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Werner Thole, Davina Höblich u.a.: Taschenwörterbuch Soziale Arbeit

Cover Werner Thole, Davina Höblich, Sabina Ahmed: Taschenwörterbuch Soziale Arbeit. UTB (Stuttgart) 2012. 320 Seiten. ISBN 978-3-8252-3655-7. D: 17,99 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 24,90 sFr.

Reihe: UTB S (Small-Format).

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-4271-8 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thematischer Rahmen

Die Situation ist (nicht nur Studierenden, aber ihnen insbesondere) wohlvertraut: In einem Arbeitszusammenhang (oder einer Lehrveranstaltung) fällt ein Fachbegriff, der nicht sogleich eingeordnet werden kann; ein schneller Blick in ein nicht allzu voluminöses Nachschlagewerk, eben ein Taschenwörterbuch, ist dann „Gold wert“. Damit ist der Rahmen angedeutet, in dem sich das vorliegenden „Taschenwörterbuch Soziale Arbeit“ von Thole, Höblich und Ahmed bewegen wird: Hier ist eine Publikation vorgelegt worden, die in diesem (und anderen Fällen) schnelle Abhilfe verspricht.

Herausgeberinnen und Herausgeber:

Dr. Werner Thole ist Dipl.-Pädagoge und Dipl.-Sozialpädage und lehrt als Professor an der Universität Kassel am dortigen Institut für Sozialpädagogik Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Soziale Arbeit und außerschulische Bildung. Wesentliche Beiträge jüngeren Datums sind zum Beispiel der von ihm herausgegebene Sammelband „Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch“, Wiesbaden 2010 (siehe die Rezension) und (gemeinsam mit Alexandra Retkowski und Barbara Schäuble) „Sorgende Arrangements. Kinderschutz zwischen Organisation und Familie“, Wiesbaden 2011 (siehe die Rezension).

Die beiden Mitherausgeberinnen haben in der Vergangenheit eng mit Werner Thole zusammen gearbeitet: Dr. Davina Höblich Ist Professorin an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden und lehrt dort Soziale Arbeit mit den Schwerpunkten Bildung, Ethik, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Sie war von 2005 bis 2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Thole, die Dipl.-Pädagogin Sarina Ahmed dort 2007/2008. Ahmed ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Sozialpädagogik der Freien Universität Berlin und Promovendin am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen (Mitglied der Nachwuchsforschergruppe „Durchlässigkeit und Chancengleichheit im Bildungssystem“, angesiedelt mit dem Dissertationsprojekt: „Bildungsbiografien sog. sozial benachteiligter junger Frauen und Männer“ bei Barbara Stauber, Universität Tübingen). Beide haben den Band „Theoriereflexionen zur Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Brücken und Grenzgänge“, Baltmannsweiler 2010 (siehe die Rezension), herausgegeben.

Aufbau und Inhalt

330 Stichworte zur Geschichte der Sozialen Arbeit, ihren Praxis- und Arbeitsfeldern, Methoden und theoretischen Grundlagen, Grundsätzen und Handlungsorientierungen, rechtlichen Rahmungen, institutionellem Gefüge und politischen Bedingungen liegen vor, verfasst von 160 Autorinnen und Autoren mehrheitlich aus universitären bzw. universitätsnahen Kontexten.

In der Regel handelt es sich dabei Beiträge mit einer Länge bis zu einer Seite, nur wenige Beiträge übersteigen einen Umfang von zwei Druckseiten; diese Form, das zeigen viele Stichworte, muss dabei nicht zu Lasten der Qualität der Beiträge gehen: Se gelingt es zum Beispiel Hans Thiersch, das (vom ihm freilich prominent vertretene) Stichwort „Lebensweltorientierte Soziale Arbeit“ (S. 185f) auf etwas mehr einer Seite in einer für den Charakter des Bandes umfassenden Weise auszuführen, und auch Wolfgang Schröer vermag zu „Lebensbewältigung“ (S. 182f) auf nur einer Seite alles zur Orientierung Erforderliche beizutragen.

Zahlreiche Kurzbiografien ergänzen die Stichworte, und zwar nicht nur zu „Klassikern“ (z. B. zu Siegfried Bernfeld, S. 35, zu Klaus Mollenhauer, S. 198f, oder zu Johann Heinrich Pestalozzi, S. 217f), sondern auch zu anderen, weniger bekannten, gleichwohl nicht weniger zentralen Akteur/inn/en (z. B. zu Gisela Konopka, S. 176f, zu Hellmuth Lessing, S. 187, oder zu Christa Hasenclever, S. 117), während das Herausgeberkollektiv auf Einträge zum Beispiel zu Jean Jacques Rousseau oder Ellen Key verzichtet hat. Allerdings lässt hierbei der Beitrag zu Hans Muthesius (S. 199) doch die erforderliche kritische Würdigung vermissen; hier ist es nicht damit getan, die (zu spät) erkannte Einbindung in die Entfaltung einer sozial-rassistische Nazi-Fürsorge zu erwähnen, der nach 1945 wieder insbesondere im Deutschen Verein zu Ehren gekommene Muthesius wäre als Prototyp wieder die Wiedereinsetzung der nazistischen Täter im Aufbauprozess der Sozialen Arbeit in Bundesrepublik zu beschreiben gewesen (was der Leser bzw. die Leserin erst dann zu erkennen kann, wenn er oder sie zum Beispiel dem im Literaturverweis genannten Beitrag von Christian Schrapper nachspürt).

Zielgruppen

Der Klinkhardt-Verlag selbst hält sich mit Hinweisen zur Publikation sehr zurück und verweist stattdessen auf Markus Sauerwein, der in der „Erziehungswissenschaftlichen Revue“ (5/2012 vom 12.10.2012) „insbesondere für Studierende der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik“ ausspricht. Dem kann im Kern zugestimmt werden. Studierende werden gut „bedient“, der/die an tiefgängigerer Klärung interessierte Leser/in wird zwar auch nicht „zu kurz“ kommen, nach Lage der Dinge aber gleich auf ausführlichere Handbücher zugreifen.

Diskussion

Solche Vergleiche mit anderen Wörterbüchern und Handlexika zur Sozialen Arbeit liegen nahe, sind aber nicht wirklich angebracht: Mit den einschlägigen Werken – Otto, H.-U., und Thiersch, H. (Hrsg.): Handbuch Soziale Arbeit. Grundlagen der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, 4. Aufl. München 2011 (siehe die Rezension), Dieter Kreft, Ingrid Mielenz (Hrsg.): Wörterbuch Soziale Arbeit. Aufgaben, Praxisfelder, Begriffe und Methoden der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, 6. Aufl. München 2008 (siehe die Rezension) oder Deutscher Verein für öffentliche u. private Fürsorge (Hrsg.): Fachlexikon der sozialen Arbeit, 6. Aufl. Baden-Baden 2007 (siehe die Rezension) - kann der vorliegenden Band nicht mithalten; das freilich soll nicht als Mangel verstanden werden. Das vorliegende Handwörterbuch hilft bei kurzfristigem Klärungsbedarf; intensivere Hilfe bieten die (auch schon vom Volumen) gewichtigeren Werke. Das vorliegend Taschenwörterbuch steht insofern für sich.

Diese besondere Qualität unterstreichen einzelne Beiträge: Das Stichwort „Methoden der Sozialen Arbeit“ (S. 193ff), verfasst noch vom 2011 verstorbenen Michael Galuske, bringt ein so komplexes Begriffsbild auf gerade einmal etwas mehr als zwei Seiten prägnant und in aller Kürze umfassend aus den Punkt, und ist dabei zudem noch animativ, den konzeptionellen Vernetzungen (z. B. zu den klassischen Methoden der Sozialen Arbeit) nachzuspüren. An dieser (und zugleich durchgehend!) wird freilich ein Mangel des Taschenwörterbuchs deutlich: es fehlen im Text angelegte Querverweise (nur nicht näher ausgeführte Begriffe werden aus Erläuterungen an anderer Stelle weiter verwiesen). Insbesondere für die Zielgruppe der an schneller Orientierung interessierten Leserinnen und Leser wird dieser (nicht näher begründete) Verzicht auffallen.

Darüber hinaus fehlt das eine oder andere Stichwort; zum Beispiel wäre jedenfalls ein Beitrag zum Stichwort „Emanzipation“ zwingend erforderlich, und auch zu„(Sozialem) Rassismus“ wären Hinweise erforderlich gewesen. Doppelungen wie die Stichworte „Kindergarten“ und „Tageseinrichtungen für Kinder“ erscheinen entbehrlich. Auch der Beitrag zum „Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst“ (S. 300) könnte schnell veralten. Hin und wieder wäre es ratsam, ein Stichwort (zum Beispiel „Gemeinwesenarbeit“) mit mehr Expertise zu hinterlegen, um nicht Verkürzungen bzw. Ausblendungen (das Stichwort „Quartiersmanagement“ fehlt) zu erliegen.

Fazit

Insgesamt gesehen bilden die Beiträge die Rahmungen, theoretischen und methodischen Aspekte, Arbeits- und Handlungsfelder weitgehend angemessen ab, was sich zum Beispiel in der differenzierten Komposition der Stichworte im Feld der Kinder- und Jugendhilfe – von den Stichworten „Kinder- und Jugendarbeit“ bis „Kindeswohlgefährdung“ sowie „Jugendsozialarbeit“ und anderen – und der Expertise der Autorinnen und Autoren dieser Beiträge äußert, die zumeist in der Kinder- und Jugendhilfe ihren Platz in Lehre, Forschung und zum Teil auch Praxis haben. Details (z. B. der Beitrag zu „Kinder- und Jugendpolitik“, S. 168, der dieses wachsend relevante Feld im Kern auf Kinderrechte und Kinderbeteiligung reduziert) fallen dabei nicht ins Gewicht. Dass auch hin und wieder noch einige weitere erläuternde Ergänzungen (z. B. der Beitrag zur Kinder- und Jugendarbeit von Benedikt Sturzenhecker, S. 155f) wünschenswert gewesen wären, mag mit dem offenkundigen Zwang zur Kürze begründet sein (der Qualität auch dieses Beitrages – und anderer – schadet dies in der Regel nicht).

Der Verlag nennt auf seiner Website das vorliegende Taschenwörterbuch das „ideale Nachschlagewerk für das sozialpädagogische Studium und den Einsatz im Berufsalltag“, und damit wird richtig darauf verwiesen, dass die hier abgebildeten Zugänge doch tendenziell eher (sozial-) pädagogisch geprägt sind. Für den beruflichen Alltag werden die Stichworte nur orientierend bleiben können, der notwendige „Tiefgang“ wird an anderer Stelle zu organisieren sein.

Trotz dieser auch kritischen Hinweise: Der „Taschenbuch Soziale Arbeit“ ist eine wichtige Hilfe insbesondere für Studierende der Sozialen Arbeit, die schnell Antwort auf ebenso schnell auftretende Fragen suchen. Diese Zielgruppe wird sehr gut bedient.


Rezensent
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Hochschule Magdeburg/Stendal
Homepage www.PUWendt.de
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Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 19.12.2012 zu: Werner Thole, Davina Höblich, Sabina Ahmed: Taschenwörterbuch Soziale Arbeit. UTB (Stuttgart) 2012. ISBN 978-3-8252-3655-7. Reihe: UTB S (Small-Format).

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-4271-8 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13016.php, Datum des Zugriffs 21.07.2017.


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