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Markus Riedenauer, Andrea Tschirf: Zeitmanagement und Selbstorganisation in der Wissenschaft

Cover Markus Riedenauer, Andrea Tschirf: Zeitmanagement und Selbstorganisation in der Wissenschaft. Ein selbstbestimmtes Leben in Balance. UTB (Stuttgart) 2012. 244 Seiten. ISBN 978-3-8252-3668-7. D: 18,99 EUR, A: 19,60 EUR, CH: 27,90 sFr.

Reihe: UTB - 3668.
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Thema

Es wird davon ausgegangen, dass das Leben als Ganzes gelingt. Das auch in der Wissenschaft. „Es geht in diesem Buch um reflektierte und praktische Lösungen, nicht um Jammern und Klagen über suboptimale Situationen. […] Dieses Buch hilft dem Individuum, unter den derzeit gegebenen Bedingungen besser zurechtzukommen und Erfolg zu haben“ (S. 8).

Autorin und Autor

Die 1959 geborene Andrea Tschirf studierte Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien. Sie promovierte in Wirtschafts- und Sozialgeschichte zur Dr. rer. soc. oec. Nähere Angaben zur Erstautorin sind unter der URL www.tschirf.at abrufbar.

Markus Riedenauer, Jahrgang 1966, promovierte, nach seinem Studium der Philosophie, katholischen Theologie und Geschichte, 1997 an der Universität Wien mit einer Dissertation zu Orexis und Eupraxia : Ethikbegründung im Streben bei Aristoteles. Gegenwärtig ist er Philosophieprofessor am International Theological Institute bei Wien. 2006 habilitierte er sich an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main für Philosophie.

Nähere Angaben zu Markus Riedenauer sind unter der URL www.lichtkegel.com abrufbar.

Aufbau

  1. Spezifische Herausforderungen in der Wissenschaft – Institutionelle Faktoren
  2. Spezifische Herausforderungen – Individuelle Bedingungen
  3. Energiemanagement: Vom Stress zum Flow
  4. Methoden effektiver Planung und Evaluation
  5. Ordnung
  6. Zeitmanagement für wissenschaftliche Kernaufgaben
  7. Als Frau in der Wissenschaft

Inhalte

Das erste Kapitel befasst sich mit den äußeren Faktoren, welche die wissenschaftliche Arbeit beeinflussen.

Kapitel 2 nimmt die individuellen Rahmenbedingungen in den Blick. „Dazu gehören ein Bewusstsein der eigenen Werte und Klarheit über dadurch bestimmte Rollenbilder, Selbsterkenntnis in Bezug auf individuelle Verhaltenspräferenzen und die Berücksichtigung des ganzen Lebenshorizonts, innerhalb dessen alle großen Lebensziele zu integrieren sind“ (S. 21).

In Kapitel 3 geht es um den Umgang mit Stress – Stress als „Beanspruchung durch Belastungen, also objektive, von außen her auf den Menschen einwirkende Größen und Faktoren“ (S. 62). Es geht um die Wechselwirkung von Leib, Seele und Geist mit der Umwelt. Die Grundlage jeder erfolgreichen Lebensführung ist der sorgsame und zielgerichtete Umgang mit den eigenen Energien und der aktiven Stressbegegnung. Es geht um:

  • Distress und Eustress
  • das Stressverständnis
  • Faktoren der Stressentstehung
  • Stresstypen
  • mögliche Stressauslöser
  • Abwehrmechanismen und Stress-Bewältigung
  • Stressverminderung durch förderliche Gedanken, Bewertungen und Einstellungen
  • zielorientiertes Handeln
  • körperliche Aktivität
  • Entspannung
  • Gesundheit und Ernährung
  • Energieeinteilung, -nutzung und -stärkung
  • Hochs und Tiefs im Tagesablauf
  • den 90-Minuten-Rhythmus
  • die Funktion der Tiefs
  • Arbeiten in Runden und mit Pausen
  • rhythmusfördernde Maßnahmen
  • einen guten Wochenrhythmus
  • Tipps zur Pflege des Wochenrhythmus
  • den Flow, dem Gefühl des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit
  • Selbstmotivation

Für das Zeitmanagement in der Wissenschaft gibt es einen Werkzeugkoffer, dessen Methodeninhalt in Kapitel 4 erklärt wird, wie:

1. Prinzipien:

  • Planung von oben nach unten
  • integraler Ansatz
  • zweidimensionale Zeitplanung

2. Aufgabenorganisation

  • Prinzip der Schriftlichkeit
  • drei Methoden des Aufgabenmanagements: 1. Tabellen-Methode, 2. Getting Things Done (GTD) nach David Allen, 3. Selbstorganisation ohne Listen

3. Prioritäten

  • Zielorientierung und Entscheidungskriterien
  • Instrumente zur Prioritätensetzung

4. Ziele

  • Ziele und Zeitmanagement
  • Zielkonflikte und Zielsynergien
  • dem Preis eines Ziels
  • Zielkonsequenz durch Willensstärke und Gewohnheiten

5. Planung und Umsetzung im Alltag

  • Ziel- und Planungshorizonte
  • Lebensvisionen, -bereiche und -phasen für längerfristiges Planen
  • mittelfristige Planung
  • Monatsplanung
  • Wochen- und Tagesplanung
  • Flexibilität und Planung

6. Bewältigung von Zeitfressern

  • Aufschieben von Aufgaben
  • Perfektionismus
  • Unterbrechungen und Störungen
  • Nicht „nein“ sagen
  • Schreibblockaden

7. Evaluation

  • regelmäßige Evaluationszeiten
  • Evaluation in der Projekt-Dimension
  • Evaluation von Zeitbudgets
  • Mentoring

8. Zeitplan-Systeme

  • Zeitplanbücher
  • elektronischer Kalender
  • Entscheidungshilfen zum Gebrauch von Papier- oder elektronischem Kalender

Kapitel 5 befasst sich mit der Ordnung. Wie sieht der Schreibtisch aus? Hat hier alles seine Ordnung? Wie sieht das Büro aus? Ist hier alles in Ordnung? Ist der Blick aus dem Fenster angenehm und beruhigend? Ist die Beleuchtung für die wissenschaftliche Arbeit angenehm? „Wissenschaftlich Tätige sind generell auf eine starke visuelle Orientierung hin trainiert, auf das Aufnehmen mit den Augen“ (S. 165). Diese Tatsache hat auch Auswirkung auf die Umgebungsgestaltung. Diskutiert werden:

1. Information und Kommunikation

  • Informationsmanagement
  • Kommunikation

2. Raum und Zeit

  • Raum im Großen
  • Raum im Kleinen: Ordnung am Arbeitsplatz
  • Raum und Zukunft: Archivierung

Im sechsten Kapitel werden die Zeitmanagementinstrumente für die vier wesentlichen Aufgabenbereiche der wissenschaftlich Tätigen aufgeführt – und das sind:

1. Fokus Forschung

  • wissenschaftliches Projektmanagement
  • Zeitmanagement in der Forschung
  • Zeitkonsequenzen von Kooperation und Vermarktung

2. Fokus Lehre und Betreuung Studierender

  • Lehrplanung
  • Zeitmanagement in der Hochschullehre
  • Betreuung Studierender

3. Fokus Administration und Führungsaufgaben

  • Administration als Belastung
  • Führungstätigkeit
  • Zeitmanagement und Führung

4. Fokus wissenschaftliches Vorfeld

  • Ursprung und Hintergrund wissenschaftlicher Gesellschaften
  • Handlungsmotive
  • Konsequenzen für das Zeitmanagement

Kapitel 7 befasst sich mit der Frau in der Wissenschaft. Dies geschieht über die Besprechung von:

  • männlichen und weiblichen Karriereverläufen am Beispiel der Universität Wien
  • sozialisationsbedingten Zeitfallen
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Auf den Seiten 235 bis 240 führen Riedenauer/Tschirf weitere kommentierte Hilfen und Literaturempfehlungen auf. Die wichtigsten Anregungen zur Selbstorganisation kann die Leserin oder der Leser auf Seite 241 notieren. Eine Terminliste zur Selbstorganisation kann auf den Seiten 242 f. notiert werden. Auf der letzten Seite werden Autorin und Autor vorgestellt.

Diskussion

Nach einer erfolgreich begonnenen wissenschaftlichen Karriere mit Martin Kornmeiers Gugelhupf-Methode zum Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten (www.socialnet.de/rezensionen/9226.php) stellt die besprochene Publikation nun die konsequente Fortsetzung der wissenschaftlichen Karriere dar. Hierzu sind die in der Gebrauchsanweisung gestellten Fragen sinnvoll und wegweisend: „Kann meine Arbeit in der Wissenschaft Erfolg haben und mein Leben insgesamt gelingen? Sind gängige Methoden des Zeitmanagements dafür geeignet? Wie müssen diese angepasst werden, um bei den ganz unterschiedlichen Aufgaben in Forschung, Lehre, Betreuung Studierender, in der Administration und bei Führungsverantwortung konkret zu helfen? Mit welchen Instrumenten zur Planung, Priorisierung der Fülle von Aufgaben und zur Evaluation meiner Fortschritte kann ich in meiner besonderen Situation arbeiten? Wie können die Chancen aufgrund der wissenschaftlichen Freiheit erfolgreich genutzt werden?“ (S.7).

Mit dem Fokus auf das wissenschaftliche Vorfeld führen die Autorin und der Autor an, dass die hohe Kunst des wissenschaftlichen Netzwerkens darin besteht, auch mal „Nein“ zu sagen, i. S. von: Man muss auch mal loslassen können, dann ist eine Hand schon mal frei! Das gilt allerdings nur für die Forschenden, die beide Hände benutzen können. Allerdings bin ich mit diesem Spruch mal bei einer wissenschaftlich tätigen kollegialen Freundin wohl sehr in Ungnade gefallen, da wohl das „Nein“-Sagen zur Folge haben kann, dass die Kollegen erkennen, man selber ist nicht belastbar und deshalb jede weitere Aufgabe von dem „Nein“-Sager fernhalten. Man ist dann nicht mehr gefragt für wissenschaftliche Unternehmungen. Schließlich verrottet und versumpft man, weil man einmal eine Hand freihaben wollte. Schlimmstenfalls sind am Ende beide Hände frei, weil keiner mehr anruft. Die wissenschaftliche Attraktivität schwindet unter Umständen rasant. – Schrecklich! – Schlimm genug, wenn der Ruhestand eintritt und man sich in der Lehre nur noch über Lehraufträge bewegen und über Wasser halten kann! Man selber ist ja schließlich kein Professor Untat (Kamenz/Wehrle 2007). – Horror! – Richtig ist wohl deshalb: „Noch mehr als in anderen Bereichen gilt es hier, Dinge gegeneinander abzuwägen, sich über Zeitaufwand und Nutzen klar zu werden und Prioritäten zu setzen“ (S. 226).

Fazit

Eine Pflichtlektüre für die wissenschaftlich Tätigen, die das notwendige Rüstzeug bietet.

Literatur

  • Kamenz, Uwe/Wehrle, Martin: Professor Untat. Was faul ist hinter den Hochschulkulissen. Berlin ²2007.

Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 22.02.2012 zu: Markus Riedenauer, Andrea Tschirf: Zeitmanagement und Selbstorganisation in der Wissenschaft. Ein selbstbestimmtes Leben in Balance. UTB (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-8252-3668-7. Reihe: UTB - 3668. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12909.php, Datum des Zugriffs 19.06.2018.


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