Suche nach Titel, Autor:in, Rezensent:in, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Gerhard Regel, Uwe Santher (Hrsg.): Offener Kindergarten konkret in seiner Weiterentwicklung

Rezensiert von Anne Kirchhoff, 09.08.2012

Cover Gerhard Regel, Uwe  Santher (Hrsg.): Offener Kindergarten konkret in seiner Weiterentwicklung ISBN 978-3-86893-062-7

Gerhard Regel, Uwe Santher (Hrsg.): Offener Kindergarten konkret in seiner Weiterentwicklung. Aus der Praxis für die Praxis - 20 Jahre später. EB-Verlag (Hamburg Schenefeld) 2011. 312 Seiten. ISBN 978-3-86893-062-7. 19,80 EUR.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Thema

20 Jahre nach der Veröffentlichung von „Offener Kindergarten konkret“ erscheint dieses Buch als „Einladung“ an alle, die sich mit der offenen Arbeit verbunden fühlen. Es beinhaltet Erfahrungsberichte aus der Praxis, die sich vor allem auf die Weiterentwicklung der offenen Arbeit in der Praxis beziehen.

Herausgeber

Gerhard Regelarbeitete lange in der Fachberatung für ev. Kindergärten. Er ist Diplom-Sozialpädagoge. Sein aktuelles Hauptfortbildungsthema ist der offene Kindergarten. Uwe Santjer ist Diplom-Heilpädagoge und Erzieher und arbeitet als Fachberater in Cuxhaven.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in neun Kapitel, zu denen verschiedene Pädagogen aus der Praxis schriftliche Beiträge leisten. Eine Vielzahl der Praxisberichte beginnen mit einer kurzen Beschreibung der Einrichtung. Nach einem einleitenden Vorwort, eröffnet schließlich Gerhard Regel mit 1. Der offen Kindergarten im Wandel das Buch. In seinem Aufsatz „Der offene Kindergarten: Zeitgemäß und kooperativ kindzentriert – Vom Wandel der letzten 20 Jahre (S.15) beleuchtet er verschiedene Aspekte, beginnend mit der reformpädagogischen Sichtweise auf das Kind, welches nunmehr nicht als „erzieherisches Objekt“ gesehen, sondern als „einmalig und unverwechselbar und kompetent von Anfang an“ (S.16). Weiterhin wird der offene Kindergarten beschrieben als ein Beziehungsansatz (S.18). Desweiteren beinhaltet der erste Abschnitt Exkurse zur Inklusion (S.20), zu Methoden (S.23), „Zur Ausprägung der pädagogischen Gestalt“ (S.25), zur Freiheit in der offenen Arbeit (S.35), zum Profil und Qualität (S.38) und zur Netzwerkarbeit (S.41). Diesen Abschnitt beendend werden die Formulierung/Bezeichnung offener Arbeit(S.43) und dessen Weiterentwicklung in den letzten 20 Jahren (S.44) beleuchtet.

Der Beitrag von Uwe Santjer und dem Alternwalder Team „Das Kindergartenteam als Herz des Offenen Kindergartens“ (S.51) leitet das Kapitel 2. Das offene Miteinander im Team als Grundlage ein. Dabei werden unter anderem zehn Prinzipien der Kooperation innerhalb des Kindergartenteams vorgestellt (S.55f). Es folgt ein Beitrag von Sabine Schommartz zur „Handlungsforschung als Handwerkszeug und Stärkung der Zusammenarbeit – Es ist normal, Praxisprobleme und Praxisfragen zu haben“ (S.66). Die Leiterin Kindergartens zeigt eine praktische Anwendung mit konkreter Vorgehensweise auf: Praxisfrage, Informationsgewinnung, Lösung im Diskurs und anschließendem Probehandeln. Roswitha Emme beendet dieses Kapitel mit ihrem Beitrag: „Der offene Kindergarten und meine Lust am Beruf – Gemeinsam im Team Pädagogik gestalten“ (S.72). Sie stellt dabei auch die Fort- und Weiterbildung sowie die Teamentwicklung als ausschlaggebend für das gesamte pädagogische Team dar.

Das Kapitel 3. Kinder als gleichwürdige kleine Menschen wird von Angelika Oest eingeleitet, die über den „ (...) Weg zur Partizipation als Lebensphilosophie – Zur vielfältigen Mitwirkung unserer Kinder“ schreibt (S.77). So wird in der Einrichtung, in der die Autorin als Leitung arbeitet, mit einem Empfangsdienst gearbeitet, der aus Kindern besteht. Auch in Sachen 1. Hilfe sind die Kinder in diesem Haus geschult. Einige weitere Partizipationsmöglichkeiten kann man ab Seite 80 finden. „Auf dem Weg zu einer Kinderstube der Demokratie – Erste Erfahrungen mit dem Kinderrat“ (S.84) von Natalie Ackermann, „Sich auf Kinder einlassen – Abenteuer erleben, Schätze sammeln und dokumentieren“ (S.97), Feinfühliger Umgang mit Kindern – Mein Lernprozess mit einem beziehungsstiftendem Thema“ (S.109) von Petra Diedrich und Jungen können Freude machen – Vom Ärgern zum Verstehen“ (S. 120) von Uwe Santjer komplettieren das dritte Kapitel.

Selbiger eröffnet auch das folgende Kapitel 4. Nichtaussonderung und Inklusion mit einem Bericht über „20 Jahre Nichtaussonderung in Cuxhaven“ (S.126). Als Grundlagen sieht er diesbezüglich: Fortbildungen für Erzieherinne, Kompetenztransfer zwischen Therapeuten und Erzieherinnen sowie Koordination und Fachberatung. Darüber hinaus schreibt Katharina Witte „Von der Nichtaussonderung zur Umfassenden Inklusion – Was Kindern Zukunft gibt“ (S. 132) über Inklusion als Vielfalt und Sabine Harjes in „Sprache entwickelt sich im Alltag – Sprachprojekt für Cuxhavener Kindergärten“ (S.141) über die Begleitung des frühkindlichen Spracherwerbs in der offenen Arbeit.

Anschließend schreiben Renate Dehlfing und Beate von Lienen, das Kapitel 5. Zur Gestaltung des pädagogischen Rahmens einleitend, über „Die gestaltete herausfordernde Umgebung für eine eigenständige Entwicklung – Leben und Lernen in den Spiel- und Werkstätten der Kindertagesstätte in Tungeln“ (S.151). Anja Fäscher und Silke Karallus beschäftigen sich in „Eine Etage wird zum offenen Spielbereich“ (S.166) mit Räumen, die den Selbstbildungsprozess von Kindern unterstützen sollen. Über die Auflösung der klassischen Kindergartengruppe berichtet Ortrud Ahrens in „Von Stammgruppen zu Bezugsgruppen – Eine Umstellung, die Zeit brauchte“ (S.175). Abschließend erörtert Maria Förster die Projektarbeit in „Projekte als methodisches Kernstück für neugieriges, forschendes und fragendes Lernen“ (S.183). Hierbei erläutert sie unter anderem an Hand von Alltagsthemen der Kinder, wie sich Projekte entwickeln.

Das Kapitel 6. Öffnungen des institutionellen Rahmens beginnt mit Sabrina Fenzels Beitrag über „Alterserweiterndes Arbeiten durch die Einrichtung einer Krippe – Eine Herausforderung für alle“ (S.207). Sie beschäftigt sich dabei mit der Zusammenarbeit unter den Kolleginnen, mit Kooperationen zwischen dem Kindergarten- und Krippenbereich und konkreten Phasen der Eingewöhnung. Abschließend werden ein Elternbrief und sowie ein Fragebogen abgebildet. Auch Margrit Schade-Didschies setzt sich mit Krippenkindern auseinander. Ihre Ergebnisse sind in „Auch mit 145 Kindern sind wir ein offener Kindergarten – Von der Bereicherung durch Krippengruppen“ (S.226) auseinander. Über eine Reihe von Fragen nähert sie sich dem Thema und der Umsetzung bezüglich der Einrichtung von Krippengruppen in ihrem Kindergarten. Gerhard Regel erweitert mit dem Corvinius-Team das Kapitel mit dem Aufbau eines Familienzentrums in seinem Beitrag: „ Ein offener Kindergarten wird zu einem Familienzentrum – Wie sich die bisherige Arbeit fortsetzt und erweitert (S.237). Er sieht beschäftigt sich hierbei mit der Beziehung zu Kindern und Eltern, mit Bedingungen, Schwerpunkten und schließt mit einem kurzen Bericht nach vier Jahren Erfahrung. Unter Betrachtung des VII. Familienberichtes erläutert Ute Lehmann-Grigoleit in „Alles unter einem Dach – Unsere Weiterentwicklung zu einem Haus für Kinder“ (S.249) welchen Stellenwert die Familie in der Entwicklung des Kindes hat und mit welchen Mitteln unterstützt werden kann. Es werden Ziele herausgearbeitet, Fragen zur Mitarbeiterqualifizierung erörtert und demographische Aspekte beleuchtet. Torsten Sander berichtet über Netzwerkarbeit. In seinem Aufsatz „Wie wir uns als offener Kindergarten in den Stadtteil einbinden und einbringen“ (S.257) setzt er sich unter anderem mit dem Öffnungsbegriff auseinander, vor allem wie Öffnung nach außen innerhalb des Stadtteils gelingen oder gestaltet werden kann. Elke Ollerich setzt in diesem Kapitel den Schlusspunkt mit einem kurzen Bericht über Transitionen: „Gelingendes Miteinander von Grundschule und offenen Kindergärten aus Sicht einer Lehrerin“ (S.268). Hierbei verweist sie darauf, dass Kinder aus offenen Kindergärten „neugierige, offene Kinder“ sind, „die sich in der Schule gut zurecht finden und stolz darauf sind“ (S. 2712).

7. Erziehungspartnerschaft. Ulrike Hogrefes Aufsatz „Auf dem Weg zur Erziehungspartnerschaft mit Eltern – Die Chance durch die Aufnahme unter dreijähriger Kinder“ (S.273) beinhaltet vor allem Gedanken zur Erziehungspartnerschaft und deren Bedeutung vor allem für die Eltern von Kleinstkindern. Silke Karallus berichtet dann in „Eltern im Zwiespalt, weil sie Angst um die Zukunft ihrer Kinder haben“ (S.281) über die Familie im Wandel. Wie war Familie früher, wie ist sie jetzt und was bedeutet das für den Kindergarten. Einen Erfahrungsbericht schreiben Katharina und Stephan Leinhäuser: „Auch unser drittes Kind ist im offenen Kindergarten – Was uns beeindruckt, was uns gefällt“ (S. 288). Hierbei stellen sie die Vorteile des offenen Kindergartens dar, wie sie selbst sie wahrgenommen haben. Gerhard Regel beendet ab Seite 292 mit

8. Zur Zukunft der Kindergartenarbeit das Praxisbuch. Dabei geht er unter anderem auf wissenschaftliche und politische Aspekte ein, die die Arbeit in Kindergärten beeinflussen. Des Weiteren wird „die Zentrierung auf das Wesentliche“ betont, die „Basisaufgaben“ aufzeigen und zentralisieren sollte (S.299). Im Zuge des allerletzten einseitigen Kapitels

9. Gedanken zum Schluss: Wie verwirklicht sich Menschsein? greift Gerhard Regel eine Schrift des Arbeitskreises für geistig behinderte Menschen in Niedersachsen auf (S.307).

Es folgen Literatur- und Autorenverzeichnis. Unterstützend werden im gesamten Buch verschiedene Graphiken, Schaukästen und/oder Tabellen verwendet, die die Anschaulichkeit unterstützen.

Diskussion

Unterschiedliche Pädagogen in unterschiedlichsten Funktionen und ein Elternpaar berichten hier aus ihrem Alltag. Es sind verschieden Schreibstile, die alles in allem ein buntes Bild und vor allem die Vielschichtigkeit der offenen Arbeit herausstellen. Der ein oder andere mag Ideen finden für die eigene Arbeit oder auch manchmal schmunzeln über bekannte Aspekte, die einem selbst begegnet sind in der Entwicklung der offenen Arbeit.

Fazit

Es ist, was es verspricht: ein Buch aus der Praxis für die Praxis. Erfahrungsberichte aus offenen Einrichtungen für alle, die auch offen sind sich dem Thema und seiner Entwicklung zu nähern.

Rezension von
Anne Kirchhoff
Mailformular

Es gibt 3 Rezensionen von Anne Kirchhoff.

Zitiervorschlag anzeigen Besprochenes Werk kaufen

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner NPO Forum e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Sponsoren

Wir danken unseren Sponsoren. Sie ermöglichen dieses umfassende Angebot.

Über die socialnet Rezensionen
Hinweise für Rezensent:innen | Verlage | Autor:innen | Leser:innen sowie zur Verlinkung

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245