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Markus Frittum: Humor und sein Nutzen für SozialarbeiterInnen

Rezensiert von Prof. (em) Dr. Herbert Effinger, 27.03.2012

Cover Markus Frittum: Humor und sein Nutzen für SozialarbeiterInnen ISBN 978-3-531-18565-1

Markus Frittum: Humor und sein Nutzen für SozialarbeiterInnen. Springer VS (Wiesbaden) 2012. 120 Seiten. ISBN 978-3-531-18565-1. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
Reihe: VS College.

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Thema

Die Bedeutung von Humor für SozialarbeiterInnen zur Bewältigung des professionellen Alltags und in der Arbeit mit KlientInnen. Eine empirische Studie.

Autor

Markus Frittum hat Soziale Arbeit in Wien studiert und ist dort als Sozialarbeiter in der Wohnungslosenhilfe tätig.

Entstehungshintergrund

Bei dem Buch handelt es sich um die Abschlussarbeit (Master-Thesis) des Studiums der klinischen Sozialarbeit. Der Autor hat bereits seine Diplomarbeit zum Verhältnis von Sozialer Arbeit und Humor verfasst. In der neuen Reihe „VS College“ können NachwuchswissenschaftlerInnen, ihre Ergebnisse präsentieren.

Aufbau und Inhalt

Der Autor hat 12 SozialarbeiterInnen in Wien mit im Rahmen problemzentrierter Interviews nach dem Nutzen von Humor in ihrem professionellen Alltag befragt. In einem ersten Schritt beschreibt er sein forschungsmethodisches Vorgehen, wie die Anlage des Forschungsdesigns, die Planung und Durchführung der Interviews. Dann entwickelt er sein Humorverständnis vor dem Hintergrund seiner Literaturrecherche. In den folgenden Kapiteln wertet er seine Interviews danach aus, welchen Nutzen Humor für die psychische Stabilität von SozialarbeiterInnen, für die Arbeit im Team, für Führungs- und Leitungsaufgaben und die Arbeit mit KlientInnen hat. Unter der Überschrift Rahmenbedingen geht er der Frage nach, welche Rolle Humor in der Profession, in der Ausbildung und in den Einrichtungen spielt. Nach einer bewertenden Zusammenfassung entwickelt er Anregungen für einen erweiterten Einsatz des Humors in diesen Bereichen.

Bezüglich der Humorfunktionen in den Teams stellt er beispielsweise fest, dass solche neue KollegInnen bevorzugt eingestellt werden, deren Humor dem Teamhumor am nächsten kommt. In der Arbeit mit unterschiedlichen AdressatInnen beschreibt er verschiedene Settings, in denen Humor unterschiedliche Vorzüge hat.

Diskussion

Der Autor hat in seiner Arbeit noch einmal zentrale Quellen über Humor und seine Bedeutung im therapeutisch sozialarbeiterischen Kontext zusammengefasst. Interessant ist hierbei sein Fokus auf den „Nutzen“ für die Angehörigen der Profession. Es ist erfreulich, dass sich hier jemand nachhaltig bemüht, den vielen auf die Vorzüge des Humors ausgerichteten Thesen eine empirische Basis zu verschaffen. Es fehlt bisher an empirischen Belegen.

Allerdings zeigt sich in der Arbeit von Frittum auch schon die Schwierigkeit dieses Vorhabens. Aus meiner Sicht ist sein Fokus in diesem Rahmen noch zu breit angelegt. Es ist schon als recht mutig zu bezeichnen, dass der Autor beansprucht auf der Basis von 12 problemzentrierten Interviews valide Aussagen über den Nutzen von Humor auf drei verschiedenen Ebenen (Organisation, Adressaten und Psychohygiene) zu machen. Zwar liefern die Gespräche hier und da interessante Hinweise auf die Möglichkeiten und Grenzen von Humorinterventionen bzw. Humorfunktionen. Insgesamt kommen dabei aber kaum wirklich neue Erkenntnisse zu Tage. Es wäre wahrscheinlich weiterführender gewesen, wenn er sich auf eine der drei Ebenen konzentriert hätte. Für die Operationalisierung solcher Studien bedarf es aus meiner Sicht einer klareren Eingrenzung des Humorbegriffes. Ein weiter Humorbegriff ist zwar geeignet die verschiedenen Facetten des Humors theoretisch abzubilden, jedoch benötigt man zur empirischen Unterfütterung klar operationalisierbare Kriterien. Das wäre auch eine Voraussetzung dafür, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen Handlungsfelder in der Sozialen Arbeit und gegenüber anderen Professionen (z.B. Psychotherapie) herausarbeiten zu können. Nun kann man das nicht unbedingt von einer Master-Thesis erwarten. Gewünscht hätte ich mir im Rahmen einer Forschungsarbeit weniger Handlungsanweisungen für die Praxis aber ein paar weiterführende Fragestellungen und eine kritische Reflexion über die Reichweite der eigenen Ergebnisse.

Bei den vom Autor zitierten Quellen fehlen mir Hinweise auf Texte, die im Themenkreis von Humor, Sozialer Arbeit und Pädagogik erschienen sind, z.B. die auch vom Rezensenten in socialnet begutachteten Beiträge von Herzhoff, Janssens, Pelster, Schilling/Muderer, Schulze und Zeichhardt.

Fazit

Dies ist kein Handbuch oder ein Methodenbuch für Humor in der Sozialen Arbeit. Wer sich komprimiert und übersichtlich über den gegenwärtigen Stand der Diskussion der Bedeutung von Humor in der Sozialen Arbeit informieren möchte, bekommt hier einige Hinweise für ein vertiefendes Studium. Hinweise bekommen auch jene, die in diesem Feld forschen möchten und Hinweise erwarten, wie man solche empirischen Studien anlegen kann und welche Stärken und Schwächen qualitative Forschungsmethoden im Allgemeinen und das hier verwendete Verfahren problemzentrierter Interviews im Besonderen aufweisen. SozialarbeiterInnen, die auf der Suche nach praktischen Möglichkeiten des Einsatzes von Humor zur eigenen Psychohygiene und Burnout-Prophylaxe sind, bietet das Buch allerdings kaum Neues.

Rezension von
Prof. (em) Dr. Herbert Effinger
Diplomsozialpädagoge (DBSH, Supervisor (DGSv), Case Management Ausbilder (DGCC), Professor für Sozialarbeitswissenschaft/Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Dresden
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Es gibt 25 Rezensionen von Herbert Effinger.

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ISSN 2190-9245