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Utz Schliesky, Sönke Schulz: Transparenz, Partizipation, Kollaboration (Web 2.0)

Rezensiert von Jona Hölderle, 08.05.2012

Cover Utz Schliesky, Sönke Schulz: Transparenz, Partizipation, Kollaboration (Web 2.0) ISBN 978-3-936773-71-2

Utz Schliesky, Sönke Schulz: Transparenz, Partizipation, Kollaboration. Web. 2.0 für die öffentliche Verwaltung. Lorenz-von-Stein-Institut für Verwaltungswissenschaften Uni Kiel (Kiel) 2012. 235 Seiten. ISBN 978-3-936773-71-2. 39,00 EUR.

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Thema

Soziale Medien verändern die Erwartungshaltung der Bürger an die Verwaltung. Doch wie geht die Verwaltung damit um? Wie werden eingespielte Kommunikationsformen angepasst und ein Wandel der Verwaltungskultur eingeleitet? Die Sammlung will Handlungsspielräume für das Web 2.0 in der öffentlichen Verwaltung aufgezeigt und tut dies mit besonderem Fokus auf rechtliche Fragestellungen.

Herausgeber

Die Herausgeber arbeiten am Lorenz-von-Stein-Institut für Verwaltungswissenschaften an der Universität zu Kiel. Dr. Schulz ist geschäftsführender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts. Prof. Dr. Schliesky ist im Nebenamt Leiter des Forschungsbereichs „Staatliches Innovationsmanagement“ und Direktor des schleswig-holsteinischen Landtags. In dieser Funktion wird er auch in die Diskussionen mit und um das unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) involviert sein.

Das Buch ist ein Sammelband, erschienen in den Schriften zur Modernisierung von Staat und Verwaltung und dokumentiert die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Web 2.0 in der öffentlichen Verwaltung“.

Teile des Sammelbandes sind als Publikationen in Fachzeitschriften oder institutseigenen Whitepapern veröffentlicht worden. Für besondere Aufmerksamkeit hat dabei die Buchpräsentation in Kooperation mit der IHK Kiel gesorgt, in welcher im Gegensatz zu Aussagen des ULD die Zulässigkeit von Facebook-Seiten für die öffentliche Verwaltung hervorgehoben wurde.

Aufbau

Der Sammelband beginnt mit der Darstellung der drei Kernbereiche des Forschungsprojektes

  1. Transparenz, was die Themen Open Data (Öffnung staatlicher Datenbestände) und öffentlichen Kommunikation (Bürgertelefon 115) umfasst
  2. Partizipation, welches Rechtsfragen der Bürgerbeteiligung am Beispiel des Bürgerhaushaltes erläutert
  3. Kollaboration, worunter behördeninternes Wissensmanagement verstanden wird.

Die zweite Hälfte des Bandes widmet sich dem Thema Soziale Medien und Netzwerke wobei Social-Media-Guidelines und rechtliche Perspektiven im Vordergrund stehen.

Inhalt

Der Bereich Transparenz geht speziell auf zwei Einzelaspekte ein. Transparenz, „verstanden als Möglichkeit des Zugangs zu Informationen“ war bereits zu Beginn Kern des Verständnisses von Open Government. Dies wird insbesondere im Kapitel über Open Data klar. Dennoch ergibt sich für die Autoren Christian Hoffmann und Jens Klessman eine ernüchternde Bilanz der Open-Data-Projekte. Die Gründe hierfür werden detailliert aufgeführt und mehr in fehlender Rechtssicherheit und anfänglich hohen Kosten gesehen als in einem hierfür notwendigen Kulturwandel gesehen. Als Teillösung wird die Gründung von eigenen Verwaltungsbehörden vorgeschlagen. Diese „Shared Service Center“ sollen in erster Linie für die Steuerung und Standardisierung zuständig sein.

In einem zweiten Artikel werden die Möglichkeiten zur Erweiterung des Bürgertelefon 115 zu einem Mehrkanal-Angebot erläutert.

Stuttgart 21 ist nach wie vor Ausgangspunkt vieler Debatten zum Thema Partizipation. Auch in diesem Band findet sich die Diskussion wieder. Tiefer betrachtet wird in diesem Bereich allerdings nur das Beispiel Bürgerhaushalt und die juristischen Konsequenzen eines digital durchgeführten Bürgerpartizipation.

Vom Open Government zur digitalen Agora. In seinem Beitrag zum Thema Kollaboration beleuchtet Christian Hoffmann den Nutzen sozialer Medien zum Verwaltungsinternen Wissensmanagement. Leider kommt dieser sehr interessante Aspekt mit gerade mal 13 Seiten sehr kurz.

Im Bereich Soziale Medien und Netzwerke befassen sich zwei Artikel mit Social Media Guidelines. Basierend auf einer Analyse existierender Regelungen werden detaillierte Vorschläge zum Erstellungsprozess gemacht und Formulierungshilfen gegeben. Merkt man der Textsammlung ihren wissenschaftlichen Charakter bisher stark an, wird es hier erstmalig richtig praktisch.

Schön ist hier auch die klare Zuordnung des Social-Media-Einsatzes zu verschiedenen Handlungsformen der Verwaltung:

  • Öffentlichkeits- und Pressearbeit
  • Bürgeranfragen
  • interne Arbeitsprozesse
  • fachlicher Diskurs.

Jede Einsatzform bedarf dabei unterschiedlicher Regelung. Dies verdeutlicht wieder einmal die Bedeutung einer strategischen Herangehensweise schon bevor ein detailliertes Regelwerk erstellt wird.

Wichtig ist dabei die Klarstellung, dass Social Media Guidelines keine Gängelung der Mitarbeiter darstellen, sondern Hilfestellung und Risikominimierung sein sollen.

Im letzten Artikel wird das Web 2.0 als Informationsquelle staatlicher Quellen aufgegriffen. Hierbei wird insbesondere auf die Beobachtung durch Sicherheitsbehörden durch „Online-Durchsuchungen“ und „Online-Streife“ eingegangen.

Besondere Aufmerksamkeit hat der Artikel Twitter, Facebook und Blogs aus rechtlicher Perspektive bekommen. Dies geschah sicherlich durch die Buchvorstellung in Zusammenarbeit mit der IHK Kiel, aus deren Ankündigung man vermuten könnte, das Buch beschäftige sich hauptsächlich mit der Frage der datenschutzrechtlichen Zulässigkeit von Facebook.

Der Artikel behandelt die verschiedenen Rechtsprobleme im Umgang mit sozialen Netzwerken von Barrierefreiheit bis Vertragsschluss. Dabei nehmen die Autoren oft einen entgegengesetzten Standpunkt zum Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein, was mit dem Titel „Bahn frei für Web 2.0 in Schleswig-Holstein“ beworben wird.

Diskussion

Die Schriften sind nicht immer leicht zu lesen, aber klar eine Bereicherung des bisher eher dürftig wissenschaftlich dokumentierten Themas Social Media und öffentliche Verwaltung. Dennoch bleibt das Buch eine Textsammlung. Die Texte sind einzeln gut lesbar, jedoch wird jeweils ein unterschiedlicher Wissensstand vorausgesetzt. Dies kann beim durchlesen der dritten Einleitung schon einmal anstrengend werden. Für die Praxis richtig hilfreich wird erst der gute Leitfaden für die Formulierung einer Social Media Guideline.

Schade ist der starke Fokus der Pressemitteilung und der Buchvorstellung auf die juristische Unbedenklichkeit des Facebook Einsatzes, der gerade in Schleswig-Holstein scharf diskutiert wird. Hier verwundert die Replik des ULD Leiters Dr. Thilo Weichert nicht, der den Autoren die juristische Seriosität abspricht und ihnen „rechtlichen Verrenkungen“ vorwirft. In der Tat ist es erstaunlich, wie die Autoren nach einer langen Auflistung der juristischen Stolpersteine zu einem so positiven Ergebnis kommen. Der Artikel ist weniger eine unabhängige Abhandlung, als eine juristische Argumentationshilfe für die Benutzung von Facebook, Twitter und Co.

Fazit

Wer es noch nicht verlernt hat wissenschaftliche Publikationen zu lesen, wird in den Schriften aus Kiel eine Übersicht der aktuellen Diskussion finden. Dabei wird es nur wenige Leser geben, für die alle Texte interessant sind, werden dort doch ganz unterschiedliche Zielgruppen angesprochen. So sind einzelne Artikel wie etwa zum Bürgertelefon 115 oder für Informationsquellen für Sicherheitsbehörden nur etwas für ein sehr spezielles Publikum. Andere Artikel bieten einen guten Einstieg für interessierte Verwaltungen, was bis hin zu klaren Hilfestellungen bei Social Media Guidelines geht. Die juristische Diskussion insbesondere zum Thema Datenschutz wird auch mit diesem Buch nicht abgeschlossen. Der klar den Einsatz von Facebook befürwortende Beitrag bietet aber eine gute Auflistung der juristischen Knackpunkte.

Rezension von
Jona Hölderle
Bürger & Freunde – Social Media für Verwaltung und Kommune
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Es gibt 2 Rezensionen von Jona Hölderle.

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Zitiervorschlag
Jona Hölderle. Rezension vom 08.05.2012 zu: Utz Schliesky, Sönke Schulz: Transparenz, Partizipation, Kollaboration. Web. 2.0 für die öffentliche Verwaltung. Lorenz-von-Stein-Institut für Verwaltungswissenschaften Uni Kiel (Kiel) 2012. ISBN 978-3-936773-71-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13037.php, Datum des Zugriffs 18.07.2024.


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