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Carsten Rensinghoff: Wider die gesellschaftliche Ausschließung

Cover Carsten Rensinghoff: Wider die gesellschaftliche Ausschließung. Autobiographische Momente einer ausweglosen Situation. Vindobona Verlag (Neckenmarkt) 2012. 331 Seiten. ISBN 978-3-85040-417-4. D: 20,30 EUR, A: 20,90 EUR, CH: 29,90 sFr.
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Ein- und Hinführung

Autobiografisches Schreiben dient der Selbstvergewisserung. Es erfüllt aber auch die Aufgabe, möglichen Lesern Aufschluss zu geben über Beweggründe und Entscheidungen, aber auch über Konsequenzen und Wirkungen, die aus diesen erwachsen sind. Es kommt ohne die Berücksichtigung und Darstellung des gesellschaftlichen Hintergrundes oder Kontextes nicht aus. Persönliche Entwicklung vollzog und vollzieht sich ja nicht in einem luftleeren Raum. Autobiografisches Schreiben stärkt, „ermächtigt“ und sensibilisiert für „unbekannte Innenwelten“ und Perspektiven, deren die sozialen Berufe so dringend bedürfen, um „subjekt-, system- und handlungsorientiert“ agieren zu können.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in 9 Teile oder Kapitel und „Noch etwas zum Schluss“.

Diese Teile umfassen oder thematisieren eine (weitgehend unbeschwerte) Kindheit und das kritisches Lebensereignis, einen Verkehrsunfall, der den 12jährigen in eine „Existenz nach schwerer Schädel- Hirnverletzung“ versetzte. Es folgen eine „Schulzeit unter isolativen Bedingungen“ (Teil 3), „Universitätsstudium“ (Teil 4), „Referendariat“ (Teil 5), „wissenschaftliche Laufbahn“ (Teil 6), „berufliche Stationen“ (Teil 7) und „politisches Engagement“ (Teil 8). Das neunte Kapitel stellt eine (bevorzugte) Lehrmethode („Simulationsklientenkontakt“) vor, die der Autor in seinen verschiedenen Lehrverpflichtungen erprobte und „perfektionierte“.

Zielgruppen

Von dieser Autobiografie können sicher Studierende und Lehrende verschiedener sozialwissenschaftlicher, sozial- und heilpädagogischer Ausbildungsstätten profitieren, die sich für die Innenperspektiven von „Experten in eigener Sache“ im Felde inklusiver Studien interessieren.

Diskussion

Der Autor der vorliegenden Autobiografie erzählt offensichtlich keine Geschichte von Coping, Resilienz, Empowerment, oder gelungener Heilung. Seine Geschichte „…ist eine, die den behinderten Menschen, die sie lesen, zeigt, wie das Leben nicht gelebt werden soll, wenn sie den vielen aufgezeigten Konfrontationen nicht begegnen wollen. Und es ist eine Geschichte, die den nichtbehinderten Menschen, die sie lesen zeigt, wie behinderte Menschen an der sozialen Behindertenfrage, auf ihren Lebensfeldern… zugrunde gehen“ (S. 14.) Das klingt sehr stark nach Resignation, nach Selbstaufgabe, „Lebensekel“ oder Versinken in der Opferolle…,ja, wäre da nicht der immer wieder durchbrechende Humor, die lebensbejahende ironische Distanz zu der dargestellten „ausweglosen Situation“ und der Deutung des „eigenen Lebens“, der eigenen Persönlichkeit als „defizitär„; eine Deutung , deren Übernahme einfach kritisch kontrakariert werden musste. Es ist eben diese zweite Linie, die Mut macht, exemplarisch zeigt, wie schwierig und „steinig“, aber auch erfolgreich der „Kampf um Anerkennung“ sein kann. Ein Ausweis des Erfolges ist sicher auch, dass diese Biografie nunmehr vorliegt und dem Leser u.a. vor Augen führt, wie vielfältig die Barrieren und Hindernisse noch sind, die einer inklusiv gelebten Lebenswirklichkeit im Wege stehen.

Fazit

Ein nützliches und fachlich fundiertes (was vor allem die Vielzahl der aufgeführten Akteure und Quellen betrifft) Buch, das dem Leser aber einiges an distanzierter Nähe abverlangt. „Rebellierende“ Provokation, Ironie, „augenzwinkernder“ Sarkasmus und schwarzer Humor sind jedermanns Sache nicht. Wer sich aber (bisher) nicht scheut(e), die „Randschau“ und aktuell „Mondkalb“ gelesen zu haben, der wird die Würze der „autobiografischen Momente“ zu würdigen wissen.


Rezensent
Prof. Dr. Manfred Jödecke
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Zitiervorschlag
Manfred Jödecke. Rezension vom 02.05.2012 zu: Carsten Rensinghoff: Wider die gesellschaftliche Ausschließung. Autobiographische Momente einer ausweglosen Situation. Vindobona Verlag (Neckenmarkt) 2012. ISBN 978-3-85040-417-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12905.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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