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Rita Kusch: Ideenbörse für die Seniorenarbeit

Cover Rita Kusch: Ideenbörse für die Seniorenarbeit. Impulse, Materialien und Gesprächsanstöße. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2012. 192 Seiten. ISBN 978-3-579-05948-8. 17,99 EUR.

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Thema

Für den Bereich der stationären Arbeit mit alten Menschen gibt es mittlerweile eine Fülle von Praxisliteratur, die sich an modernen Standards der Altenarbeit orientiert. Das vorliegende Buch wendet sich aber spezifisch der Arbeit mit älteren Menschen im ambulanten Bereich zu, also in Altenclubs im Stadtteil, in der Kirchengemeinde, im Dorfgemeinschaftshaus u.ä. – Dabei bezieht sich der Aktivierende Ansatz auf ein sich veränderndes Profil der alten Menschen: Sie sind zunehmend selbst an Teilhabe und Aktivierung interessiert, wobei eine wesentliche Frage auch die nach „männlichen“ Themen ist, um die traditionell in der offenen Altenarbeit nahezu fehlenden Männer zu gewinnen. Auch intergenerationelle Aspekte nehmen gegenüber früher eine zunehmende Bedeutung ein, da die familiären Bindungen im privaten Bereich eher rückläufig sind. Hier können gerade kirchliche Gemeindezentren eine wichtige Rolle spielen, da solche Gemeindehäuser von jeher auch Mehrgenerationenhäuser waren und sind. Ziel der Arbeit ist die produktive Auseinandersetzung und Bewältigung eigener Lebensproblematiken, die z.T. mit der eigenen Biografie verknüpft sind, sowie Mitteilung und Teilhabe am Leben anderer Menschen aus der eigenen aber auch jüngeren Generationen.

Autorin

Rita Kusch, geb. 1958, hat Religionspädagogik studiert und ist nach 27 Jahren als Diakonin in einer Kirchengemeinde im Ammerland seit 2009 Beauftragte für Seniorenarbeit in der Ev. Kirche in Oldenburg. Sie leitet Fortbildungskurse zur freiwilligen Seniorenbegleitung und unterrichtet an der Ev. Altenpflegeschule in Oldenburg.

Aufbau und Inhalt

Ein einführendes Vorwort (S. 6-12) gibt erläuternde Hinweise zu Ansatz, Aufbau, Rahmenbedingungen der Arbeit sowie zur Rolle der Gruppenleitung bzw. des Teams.

Es folgen zwölf nach den Jahresmonaten gegliederte Einheiten (S. 13-126) mit den thematischen Schwerpunkten:

  1. Prosit Neujahr
  2. Berühmte Worte berühmter Menschen
  3. Rund um das Kino
  4. Meine Konfirmation
  5. Wonnemonat Mai
  6. Arbeit
  7. Kleider machen Leute
  8. Ganz famos
  9. Biblische Plaudereien
  10. Kindermund
  11. Moderner Kram oder altes Zeug?
  12. Advent.

Diese werden ergänzt durch sechs Zusatzthemen (S. 128-191):

  1. Mein Weg bis hierher
  2. Zeugnisse
  3. Leseratten
  4. Geld
  5. Autos
  6. Seht die Lilien auf dem Feld.

Jede dieser Einheiten enthält unterschiedliche methodische Ansätze wie: Erzählimpuls – Rätsel – Gedicht – Ergänzungsspiel - Zuordnung – Zusammentragen von Wissen und ähnliches. Einen besonderen Impuls stellen die Abschnitte „Kreatives“ dar, in denen gemeinschaftliche Gestaltungsaufgaben angeregt werden wie das Herstellen eines Patchwork-Teppichs (S. 68) oder das Basteln von Weihnachtsengeln (S. 115).

Interessant sind auch einige Gedächtnisübungen wie etwa die nachgestellte theoretische Fahrprüfung mit den originalen Prüfungsbögen (S. 177). Einige Einheiten enthalten auch religiöse bzw. biblische Themen, insbesondere die Einheiten „Meine Konfirmation“ (S. 34-40) und „Biblische Plaudereien“ (S. 79-93), wobei deutlich ein protestantischer Akzent erkennbar ist. (Beim Thema „Konfirmation“ wäre sicher wünschenswert, auch das Thema „Kommunion“ für römisch-katholische TeilnehmerInnen mit einzubeziehen.)

Dem Buch ist eine CD-ROM beigefügt, die Materialien und Vorlagen für die praktische Umsetzung der Aufgaben und Anregungen enthält.

Zielgruppe

Das Buch spricht insbesondere Menschen an, die in der Praxis der ambulanten Seniorenarbeit tätig sind. Hier sind es vor allem Ehrenamtliche und Neueinsteiger in die Arbeit mit Senioren, die aus den konkreten und anschaulichen Anregungen Nutzen ziehen können. Für fachlich ausgebildete Kräfte wie DiakonInnen oder SozialarbeitInnen kann das Buch ergänzende Anregungen bieten, insbesondere da, wo die berufliche Situation eigenständige Vorbereitungen erschwert.

Diskussion

Das Buch vermittelt weniger erfahrenen Personen, die in der Seniorenarbeit tätig sind, die reiche Praxiserfahrung der Autorin und gibt Bewährtes und Erprobtes weiter. Insofern ist es vor allem für diejenigen von Nutzen, die eigene Erfahrungen in der Seniorenarbeit erst entwickeln und ausbauen müssen.

Misst man die konkreten Praxisanregungen allerdings am Anspruch eines Aktivierenden Ansatzes des Buches, wie er im Vorwort (S.6f) postuliert wird, fällt auf, dass die Aufgaben und Anregungen weithin eher reproduktiver Natur sind. („Zehn berühmte Bauwerke“, S. 73; „Welche Handarbeitsgeräte kennen Sie?“, S. 64; „20 Autoquizfragen“, S. 176; „Berühmte Paare einander zuordnen“, etwa: André Agassi & Steffi Graf, Asterix & Obelix, Dick & Doof, Sissi & Franz usw., S. 43ff) Ob solche und ähnliche Aufgaben „aktivierend“ im Sinne des Vorwortes bzw. moderner Aktivierungstheorien sind, darf bezweifelt werden.

Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass in dem Buch eine Lebenswelt angesprochen wird, die sich im Grunde auf die protestantische Mittelschicht der 50er und 60er Jahre beschränkt. Schon Katholiken würden sich zumindest im Konfirmationskapitel (S. 34-40) ausgeschlossen fühlen, geschweige denn Menschen mit einem ganz anderen biografischen Hintergrund, etwa dem seit den 60er Jahren zunehmend bedeutsamen Migrationshintergrund. In diesem Punkt bleibt das Buch auch hinter den Standards heutiger Seniorenarbeit in den protestantischen Kirchen zurück. (Vgl. die EKD-Verlautbarung „Alternde Migranten brauchen mehr Angebote“, Archiv 2004)

Fazit

Für Praktiker in der ambulanten Seniorenarbeit bietet das Buch viele Hilfen und Anregungen. Aufgrund der genannten Einschränkungen ist es aber vor allem für solche Bereiche der Seniorenarbeit empfehlenswert, in denen eine homogene und traditionell geprägte Teilnehmerschaft vorauszusetzen ist, also im eher ländlichen, protestantisch geprägten Raum. Aktivierungsimpulse wie im Vorwort angekündigt, bietet es nur bedingt.


Rezension von
Prof. Dr. Michael Brömse
Fachhochschule Hannover, Fakultät V (Diakonie, Gesundheit und Soziales)


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Zitiervorschlag
Michael Brömse. Rezension vom 17.07.2012 zu: Rita Kusch: Ideenbörse für die Seniorenarbeit. Impulse, Materialien und Gesprächsanstöße. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2012. ISBN 978-3-579-05948-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12898.php, Datum des Zugriffs 14.07.2020.


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