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Carmen Kerger-Ladleif: Kinder beschützen!

Rezensiert von Prof. Ulrich Paetzold, 31.12.2012

Cover Carmen Kerger-Ladleif: Kinder beschützen! ISBN 978-3-927796-94-2

Carmen Kerger-Ladleif: Kinder beschützen! Sexueller Missbrauch - Eine Orientierung für Mütter und Väter. mebes & noack (Köln) 2011. 180 Seiten. ISBN 978-3-927796-94-2. 19,80 EUR. CH: 28,90 sFr.
Mit einem Vorwort von Dr. Dirk Bange
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Thema

Das Buch greift die Bedeutung und Rolle von Eltern bei der Prävention und bei sexuellem Missbrauch auf und spricht diese direkt an. Dabei werden zentrale Fragen, die Eltern beschäftigen und verunsichern können, durch Informationen und Beispiele beantwortet. Aktuelle Aspekte – die Bedeutung neuer Medien und sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen – werden thematisiert.

Autorin

Die Autorin hat langjährige Praxiserfahrung mit dem Thema sexueller Missbrauch.

Aufbau

Das Buch ist in zehn verschiedene Kapitel gegliedert. Nach der Einleitung und einer einführenden Thematik zur kindlichen Sexualität („Eltern finden Worte“) werden im dritten Abschnitt häufige Elternfragen zum Thema Sexualität und anschließend der Aspekt Prävention von sexuellem Missbrauch aufgegriffen. Die folgenden Abschnitte greifen spezifische Fragen auf: Missbrauch in der Familie, Mütter mit Opfererfahrungen, Hinweise zum Verhalten bei Verdacht auf sexuellem Missbrauch, neue Medien, Traumatisierung und die Kraft des seelischen Widerstands.

Inhalt

In der Einleitung werden Kernaspekte zum Thema sexueller Missbrauch (Täterstrategien, Schwierigkeiten der Kinder sich zu öffnen, die Rolle von Eltern) und die Bedeutung einer dauerhaften Erziehungshaltung dargestellt.

Unter der Überschrift „Ich will doch keine Angst machen“ werden die Sorgen und Unsicherheiten von Eltern bei dieser Thematik aufgegriffen und Verhaltensregeln für Kinder im Umgang mit Fremden vorgestellt. Durchgängig werden im Buch zu jedem Abschnitt Lesetipps angefügt, zentrale Hinweise und Regeln sind prägnant und farblich abgesetzt. „Gar nicht so einfach, darüber zu reden“ – Eltern finden Worte thematisiert die Bedeutung von Sexualität bzw. kindlicher Sexualität und den Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch. Inhaltlich werden Hinweise für Eltern gegeben, wie diese mit ihren Kindern das Thema ansprechen könnten, was normales, kindliches Verhalten ist und welche Rolle angenehme und unangenehme Gefühle für die Kinder selbst besitzen können. Altersgerecht differenziert wird eine Trennlinie zu sexualisiertem Verhalten den Lesern vermittelt und Beispiele für Gespräche mit Kindern gegeben.

Der dritte Abschnitt „Häufige Elternfragen zum Thema ,Sexueller Missbrauch‘“ greift das systematisch und in seiner ganzen Breite auf: Was ist sexueller Missbrauch, rechtliche Anmerkungen zum Hellfeld, die Grenze zwischen Zärtlichkeiten und Missbrauch, Anmerkungen zu Tätern und Täterstrategien, Frauen als Täterinnen, die Rolle und Position der Mütter und Väter, Anmerkungen zum Erkennen von Missbrauch, Folgen für betroffene Kinder, Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten (Beratungsstellen und Jugendamt). Die letzten Abschnitte dieses Kapitels widmen sich der Unsicherheit von Eltern, ob sie dieses Thema überhaupt mit ihren Kindern ansprechen sollen.

Der folgende Abschnitt greift das Thema Prävention auf und verdeutlicht den Wert und Sinn von Selbstbehauptungskursen. Konkretisiert an einem Beispiel aus einem Hort, werden Möglichkeiten zu Gruppengesprächen mit Kindern erläutert und die Bereiche Kindergarten – Schule – Jugendfreizeit aufgegriffen. Für Eltern wird eine Checkliste vorgestellt, an welchen Kriterien Institutionen gemessen werden können, die Angebote für Kinder vorhalten. Ein Beispiel aus einer Kindertagesstätte ergänzt diesen Aspekt. Das ganze Kapitel wird mit dem Thema Sexualisierte Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen mit verschiedenen präventiven Bausteinen abgerundet.

Im fünften Kapitel wird Missbrauch im Kontext der eigenen Familie angesprochen und anschließend erweitert durch den Aspekt, wenn Eltern selbst Opfer von Missbrauch waren.

Verdacht und Handlungsstrategien, die polizeiliche Sichtweise, ein Fallbeispiel aus dem Bereich der Schule, die Rolle und Möglichkeit des Vaters als Helfer, die Gefühlsebene betroffener Kinder und wenn das eigene Kind sexuell übergriffig wird, sind weitere, vertiefende Themen.

Die Bedeutung der neuen Medien als „neuer Tatort“ und die möglichen Gefahren für Kinder werden im achten Kapitel dargestellt. Ausführungen zur Traumatisierung von Kindern mit seinen auch langfristigen Folgen und die Kraft des seelischen Widerstandes (Resilienz) runden das Buch ab.

Diskussion

Das sorgfältig erstellte Buch überzeugt durch die Breite der Themen und durch fachlich fundierte Informationen, die verständlich dargestellt werden. Der Autorin gelingt es, alle aktuellen Diskussionsstränge und Erkenntnisse zum Thema sexueller Missbrauch aufzugreifen: beispielsweise die Bedeutung der neuen Medien, sexuell übergriffige Kinder und Jugendliche, sexueller Missbrauch in verschiedenen Institutionen, die Bedeutung und Rolle des Vaters, Missbrauch im Bereich von Behinderungen. Sinnvoll wird das Thema im Kontext einer stützenden Erziehungshaltung beleuchtet. Veranschaulicht an Fallbeispielen werden Handlungsstrategien für Eltern (und ErzieherInnen allgemein) aufgezeigt, die hilfreich für unterschiedliche Problemkonstellationen sind. Man merkt dem ganzen Buch an, dass die Autorin auf vielfältige Praxiserfahrungen zurückgreifen kann. Wie Dirk Bange im Vorwort zu Recht anmerkt, erfüllt das Buch eine zentrale Forderung aus der Präventionsforschung im Bereich sexueller Missbrauch: die Eltern und deren Handlungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen sachliche und fundierte Informationen an die Hand zu geben. Über diese Absicht der Autorin hinaus, scheint mir dieses Buch insbesondere für alle Einrichtungen, die mit Kindern, Jugendlichen und Eltern arbeiten (Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen, Erziehungsberatungsstellen, freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe,…) einen besonderen Wert zu haben, da je nach Zielstellung die verschiedenen Abschnitte gut nutzbar für die Praxis sind.

Fazit

Im Unterschied zu manchen sehr begrenzten Präventionsansätzen im Bereich sexueller Missbrauch spiegelt dieses Buch die ganze Breite des Themas sachlich fundiert, aktuell und verständlich wider. Hilfreiche Handlungsempfehlungen für vielfältige Problemkonstellationen sind eine wertvolle Unterstützung für Kinder und Eltern. Das Buch ist sehr empfehlenswert und auch als direkte Arbeitshilfe für alle Einrichtungen nutzbar, die mit Kinder, Jugendlichen und Eltern arbeiten.

Rezension von
Prof. Ulrich Paetzold
Professor für Psychologie an der Hochschule Lausitz, Fachbereich Sozialwesen in Cottbus. Neben interkulturellen Fragen sind Schwerpunkte in der Lehre: sexueller Missbrauch, Klinische Psychologie, Beratung. Zusatzqualifikationen: Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie verschiedene kognitive Therapieverfahren.
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Es gibt 51 Rezensionen von Ulrich Paetzold.

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Zitiervorschlag
Ulrich Paetzold. Rezension vom 31.12.2012 zu: Carmen Kerger-Ladleif: Kinder beschützen! Sexueller Missbrauch - Eine Orientierung für Mütter und Väter. mebes & noack (Köln) 2011. ISBN 978-3-927796-94-2. Mit einem Vorwort von Dr. Dirk Bange. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12945.php, Datum des Zugriffs 29.06.2022.


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