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Herwig R. Friedag, Walter Schmidt: Balanced Scorecard at work

Cover Herwig R. Friedag, Walter Schmidt: Balanced Scorecard at work. Strategisch - taktisch - operativ. Haufe (Freiburg) 2003. 300 Seiten. ISBN 978-3-448-05570-2. 39,90 EUR.

Unter Mitautorenschaft von Dirk Hertel, Thomas Zeier. Systemvoraussetzungen der CD-ROM-Beil.: Pentium-Prozessor ab 100 MHz; 32 MB Arbeitsspeicher; CD-ROM-Laufwerk; VGA-Grafikkarte (800 x 600, 256 Farben) Windows 95/98, NT 4.0 oder höher; MS Internet Explorer 4.0 oder höher (auf der CD ist eine ausreichende MS-Internet-Explorer-Light-Version vorhanden), MS Excel 97 oder höher, MS PowerPoint 97 oder höher.
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Zum Thema des Buches

"Balanced Scorecard at work" ist nicht nur der Titel des Werkes von Friedag und Schmidt, sondern diese Worte stehen auch symbolisch für den Inhalt des Buches. Weit ab von theoretischen, wissenschaftlichen Diskussionen wird in diesem Buch pragmatisch die Arbeit mit einer Balanced Scorecard (BSC) beschrieben. Am Beispiel des "Gutleb Vereins" und der insolventen "Sachsen-Residenzen" wird eine Fusion und damit auch die Zusammenlegung von zwei bestehenden BSC«s erörtert. Die Geschäftsführerin Frau Brigitte Heumann gibt Einblicke in die konkreten Abläufe der Planung, Entwicklung, Steuerung und auch in die in der Praxis entstehenden Schwierigkeiten der neuen strategischen und operativen BSC«s der aus der Fusion entstandenen "Gutleb AG".

Die Autoren

Herwig R. Friedag ist Diplom-Volkswirt und selbstständiger Berater. Dr. Walter Schmidt ist geschäftsführender Gesellschafter der ICG Investitions-Consult GmbH Berlin. Beide sind Mitglied im Internationalen Controller Verein e.V. und zählen zu den Praktikern mit der größten "Scorecard-Erfahrung" im deutschsprachigen Raum. Als Berater haben sie zahlreiche Einführungsprojekte erfolgreich begleitet und haben mit Ihren Bestsellern "Balanced Scorecard - mehr als ein Kennzahlensystem", "My Balanced Scorecard" sowie "Taschenguide Balanced Scorecard" auch als Autoren internationale Anerkennung erlangt.

Zielgruppe

Das erfolgreiche Autorenteam Friedag und Schmidt wendet sich mit diesem Buch an alle, die an der Umsetzung und Weiterentwicklung einer Balanced Scorecard in einem Unternehmen beteiligt sind - also an Praktiker. Durch das von ihnen gewählte Beispiel der Gutleb AG (einem großen Sozialkonzern der Alten- und Jugendhilfe) ist dieses Buch im Besonderen für das Management von Nonprofit-Organisationen interessant. Grundlagenwissen zum Sinn und Zweck einer Balanced Scorecard, dessen Aufbau und instrumentelle Einordnung in das Management einer Organisation ist sinnvoll.

Aufbau und Inhalt

Schon im Vorwort machen Friedag und Schmidt das Ziel ihrer Ausführungen deutlich - Sie möchten praktische Ansätze zur Erhöhung der Wirksamkeit von BSC«s vermitteln.

In acht Kapiteln beschreiben sie angefangen von dem Gutleb Verein und dessen BSC den gesamten Prozess der Übernahme der "Sachsen-Residenzen" bis hin zur Entwicklung eines Gesamtkonzeptes.

Im ersten Kapitel legt Frau Heumann den Fokus auf die Beschreibung der strategischen Planungen und den notwendigen Entwicklungsgebieten des Gutleb Vereins und die daraus entwickelte BSC. Die Geschichte der Übernahme der Sachsen-Residenzen und die Umstrukturierung der Gesamtorganisation zu einer Aktiengesellschaft wird beschrieben. Auch die bestehenden BSC der Sachsen-Residenzen, die sich eher an dem Modell der amerikanischen Väter der BSC, Norten und Kaplan orientiert, wird dargestellt.

Die Erfahrungen aus der bisherigen Arbeit mit den BSC finden ihren Niederschlag im zweiten Kapitel. Die begrenzte Wirksamkeit eines abstrakten Instrumentes und die Notwendigkeit des Engagements von beteiligten Personen werden beschrieben. Die Autoren stellen auch eine zentrale Schwierigkeit der BSC dar: "es werden oft strategische Ziele in der BSC definiert, doch es wird dann die operative Arbeit organisiert". Mit Hilfe des "strategischen 1 x 1"zeigen sie, wie Potenziale nicht nur entwickelt, sondern auch mit hoher Wirksamkeit genutzt werden können. Ein für das Verständnis des Buches eher weniger relevanter, jedoch sehr interessanter philosophischer Exkurs zum "Dreiklang" erfolgreicher Strategien ist im dritten Kapitel zu finden. "Bewahren", "Gestalten" und "Erkunden" werden als die alles umfassenden Strategien des Lebens beschrieben, die sich auch im Management von Organisationen widerspiegeln.

Im vierten Kapitel wird die Entwicklung einer gemeinsame Identität der Gutleb AG auf der Grundlage gemeinsamer Werte und kultureller Grundsätze beschrieben. Diese gemeinsame Identität ist zentral um realisierbare Strategien zu entwickeln, eine sinnvolle Taktik sowie operative Maßnahmen daraus abzuleiten. Diese Ausführungen werden dann systematisiert und im "strategischen Haus" zusammengefasst.

Eine weitere Konkretisierung der dargestellten Entwicklungspotenziale findet sich in Kapitel fünf in Form von Anforderungsprofilen. Jene werden nach Human-, Struktur-, Prozess und Gemeinschaftspotenzialen strukturiert und mit Hilfe von Soll-Ist-Vergleichen dynamisiert. "Das schwierige Leben mit der Balanced Scorecard" ist die Überschrift des sechsten Kapitels. Die Entwicklung der "neuen" BSC inklusive der Vision und Mission, des strategischen Hauses und der Anforderungsprofile wird konkret dargestellt. Die weitere Präzision der Anforderungsprofile wird mit Hilfe des ZAK-Prinzipes vorgenommen. Erreichbare Ziele werden definiert, zielgerichtete Aktionen genannt und sinnvolle Kennzahlen definiert. Die konkrete Umsetzung einzelner Projekte zur Zielerreichung wird beschrieben und die einige Schritte mit Hilfe von Ausschnitten aus der Beispielsoftware "MyBSC2" visualisiert.

Welche konkreten Berichte die Scorecards liefern können, wird in Kapitel 7 dargestellt. Interne und extern Berichte werden unterschieden und Beispiele für ein Projektcontrolling mit Hilfe einer Führungs-Scorecard aufgezeigt. Im letzten Kapitel (Kapitel acht) steht der Blick in die Zukunft im Vordergrund. Neben dem Bemühen zukünftige Aufwendungen in den Scorecards zu berücksichtigen wird ein integriertes Managementmodell, das "Beyond Budgeting" vorgestellt. Die BSC wird somit in einen übergeordneten Zusammenhang gestellt und darüber hinaus Verbindungen z.B. zu CRM- (Customer Relationship Management), SCM- (Supply Chain Management) oder auch IRM- (Investors Relations Management) Ansätzen aufgezeigt.

Den Abschluß des Buches bilden ein Resümee und einige Nutzungshinweise für die Anwendungen auf der beiliegenden CD-Rom.

Jedes Kapitel wird mit einer Zusammenfassung der zentralen Thesen (Auf einen Blick) begonnen, so dass der Leser weiß, was ihn im Folgenden erwartet. Darüber hinaus bieten das Literaturverzeichnis sowie das Stichwortverzeichnis eine gute Orientierung.

Auf der beiliegenden CD-Rom befinden sich alle Grafiken des Buches, unterschiedliche Checklisten, Exceldateien und eine Demo-Software zur Erstellung von Scorecards.

Kommentar

Dieses Buch von Friedag und Schmidt passt sich nahezu nahtlos in die Reihe der bereits von ihnen in der Haufe Mediengruppe erschienenen Bücher. Während das erste Buch (Balanced Scorecard - Mehr als ein Kennzahlensystem) wichtige Grundlagen vermittelt, das zweite Buch (My Balanced Scorecard) wichtige Hilfestellungen für die Einführung einer BSC liefert, widmet sich dieses Buch vornehmlich der alltäglichen Arbeit der umfassenden Umsetzung von Strategien mit Hilfe einer BSC.

Durch die gewählte Perspektive von Frau Heumann liest sich das Buch sehr kurzweilig und bietet einen hohen Praxisbezug (Fragen, die einen primär wissenschaftlichen Bezug haben, finden in diesem Werk keinen Platz). Das Erfahrungswissen der Autoren fließt spürbar in die Ausführungen ein und der Leser wird auf mögliche Schwierigkeiten und Probleme vorbereitet. Gerade das achte Kapitel macht den Zusammenhang und vor allem das Potentzial der BSC in Bezug auf das umfassende Management einer Organisation deutlich.

Die vom Autorenteam gewählte Struktur ist sinnvoll und an einem realistischen Umsetzungsprozess orientiert. Dieser Aufbau und zahlreiche Abbildungen und Tabellen erleichtern das Verständnis von Zusammenhängen.

Achtung Berater und Führungskräfte: Die Grafiken können für das Erklären von BSC-Zusammenhängen äußerst hilfreich sein!

Die auf der CD-ROM mitgelieferten tools können hilfreich bei der Gestaltung einfacher BSC«s mit Hilfe von MS-Excel sein. Die Beispielsoftware MyBSC2 ermöglicht die umfassende, Edv-gestützte Umsetzung aller im Buch vorgestellten Elemente einer BSC.

Fazit

Dieses Buch ist für alle, die eine BSC verantwortlich begleiten, sehr empfehlenswert. Friedag und Schmidt liefern mit diesem Buch ein solides und vor allem praxistaugliches Wissen. Sie geben konkrete Anregungen und Hilfestellung für die Arbeit mit einer BSC, welche auf der Grundlage solch umfassender Erfahrungen sonst kaum zu finden sind. Die Autoren bezeichnen die BSC als "never ending story"; sie vermitteln das Know-how, damit die BSC des Lesers zu einer erfolgreichen "(never ending) story" werden kann.

  • Für alle, diejenigen die bereits die ersten Bücher gelesen haben eine sinnvolle Ergänzung!
  • Für Führungskräfte, aber auch Berater eine tolle Fundgrube.
  • Für die Arbeit mit einer BSC eine sinnvolle und ergiebige Hilfestellung.

Sehr empfehlenswert!!!


Rezension von
Sven Lüngen


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Zitiervorschlag
Sven Lüngen. Rezension vom 27.01.2004 zu: Herwig R. Friedag, Walter Schmidt: Balanced Scorecard at work. Strategisch - taktisch - operativ. Haufe (Freiburg) 2003. ISBN 978-3-448-05570-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1285.php, Datum des Zugriffs 10.04.2021.


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