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Markus Weih: Wie war das noch mal? (Alzheimer-Krankheit)

Cover Markus Weih: Wie war das noch mal? Lernen, Vergessen und die Alzheimer-Krankheit. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2011. 255 Seiten. ISBN 978-3-456-84951-5. 19,95 EUR, CH: 29,90 sFr.
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Thema

Behandlung der wichtigsten Aspekte der Demenzkrankheiten.

Autor

Prof. Dr. Markus Weih, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Leiter der Gedächtnisambulanz an der Psychiatrischen Klinik am Universitätsklinikum Erlangen und klinischer Demenzforscher.

Aufbau

Das Buch behandelt 13 Themen:

  1. Die Entdeckung der Alzheimer-Krankheit
  2. Das Gedächtnis und die Mechanismen seiner Störung
  3. Formen der Demenz
  4. Risikofaktoren: Alter und familiäre Belastung
  5. Was fördert Demenz?
  6. Schutz gegen die Alzheimer-Demenz
  7. Wann sind Gedächtnisstörungen nicht mehr normal?
  8. Medizinische Untersuchungen
  9. Verlauf
  10. Umgang mit einem Menschen ohne Gedächtnis
  11. Medizinische Behandlung
  12. Rechtliche und ethische Aspekte
  13. Missverständnisse über die Alzheimer-Krankheit

Ausgewählte Inhalte

Aufschlussreich wird für viele nichtmedizinische Leser der Abschnitt über die psychologischen Tests sein, besonders die Verdeutlichung der Vielfalt und Komplexität geistiger Leistungen, aber auch deren Verschlechterung im Krankheitsverlauf. Das Verständnis  für die Wichtigkeit dieses Untersuchungsbereiches wird verstärkt.

Wertvoll sind z. B. die Informationen im Kapitel "Was fördert Demenz?" Dort werden die Zusammenhänge zwischen Schulbildung/Intelligenz/sozialen Kontakten und der Krankheitsentwicklung behandelt, und auch offene Fragen der Interpretation werden benannt. – Spätbefunde aus einer der weltweit größten Langzeit-Studie belegen ein erheblich höheres Demenzrisiko von Rauchern. –  Wohltuend sind auch die Aussagen zu der nicht belegten Gefährdung durch Metalle, die in vielen Ängsten auftauchen.

Der Abschnitt Autofahren mit Demenz (Kapitel "Umgang mit einem Menschen ohne Gedächtnis") behandelt sensibel und hilfreich dieses immer wichtiger werdende Problem. Die Möglichkeit der individuellen Überbrückung von Entfernungen gehört zum Kern unseres Lebens. Mit ihrer Beschränkung müssen wir sehr vorsichtig sein.

Diskussion

Das große Themenspektrum verdeutlicht den Anspruch des Autoren, möglichst viele Aspekte im Rahmen einer Monographie – also als Einzelautor – abzudecken (etwa Ethische Gesichtspunkte, Geschichte der Alzheimerforschung, Verlauf). Dieser Anspruch ist anerkennenswert, führt aber zu Ungleichgewichten. So sind z.B. die Abschnitte über die zugrundeliegenden Störungen bzw. Entstehungshypothesen der Krankheit und über Medikamente sehr umfangreich, andere dagegen knapp (Nichtmedikamentöse Therapie, Angehörigenarbeit, Krankheitserleben/Psychodynamik des Dementwerdens). Die Tatsache, dass bei immer noch fehlender ursächlicher Behandlungsmöglichkeit – also mindestens Blockade der Krankheitsprogression – alles auf den verbesserten Umgang mit den Störungen ankommt, hätte intensiver berücksichtigt werden müssen. In der Fachwelt (14 000 stationäre Einrichtungen, 750 000 Plätze, 50-60% Demenzkranke) findet angesichts der stetig wachsenden Zahl schwerer, verhaltensgestörter Demenzkranker eine intensive Auseinandersetzung mit der Problematik statt, d.h. auch tagtägliches Ausprobieren von Neuem .

Dabei taucht die Frage auf, an wen sich das Buch richtet. Im Vorwort ist von Patienten und Angehörigen sowie denjenigen die Rede, die an der normalen Funktionsweise des Gehirns interessiert sind, womit wohl eher auch medizinisch-wissenschaftliche Experten gemeint sind (etwa mit den Texten zur Amyloid-Bildung). Die Distanz zwischen den beiden Leser-Zielgruppen ist groß, und gelegentlich ist man sich nicht sicher, welche gerade angesprochen wird.

Es ist wertvoll, dass der Autor ausführlicher auf die besonderen Schwierigkeiten der Antidementiva-Forschung eingeht und damit hoffentlich zum Abbau von gefälligen Vorurteilen gegen sie beiträgt. Wohltuend sind seine Überlegungen zu den erheblich gewachsenen Ansprüchen an Studien und die sich daraus ergebenden kritischen Bewertungen früherer Untersuchungen.

Auch für wenig vorgebildete Leser sind die Passagen über Immuntherapien/Impfungen aufschlussreich, weil sie auf häufig geäußerte Hoffnungen und Ängste antworten.

Fazit

Das Buch liest sich – jenseits der genannten Fragen – gut. Kleine anekdotische Einsprengsel lassen schmunzeln und lockern auf. Manchmal entsteht der Eindruck, die im Vorwort mit Dank bedachte „schärfste Sprachpflegerin“ (die Ehefrau des Autoren) hätte noch ein wenig strenger sein dürfen, so ungebremst haben eher umgangssprachliche Wendungen Eingang gefunden. Manchmal auch bleiben im Gegensatz zum erklärten Anspruch auf Laienverständlichkeit Fachbegriffe unerläutert.

Man spürt das große Engagement des Autoren für die Demenzkranken.


Rezension von
Dr. Jens Bruder


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Zitiervorschlag
Jens Bruder. Rezension vom 20.07.2012 zu: Markus Weih: Wie war das noch mal? Lernen, Vergessen und die Alzheimer-Krankheit. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2011. ISBN 978-3-456-84951-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13044.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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