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Michael Benesch: Psychologie des Dialogs

Cover Michael Benesch: Psychologie des Dialogs. UTB (Stuttgart) 2011. 192 Seiten. ISBN 978-3-8252-3556-7. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 35,90 sFr.

Reihe: UTB - 3556.
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Thema

Die zu besprechende Publikation befasst sich mit dem Dialog als einer Gesprächshaltung unter starker Einbeziehung der Psychologie.

Autor

Der 1968 in Innsbruck geborene Autor widmete sich an der Universität Wien dem Studium der Psychologie mit dem Schwerpunkt Psychologische Diagnostik und Empirische Methoden. Näheres ist der Homepage des Autors zu entnehmen, die unter der URL www.benesch.co.at abrufbar ist.

Entstehungshintergrund

Michael Benesch ist der Ansicht, dass die derzeit vorzufindende Literatur zur Gesprächsführung „kaum bis gar nicht die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten, die Psychologie also“ (S. 5) berücksichtigt. Diesem Umstand will die zu besprechende Publikation abhelfen.

Aufbau

A Theorie dialogischer Kommunikation

  1. Psychologie und Dialog
  2. Begriffe des Dialogs

B Praxis dialogischer Kommunikation

  1. Rahmenbedingungen dialogischer Gesprächsführung
  2. Die Entwicklung einer „Personal Mastery“
  3. Dialog führen: ein Anwendungsbeispiel
  4. Dialogische Einzel- und Gruppenübungen
  5. Anwendungsfelder des Dialogs

Inhalte

Die Theorie der dialogischen Kommunikation beschäftigt sich mit der Psychologie und verwandten Wissenschaften, welche ein vertiefendes Verständnis des Dialogs begründen. Es geht in diesem Abschnitt um einen Überblick zu folgenden Fragen: „Was kann uns helfen, den Menschen sowohl als Individuum als auch als Gruppenwesen […] besser zu verstehen? Warum reagieren wir in manchen Situationen mit größerer Wahrscheinlichkeit so und nicht anders? Welche Faktoren beeinflussen die Art und Weise, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen? Welche Modelle und Theorien können mir nützlich sein, um bestimmte Aspekte des Verhaltens besser einordnen zu können?

In dem Kapitel Psychologie und Dialog wird einleitend der Einfluss der Sozialisation, der Attributionstheorie (i. e. allgemeiner Ansatz, der die Art und Weise beschreibt, in welcher ein sozial Wahrnehmender Informationen nutzt, die der Generierung kausaler Erklärungen dienen) und der Kausalattribution (i. e. Zuschreibung von Ursache und Wirkung) beleuchtet. Benesch widmet sich weiter:

  • der Theory of Mind, also der Fähigkeit, sich in andere Personen hineinzuversetzen, um ihre Gefühle, Wünsche, Absichten etc. verstehen zu können;
  • der Entdeckung der Spiegelneurone durch Giacomo Rizzolatti: Er beobachtete bei Affen, „dass bestimmte Nervenzellen im Gehirn, die für die Ausführung einer Handlung zuständig sind, auch dann aktiviert werden, wenn der Affe diese Handlung bei einem anderen Affen nur beobachtete“ (S. 22);
  • Heuristiken, Automatismen und dem Bauchgefühl;
  • dem sozialen Druck
  • dem Konstruktivismus, der „mit all seinen unterschiedlichen Schulen und Denkrichtungen […] oft als eine Art Modeerscheinung bezeichnet“ (S. 28) wird.

„Eine Reihe von Begriffen, Ideen und Herangehensweisen, sind von grundlegender Bedeutung, um den Dialog nicht als Gesprächstechnik, sondern als umfassende Haltung zu begreifen, sowohl was eigene, intraindividuelle Veränderungsprozesse als auch was den Blick auf unser soziales Umfeld und die Zugänge diesem gegenüber betrifft“ (S. 37). Der Autor diskutiert im zweiten Kapitel die Begriffe:

  • Thinking und Thought;
  • Feelings und Felts/Embodiment;
  • Fragmentierung;
  • Inner State;
  • Emotionen;
  • mentale Modelle;
  • Geometrie des Dialogs, die auf Überlegungen Tobias Hartkemeyers basiert;
  • der Philosophie des „Ich und Du“ Martin Bubers.

Die Praxis dialogischer Kommunikation befasst sich unter dem Aspekt der Rahmenbedingungen dialogischer Gesprächsführung mit:

  • Symbolen und Regeln – und darunter fallen dann die stornierte Hierarchie, das Redesymbol und die Mitte des Sitzkreises. Bei Letzterem geht es „darum darzustellen, dass die Teilnehmer an einem Dialog in die Mitte sprechen und weniger direkt zueinander“ (S. 81);
  • dem Dialog-Facilitator.

Die Personal Mastery, die das vierte Kapitel betrachtet, ist die menschliche Kompetenz, „sich selbst zu führen sowie Stärken und Fähigkeiten weiterentwickeln zu können“ (S. 75). Michael Benesch bespricht:

  • den Umgang mit widersprüchlichen Wahrnehmungen, als da wären Richtig und Falsch bzw. Schwarz oder Weiß? und Herbert Pietschmanns Modell H;
  • was Denkprozesse liefern;
  • das systemische Denken;
  • das 12-Stufen-Programm dialogischer Kompetenzen.

In Kapitel 5 führt der Verfasser Anregungen auf, die das Kennenlernen des Dialogs ermöglichen, „mit der Option, dass in weiterer Folge dialogische Treffen zustande kommen und so im Unternehmen zu einer Verbesserung der Gesprächskultur beitragen“ (S. 115). Dazu dient ein Anwendungsbeispiel, welches unter den Gesichtspunkten:

  • Vorbereitung, als da wären Auftragsklärung, Zielgruppe, Zeitrahmen/Örtlichkeit und Selbstreflexion;
  • Umsetzung;
  • Feedback, u. a. mit einem Beitrag zum Feedback im Dialog von Tino Albrecht

betrachtet wird.

Übungen, wie sie im sechsten Kapitel thematisiert werden, „setzen auf der Ebene des Erlebens an, sie sind durchgespielte Modellsituationen, mit dem Zweck, bestimmte Verhaltens- und auch Denkmuster zu verändern oder zumindest diese zu reflektieren“ (S. 128). Es geht hier um Übungen:

  • um Annahmen zu suspendieren;
  • zum Entschleunigen, Schweigen und Zuhören;
  • zum Beobachten vs. Bewerten;
  • zur Veränderung von Mustern;
  • zu mentalen Modellen/Respektieren

Die Anwendungsfelder des Dialogs sind:

  • der Dialog auf europäischer Ebene: Vorstellung der drei Grundtvig-Projekte – „Dialogue – Facilitating Creative Communication“ mit Erfahrungsberichten von Lenka Cole, Astrid Lethert sowie Elisabeth Eppel-Gatterbauer und Michael Stiller, „Dialogue – The Creative Communicaton“ und dem Projekt „Dialogue – Creative Communication Competencies for disadvanteged groups“ mit Beobachtungen von Peter Seier zum Dialog in der Besserungsanstalt.
  • der Dialog als Grundlage der PROvokativpädagogik mit einem Beitrag von Rotraud A. Perner aus Sicht der Reformpädagogik im dritten Jahrtausend und eines Plädoyers für salutogene Schulen

Fazit

Ein gut lesbares Lehrbuch, welches verständlich in die Psychologie des Dialogs einführt.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 09.03.2012 zu: Michael Benesch: Psychologie des Dialogs. UTB (Stuttgart) 2011. ISBN 978-3-8252-3556-7. Reihe: UTB - 3556. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12957.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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