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Michael Jäckel: Zeitzeichen. Einblicke in den Rhythmus der Gesellschaft

Cover Michael Jäckel: Zeitzeichen. Einblicke in den Rhythmus der Gesellschaft. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. 196 Seiten. ISBN 978-3-7799-2720-4. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.

Reihe: Edition Soziologie.
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Thema

Die Zeit ist und bleibt ein Menschheitsthema. In der Soziologie wurde sie erst spät und nur spärlich thematisiert. Die Zeitsoziologie trat mit dem Aufsatz „Social Time“ der Soziologen Robert Merton und Pitirim Sorokin aus dem Jahre 1937 in Erscheinung. Ihre erste Monografie verfasste 1984 Norbert Elias („Über die Zeit“). Zuletzt, und zwar 2005, hat Hartmut Rosa seine fulminante Habilitationsschrift „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen der Moderne“ vorgelegt, in der nicht nur die Zeit, sondern auch die Gesellschaft aus dem Blickwinkel der Zeit behandelt wird. Das vorliegende Buch versteht der Autor als einen „Beitrag zur Soziologie der Zeit“, der „an alltäglichen Phänomenen den Umgang mit einer zunehmend als knapp erlebten Ressource“ (5) illustriert.

Autor

Michael Jäckel ist Professor für Soziologie an der Universität Trier. Er hat ein Lehrbuch der Soziologie („Soziologie. Eine Orientierung“, 2010) verfasst und ist bisher insbesondere als Medien-, aber auch als Konsumsoziologe in Erscheinung getreten.

Aufbau

Da es Jäckel „nicht um eine große Theorie, sondern um ein Puzzle von vermeintlich disparaten Dingen“ (5) geht, ist das Buch nicht logisch, sondern mehr assoziativ aufgebaut. Teile einzelner Kapitel sind schon an anderen Stellen publiziert worden.

Inhalt

Die Titel der neun Kapitel deuten mit ihren Kombinationen aus plakativen Headlines und sachlich gehaltenen Untertiteln sehr gut die jeweils folgenden Inhalte an. Sie hier auszuführen ist aufgrund des essayistischen Duktus der Kapitel kaum möglich. Auch ein einzelner theoretischer Grundgedanke, der die einzelnen Kapitel durchziehen könnte, ist nicht erkennbar und wurde ja auch nicht angestrebt. Darum seien hier nur die Titel aufgeführt:

  1. „Mathematical time is empty“ – Wie äußert sich soziale Zeit?
  2. „Scholé – von der Muße zur Freizeit“
  3. „Ja, wenn wenn man ihr aufpaßt, der Zeit“ – Methoden und Kontroversen der Zeitbudgetforschung
  4. „At your Service“ – Sozialer Status und Zeit
  5. „Wollt ihr denn ewig leben?“ - Alter und Altem heute
  6. „Lange nachdenken schadet nur“ - Entscheidungen und Aktivitäten
  7. „Immer mit der Ruhe?“ – Symptome der Tempogesellschaft
  8. „Matches against time“ – Investitionen in Körper und Schönheit
  9. „What comes next?“ – über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Diskussion

Der Eindruck, den das Buch hinterlässt, ist zwiespältig. Einerseits bereichert, überrascht und erfreut der Autor den Leser mit einer Vielzahl von Beobachtungen und Erkenntnissen zur Zeit, gedehnt über ein weites Spektrum thematischer Zugänge. Andererseits kann sich der Leser schnell in einem Labyrinth essayistisch verflochtener Gedankenspiele verlieren, ohne dass ihm der Autor einen Ariadnefaden zur Verfügung stellen würde. Welche Seite überwiegt, ist natürlich eine Frage der Art des Lesens und der Eigenart des Lesers. Im Falle des Rezensenten überwiegt der Eindruck der Unübersichtlichkeit.

Fazit

Eine intellektuell spritzige Sammlung verschiedenster soziologischer Gedanken zu dem, was wir ausreichend haben und doch nicht haben: Zeit.


Rezension von
Prof. Dr. Ulrich Papenkort
Professur für Pädagogik an der Katholischen Hochschule Mainz
Homepage www.kh-mz.de/hochschule/ansprechpartner-innen/lehre ...
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Zitiervorschlag
Ulrich Papenkort. Rezension vom 04.06.2012 zu: Michael Jäckel: Zeitzeichen. Einblicke in den Rhythmus der Gesellschaft. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. ISBN 978-3-7799-2720-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12883.php, Datum des Zugriffs 18.01.2021.


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