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Klaus Wolf: Sozialpädagogische Interventionen in Familien

Cover Klaus Wolf: Sozialpädagogische Interventionen in Familien. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. 250 Seiten. ISBN 978-3-7799-2680-1. 19,95 EUR, CH: 30,50 sFr.

Reihe: Basistexte Erziehungshilfen.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-7799-2689-4 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Ausgangspunkt für dieses Buch ist die Frage, was Kinder benötigen, um sich gut zu entwickeln. Von daher thematisiert der Autor Grundbedürfnisse von Kindern und bestimmt günstige und eher ungünstige Entwicklungsbedingungen.

Autor

Klaus Wolf ist Professor für Sozialpädagogik an der Universität Siegen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich nach einer kurzen Einleitung in weitere sechs Kapitel.

Das zweite Kapitel thematisiert heutige Lebens- und Entwicklungsbedingungen und greift sehr anschaulich auf, was Kinder für eine gute Entwicklung benötigen. In einem großen Bogen über Rousseau, Kellmer Pringle und Brazelton stellt Wolf vitale Entwicklungsbedürfnisse von Kindern vor und verdichtet diese zu einer Bedürfnispyramide (S. 36).

Das dritte Kapitel fokussiert auf eine Ressourcen-Belastungs-Balance. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass Kinder nicht nur vitale Entwicklungsbedürfnisse haben, sondern während ihrer Entwicklung Entwicklungsaufgaben bewältigen müssen. Wie gut ein Kind die gesellschaftlich geforderten Entwicklungsaufgaben bewältigen kann, hängt nicht alleine von seinen individuellen Stärken ab, sondern wir maßgeblich durch sozio-ökonomischen und sozio-emotionalen Bedingungen in seiner sozialen Umgebung beeinflusst. Das Verhältnis der Verfügungsmöglichkeiten über soziale und kulturelle Ressourcen sowie der gegebenen Belastungen entscheiden maßgeblich über den individuellen Entwicklungsverlauf.

Im vierten Kapitel beschäftigt sich Wolf mit sozialpädagogischen Interventionen. Mit Bezug auf das Kinder- und Jugendhilfegesetz stellt er sowohl juristische als auch eine sozialpädagogische Legitimation für Interventionen vor, die auf dem grundlegenden Recht von Kindern und Jugendlichen auf Erziehung und Entwicklung beruhen. Darauf basierend entwickelt er eine Grundstruktur sozialpädagogischer Intervention, die aus den Stationen sozialpädagogische Diagnose, Interventionsplanung, Intervention und Evaluation besteht (S. 71 ff.).

Das fünfte Kapitel greift die Familie als Adressat sozialpädagogischer Interventionen auf und verweist auf die gesellschaftliche Bedeutung von Familien und ihren Leistungen für ihre Mitglieder, wobei der Autor zentral auf den Beziehungsaspekt fokussiert. Im Anschluss vertieft Wolf zum einen auf Familien in Armut (S. 99 ff.), zum anderen auf Familien mit psychisch kranken Eltern (S. 116 ff.). Wolf problematisiert die bei armen Familien bekannten Mehrfachbelastungen, die längerfristig ungünstigen Folgen für die Kinder und die drohenden Exklusionsrisiken. Das Aufwachsen bei psychisch kranken Eltern wird durch viele anschauliche Fallbeispiele illustriert, so dass Ängste, Schuldgefühle, Wut und andere unangenehme Gefühle bei Kindern und Jugendlichen gut nachvollzogen werden können. Wolf verweist auf die eingeschränkten sozialen Netzwerke, Normalisierungszweifel und Stigmatisierungen, betont in diesem Zusammenhang nochmals die Bedeutung des Umgangs mit Ressourcen.

Das sechste Kapitel bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Buches, da es hier darum geht, Veränderung der Familie als Interventionsziel zu verstehen. Aus den vielen Arbeitsfeldern der Kinder- Jugend- und Familienhilfe wählt er für seine Ausführungen die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) nach § 31 SGB VIII, welche eine wichtige Form aufsuchender Familienarbeit darstellt. Er beschreibt die Chancen, die für die Fachkräfte in der Nähe zum Lebensalltag der Klienten liegen, aber auch die Risiken von Interventionen im privaten Lebensfeld. Er räumt dem wichtigen Aspekt sozialer Kontrolle, die häufig zu einer Arbeit im Zwangskontext führt, einen breiten Raum ein. Ansatzweise und daher vielleicht viel zu kurz, wird auf einen „systemischen Blick“ (S. 164) verwiesen, dann aber den persönlichen Beziehungen der Vorrang eingeräumt. Wolf thematisiert hier auch das Spannungsfeld zwischen relativer Autonomie und gegenseitiger Abhängigkeit bei Familie und Fachkraft. Fallbeispiele illustrieren die biografischen Bezüge und individuellen Lerngeschichten. Bei der Beschäftigung der Kombination alltagspraktischer und pädagogischer Hilfen durch die Fachkraft der SPFH greift der Autor die Chancen von Netzwerkarbeit auf und vertieft nochmals das Problem von Kontrolle und Direktiven (S. 215 ff.). Dabei stellt er sechs Voraussetzungen vor, damit soziale Kontrolle eine konstruktive Wirkung entfalten kann.

Im siebten und letzten Kapitel Zusammenfassung und Professionalisierungsgewinne fasst Wolf nochmals verdichtet seine zentralen Aussagen zusammen, die auf Verantwortung, Wertschätzung und Ressourcen beruhen.

Zielgruppen

Das Buch eignet sich für alle Fachkräfte und Studierende, zu deren Aufgaben oder Perspektive eine professionelle Arbeit mit Eltern gehört. Ihnen kann dieses Buch wertvolle Denkanstöße und Reflexionshilfen bieten.

Fazit

Es ist ein sehr lesenswertes Buch, welches verständlich und engagiert geschrieben ist. Es wird deutlich, dass hier jemand schreibt, der Wissen über und Einblick in dieses konkrete Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit hat. In leichter Abwandlung kann der letzte Satz des Buches angeführt werden: Möge dieses Buch in die Hände von anständigen und kompetenten Leuten fallen, zu deren Aufgaben es gehört, Menschen in schwierigen Lebensverhältnissen auf gute Weise zu helfen.


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 19.06.2012 zu: Klaus Wolf: Sozialpädagogische Interventionen in Familien. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. ISBN 978-3-7799-2680-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12990.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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