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Stefan Loipfinger: Die Spendenmafia

Cover Stefan Loipfinger: Die Spendenmafia. Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid. Droemer Knaur (München) 2011. 271 Seiten. ISBN 978-3-426-78498-3. D: 8,99 EUR, A: 9,30 EUR.

Reihe: Knaur - 78498.
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Autor

Stefan Loipfinger, geboren 1968, arbeitete als freier Wirtschaftsjournalist für Printmedien und für das Fernsehen. Im Jahr 2008 gründete er das Online-Portal CharityWatch.de, das sich zum Ziel gesetzt hat Missbräuche im Spendenbereich aufzudecken und sich für eine bessere Spendenkultur einsetzt. Das Portal wurde im Februar 2012 geschlossen (Pressemeldung vom 23.2.2012).

Thema

In seinem Vorwort führt Loipfinger in das Thema seines Enthüllungsbuches ein. In Deutschland werden aktuell rund 5 Mrd. EUR von mitfühlenden Menschen gespendet. Diese Gelder locken neben seriösen Hilfsorganisationen auch kriminelle Einzelpersonen und deren Freunde bzw. Familienangehörige an, die unter dem Deckmantel gemeinnütziger Vereine tatsächlich in die eigene Tasche wirtschaften. Loipfinger hat sich zum Ziel gesetzt, die Missbrauchsfälle aufzudecken und die schwarzen Schafe zu benennen. Aus der Darstellung der einzelnen Fälle soll ein Muster erkennbar werden, das genutzt werden kann, um Handlungsempfehlungen für die Politik und Verwaltung abzuleiten.

Vorwort und Aufbau

In seinem Vorwort erläutert Loipfinger die Wahl des Titel „Die Spendenmafia“. Im sizilianischen Sprachgebrauch ist mit „Mafia“ ein arrogantes, eingebildetes und selbstsicheres Verhalten gemeint. Bei Wikipedia versteht man unter der Mafia einen Geheimbund, der seine Macht durch Erpressung, Gewalt und politischer Einflussnahme herstellt und festigt (S. 9).

Am Ende des Buches gibt Loipfinger an, dass der Begriff „Spendenmafia“ nicht von ihm stamme, sondern in zahlreichen Presseartikeln (Focus, BILD, Welt, B.Z.) schon verwendet wurde. Aus einem 2005 von Peter Dittmar verfassten Artikel zitiert er das Begriffsumfeld für sein Buch (S. 267): „Zu allen Zeiten stehen den Spendern jene gegenüber, für die Spenden nicht gedacht waren, die sie sich aber anzueignen gedachten. Die gibt es auch heute noch. Allerdings bevorzugt die „Spenden-Mafia“ inzwischen weniger auffällige Methoden als das Ausrauben einer Kollekte. Da gründet er einer einen Verein. Agiert – gut honoriert – als Geschäftsführer. Beauftragt eine Agentur, gewöhnlich personell verschwägert, mit der Organisation einer Sammel-Kampagne. Die erfindet eine mitleidheischende Geschichte, versieht sie mit anrührenden Bildern, verschickt Briefe und mobilisiert Drücker-Kolonnen, die den Leuten auf die Pelle rücken (und prozentual an den Einnahmen beteiligt sind). Das beschert ein gutes Einkommen, während bestenfalls wenige Prozent der Einnahmen dem wohltätigen Zweck zufließen.“

Das Vorwort beschreibt im Wesentlichen die Angriffe und Verleumdungen, denen sich Loipfinger seit seiner Recherche zu den Missständen im Spendenbereich ausgesetzt sieht. Auf mehr als 10 Seiten werden die gegen ihn und seine neu gegründete Internetplattform „CharityWatch“ gerichteten Aktivitäten beschrieben.

Wegen der hohen Kosten der rechtlichen Verteidigung, die die Abwehr der Angriffe und Verleumdungen gegen seine Arbeit zur Folge haben, hat Loipfinger die Internetplattform „CharityWatch“ zu Beginn des Jahres 2012 eingestellt.

Loipfinger weist am Ende seines Vorwortes ausdrücklich darauf hin, dass er kein Plädoyer gegen das Spenden halten will (S. 21). Vielmehr komme es ihm darauf an, das Geld von zweifelhaften Hilfsorganisationen zu den vielen uneingeschränkt ehrenhaften gemeinnützigen Initiativen umzuleiten. Der Leser des Buches soll zum „richtigen Spenden“ animiert werden. Darüber hinaus möchte der Verfasser zu einer verbesserte Spendenkultur in Deutschland beitragen.

Loipfinger unterteilt die eigentliche Sachdarstellung seines Buches in zehn Kapitel.

Am Ende eines jeden Kapitels steht ein Resümee, das für den Leser gut geeignet ist, sich schnell über die wesentlichen Inhalte des voranstehenden Abschnitts zu informieren. Diese Zusammenfassungen werden im Folgenden zur Ergänzung der Darstellung des jeweiligen Kapitelinhalts durch den Rezensenten – sozusagen als „O-Ton von Loipfinger“ – wieder gegeben.

1. „Die Spendenmafia: Wann stoppt der Staat den Spendenmissbrauch?“

In diesem Kapitel beschreibt Loipfinger den von der staatlichen Gesetzgebung gesetzten Handlungsrahmen für die gemeinnützigen Körperschaften, die Spenden sammeln. Ein zentraler Schwachpunkt besteht darin, dass es in Deutschland keine flächendeckende Kontrolle Spenden sammelnder Organisationen gibt. Nur in einem Bundesland (Rheinland-Pfalz) agiert eine Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), die konkreten Missständen nachgeht und ggfs. Sammlungen verbietet. In den letzen 10 Jahren wurden im Zuge des Bürokratieabbaus und der Deregulierung in 12 von 16 Bundesländern die Landessammlungsgesetze ersatzlos abgeschafft. Loipfinger stellt dar, dass in einigen Ländern die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrt gegen diese Deregulierung protestiert habe, jedoch ohne Erfolg (S. 34). Die allgemeinen Sparzwänge der öffentlichen Hand führen dazu, dass auch die Staatsanwaltschaften oder der Datenschutz keine wirksamen Kontrollen mehr durchführen.

Das Deutsche Zentralarchiv für Soziale Fragen (DZI), das das in der Öffentlichkeit viel beachtete Spendensiegel vergibt, kann nur im Ausnahmefall initiativ werden. Es zeichnet nur positiv vorbildliche Initiativen aus. In Interviews ist von Vertretern des DZI gefordert worden, einen „Basisschutz“ für Spender einzuführen, in dem ein Mindestmaß an Informationen über die Spendensammler zur Pflicht erklärt wird. Bisher ist dieser Vorschlag aber noch nicht verwirklicht worden.

Loipfinger berichtet über eine Anfrage von Bündnis 90 / Die Grünen im letzten Deutschen Bundestag zu den Spenden sammelnden Vereinen, zu aufgedeckten Missständen und zu Konsequenzen daraus (Pflicht zur Transparenz in Finanzberichten, Einführung eines Zentralregisters usw.). Die von der Bundesregierung gegebenen Antworten kritisiert er als nicht ausreichend. Sie zeigen das mangelnde Interesse der Politik an einer wirksamen Kontrolle und einer verbesserten Spendenkultur. Entsprechendes gelte auch für die kommunale Ebene, die sich oft darauf verlasse, dass bestimmte Organisationen (z.B. im Tierschutz) die Aufgaben übernehmen und damit die öffentliche Hand entlasten. Auf welche Art und Weise dies aber geschehe und ob private Hintermänner hinter den gemeinnützigen Trägern in die eigene Tasche wirtschaften, sei nicht von Interesse.

Das Resümee von Loipfinger zu Kapitel 1 lautet: „Nur noch vier der 16 Bundesländer haben ein Sammlungsgesetz. Diese aus den siebziger Jahren stammenden Vorschriften sind veraltet und sollten den aktuellen Entwicklungen angepasst werden. Abschaffung ist keine Lösung. Ergänzend dazu wäre eine gesetzlich vorgeschriebene Transparenzregelung sinnvoll. Wer fremdes Geld treuhänderisch mit einem bestimmten Auftrag verwaltet, der muss öffentlich darüber Auskunft geben. Diese Auskunftspflicht ergibt sich schon deshalb, weil die Allgemeinheit diese Hilfeleistungen über Steuerprivilegien zusätzlich subventioniert.“

2. „Glasklar wie Stahlbeton: Intransparenz als Normalfall“

Die Transparenzregeln sind Gegenstand von Kapitel 2. Loipfinger berichtet über die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen zur Transparenz und Publizität. Positiv hervorzuheben ist die Initiative Transparente Zivilgesellschaft (S. 53) der Organisation Tranparency International. Diese Initiative, die auch von den großen Sozialverbänden unterstützt wurde, sieht einen Verhaltenskodex, auf den sich eine Organisation durch Erklärung verpflichtet, und einen Standard an Pflichtveröffentlichungen (Satzung, Namen der Entscheidungsträger, Mittelherkunft und -verwendung, Personalstruktur) vor.

Es folgt eine Aufzählung von intransparenten Organisationen und Charity-Veranstaltungen, die belegen, wie wichtig die Umsetzung einer solchen Initiative wäre. In der Darstellung findet sich ein gemeinnütziger Verein, der als Spendenkonto das Privatkonto des Vorstands angibt (S. 64) oder ein Träger, der sich sein Spendensiegel selbst entworfen und verliehen hat (S. 76 f)! Und an mehreren Stellen der Hinweis auf unseriöse Machenschaften von gewerblichen Marketingunternehmern aus der Schweiz, die hohe Verwaltungsaufwendungen im Zusammenhang mit Bettelbriefen verursachen (z.B. S. 79).

Für die Recherche zu diesem Buch hat Loipfinger bei den betreffenden Organisationen versucht, im Raum stehende Vorwürfe z.B. nach unangemessenen Verwaltungs- und Repräsentationskosten, zu klären. Die im Regelfall unbefriedigenden Rechercheergebnisse finden sich auf den Folgeseiten. Sie können im Rahmen dieser Rezension nicht im Einzelnen wiedergegeben werden. Aussagefähig und einen Einblick in die Sprachwahl sind jedoch die Zwischenüberschriften und der Inhalt des Resümees, die im Folgenden zitiert werden:

  • Oft sind die Abendroben durchsichtiger als die Finanzen (S. 56 – 59)
  • Kritische Frager müssen sich sogar Beleidigungen gefallen lassen (S. 59 – 62)
  • Spenden landen ohne Umweg auf Privatkonten (S. 62 – 69)
  • Einladung zum Spendenmissbrauch – einschließlich Lizenz zum Lügen (S. 70 – 76)
  • Transparenz ist wie das Weihwasser für den Teufel (S. 76 – 80)
  • Spendertäuschung mit falschen Kostenangaben (S. 80 – 81)
  • Arme Hunde – Spendengelder verjubelt für mallorquinisches Luxusleben (S. 82 – 85)
  • Containerweise Schweigen – Nachrichtensperre im Containerkrieg (S. 85 – 93)

Das Resümee zu Kapitel 2 lautet: „Kein Verein und keine Stiftung ist in Deutschland dazu verpflichtet, einem Spender Auskunft zu geben, was mit seinem Geld passiert. Seriöse Organisationen fühlen sich dazu moralisch verpflichtet. Sie erhalten von der Allgemeinheit verschiedene Steuerprivilegien und damit eine indirekte Subvention. Sie sind von Einkommen-/Körperschaftsteuerzahlungen befreit, und die Überweisungen von Mitgliedern/Spendern sind steuermindernd absetzbar. Stichhaltige Gründe, die Öffentlichkeit über Einnahmen und Ausgaben transparent zu informieren.

Mitglieder des Verbandes Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) haben sich, ähnlich denen des Deutschen Spendenrates, zu Transparenz verpflichtet. Auch die Träger des DZI-Spendensiegels müssen künftig über die Verwendung ihrer Gelder informieren. Nicht zu vergessen die jüngste Initiative Transparente Zivilgesellschaft, durch die Transparenz zum Branchenstandard erklärt wurde.

Keine Ausrede – wie etwa der Hinweis auf die Prüfung durch das Finanzamt oder Wirtschaftsprüfer – darf die moralische Pflicht ersetzen, eine detaillierte Aufstellung über die Einnahmen und Ausgaben sowie die Organisationsstruktur zu liefern. Wer sich weigert, hat das Geld der Spender und Mitglieder nicht verdient!“

3. „Gefährliche Gallionsfiguren: Der völlig überschätzte Promifaktor“

Kapitel 3 ist dem Einsatz von prominenten Fürsprechern (Testimonials) gewidmet. Loipfinger zählt in erster Linie Missbrauchsfälle auf. Besonders dreist sind eingangs geschilderte Beispiele, in denen sich Vereine des Namens von gestorbenen Vorbildern, wie Mutter Theresa, Mahatma Gandhi bzw. Sir Peter Ustinovs bedienen (S. 95 – 102).

Daneben führt Loipfinger Fallbeispiele an, bei denen Prominente ihren Namen als Ehrenmitglied bzw. Unterstützer geben, ohne genau zu prüfen, auf welchen Partner sie sich eingelassen haben. Allenfalls im Ausnahmefall reagierten Prominente so klar wie die EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer, die ihren Quizshow-Gewinn von einer halben Mio. ? bei Günter Jauch einem gemeinnützigen Verein in Berlin, der sich den Schutz von Frauen vor Zwangsehen zu Ziel gesetzt hatte, zukommen ließ. Als dieser auf die Rückfrage nach wenigen Wochen, was denn mit dem Geld unternommen wurde, keine befriedigende Antwort geben konnte, wurde aufgedeckt, dass ein großer Geldbetrag veruntreut worden war. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet (S. 110 f).

Loipfinger erklärt sich die vielen Fälle, die er auf den S. 112 – 127 aufzählt damit, dass Prominente nicht wüssten, dass es keine gesetzliche Prüfungseinrichtung für Spenden sammelnde Organisationen gibt.

Resümee Kapitel 3: „Bekannte Namen sind kein Garant für Seriosität. Und guter Wille allein, so lobenswert er auch immer sein mag, genügt nicht. Häufig durchleuchten prominente Fürsprecher zu wenig, was genau sich hinter der von ihnen unterstützten Organisation verbirgt, wie sorgsam und sparsam die Gelder verwendet werden. Mitunter stellen sie den eigenen Namen sogar zur Verfügung, um sich ein positives Image zu geben und wieder einmal in der Öffentlichkeit zu stehen.

Und dann gibt es noch die Fälle, in denen Prominente ein Teil des Systems sind und selber abkassieren. Für die Hilfsbedürftigen ist das Ergebnis das gleiche: Bei ihnen kommt viel zu wenig von dem Geld an, das gutgläubige Spender zur Verfügung gestellt haben.

Deshalb gilt: Prominente Namen sind nicht automatisch ein Gütesiegel für die von ihnen vertretene Spendenorganisation. Wer wissen will, wie gut diese wirklich arbeitet, wer will, dass sein Geld bei den Hilfsbedürftigen ankommt, muss sich selbst ein Bild davon machen.“

4. „Drückerkolonnen, Infostände, Bettelbriefe: Die Arbeitsmethoden der Spendenmafia“

Kapitel 4 widmet sich den unlauteren Werbemethoden, die Loipfinger bei einigen Spenden sammelnden Organisationen festgestellt hat.

Loipfinger zitiert aus Recherchen die im WDR bzw. ARD gesendet wurden. Aus Undercover-Recherchen bzw. Aussteiger-Berichten sind Einzelfälle bekannt geworden, in denen Drückerkolonnen mit aus der Werbung von Zeitschriftenabonnements bekannten Methoden Spenden gesammelt haben. Aus dem Bereich des Tierschutzes berichtet der Verfasser vom „wohl größten Spendenskandal Deutschlands“ (S. 132 f). Aus den Gerichtsakten sind nachgewiesene Tatsachen der kriminellen Machenschaften des vor 10 Jahren aufgedeckten Skandals anzuführen. Ein Großteil der eingesammelten Gelder floss in die Tasche der Hintermänner, nur ein Fünftel der Spenden kamen den notleidenden Tieren zu Gute! Da in der Mehrzahl der Bundesländer die Sammlungsgesetze abgeschafft wurden, besteht nur noch eine sehr eingeschränkte Möglichkeit, gegen unlautere Straßensammlungen vorzugehen (S. 135 – 141 enthalten Berichte zu unlauteren Spendendosensammlungen verschiedener „Hilfsorganisationen“).

Die „Königsdisziplin“ der Geldsammler ist – so Loipfinger – jedoch das Schreiben und Versenden von Spendenbettelbriefen. Die S. 141 – 149 enthalten Darstellungen zu missbräuchlichen Werbeaktionen. Hier sind die gezeigten Fotos und Schilderungen bedrückend und üben einen nicht akzeptablen Druck auf die Briefempfänger aus. Zudem sind die Honorare für das Porto und die Direktvermarktungsagenturen so hoch, dass der größte Teil der Spenden gar nicht für den eigentlichen Zweck eingesetzt werden kann.

Im Übrigen finden sich immer wieder besonders perfide Machenschaften, wenn die gemeinnützige Organisation nicht ihren Sitz im Inland hat bzw. von Initiatoren aus dem Ausland gesteuert wird.

Loipfingers Resümee zu Kapitel 4 kann wie folgt wiedergegeben werden: „Unaufgeforderte Spendenbitten von unbekannten Organisationen sind immer genau zu prüfen, bevor aus Gutgläubigkeit viel Geld in unbekannten Kanälen versickert. Potenzielle Spender sollten ruhig konkret nachfragen, welche Provision der Sammler erhält. Wer wirklich ehrenamtlich arbeitet – das ist leider nur selten der Fall -, wird nichts gegen die Aushändigung von Unterlagen haben. Einem ehrlichen Sammler geht es um Unterstützung – egal ob sofort oder erst in ein paar Tagen nach reiflicher Überlegung. Ein provisionsfixierter Drücker will nur das schnelle Geld. Von einer späteren Überweisung auf das Vereinskonto hat er nichts. Und noch ein wichtiger Hinweis zu sogenannten Fördermitgliedschaften: Diese sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen! Wegen der Gefahr einer Umgehung des gesetzlich eingeräumten Widerrufsrechts bei sogenannten Haustürgeschäften ist immer darauf zu achten, ob ein Verein seinen Fördermitgliedern ein Rücktrittsrecht für zwei Wochen einräumt. Wer das nicht tut, kann getrost als unseriös eingestuft werden.

Höchste Vorsicht ist zudem bei Sammeldosen angebracht! Eine vertrauenerweckende Plombe ist oft nur ein interner Schutzmechanismus, damit der Sammler das Geld bei den Hintermännern abliefert. Selbst die in Ladengeschäften aufgestellten Behälter sollten nicht unkritisch gefüllt werden. Fragen Sie ruhig den Ladenbesitzer, ob der die Seriosität der Organisation genau geprüft hat. Meist ist das nicht der Fall, übrigens nicht einmal bei Banken und Sparkassen. Häufig liegen in der Schalterhalle vorab ausgefüllte Überweisungsträger bereit, ohne dass sich jemand Gedanken darüber gemacht hat, wie viel bei den Hilfsprojekten selbst ankommt. Noch ein Tipp zum Umgang mit Bettelbriefen: Sogar seriöse Organisationen nutzen diese Form der Spendenwerbung. Der Unterschied zu zweifelhaften Vereinen liegt neben einer nicht bedrängenden Aufmachung in der Kostenquote. Seriös sind Ausgaben für Mailing-Aktionen von maximal zehn bis 15 Prozent der jährlichen Einnahmen. Dann fließen selbst unter Einrechnung weiterer Verwaltungskosten maximal 20 Prozent an der direkten Hilfe vorbei. Und: Wer zu häufig und zu viele Briefe verschickt, verwendet Ihr Geld bestimmt nicht im Sinne der guten Sache.“

5. „Täuschen, tarnen und verstecken: Das Dickicht der Firmengeflechte“

In diesem Kapitel stellt Loipfinger die bekannt gewordenen Skandale dar, bei denen Kooperationsverträge zwischen den gemeinnützigen, Spenden sammelnden Organisationen und gewerblichen Kooperations- und Vertragspartnern eine Rolle spielen.

Eine Masche zur Tarnung der eigentlichen Absichten bestehe z.B. darin, dass ein gemeinnütziger Verein einen Teil seiner Einnahmen an einen anderen gemeinnützigen Verein weitergibt und dieser wieder an einen anderen. In den jeweiligen Finanzberichten erscheinen die Einnahmen dann aufgebläht und die Kosten für Geschäftsführung und Spendenakquise erscheinen relativ zu den Einnahmen gering zu sein (S. 159). Loipfinger schildert als ein weiteres Muster, dass die Person mit Betrugsabsicht gleich mehrere gemeinnützige Vereine gründet, um bei Enttarnung von Missständen bei einem Verein gleich mit einem anderen weiter machen zu können (S. 168 – 169).

Kritisch stellt Loipfinger die Praxis einiger Finanzämter dar, die Ausgaben für Werbeaktionen als satzungsmäßige Öffentlichkeitswerbung anzuerkennen (S. 172 f). Er berichtet von einem besonders ins Auge stechenden Fall, in dem das Finanzamt jahrelang zugestimmt hat, dass 40% der Spendenwerbebriefe pauschal als satzungsmäßige Arbeit anerkannt wurden. Da die Information der Öffentlichkeit über die spezielle Krankheit, deren Bekämpfung sich der Verein zur Aufgabe gemacht hatte, Satzungszweck war, ist das Vorgehen rechtlich nicht angreifbar. Loipfinger macht allerdings schwere moralische Bedenken geltend.

Nach Einschätzung Loipfingers ist ebenfalls Vorsicht geboten bei der Sachspende von Medikamenten, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen. Wenn der Wert der erhaltenen Sachspenden mit dem Einzelhandelspreis angesetzt werde, können die tatsächlichen Werbeaufwendungen in Relation zu den Einnahmen in unzutreffende Weise niedrig ausgewiesen werden (S. 176 – 179).

Loipfinger kritisiert in diesem Zusammenhang die immer wieder anzutreffende Aussage, die Verwaltungskosten werden durch die Mitglieder und ihre Beiträge finanziert. Die Spenden gingen 1:1 zu den Bedürftigen. Dies sei „Unsinn“, da beide Einnahmearten auf dem gleichen Vereinskonto verbucht würden. Und aus den Gesamteinnahmen würden sowohl die Verwaltungskosten als auch die Projekte anteilig finanziert (S. 176).

Wieder sein das Resümee zu Kapitel 5 im Wortlaut wiedergegeben: „Wer nicht als gemeinnützig und mildtätig anerkannt ist, hat kein Spendengeld verdient! Umgekehrt kann die Gemeinnützigkeit allerdings nur bedingt als Qualitätskriterium gesehen werden. Satzungsgemäße Ausgaben von 50 Prozent reichen aus, um das steuerliche Privileg zu erhalten. In den ersten Jahren nach Gründung darf die Projektquote sogar deutlich niedriger sein, ohne dass das Finanzamt den Steuerbonus aberkennt. Zusätzlich sollte einem bewusst sein, wie leicht selbst eine 50-Prozent-Quote vorzutäuschen ist. Für Finanzämter gilt wie für viele andere Behörden, dass sie permanent mit Arbeitsüberlastung kämpfen müssen. Und weil für das zuständige Finanzamt ohnehin kein Steueraufkommen zu erwarten ist, kann die Prüfung eines Vereins schnell etwas oberflächlich ausfallen.

Gelegentlich spielt auch die Politik eine Rolle. Nämlich immer dann, wenn Kommunen oder Städte ihnen obliegende Aufgaben bequem auf gemeinnützige Organisationen abwälzen, etwa bei der sozialen Verantwortung für mittelose Menschen. Ein Verein, der sich mit einem Teil seiner Mittel um dieses kommunale Anliegen kümmert, wird kaum kontrolliert. Schließlich würde die Verantwortung auf die Kommune zurückfallen, wenn es zu einer Auflösung der Organisation käme. Ähnliches gilt für die Versorgung von Fundtieren oder die Fundtierverwaltung. Eigentlich eine Aufgabe der Kommune, die gerne an Tierschutzvereine delegiert wird. Das ist in Ordnung, solange dort effektive und ehrliche Tierschutzarbeit stattfindet. Bereichern sich Verantwortliche jedoch, darf die Kommune nicht aus Bequemlichkeit wegsehen.“

6. „Demokratie Fehlanzeige: Die machtlosen Mitglieder“

Kapitel 6 handelt von den undemokratischen Strukturen, die in manchen gemeinnützigen Vereinen gelten.

Betroffen von den Ausführungen dieses Kapitels ist die Rechtsform des eingetragenen Vereins. Hier nennt Loipfinger als übliches Mittel zur Entmachtung des obersten Vereinsorgans (der Mitgliederversammlung) die Möglichkeit, dass neu hinzutretende Mitglieder nur eine Fördermitgliedschaft erwerben können, die kein Stimmrecht in der Mitgliederversammlung gewährt. Er benennt krasse Beispiele, bei denen weniger als ein Dutzend Mitglieder mit Entscheidungsrecht nicht stimmberechtigten Fördermitgliedern in fünfstelliger Zahl gegenüber stünden (S. 181). Ebenso kritisch sieht er Delegiertenstrukturen, weil diese die Möglichkeit der undemokratischen Beeinflussung durch die Machthaber in der Vereinsgeschäftsführung böten (S. 182 – 184). Wenn sich zudem die Entscheidungsträger aus Verwandten, Freunden und Geschäftspartnern zusammensetzen, sei dem Missbrauch Tor und Tür geöffnet (S. 184 – 188).

Das Resümee zu Kapitel 6 lautet: „Durch das Vereinswesen entstand eine Vereinigungsform, die unserer Gemeinschaft dienen soll. Die organisierte Willensbildung gilt dabei als Grundpfeiler, ähnlich dem demokratischen Grundgedanken unserer Gesellschaft. Wer durch formale Bestimmungen in der Satzung absichtlich die Mitbestimmung aller Mitglieder einschränkt, schafft Strukturen, die dem ursprünglichen Vereinsgedanken zuwiderlaufen.

Demokratisch aufgebaute Satzungen enthalten gleiche Rechte für alle Mitglieder. Dazu zählt die Wahl des Vorstands ebenso wie die Genehmigung zur Mittelverwendung. Sogenannte Fördermitgliedschaften schränken diese Grundrechte meist stark ein, so dass innerhalb der Mitglieder ein Zweiklassensystem entsteht. Wer so etwas einführt, muss sich nach den Gründen fragen lassen. Die Einschränkung der Mitgliederrechte ist ebenso zweifelhaft wie die Umgehung des gesetzlichen Widerrufsrechts bei sogenannten Haustürgeschäften. Deshalb sollte, wer das Selbstverständnis der Verantwortlichen eines Vereins hinterfragen will, einen möglichst kritischen Blick in die Satzung werfen.“

7. „Mieses Motto: Ein wenig für die Armen, das meiste für mich“

In Kapitel 7 berichtet Loipfinger über diverse weitere Skandale. Das Kapitel schildert schwerpunktmäßig, welche Reaktionen die einzelnen Skandale bei der öffentlichen Verwaltung, Justiz und in der Branche selber gefunden haben. Loipfinger kritisiert oft zu milde Gerichtsurteile (z. B. S. 196), die dazu führten, dass die Verurteilten bzw. ihre Handlanger in den betroffenen Organisationen bzw. neu gegründeten Einrichtungen ihr Unwesen fröhlich weiter trieben (S. 197 – 199). Den Skandal um die Berliner Treberhilfe stellt Loipfinger auf den S. 201 und 202 dar. Dem Bundesamt für Justiz wirft er vor, nicht nachhaltig genug auf die Publikation der Jahresabschlüsse einer gGmbH gedrungen zu haben, die sich durch Sitzverlagerung der Zustellung eines Bußgeldbescheides entzogen hat (S. 213). Resignierend endet sein 7. Kapitel mit der Feststellung, dass es in Deutschland offensichtlich am gesellschaftlichen Willen fehle, Gesetzeslücken zu schließen und für wirksame Kontrollen und für personell ausreichend ausgestattet Strafverfolgungsbehörden zu sorgen (S. 214 – 215).

Loipfinger zieht folgendes Resümee zu Kapitel 7: „Die wenigen in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gelangten Skandale sind keine Einzelfälle. Viel zu oft werden die rechtlichen Rahmenbedingungen als Einladung zum Missbrauch verstanden. Die provokante These, der Spendenmarkt ziehe Betrüger an wie das Licht die Motten, ist nicht aus der Luft gegriffen.

Und warum ändert sich nichts daran? Der seriöse Teil der Branche scheint kein Interesse zu zeigen, gegen die schwarzen Schafe vorzugehen. Eine offene Debatte, so wird befürchtet, schade dem Markt insgesamt, weil dann die Spendenbereitschaft sinken würde. Anfangs mag das zutreffen. Wäre die Bereitschaft nach einer glaubwürdigen Reform dafür nicht umso höher? Außerdem würde trotz Spendenrückgang wesentlich mehr Geld bei Organisationen mit ehrlichen Absichten landen. Gute Argumente, die bisher leider nichts bewirken.

Auch ohne grundlegende Umbesinnung wäre mit etwas mehr Zivilcourage schon heute einiges zu erreichen. Denn sowohl Presse als auch Staatsanwaltschaft sind bei der Aufdeckung von Missbrauch im Spendenbereich anfangs auf Insider angewiesen, Insider, die bei erkennbaren Pflichtverletzungen nicht wegsehen. Zu viele lassen sich von schönen Worten oder glamourösen Auftritten ablenken oder blenden. Gute Einrichtungen überzeugen durch Fakten. Es ist immer ein Warnsignal, wenn der Jahresbericht einer Organisation in seinen Aussagen ungenau bleibt und die Beschreibungen der geleisteten Hilfen oberflächlich sind. Formulierungen wie »wurden finanziell unterstützt«; »Stellen wurden gefördert«; »ein Angebot geschaffen«; oder »beteiligt sich an den Kosten durch monatliche Zuschüsse« – all das sagt herzlich wenig über die wirkliche Hilfeleistung aus. Wer derartig nebulös formuliert, hat meist einen Grund dafür – doch der ist häufig nicht im Sinne der Spender.“

8. „Mogelpackung Sozialverantwortung: Greenwashing, ohne dabei rot zu werden“

In diesem Kapitel stellt Loipfinger die erst in den letzten Jahren stärker in das Blickfeld geratene Methode der Corporate Social Responsibilty (CSR) von gewerblichen Unternehmen dar. Diese werben im Rahmen einer Verkaufsförderungsaktion damit, aus dem Verkaufserlös einen Teil der Einnahmen für ein gemeinnütziges Projekt zu spenden (z.B. die Firma Krombacher spendete bei der Fußball WM in Deutschland für den gefährdeten Regenwald). Krombacher selber bezeichnete diese Aktion als die erfolgreichste Verkaufsförderung aller Zeiten (S. 218).

Loipfingers kritische Nachfragen beziehen sich auf den wirklichen Wert dieses Versprechens: Bei Krombacher war es nur ein verschwindend geringer Teil des Verkaufserlöses eines Bierkastens (0,04 ?). Auch die Trinkwassermarke Volvic hatte damit geworbenen, einen Teil der Einnahmen aus dem Verkauf für den Bau von Brunnen in Äthiopien zu verwenden. Der tatsächliche Anteil liegt aber – so die Schätzung Loipfingers - nur bei 0,002 ? pro Liter verkauften Tafelwassers (S. 220). Ebenso kritisch sei die Firma Tchibo mit ihren Armuts- und Kinderschutzprojekt einzuschätzen (S. 221 – 222). Auf diese Kritik am von vornherein unklaren Spendenanteil hat die Industrie reagiert. Nunmehr stellt Loipfinger fest, dass von vornherein ein klarer Spendenanteil bei jüngsten UNICEF-Aktionen mit IKEA bzw. Pampers angegeben werde (vgl. S. 217 ff).

In diesem Zusammenhang stellt Loipfinger ein im Tierschutz entwickeltes Geschäftsmodell der Tierfutterspende kritisch dar (S. 223 – 228). Bei diesem Modell, das von findigen Geschäftsleuten auch auf Teddybären für kranke Kinder, Warnwesten und Fußbälle für Schulen übertragen wurde, zahlt der Spender einen relativ zu den tatsächlichen Anschaffungskosten der Sachspende überhöhten Geldbetrag als Spende. Der bedachte Empfänger (z. B. ein Tierheim, ein Krankenhaus oder eine Schule) ist froh, unentgeltlich eine benötigte Ware bzw. ein Spielgerät zu bekommen. Und keiner achtet auf den Gewinn, den der findige Initiator mit diesem Modell erwirtschaften kann. Nach Berechnungen Loipfingers wird auf diese Art und Weise ein Großteil der Spende zweckwidrig abgeschöpft.

Das Resümee zu Kapitel 8 lautet: „Grundsätzlich spricht nichts dagegen, Produkte zu kaufen, die eine indirekte Spende versprechen. Würde jemand ohnehin zu diesem Produkt greifen, ist das ein angenehmer Nebeneffekt. Doch bevor aufgrund einer Spende ein bewährtes Produkt durch ein anderes ersetzt wird, sollte der Käufer den monetären Wert der guten Tat hinterfragen. Wird er verschleiert, liegt zumindest eine moralische Verbrauchertäuschung vor. Allgemeine, nicht quantifizierbare Versprechen sind stets ein Warnsignal. »1 Liter trinken und 10 Liter spenden« zählt ebenso dazu wie »einen Quadratmeter Regenwald schützen«. Nur wenn klar benannt wird, wie hoch die indirekte Spende ausfällt, kann eine rationale Entscheidung für das eine oder andere Produkt getroffen werden. Unabhängig davon: Eines können und dürfen die Minispenden niemals ersetzen: die direkte Zuwendung an eine Organisation Ihres Vertrauens.

Grundsätzlich ist bei sogenannten Sponsoring-Aktionen eine kritische Einstellung zu empfehlen. Häufig werden dem Unterstützer durch die Verbindung mit einer guten Tat völlig überteuerte Produkte angedreht. Gespendet werden die Preisdifferenzen von seriösen Einrichtungen sicher effektiver verwendet.“

9. „Verkaufte Spender: Das gemeine Geschäft mit den Daten“

Ein weiterer wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit gesammelten Spenden ist der Datenschutz. Hiermit beschäftigt sich Kapitel 9. Loipfinger listet in diesem Kapitel bekannt gewordenen Fälle des unerlaubten Handels mit Spenderadress- und Kontodaten auf. Oft sind auch unseriöse Fundraising- und Werbeagenturen beteiligt. Die bei Schwarzen Schafen der Branche angewandten Praktiken und Absprachen können beispielsweise aus zwei Gerichtsurteilen aus Rheinland-Pfalz aus dem Jahre 2011 (S. 240 – 242) ersehen werden.

Zu den nicht zu akzeptierenden Praktiken zählt Loipfinger auch die Kooperation des Bundes der Steuerzahler Deutschland e.V., der mit einem privaten Versicherungsunternehmen kooperiert. Die Versicherung erhält von dem Verein eine Provision je geworbenes Vereinsmitglied (S. 243 – 245).

Als der Plattform CharityWatch anonym ein Datensatz mit über 6.500 Mitgliederanträgen (inkl. Kontoverbindung und Unterschrift) zugespielt wurde, hat Loipfinger getestet, wie die Datenschutzbeauftragten auf diesen Missbrauch reagieren würden. Die Reaktion der angesprochenen Datenschutzbeauftragten war eher dürftig (S. 246 – 248).

Das Resümee zu Kapitel 9 lautet: „Selbst wenn sich jemand den Anstrich gemeinnütziger Absichten gibt, preisgeben sollte man immer nur die unbedingt notwendigen Daten. Bei Unterschriftenaktionen reichen Name und Ort ohne genaue Adresse. Kontodaten und Telefonnummern sind nur bei festen Mitgliedschaften oder Dauerspendeaufträgen per Einzugsermächtigung gerechtfertigt. Dann ist aber vorher (!) auf jeden Fall die Seriosität der zu unterstützenden Organisation genau zu prüfen.

Bei ungerechtfertigten Kontoabbuchungen muss der Geschädigte auf jeden Fall Anzeige erstatten. Um keine Abbuchungen zu übersehen, sollten Sie regelmäßig ihre Kontoauszüge überprüfen. Dabei ist unbedingt auf die Anzahl der Abbuchungen und die exakte Namensbezeichnung des Abbuchenden zu achten. Betrügerisch arbeitende Vereine wählen gerne einen ähnlich klingenden Namen, damit der Unterschied auf den ersten Blick nicht auffällt. Nicht selten werden Beträge zudem doppelt eingezogen. Bei einem EDV-Fehler würde das Geld nach ein paar Tagen automatisch – ohne Aufforderung – zurück überwiesen werden.

Laut Paragraph 34 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) hat jeder ein Recht darauf zu erfahren, welche Daten über ihn gespeichert sind. Der Betroffene kann Auskunft über die Datenquelle, die Empfänger der Daten und den Zweck der Speicherung verlangen. Dieser Anspruch ist grundsätzlich kostenlos zu erfüllen und kann im Zweifel sogar mit einer Auskunftsklage durchgesetzt werden. Außerdem kann einer weiteren Nutzung der Daten widersprochen werden.

Wer noch einen Schritt weiter gehen will, trägt sich in die Robinson-Listen ein. Die angeschlossenen Dialogmarketing-Firmen senden dann keine Werbeschreiben mehr zu. Allerdings ist der kostenlose Eintrag nicht verbindlich, weshalb nicht angeschlossene Unternehmen weiterhin unerwünschte Werbepost verschicken.“

10. „Schlaraffia statt Afrika: Entwicklungshilfegelder für bundesdeutsche Politiker“

Mit Kapitel 10 enden die Darstellungen Loipfingers. In diesem Kapitel untersucht der Verfasser, wie mit staatlichen Entwicklungshilfegeldern umgegangen wird. Dieses Thema ist ein Randthema zum Schwerpunktthema des Buches „Die Spendenmafia“.

Zunächst bewertet Loipfinger es kritisch, dass 35 % der Bundestagsabgeordneten eine Vorstands- bzw. Leitungsfunktion in einem Hilfsunternehmen innehaben. Quelle für diese Angabe ist eine Recherche des Magazins „Stern“ im Jahre 2011. Darüber hinaus weist er darauf hin, dass die Diakonie und die Caritas in Deutschland insgesamt 435.000 bzw. 500.000 Angestellte beschäftigen. Aus beiden Angaben zieht Loipfinger die Vermutung, dass es diese „möglicherweise“ gewichtigen Argumente seien, „aufkommende Reform- und Transparenzbemühungen im Keim zu ersticken“ (S. 252).

Loipfinger stellt die Frage, ob aus dieser Verquickung eine ungerechtfertigte Bevorteilung von Vereinen der Freien Wohlfahrt bei der Verteilung von staatlichen Entwicklungshilfegeldern ergeben würde. Zu seinem Erstaunen stellt er jedoch fest, dass 40% der 2007 verteilten Zuschüsse an parteinahe Stiftungen ausgereicht wurden. Zudem wurde ein gewerkschaftsnahes Bildungswerk bedacht. Bei der Einsichtnahme in die Verwendungsprüfungen ermittelt er eine Vielzahl von festgestellten Defiziten, die jedoch nicht zu Rückforderungen für die Vergangenheit bzw. Mittelkürzungen in den Folgejahren führten (S. 254 – 260). Loipfinger belässt es bei diesen exemplarischen Ausführungen und verweist auf weitergehende Untersuchungen einer holländischen Kollegin, die die Hilfsgeldzahlungen auf internationaler Ebene zum Gegenstand ihrer Recherchen gemacht hat (Linda Polman, vgl. S. 262 f).

Loipfinger führt im Übrigen mit dieser Recherche vor, welche Auskünfte man von der staatlichen Verwaltung erhalten kann, wenn man sich auf die neue gesetzliche Regelung zur Informationspflicht der Verwaltung (das 2006 in Kraft getretene Informationsfreiheitsgesetz) beruft.

Dieses Kapitel weist kein Resümee auf, das hier wiedergegeben werden kann.

Nachwort

Es folgen ein Nachwort und eine Danksagung. Im Nachwortfordert Loipfinger, dass die bestehenden gesetzlichen Lücken geschlossen werden müssten. Wirksamer als eine Wiederinkraftsetzung der Landessammlungsgesetze sei es, eine bundesweit zuständige Kontrollinstanz zu schaffen. Oder die bereits tätige Stiftung Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) mit höheren Kompetenzen ähnlich der Stiftung Warentest auszustatten. Darüber hinaus fordert er eine breite gesellschaftliche und politische Debatte über die Strukturen und Probleme im Spendenbereich.

Als nicht betrachtete Bereiche benennt Loipfinger schließlich noch den Bereich der Vergabe von Bußgeldern durch Gerichte. Ebenso wie für Spenden und öffentliche Gelder sollen die Mittel effektiver eingesetzt und keinesfalls gekürzt werden.

Mit folgenden Forderungen schließt Loipfinger (wiedergegeben wird der Wortlaut als Zitat):

1. „In einer öffentlichen Diskussion muss bei Vereinsmitgliedern und Spendern die Sensibilität für den leider in großem Stil vorkommenden Missbrauch von Unterstützungsgeldern geschärft werden. Im ersten Schritt ist es nicht notwendig, den Non-Profit-Organisationen mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Entscheidend ist vielmehr, dass die jedes Jahr aufs Neue geleisteten Überweisungen an die richtigen Empfänger gehen. Bereits ein solcher Umverteilungsprozess erhöht die echten Hilfeleistungen deutlich.“

2. „Ein wichtiger Aspekt, um einen ehrlichen Wettbewerb zwischen den Spendenorganisationen zu unterstützen, wäre die Schaffung von mehr Transparenz. Dazu ist nur das bestehende Gesetz zur Veröffentlichungspflicht von Jahresabschlüssen für Kapitalgesellschaften auf Vereine und Stiftungen zu erweitern. Wie in Großbritannien oder den USA üblich, sollten Non-Profit-Organisationen ab einer bestimmten Größe öffentlich über die Zusammensetzung der Einnahmen und Ausgaben informieren müssen. Unter www.spendenpetitionen.de können sich alle, die diese Forderung gegenüber der Politik unterstützen und ihr Nachdruck verleihen wollen, kostenlos und unverbindlich in eine Liste eintragen, die bei den einzelnen Regierungen der Länder und des Bundes Vorschriften für Mindesttransparenz einfordert. Wichtig: Es geht nicht um den Aufbau hoher bürokratischer Hürden, die ehrenamtliches Engagement bremsen. Erst ab 30 000 Euro Jahreseinnahmen sollten Vereine und Stiftungen zur Veröffentlichung ihrer Einnahmen und Ausgaben verpflichtet werden. In anderen Ländern ist dies längst gängige Praxis und trägt dazu bei, dass mehr Geld bei den wirklich gemeinnützigen Zwecken ankommt.“

3. „Da es unabhängig von den vorgenannten Forderungen trotzdem weiterhin schwarze Schafe geben wird, sollte es bundesweit zur Einrichtung von Behörden wie die für Rheinland-Pfalz tätige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) kommen. Bei besonders krassen Missbrauchsfällen schützen sie hilfsbereite Menschen nur durch amtliche Sammlungsverbote. Dazu ergänzend oder alternativ wäre die Erweiterung der Kompetenzen des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) wichtig. Der in der Satzung ohnehin schon definierte Verbraucherschutzauftrag muss dringend durch ausgesprochene Warnungen mit Leben gefüllt werden. Um diesen Auftrag entsprechend zu erfüllen und im Zweifel rechtlich vertreten zu können, ist das DZI mit mehr Mitteln auszustatten. Wenn beispielsweise der Freistaat Bayern das DZI jährlich mit lächerlichen 600 Euro unterstützt und gleichzeitig die Abschaffung des Sammlungsgesetzes in erster Linie mit der Arbeit des Instituts begründet, zeigt das die Schizophrenie der Argumentation sehr deutlich.“

Diskussion

Loipfinger ist zuzustimmen in seiner Feststellung, dass viele Spender und Prominente, die Spendensammler unterstützen, gar nicht wissen, dass es in Deutschland keine Kontrollbehörde für Vereine und Stiftungen gibt, die im Spenderinteresse die Geldverwendung und das Finanzgebaren prüft. Für seriöse Organisationen ist der Wunsch nach Transparenz zum Vermögen und zu den Finanzen kein Problem: Sie berichten offenherzig über die eingeworbenen Gelder und die Mittelverwendung. Diese verdienen es – so Loipfinger – finanziell unterstützt zu werden. „Wie wunderbar wäre es, könnten die jährlich gespendeten Milliardenbeträge von den unseriösen zu den unterstützenswerten Vereinen und Stiftungen fließen.“ (S. 112)

Vom Duktus her ist die Darstellung mitunter sehr journalistisch und umgangssprachlich gehalten. Dadurch entsteht zwar eine leicht lesbare Darstellung der Skandale und Verfahren im Stile der Berichterstattung des „Focus“ bzw. „Spiegels“. Auch die Wahl des Titels „Die Spendenmafia – Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid“ ist durchdrungen vom Stil des investigativen Journalisten, der danach strebt, eine hohe Aufmerksamkeit zu erlangen. Beim Lesen der z.T. haarsträubenden Missbrauchsfälle, bei denen ein „Amigo-Netzwerk“ von Freunden bzw. ein Familienclan für die undurchsichtigen Mitgliedschafts-, Gesellschafter-, Geschäftsführungs- und Aufsichtsstrukturen verantwortlich ist, sträuben sich einem tatsächlich die Nackenhaare.

Wer sich einen Überblick über die größten Spendenskandale in den letzten 30 Jahren oder den aktuellen Stand der Transparenzdebatte verschaffen will, kann das Buch Spendenmafia von Stefan Loipfinger als Informationsquelle sicherlich gut nutzen. Neben überhöhten Gehaltszahlungen enthält die detaillierte Sammlung des Verfassers etliche Auswüchse der unangemessenen betrieblichen Ausgaben „Villen, Nobelautos, Yachten, Traumschiff-Ambiente und Luxusleben (S. 214)“

Allerdings leidet unter diesem Stil mitunter die Fachlichkeit. Etwa wenn die fachlich korrekte Auskunft der Finanzveraltung zu den nicht angemessenen Verwaltungskosten (Antwort auf die kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen) durch den Kakao gezogen wird (S. 37 – 38).

Negativ anzukreiden ist, dass zwar thematisch die einzelnen Fälle gesammelt werden, die Systematik und Stringenz einer wissenschaftlichen Abhandlung aber nicht erreicht wird. Zudem ist die Aneinanderreihung von Skandalen und Missbrauchsfällen irgendwann für den Leser (und Rezensenten) ermüdend. Zudem erschwert der investigative journalistische Stil die Analyse, jedenfalls für den Leser, der sich ein objektives Bild der Lage auf dem Spendenmarkt verschaffen möchte. In Fachzeitschriften oder fachlichen Kommentaren wird das Buch von Loipfinger nur einen beschränkten Eingang finden.

Dies ist zu bedauern, denn etliche Hinweise haben es verdient, mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu gelangen:

  • Als Hinweis zum Schutz vor unseriösen Spendensammlern wird die Aufforderung genannt (S. 104), dass der Spendensammler doch bitte den letzten Finanzbericht vorlegen soll. Aus der Analyse der dort enthaltenen konkreten Zahlen und detaillierten Informationen zur Spendenverwendung kann jeder potentielle Spender die erforderlichen Informationen ziehen. Jedenfalls dann, wenn die Berichte aussagekräftig und zutreffend sind.
  • Für den Spender erforderlich sei eine konkrete Kennzahl, die von der Organisation verlangt werden sollte: Loipfinger schlägt vor, dass der potentielle Spender folgendes fragt: Wie viel ? kommen von einer 100 ? Spende beim satzungsmäßig Begünstigten an?
  • Zu achten ist darauf, dass die von der Spendenorganisation beauftragten Steuerberater und Wirtschaftsprüfer fachlich seriöse und aussagekräftige Finanzberichte erstellen bzw. prüfen.
  • Vorsicht ist geboten, wenn Drückerkolonnen eingesetzt werden oder wenn Bettelbriefe mit bedrängender Werbung verwendet wird (S. 130). Gleiches gilt bei „Information über eine Krankheit“?(S. 172)
  • Warnsignale ergeben sich aus nebulös gehaltenen Rechenschaftsberichten, bei fehlenden konkreten Zahlenangaben, oberflächliche Beschreibungen, Worthülsen, Insichgeschäfte usw. (S. 212)
  • Ebenfalls bedenklich sind fehlende Kontrollen durch unabhängige Gremien (S. 214), die einen Missbrauch verhindern könnten.
  • Achtung auch bei Verdacht auf ein Spendenkarussell: Einnahmen werden an andere befreundete Organisationen weitergegeben und erhöhen dort die Bezugsgröße für die Verwaltungsausgaben (S. 159), verstärkt wird dieser Effekt durch den geschickten Einsatz von Sachspenden (S. 177).
  • Besonderes Augenmerk ist bei unentgeltlichen Sachspenden (Trösterteddy an Kindern in Kliniken, Fußbälle oder Warnwesten für Schulen, Tierfutter für Tierheime) geboten, weil hier Fälle bekannt geworden sind, bei denen der Spender einen völlig überhöhten Preis für das Geschenk bezahlen muss. Und der Initiator der Aktion an der hohen Handelsspanne übermäßig verdient (S. 223 ff) bzw. sich die zu verschenkenden Waren mehrfach sponsern lässt.

Zusammenfassend kritisiert Loipfinger den fehlenden gesellschaftlichen Willen, die Missstände im Spendenbereich aufzudecken. Es fehlt darüber hinaus an Gesetzen bzw. Sammlungsgesetze in den meisten Bundesländern wurden im Rahmen einer Deregulierung abgeschafft. Notwendige Kontrollen, um die mit immer ausgefeilteren Methoden arbeitenden „Schwarzen Schafe“ zu enttarnen, finden nicht statt. Es fehlt an Personal in den überlasteten Staatsanwaltschaften (S. 214 / 215).

Die aufgedeckten Missbrauchsfälle stammen zum allergrößten Teil von der einzigen Kontrollstelle für Spenden sammelnde Organisationen, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier (ADD). Diese ist jedoch nur für das Bundesland Rheinland-Pfalz tätig. In allen anderen Bundesländern (und auch nicht auf Bundesebene) besteht keine entsprechende Kontrollbehörde. Das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen in Berlin (DZI) vergibt das Spendensiegel, das jedoch nur auf Antrag und Initiative der einzelnen Organisation. Weitere Quelle für Loipfingers Recherchen sind Gerichtsurteile gegen Spendenbetrüger und anonyme Meldungen von Insidern (z.B. sog. „Schwarzbuch“ der Mitarbeiter einer Tierschutzorganisation). Schließlich stammen etliche aufgedeckte Fälle auch aus der eigenen Recherchetätigkeit, die Loipfinger für die Internetplattform CharityWatch vorgenommen hat.

Die mitunter heftige Kritik an den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern, die diese Berichte erstellen bzw. prüfen, mag im Einzelfall, bei dem sich eine Mitwirkung an einer Fehlgestaltung und Verschleierung ergeben hat, berechtigt sein. Generell wird ein Spender jedoch nicht ohne die Unterstützung von sachverständigen Experten für die Berichterstattung und von unabhängigen, professionellen Prüfern auskommen können. In der weitaus überwiegenden Zahl arbeiten die Wirtschaftsprüfer gemeinnütziger Organisationen hoch professionell und helfen den Aufsichtsgremien und Spendern, sich ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu schaffen. Mangelnde rechtliche Vorschriften zur Pflichtprüfung und Pflichtpublizität für Vereine und Stiftungen können nicht dem genannten Berufsstand angelastet werden!

Loipfingers provokante These lautet in diesem Zusammenhang: Die in Deutschland geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen können geradezu als Einladung zum Betrug angesehen werden. Der Spendenmarkt ziehe daher „Betrüger wie das Licht die Motten an“ (S. 215).

Passagen zur Einführung von mit Drogen präparierten Tieren und Tierschutzheimen sind so abstrus, dass man sie nicht glauben mag. Sie beruhen auf Recherchen einer Mitarbeiterin,

Karin Burger, die für CharityWatch.de zwei Jahre lang über Tierschutzthemen berichtete. Ihre Recherchen werden weiterhin auf ihrer Homepage www.doggennetz.de einzusehen sein.

Wenn man die Herkunft der aufgedeckten Missbrauchsfälle analysiert, fällt auf, dass nur wenige Skandalfälle aus dem kirchlichen Bereich der Freien Wohlfahrt (Deutscher Caritas Verband und Diakonisches Werk) und dem übrigen Bereich der Freien Wohlfahrt (Deutsches Rotes Kreuz, Paritäter usw.) aufgezählt werden. Hier ist aus jüngster Zeit insbesondere an den Skandal bei der Berliner Treberhilfe zu denken. Loipfinger gibt auf den Seiten 201 und 202 nur die in der Presse genannten Vorwürfe ohne tiefere Analyse wieder. Die Gerichtsurteile und das Agieren des Landesverbands der Diakonie und der Mitarbeiter bleiben unerwähnt.

Kritikwürdige Umstände innerhalb der verfassten Kirche sind bei Loipfinger ebenfalls nicht anzutreffen. In Kapitel 2 berichtet er von mangelnder Transparenz und „Spendertäuschung“ bei einem Verein namens „Christliches Kinderhilfswerk Deutschland e.V. (CHILD). Nach kritischen Rückfragen zu Abweichungen in der eigenen Darstellung der Verwaltungskosten- und Akquisitionsaufwandsquote (sie wurden für 2008 mit 6,4% und 4,3% angegeben, obwohl das DZI eine Größenordnung von 20 – 35% ermittelt hat) und zu personellen Verflechtungen des Geschäftsführers mit dem hinter dem e.V. stehenden Missionswerk, wurde der Verein aufgelöst und in das Missionswerk integriert. Allerdings beantwortet auch dieser Träger nicht alle Fragen Loipfingers zu seiner vollständigen Zufriedenheit.

Insoweit hat das Buch eine andere Stossrichtung als das tendenziöse Buch von Carsten Frerk (2011), vgl. www.socialnet.de/rezensionen/10571.php, nämlich die Machenschaften von privaten Betrügern, die unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit in die eigene Tasche wirtschaften. Den gemeinnützigen Organisationen aus dem caritativen und kirchlichen Bereich kann es eigentlich nur Recht sein, wenn bei den Spendern der Blick geschärft wird, an wen denn tatsächlich die Spenden gezahlt wird.

Ob das Buch „Die Spendenmafia“ allerdings als Kollateralschaden dazu führen wird, dass auch die seriösen gemeinnützigen Träger weniger Spenden erhalten werden, ist abzuwarten. Den caritativen und kirchlichen Einrichtungen kann nur geraten werden, offensiv die Instrumente der Transparenz und Publizität zu nutzen, um für das Vertrauen der Spender und ehrenamtlichen Unterstützer zu werben.

Fazit

Loipfinger bezeichnet mit dem Titel „Spendenmafia“ die unseriösen Machenschaften von einigen Spenden sammelnden Organisationen (Vereine, Stiftungen, gGmbH). Der Titel ist reißerisch, nach Lesen der vielen, akribisch zusammen getragenen Skandale und unlauteren Machenschaften, die oft auf familiäre oder „Amigostrukturen“ zurückgehen, wird die Wahl des Titels verständlich.

Loipfinger recherchiert für sein Buch problematische und skandalöse Fälle aus der Spendenwerbung. Ihm geht es nicht um eine objektive Darstellung des Spendenmarktes. Er selber will – wie er mehrfach ausführt – nicht bewirken, dass die Zahl der Spenden zurückgeht, sondern nur die Spenden an die richtigen Einrichtungen lenken.

Quelle seiner aufgedeckten Fälle sind die Feststellungen der rheinland-pfälzischen Aufsichtsbehörde, der veröffentlichten Gerichtsurteile sowie vom DZI.


Rezension von
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 09.05.2012 zu: Stefan Loipfinger: Die Spendenmafia. Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid. Droemer Knaur (München) 2011. ISBN 978-3-426-78498-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12970.php, Datum des Zugriffs 28.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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