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Uwe Sandfuchs, Wolfgang Melzer u.a. (Hrsg.): Handbuch Erziehung

Cover Uwe Sandfuchs, Wolfgang Melzer, Bernd Dühlmeier, Adly Rausch (Hrsg.): Handbuch Erziehung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2012. 734 Seiten. ISBN 978-3-8252-8488-6. D: 39,99 EUR, A: 41,20 EUR, CH: 53,90 sFr.

Reihe: UTB L (Large-Format).
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Thema

Nach dem zwischen 2008 und 2009 erschienenen Bänden des im Auftrag der „Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft“ im Schöningh-Verlag herausgegebenen „Handbuchs der Erziehungswissenschaft“ ist mit dem „Handbuch Erziehung“ in kurzer Zeit das zweite, diesmal einbändige Handbuch der Pädagogik vorgelegt worden. Es enthält 133 Beiträge von ca. 150 Autorinnen und Autoren und richtet sich an Studierende, Wissenschaftler und Praktiker.

Herausgeber und Herausgeberin

Die Herausgeber des Handbuchs sind mehrheitlich Vertreter des Instituts für Schulpädagogik und Grundschulpädagogik der Technischen Universität Dresden. Dr. Uwe Sandfuchs und Dr. Wolfgang Melzer sind dort Professoren für Grundschulpädagogik und Schulpädagogik. Dr. Bernd Dühlmeier ist am Institut als Privatdozent für Schulpädagogik tätig, vertritt derzeit aber eine Professur an der Universität Leipzig. DDr. Adly Rausch wirkt als Professorin für Pädagogische Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Uwe Sandfuchs ist zugleich Mitherausgeber des im selben Verlag 2006 erstmals erschienenen Handbuchs Unterricht.

Aufbau

Das Handbuch ist in sechs Hauptkapitel gegliedert. Zwei Kapitel beziehen sich, mal mehr abstrakt (Kap. 1: „Grundbegriffe und Grundlagen“), mal mehr konkret (Kap. 5: „Mittel, Methoden und Maßnahmen“) direkt auf die Erziehung selbst oder deren Theorie. Kap. 2 („Individuum, Gesellschaft und Recht“) weist die thematisch breiteste Streuung auf. Die restlichen Kapitel beziehen sich auf „Institutionen“ (Kap. 3) und „Ausgewählte Inhalte und Anwendungsfelder der Erziehung“ (Kap. 6) auf der einen, „Adressaten und Personal“ (Kap. 4) auf der anderen Seite. Ein Sach- und ein Autorenregister beschließen das Buch.

Die einzelnen Beiträge stellen den „aktuellen Forschungs- und Diskussionsstand“ dar und, soweit nötig und möglich, „historische Entwicklungen“, „internationale Perspektiven“ und „empirische Befunde“. „Kontroversen in der Theoriediskussion und zur Erziehungspraxis“ (14) werden berücksichtigt.

Die Herausgeber legen ihrem Band einen „weiten Erziehungsbegriff“ zugrunde und zielen eine „umfassende Darstellung der Theorie und Praxis der schulischen, außerschulischen und familialen Erziehung“ (14) an.

Grundbegriffe und Grundlagen

Es werden zunächst in einzelnen Beiträgen weitere einschlägige Grundbegriffe zur Erziehung in Beziehung gesetzt: Bildung, Sozialisation, Lernen, Unterricht und, als jüngster Begriff, Kompetenzerwerb. Zwei Texte koppeln Erziehung an den Befähigungsansatz (Capability Approach) und ordnen sie in die Wissensgesellschaft ein.

Grundlagen schaffen die verschiedensten Disziplinen, die neben der Erziehungswissenschaft und ihren historischen und aktuellen Erziehungstheorien (auch) „Erziehung als Gegenstand“ betrachten: Die pädagogischen Teildisziplinen der Sonder- und Heilpädagogik, Sozialpädagogik, Schulpädagogik, Erwachsenenbildung und Vergleichenden Erziehungswissenschaft, die Nachbardisziplinen der Pädagogischen Psychologie und Erziehungssoziologie auf der einen, der Anthropologie, Rechtswissenschaft, Medizin und Kriminologie auf der anderen Seite. Diesen Disziplinen und Theorien sind jeweils eigene Beiträge gewidmet.

Individuum, Gesellschaft und Recht

Während nur ein Teil der Beiträge in diesem Kapitel dem Individuum (Persönlichkeitsentwicklung; Erziehung im Lebenslauf: Elementarerziehung, Schulalter, Jugendalter, Erwachsenenalter, Lebenslanges Lernen), der Gesellschaft (Gesellschaftliche Funktionen) und dem Recht (Erziehung und Recht) gilt, beziehen sich die anderen Texte auf grundlegende Aspekte der Erziehung selbst: Bildsamkeit – Erziehungsbedürftigkeit, das pädagogische Verhältnis, Selbstständigkeit als Ziel der Erziehung, Erziehungsziele und Erziehungsstile.

Institutionen

19 Beiträge sind in diesem Kapitel der Schule gewidmet, vier der Familie, vier der Jugendhilfe und zwei den (Kinder-) Tageseinrichtungen. Unter dem Untertitel „Weitere Institutionen“ finden sich noch einmal vier Texte zur Erwachsenenbildung und jeweils einer zu Beratungsstellen, Religionsgemeinschaften und Vereinen. Ein Beitrag zu „Rechtlichen Aspekten des Handelns in Institutionen“ schließt das Kapitel ab.

Adressaten und Personal

Die Adressaten werden allgemein nach Lebensalter (Kinder im elementarpädagogischen Alter, im Schulalter, Jugendliche) und nach Migrationshintergrund thematisiert und dann, in 11 Beiträgen, nach „ausgewählten Problemlagen der Adressaten“: psychischen Störungen verschiedenster Art (8x), Behinderungen/chronischen Erkrankungen und Erziehungsschwierigkeiten.

Neben den nichtprofessionellen Erzieherinnen und Erziehern, den „Eltern - Familienmitgliedern – Personen im sozialen Netzwerk“ und den „Peergroups“, sind insbesondere die professionellen Erzieher bzw. das Personal Thema von Beiträgen: spezifisch (Erzieher, Lehrer, Erwachsenenbildner, Psychologen, Sozialarbeiter und Erziehungsberater). Fünf Beiträge greifen „Kompetenzen und Problemlagen des Personals“ auf, ein abschließendes „Rechte von Kindern, Eltern und Lehrkräften“.

Mittel, Methoden und Maßnahmen

Unter Mitteln der Erziehung verstehen die Herausgeber situative (förderliche Umgebung) und personale (Konsequenz, Vorbild, Autorität, Anerkennung/Wertschätzung, Empathie, Höflichkeit) Bedingungen, direkte (Belohnung und Bestrafung, Überbehütung und Verwöhnung) und indirekte Prozesse (Arbeit, Spiel, Wettbewerb). Als Methoden und Maßnahmen gelten die pädagogisch-psychologische Diagnostik, Beratung, Kooperation, professionelle Lerngemeinschaften als Unterstützungssysteme, Kommunikation und Gespräch, Prävention und Intervention.

Ausgewählte Inhalte und Anwendungsfelder der Erziehungsarbeit

Die letzten Beiträge des Handbuchs Erziehung greifen Bereiche der Erziehung auf. In psychischer Hinsicht sind es kognitive, soziale und emotionale Kompetenzen, in inhaltlicher Hinsicht Werte-, Leistungs-, religiöse, politische, Medien-, interkulturelle, geschlechtergerechte, sexuelle, ästhetische, Gesundheits- und Umwelterziehung.

Diskussion

Bei 133 Beiträgen ist es unmöglich, im Rahmen einer Besprechung die einzelnen Texte zu besprechen. Es kann nur bei Bemerkungen zur Anlage des Handbuchs bleiben. Es werden viele Aspekte der Erziehung thematisiert, ohne eine Systematik herzuleiten oder die mit den Kapiteln gegebene zu explizieren und zu begründen. Sicherlich lassen sich im ein oder anderen Kapitel thematische Lücken identifizieren. Da eine Vollständigkeit kaum zu erzielen ist und sich die dem Rezensenten offensichtlichen Leerstellen in Grenzen halten, ist das kein Manko. Mit der großen Anzahl an Beiträgen ist die Kürze ihrer Ausarbeitung verbunden. Diese relative Kürze ist, so scheint mir, ein Gewinn. Dadurch mussten die einzelnen Texte konzentriert verfasst werden und gerieten nicht in die Gefahr der Weitschweifigkeit.

Fazit

Ein kompaktes, breit gestreutes Handbuch mit relativ kurzen Beiträgen: zur ersten Orientierung sehr geeignet.


Rezension von
Prof. Dr. Ulrich Papenkort
Professur für Pädagogik an der Katholischen Hochschule Mainz
Homepage www.kh-mz.de/hochschule/ansprechpartner-innen/lehre ...
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Zitiervorschlag
Ulrich Papenkort. Rezension vom 16.07.2012 zu: Uwe Sandfuchs, Wolfgang Melzer, Bernd Dühlmeier, Adly Rausch (Hrsg.): Handbuch Erziehung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2012. ISBN 978-3-8252-8488-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13015.php, Datum des Zugriffs 18.01.2021.


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