellen.

In der Darstellung entsprechen die Fragen jeweils den Kapitelüberschriften. Sie orientieren sich am Ablauf der Leistungserfassung. Die gestellten Fragen und die jeweiligen Antworten gliedern die Darstellung des Inhalts in dieser Rezension.

Geleitwort, Vorwort, Inhaltsverzeichnis

Dem Buch ist ein kurzes Geleitwort von Prof. Dr. Josef Aldenhoff, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Kieler Zentrum für Integrative Psychiatrie vorangestellt. Es beinhaltet einen Dank an die Autoren, der sich insbesondere auf die praxisorientierte Darstellung des „Neuen Entgeltsystems“ und der Handlungsbedarfe ergibt.

Vorwort. Im Vorwort stellen die Autoren Ihr Interesse und Ihre Motivation zur Auseinandersetzung mit dem Thema dar. Die Entwicklungen und Veränderungen des „Neuen Entgeltsystems“ sollen in der Publikation aufgezeigt werden. Besonderer Dank wird im Rahmen der Entstehung des Bandes an die Geschäftsführer des ZIP gerichtet.

Inhaltsverzeichnis. Das Inhaltsverzeichnis besteht aus acht Hauptbeiträgen mit unterschiedlicher Untergliederung. Den Beiträgen schließen sich ein Literaturverzeichnis, ein Abkürzungsverzeichnis und der Index (Stichwortverzeichnis über drei Seiten) an.

Zu Kapitel 1

Kapitel 1beinhaltet einen Beitrag von Schulz-Du Bois. Er beantwortet folgende Frage: „Ein neues Entgeltsystem – was kommt da auf uns zu?“ Schulz-Du Bois stellt in einem ersten Abschnitt den Weg der Gesetzgebung zum neuen Entgeltsystem dar. Als Ursache werden die drastischen Steigerungen der Gesundheitsausgaben gesehen. Nach der Umsetzung der DRG-Vergütung im somatischen Bereich legt das KHG im §17d den Grundstein für die Veränderung des Entgeltsystems in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen. Im Grundsatz führt die KHG-Gesetzesnovelle die Abrechnung tagesbezogener Entgelte ein. Diese werden als ein „durchgängiges, leistungsorientiertes und pauschalierendes Vergütungssystem“ gekennzeichnet. Im weiteren Verlauf stellt der Verfasser die verschiedenen Anforderungen und Rahmenbedingungen aus dem KHG kurz vor. Zur Berechnung eines Entgeltes wird der in somatischen Einrichtungen verwendete Algorithmus (vereinfacht dargestellt: Das Entgelt ergibt sich als Produkt aus Basisfallwert und Relativgewicht) genutzt. Als entscheidender Unterschied zum somatischen DRG-System ist festzustellen, dass keine Pauschale je Fall, sondern eine tagesbezogene Pauschale auf der Grundlage von Behandlungen berechnet wird. Da die Struktur des neuen Entgeltsystems in Psychiatrie und Psychosomatik eng mit dem somatischen DRG verwandt ist, besteht die Möglichkeit Zusatzentgelte zu generieren (welche die erbrachte Leistung widerspiegelt). Damit ist die Abkehr vom alten Vergütungssystem vollendet.

In einem weiteren Abschnitt stellt Schulz-Du Boiseine neue Arbeitsweise“ in den Grundzügen dar. Schulz-Du Bois zeigt die Konsequenzen für das Management auf, die sich aus dem neuen Vergütungsparadigma ergeben. Ökonomische Aspekte bekommen eine wachsende Bedeutung. Zwar galt das Gebot der Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung (§ 12 SBG V) schon immer. Im neuen Vergütungssystem steigt jedoch die Transparenz über die gegenüber dem Patienten erbrachten Leistungen. Für das Krankenhaus ist es von besonderer Bedeutung, die erbrachten Leistungen zu erfassen und zu dokumentieren. Dieser neuen Anforderung entsprechend sind die Arbeitsabläufe anzupassen. Der Umfang und die Bedeutung administrativer Tätigkeiten nehmen im anstehenden Veränderungsprozess eine gesonderte Stellung ein. Fraglich ist, ob eine optimierte Leistungsstruktur zu einer höheren Gesamtvergütung führen kann. Dies betrifft zwei Aspekte:

  • Therapeutische Gespräche werden mit einer 25 minütigen Taktung berücksichtigt. Kürzere Gespräche werden nicht gesondert vergütet. Zentral ist der Operationen- und Prozeduren-Schlüssel (OPS).
  • Bei Gruppentherapien ist die Gruppengröße relevant. Die erste Fassung des OPS hatte eine einheitliche Gruppengröße vorgesehen. In der derzeit vorliegenden 2. Fassung wird die Vergütung differenziert nach der Gruppengröße (bis 13 Gruppenmitglieder) abgebildet. Ab 13 Personen ist ein zweiter Therapeut einzusetzen. Ein erhöhter Betreuungsaufwand ist bei einer Intensivtherapie gegeben (1:1). Diese ist angezeigt bei akuter Fremd- oder Eigengefährdung.

Die Zeiten und bei Gruppentherapien die Gruppengröße sind für die neue Vergütungsabrechnung zu dokumentieren.

In seinem Fazit („Eine neue Chance“)wertet Schulz-Du Bois die anstehenden Veränderungen im Entgeltsystem als Chance für die betroffene psychiatrische Einrichtung, da der gesamte Prozess die erbrachten Leistungen in Psychiatrie und Psychosomatik sichtbar der „Öffentlichkeit“ präsentiert. Qualität, Quantität und Bedeutung der Dienstleistungen stehen somit im Mittelpunkt des Interesses. Dieser erhöhte Transparenz sei positiv, auch wenn der Gesetzgeber mit dem neuen Vergütungsparadigma ein Instrument zur besseren Leistungssteuerung angesichts des steigenden Kostendrucks im Gesundheitssystem sieht.

Zu Kapitel 2

Kapitel 2beinhaltet einen Beitrag von Gohr zum Thema der "Leistungserfassung und Kodierung“. Gohr ist gelernter Gesundheits- und Krankenpfleger und arbeitet als medizinischer Kodierer im psychiatrischen Bereich. Gohr beantwortet die ihm gestellten Fragen wie folgt: „Wie lange brauche ich für die Leistungserfassung?“ Gohr empfiehlt zunächst aus seinen praktischen Erfahrungen, immer ein kleines Formular dabei zu haben, um die jeweils gegenüber einem Patienten erbrachten Leistungen dokumentieren zu können. Am Ende des 6. Kapitels findet sich eine Vorlage für einen solches DIN A 4 Formular, das genickt werden kann und in jede Kitteltasche passt. Ein solches Formular immer bei sich zu tragen, ermöglicht die Dokumentation bei geringem Zeitaufwand. Würde stattdessen die geleistete Tätigkeit erst am PC im Stationszimmer erfolgen, wäre ein erheblich größerer Zeitaufwand erforderlich, da erst der Computer hochgefahren und die Software (z.B. Krankenhaus-Informationssystem (KIS)) hochgefahren und die Krankenakte gesucht und geöffnet werden muss.

Welche Technik hilft mir?“ Für eine Antwort auf diese Frage stellt Gohr zwei verschiedene Systeme mit ihren Stärken und Schwächen vor (Erfassung in Papierform vs. digitale Erfassung). Die Erfassung auf dem Formular ist schnell und unkompliziert, bedarf aber noch der späteren Eingabe in die EDV. Bei der elektronischen Erfassung kann eine automatische Eingabekontrolle genutzt werden. Ob eine Lösung per Mobil-Telefon oder iPad am günstigsten ist, muss jeder Träger selber entscheiden. Gohr rät aber unbedingt dazu, ein einheitliches System zu nutzen.

Erfassung gegen Kontrolle“ In diese Abschnitt befasst sich Gohr mit der Frage, ob die für die Abrechnung erforderlichen Informationen zur Überwachung der einzelnen Leistungen des jeweiligen Mitarbeiters missbraucht werden können. Gohr rät den Krankenhäusern, eine Betriebs- oder Dienstvereinbarung mit dem Betriebs- bzw. Personalrat zu treffen, in der die ausschließliche Verwendung der Daten für die Leistungserfassung und -abrechnung schriftlich fixiert wird. Die Verantwortlichen sollten bei einer Information die Mitarbeiter darauf hinweisen, dass die Einnahmen des Krankenhauses von der belastbaren Dokumentation der erbrachten Leistungen direkt abhängen. Letzendlich können ohne Einnahmen keine Gehälter gezahlt werden.

Upcoding“. Aus dem somatischen Bereich ist das Phänomen des „Upcoding“ bekannt. Hierunter versteht man eine „ungerechtfertigte Höherstufung (durch Angabe zusätzlicher Nebendiagnosen) zur Erlössteigerung“. Als weiteres Phänomen ist das Unterkodieren eines Falles bekannt, hierunter ist eine Verfälschung der Leistung des Krankenhauses nach unten zu verstehen. Als Folge des „Upcoding“ besteht zum einen die Gefahr, die Vergütung für den Fall zu verlieren. Zum anderen führt ein massives „Upcoding“ zu einem Gewichtsverlust der DRG‘s in den Folgeabrechnungen. Offen bleibt, wie in der Psychiatrie und Psychosomatik diesem Mechanismus entgegengewirkt werden kann.

Zu Kapitel 2

Kapitel 3von Schulz-Du Boisbefasst sich mit der Frage: "Wie arbeiten wir nun mit dem Neuen Entgeltsystem?“. Zunächst stellt Schulz-Du Bois die „Elemente des Neuen Entgeltsystems“ im Kontext der Psychiatrie und Psychosomatik dar. Anschließend gibt er Empfehlungen zum praktischen Umgang mit dem neuen System.

Diagnosen“. Wie auch im somatischen Bereich stellt die Diagnose den Kern der späteren DRG dar. Der ICD-Katalog bildet ein Ordnungssystem, in welchen die Diagnosegruppen nach Krankheits- oder Organsystem mittels einer fünfstelligen Systematik unterteilt sind. Aufgrund dieser Systematik ist es möglich, jede Krankheit und deren Intensität im ICD-10 abzubilden. Die verschlüsselte Hauptdiagnose und die in der Versorgung maßgeblichen Nebendiagnosen können kodiert werden und bilden die DRG.

Schulz-Du Bois stellt die speziellen ICD-Kodes für den psychiatrischen Bereich dar. Nach den deutschen Kodierrichtlinien ist der behandelnde Arzt für die korrekte Verschlüsselung zuständig.

Leistungserfassung mit OPS“. Ein weiteres Element des Entgeltsystems ist der Operationen- und Prozedurenschlüssel, welcher die erbrachten Leistungen abbildet. Die relevanten OPS-Kodes im Bereich Psychiatrie und Psychosomatik sind im Kapitel 9 des im Internet einsehbaren OPS-Kodes zu finden. Der fünf- bis sechsstellige Kode erfasst die verschiedenen Leistungen. Des Weiteren können mehrere relevante Leistungen zu Komplexbehandlungen zusammengefasst werden. Abb. 3.1 und 3.2 zeigen dies übersichtsartig. Tab. 3.2 beinhaltet ein anschauliches Beispiel.

Schulz-Du Bois geht für das Beispiel ausführlich auf die quantitative Erfassung der erbrachten Leistungen ein. Dabei ist die genannte 25 minütige Therapieeinheit (TE) Ausgangspunkt. Erst wenn die 25 Minuten erreicht sind, kann die Leistung als vergütungsrelevant erfasst werden. Einzel- und Gruppentherapien sind zu unterscheiden. Eine 1:1-Betreuung kann erst ab einem verordneten Therapieaufwand von 2 Stunden pro Tag angesetzt werden. Eine Dokumentation ist auch hinsichtlich der Qualifikation des einzusetzenden Therapeuten erforderlich.

Am praktischen Beispiel der „Intensivbehandlung“ erläutert Schulz-Du Bois sowohl Voraussetzungen als auch deren Merkmale (Ein- und Ausschlusskriterien sowie Dokumentationserfordernisse)

Als "Kostentrenner" bezeichnet man die diagnoseabhängigen Prozeduren, die zu einem unterschiedlichen Schweregrad und damit zu einer abrechenbaren Leistung in unterschiedlicher Höhe führen. Hierzu werden abschließend weitere praktische Beispiele mit weiteren Erläuterungen aufgeführt. Für die praktische Umsetzung empfiehlt Schulz-Du Bois, die Mitarbeiter auf exakte Dokumentationen einzuschwören. Hierfür empfiehlt er wöchentliche Teambesprechungen. Diese sind auch zur Planung und Steuerung der medizinischen und pflegerischen Behandlungen erforderlich.

Psych-PV“. Eine weitere wichtige gesetzliche Regelung ist die Personalverordnung im Bereich der Psychiatrie (Psych-PV). Für jedes Quartal ist die tatsächliche Stellenbesetzung in der Psychiatrie zu melden. Die zur Psych-PV gehörenden Behandlungsbereiche sind im Kapitel 9-98 des OPS angeführt. Die generelle Einteilung dieser ist beibehalten worden, d.h. bei der Umwandlung können nur wenige Veränderungen festgestellt werden. Schulz-Du Bois stellt übersichtsartig die veränderten Eingruppierungsregeln dar. Da die Entwicklung des Entgeltsystems einen sich entwickelnden Prozess darstellt, ist im übrigen mit weiteren Veränderungen bzw. Erweiterungen des OPS zu rechnen.

Zu Kapitel 4

Kapitel 4zu den „Kodierrichtlinien“ ist wiederum von Gohr bearbeitet.

Der erste Abschnitt („Grundlagen“ ) stellt kurz die Bestimmungen, die für die Einführung der Kodierrichtlinien in der Psychiatrie und Psychosomatik zu beachten sind, dar. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass die Kodierrichtlinien des somatischen Bereiches nicht einfach übernommen werden können. Die zugrundeliegenden Regelwerke ICD-10-GM und OPS bilden die Basis der Kodiertätigkeit. Die Kodierrichtlinien legen das spezielle Vorgehen im psychiatrischen Bereich fest. Gohr erläutert im Folgenden, wie die Haupt- und Nebendiagnosen zu kodieren sind.

Hauptdiagnose“. In diesem Abschnitt stellt Gohr zunächst die Definition einer Hauptdiagnose gemäß den Deutschen Kodierrichtlinien dar. Anschließend geht er näher auf die verschiedenen, praktisch relevanten Konstellationen beispielhaft ein. Zum Umgang mit der Hauptdiagnose liefern die Deutschen Kodierrichtlinien verbindliche Aussagen.

Nebendiagnosen“. Nebendiagnosen werden ebenfalls durch die Deutschen Kodierrichtlinien präzise definiert. Für die Kodierung einer Nebendiagnose ist zu beachten, dass für die Abrechnung im stationären Aufenthalt ein Aufwand verursacht sein muss. Nur diese Nebendiagnosen können in der Entgeltabrechnung kodiert werden, alle weiteren Nebendiagnosen müssen im übrigen zur Vervollständigung des Behandlungsfalles in die medizinische Dokumentation aufgenommen werden. Die Ausführungen von Gohr liefern ein anschauliches Beispiel zur Kodierung solcher Diagnosen. Des weiteren geht Gohr speziell auf die Kodierung von Prozeduren ein. Der Verfasser spricht auch weitere, für die Abrechnung relevante Besonderheiten an (z.B. was ist zu tun, wenn der Patient nicht zur vereinbaren Therapiesitzung erscheint – S. 31)

Zu Kapitel 5

Kapitel 5beinhaltet einen Beitrag von Schulz-Du Boiszu weiteren „Speziellen Problemen“.

Ungelöstes im OPS-Katalog“. Wie zu erwarten, bestehen nach der Einführung des neuen Entgeltsystems noch verschiedene Lücken. Schulz-Du Bois stellt noch ungenügend bearbeitete Felder exemplarisch dar. Hierunter fällt etwa die Kodierung von Kriseninterventionsgesprächen, welche durch Pflegefachkräfte geführt werden. Der OPS-Katalog stellt für solche Gespräche keinen eigenen Code zur Verfügung. Auch bezüglich anderer Fragestellungen geben die Deutschen Kodierrichtlinien keine klare Aussage. So ist die Vergütung von aufwendiger Diagnostik, Elektrokrampftherapie oder hochaufwendiger Pflege zum Teil noch ungewiss.

„Fallstricke und Tipps“. Schulz-Du Bois weist zunächst auf die übergeordneten Hinweise des Psych-OPS-Katalogs hin. Der Psych-OPS-Katalog verlangt zur Abrechnung der Prozeduren die Umsetzung verschiedenster Vorbedingungen (Indikation, Therapieplanung, Teambesprechung), welche im Vorfeld zuklären sind. Weiterhin wird die Frage nach dem Beginn und der Länge eine Behandlungswoche geklärt. Diese und andere Fragen (Def. Therapieeinheiten, Intensivbehandlung, kriseninterventionelle Behandlung, …) werden im Beitrag kurz dargestellt und erörtert. Herauszustellen ist neben den zu erfüllenden Abrechnungsvoraussetzungen eine ausführliche und genaue Dokumentation. Nur so können Abrechnungsverluste vermieden werden.

Was wird aus meinen Leistungen?“. Schulz-Du Bois fordert seine Medizinerkollegen auf, die mühsame Dokumentation in die eigene medizinische Arbeit zu integrieren. Er verdeutlicht, dass eine zeitnahe und qualitativ hochwertige Dokumentation der erbrachten Leistungen eine maßgebliche Voraussetzung für die erfolgreiche Umstellung des Abrechnungssystems ist. Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, die aktuellen Veränderungen zu verinnerlichen. Durch die im Abrechnungssystem enthaltenen (Fehl-) Anreize können sich Veränderungen innerhalb des Systems ergeben. So ist die Rationalisierung der Abläufe und Tätigkeiten ein gewünschter Effekt solang dies nicht das Ausdünnen von Leistungen innerhalb der Grundpauschale nach sich zieht. Ein weiterer Negativeffekt kann die Steigerung der Anzahl an Gruppentherapien sein, da diese im Gegensatz zu Einzelltherapien einen günstigeren „Therapieeinheitswert“ ausweisen. In diesem Zusammenhang bleibt fraglich, mit welchem Algorithmus und mit welchen Kriterien der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Abrechnungen im Bereich der Psychiatrie prüfen wird. Zu erwarten ist, dass der MDK primäre und sekundäre Fehlbelegungen wie auch lückenhafte Dokumentationen verstärkt überprüfen wird. Schulz-Du Bois empfiehlt den Medizinern entsprechende regelmäßige Schulungen sowie "von Zeit zu Zeit" einen Blick in den OPS-Katalog.

Zu Kapitel 6

Kapitel 6 beinhaltet eine „Gebrauchsanleitung für die tägliche Arbeit“ von Schulz-Du Bois.

Zunächst geht Schulz-Du Bois auf das praktische Vorgehen bei der Leistungserfassung ein. Die Leistungserfassung muss als strukturierter Begleitprozess der Behandlung gesehen werden. Bereits im Rahmen der Aufnahme werden der Psych-PV-Behandlungsbereich und die OPS-Komplexbehandlung festgelegt. Nach der Aufnahme steht die Aufnahmediagnose des Patienten fest. Täglich werden der Psych-PV- und der OPS-Behandlungsbereich überprüft, um nach einer möglichen Änderung eine neue Behandlungswoche zu beginnen. Die Organisation des Ablaufes ist dabei aus ökonomischen Gründen an bereits vorhandene Strukturen (Übergabe / Frühbesprechung) anzuschließen. Im weiteren Laufe des Tages sollten die erbrachten Therapieleistungen zeitnah dokumentiert werden, um Informationsverluste zu vermeiden. Dabei ist es ebenso nötig, die Abläufe in diese Richtung zu optimieren. Schulz-Du Bois verdeutlicht, dass sowohl die Organisation, die Dokumentation als auch die Umsetzung der Mindestanforderungen des OPS eine besondere Stellung in der Entgeltabrechnung einnehmen muss.

Hierfür gibt Schulz-Du Bois praxisorientierte, anschauliche Anleitungen für den täglichen Arbeitsablauf (z.B. S. 53ff: "Bereits bei der Aufnahme lege ich den Psych-PV-Behandlungsbereich und die OPS-Kompexbehandlung fest!" "Ich komme morgens zum Dienst und gruppiere ein nach Psych-PV- und OPS-Behandlungsbereich!" "Ich spreche mit meinem Patienten und erfasse meine Leistungen!", "In der Teambesprechung erfülle ich die Mindestvoraussetzungen!" Am Ende des 6. Kapitels finden sich drei Vorlagen für Dokumentationsformulare (für Einzel- und Gruppengespräche) sowie einen Therapie-Konzeptbogen (S. 56 – 58).

Zu Kapitel 7

Kapitel 7 „Von der Psychiatrie-Personalverordnung zum Neuen Entgeltsystem“ beinhaltet einen Beitrag von Thorsten Rüter „Die Psychiatrie-Personalverordnung“. Der Beitrag stellt sowohl das Psych-PV als auch dessen Funktion und Aufgabe kurz dar. Zahlreiche positive Aspekte können auf das Psych-PV zurückgeführt werden. Da es seit der Einführung (1.1.1991) jedoch keine Anpassung an das sich verändernde Gesundheitssystem vorgenommen wurde, können auch verschiedene nachteilige Aspekte aufgezeigt werden. Thorsten Rüter geht kurz auf die Nachteile eines Fallpauschalensystems für die Abrechnungen der Leistungen in der stationären Psychiatrie und Psychosomatik ein und stellt demgegenüber die Entwicklung des neuen Entgeltsystems vor. Im speziellen Verlauf wird auf die Bedeutung der „Kostentrenner“ in der Psychiatrie und Psychosomatik eingegangen. Die Erfassung eines intensiveren Ressourcenverbrauches anhand von Therapieeinheiten oder anhand der Eingruppierung in die Intensivbehandlung muss im Kalkulationsverfahren verbessert werden, und weitere „Kostentrenner“ müssen sich identifizieren lassen.

Zu Kapitel 8

Kapitel 8beinhaltet einen Beitrag von Rüterzur Frage „Wie können Erlöschancen und Risiken des Neuen Entgeltsystems aus heutiger Sicht eingeschätzt werden?“ Zunächst weist Rüter noch einmal darauf hin, dass mit der Einführung des neuen Entgeltsystems sich für die Kliniken im psychiatrischen und psychosomatischen Sektor sowohl Chancen als auch Risiken eröffnen.

Es bietet sich eine Möglichkeit des Leistungsvergleiches mit anderen Kliniken. Eine verwertbare Aussage lässt sich jedoch erst treffen, wenn die zu vergleichenden Kliniken eine ähnliche Struktur aufweisen. Die erfassten Leistungsdaten und deren Kosten ermöglichen des Weiteren die Identifikation von Kostentrennern. Rüter geht im weiteren auf die Möglichkeit einer Hochrechnung der zukünftigen Erlössituation nach der Konvergenzphase ein. Die ermittelten Daten ermöglichen einen Vergleich der Pflegesätze mit dem Ziel der Ermittlung eines Durchschnittspflegesatzes. Der Durchschnittspflegesatz und der klinikindividuelle Pflegesatz werden mit den vereinbarten Berechnungstagen multipliziert und ergeben das zur Verfügung stehende Budget. Diese Gegenüberstellung ermöglicht somit eine Abschätzung der zukünftigen Entwicklung.

Benchmarking mittels Vergleich von Fallkosten“. In diesem Abschnitt geht Rüter auf das Benchmarking ein. Das neue Entgeltsystem bietet den Kliniken die Möglichkeit des Leistungs- und Kostenvergleichs. Aus den gesamten Daten (Istkosten) entwickelt das Institut für das Entgeltsystem (InEK) bundeseinheitliche Bewertungsrelationen (Relativgewichte). Jede Bewertungsrelation bildet eine kostenhomogene Patientengruppe ab. Als Voraussetzung ist die Ermittlung der spezifischen Fallkosten im Rahmen eine Kostenträgerrechnung zu verlangen. In einem Kalkulationshandbuch hat das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) wesentliche Abläufe, Details und Methoden der Kostenrechnung beschrieben.

Rüter stellt in seinem Beitrag zwei verschiedenen Methode dar, mit denen die Chancen und Risiken der Einführung des neuen Entgeltsystems abgeschätzt werden können:

  • den Vergleich von Leistungsdaten und
  • den Vergleich des Pflegesatzes.

Es folgen ein Literatur- und Quellenverzeichnis (1,5 Seiten) sowie ein Abkürzungsverzeichnis (1 Seite) und ein Stichwortverzeichnis (3 Seiten).

Diskussion

Der Band stellt den aktuellen Stand der Einführung eines pauschalisierten Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen gemäß § 17d KHG dar. Das praxiserfahrene Autorenteam stellt die Grundlagen theoretisch dar und erläutert spezifische Differenzen zur somatischen Fallpauschalenabrechnung. Besonders positiv an dieser Praxisanleitung ist herauszustellen, dass zur Verdeutlichung der anstehenden Entwicklungen und Tendenzen praktische Beispiele wiedergegeben werden.

Naturgemäß kann nicht der gesamte Umfang der Vorschriften zur Reform des Entgeltsystems in den kurzen Beiträgen behandelt werden. Für eine weitergehende Beschäftigung mit der Materie bieten die Autoren umfangreiche Quellenverweise und Vertiefungsliteratur an.

Positiv herauszuheben ist der prägnante Schreibstil. Die Thematik wird durchgängig anschaulich und übersichtlich dargestellt, somit bietet der Band auch den "Neueinsteigen" eine gute Möglichkeit, sich in die verschiedenen Aspekte des neuen Entgeltsystems und der Handlungsnotwendigkeiten für die verschiedenen Berufsgruppen einzuarbeiten.

Der umfangreiche Entwicklungsprozess ist neutral, d.h. ohne Wertungen dargestellt. Dennoch wird deutlich, dass vor der verbindlichen Einführung 2013 noch Veränderungen und Verbesserungen anstehen. Somit bietet die Darstellung auch eine Diskussionsgrundlage für die Spezialisten (Medizincontroller und Kodierer).

Mit großer Sicherheit kann festgehalten werden, dass in der Einführungsphase Fortbildungen und Diskussionen der Betroffenen notwendig sein werden, um das System erfolgreich abzubilden und die Prozesse und Abläufe in den betroffenen Kliniken voran zu bringen.

Fazit

Zusammenfassend bietet Band einen umfassenden und gut strukturierten Überblick über die Entwicklung des pauschalisierten Entgeltsystems. Die Gliederung des Buches nach den Fragen und Antworten, die sich für die einzelnen Berufsgruppen im Behandlungsablauf stellen, ist eine gut geeignete methodische Herangehensweise, wenn die Betroffenen geschult werden sollen.


Rezensent
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 10.07.2012 zu: Christian Schulz-Du Bois, Benjamin Gohr, Thorsten Rüter: Neues Entgeltsystem in Psychiatrie und Psychosomatik. Anleitung für die Anwendung im Klinikalltag und beim Medizincontrolling. Walter de Gruyter (Berlin) 2011. ISBN 978-3-11-026375-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12839.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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