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Ines Verspohl: Health care reforms in Europe

Cover Ines Verspohl: Health care reforms in Europe. Convergence towards a market model? Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2012. 328 Seiten. ISBN 978-3-8329-7071-0. D: 59,00 EUR, A: 60,70 EUR, CH: 83,90 sFr.

Reihe: Schriften zur europäischen Arbeits- und Sozialpolitik - Band 10.
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Thema

Die Autorin vergleicht die Gesundheitssysteme in Deutschland, den Niederlanden und Schweden daraufhin, ob sie sich aufeinander zu bewegen, indem sie mehr Markt einführen.

Autorin

Die Autorin ist mit dieser Studie in englischer Sprache an der Universität Osnabrück promoviert worden.

Aufbau und Inhalt

Die Autorin klärt zunächst den Unterschied zwischen Gesundheitspolitik und politischen Veränderungen des Gesundheitssystems. Für letztere könnten, so ihre These, vor allem Akteure, die neoliberale Ideologien vertreten, verantwortlich sein. Sie analysiert zunächst die Rolle der EU, deren Kompetenzen jedoch nur an einigen Stellen (Freizügigkeit der Patienten und Gesundheitsberufe, Arzneimittelmarkt) in dieses Politikfeld hineinragen. Die neue Offene Methode der Koordinierung habe sich, so die Autorin, auch kaum ausgewirkt.

Im Zentrum der Studie stehen die Gesundheitssysteme in Deutschland, Schweden und den Niederlanden, also ein konservatives, ein sozialdemokratisches und ein „hybrides“ System. Diese Länderbeschreibungen, jeweils ca. 60 Seiten, rekonstruieren die jeweiligen Reformschritte von ca. 1990-2009.

Für das deutsche Publikum sicher von besonderem Interesse ist das Kapitel über die Niederlande, in dem die Autorin den langen Reformprozess beschreibt, der 2006 zur Einführung der Gesundheitsprämie führte, anders als in Deutschland. In den Niederlanden wurden die Privaten Krankenversicherungen tatsächlich in die Soziale Pflichtversicherung eingefügt, letztere stehen aber als Unternehmen in Konkurrenz zueinander. An die Stelle der Beiträge als Prozentsätze des Einkommens tritt der Nominalbetrag der Prämie (1.164 EUR im Jahr 2008), wovon Kinder ausgenommen sind und wofür niedrige Einkommensbezieher Ausgleichszahlungen erhalten. Seit 2008 erhält, wer z.B. fachärztliche Leistungen nicht in Anspruch nimmt, einen Teil der Prämie zurück.

Diskussion

Nach einem Vorwort voller Kommafehler und einer unvollständigen Grafik (S. 21) zunächst etwas skeptisch geworden, findet der Leser eine übersichtliche, präzise, jederzeit informative Darstellung. Die Autorin beklagt zurecht, dass die Forschung sich mit anderen sozialpolitischen Themen, z.B. Rente, weit häufiger befasst als mit Gesundheitspolitik. Insofern hat die Autorin hier eine verdienstvolle Bestandsaufnahme vorgelegt. Mehr allerdings auch nicht.

Problematisch wird es indes, wenn die Autorin „Tendenzen“ feststellen will. Man nehme nur den deutschen Gesundheitsfonds, auf den die Studie leider nur knapp eingeht: Ist das mehr oder weniger Markt, wenn die Krankenversicherungen nicht mehr mit den Beitragssätzen konkurrieren, sondern mit eventuellen Zuschlägen? Ist es mehr Markt, wenn – in Schweden – zwar auch private Gesundheitsdienstleistungen gewählt werden können, faktisch etwa im Umfang von 10 %, jedoch die Bedingungen und Leistungen dafür aber weiterhin von den Lokalbehörden bestimmt werden, die auch über die Steuermittel verfügen und mit diesen bezahlen? Private Anbieter sind in einem steuerfinanzierten Versorgungssystem (National Health System) nur interessant, wenn die Wartelisten in den Kliniken und Praxen abgebaut werden müssen, stellt die Autorin zutreffend fest.

Nicht nachzuvollziehen sind manche Einschätzungen, die die Autorin abgibt. So hält sie den EU-Einfluss für gering, obwohl Schweden mit dem EU-Beitritt die bis dato staatlichen Apotheken privatisieren musste.

Gerade in Hinsicht auf die Niederlande und die „Kopfpauschale“ ist bedauerlich, dass Zahlen und Daten, und damit auch die Bewertungsbasis nicht über den Stand von 2009 hinausgehen.

Fazit

Die Autorin hat dem deutschen Leser eine gut lesbare Information über die Gesundheitssysteme in den Niederlanden und Schweden geliefert. Die Frage der Konvergenz ist dabei methodologisch überzeugend kaum zu beantworten, ist aber auch nicht wirklich wichtig.


Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Berg
Hochschule Merseburg
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Zitiervorschlag
Wolfgang Berg. Rezension vom 31.07.2012 zu: Ines Verspohl: Health care reforms in Europe. Convergence towards a market model? Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2012. ISBN 978-3-8329-7071-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12931.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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