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Gunter Groen, Franz Petermann: Wie wird mein Kind wieder glücklich?

Cover Gunter Groen, Franz Petermann: Wie wird mein Kind wieder glücklich? Praktische Hilfe gegen Depressionen. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2011. 160 Seiten. ISBN 978-3-456-85008-5. 16,95 EUR, CH: 24,50 sFr.
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Thema

„Burnout“ und Depression, die eigentliche Diagnose hinter dem nicht scharf umrissenen ersten Begriff, sind derzeit wieder in aller Munde. Dass jedoch auch Jugendliche und sogar auch Kinder unter dieser Störung leiden, war lange Zeit ein Tabu. Abhängig vom Entwicklungsstand verändert sich auch die Symptomatik, so dass in dieser Altersstufe Verhaltensauffälligkeiten häufig nicht oder fehldiagnostiziert werden. Bei jüngeren Kindern äußern sich depressive Störungen beispielsweise eher in aggressivem und unruhigen Verhalten (vor allem bei Jungen), so dass hier fälschlicherweise häufig auch ein ADHS oder eine beginnende Störung des Sozialverhaltens diagnostiziert wird. Bei Jugendlichen wird es nicht selten auf die Pubertät geschoben, was grundsätzlich nicht verkehrt ist, jedoch in der Regel nicht alle Ursachen beschreibt. Mittlerweile weiß man, dass bereits Säuglinge und Kleinkinder Symptome depressiver Störungen zeigen können. Dies äußert sich dann beispielsweise in so genannten Fütterstörungen und gestörtem Bindungsverhalten. Grundsätzlich gilt: Je jünger ein Kind ist, desto mehr weicht die Symptomatik von der eher bekannten des Erwachsenenalters ab.

Herausgeber

Prof. Dr. Gunter Groen, ist Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut. Er lehrt als Professor für Psychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg (Schwerpunkt Klinische Psychologie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie).

Prof. Dr. Franz Petermann, ist Diplom-Psychologe und lehrt als Professor für Klinische Psychologie und Diagnostik an der Universität Bremen. Er leitet dort als Direktor seit 1996 das Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation.

Entstehungshintergrund

Dieses Buch ist eines von mehreren parallel veröffentlichten Büchern dieser beiden Autoren zum Thema. Des Weiteren haben sie noch im Hogrefe-Verlag mit dem „Leitfaden Depression“ ein Fachbuch für Therapeuten (Ihle et al. 2012) und den dazugehörigen Ratgeber für Eltern, Lehrer und Erzieher (Groen et al. 2012) veröffentlicht.

Aufbau und Inhalt

Nach einer kurzen Einleitung wird zunächst anhand verschiedener Fallbeispiele verdeutlicht, wie unterschiedlich sich Depressionen in den unterschiedlichen Altersgruppen darstellen können. Die hier abgedeckte Altersspanne reicht von 9 bis 16 Jahren.

Anschließend wird auf die Entwicklung und Bedeutung von Gefühlen eingegangen. Einen wichtigen Schwerpunkt dieses Kapitels bilden die Grundbedürfnisse nach:

  • sicherer Bindung und Geborgenheit,
  • Kontrolle und Orientierung,
  • Selbstwerterhöhung und Selbstschutz sowie
  • Lustgewinn und Unlustvermeidung.

Die Autoren beschreiben diese Grundbedürfnisse, wie sie sich entwickeln und wie sie sich fördern lassen. Dieser wichtige Grundlagenabschnitt greift vor allem auf die Konzepte des bereits verstorbenen Therapieforschers Klaus Grawe (2004) zurück, die auch Grundlage des erfolgreichen Selbstmanagementtherapieansatzes von Kanfer und Kollegen ist (2000).

Im Abschnitt „Was ist eine Depression?“ liefern die Autoren eine laiengerechte umfassende Definition und gehen anschließend auf Verbreitung, Verlauf und Folgen von Depressionen ein. Betroffene Eltern machen sich auch immer wieder starke Vorwürfe, wenn ihr Kind an Depressionen erkrankt.

Im Abschnitt „Warum werden Kinder und Jugendliche depressiv? Risiken und Erklärungen“ wird deutlich das das elterliche Verhalten zwar einen nicht unerheblichen Einflussfaktor auf das Wohlbefinden des Kindes darstellt, jedoch noch diverse andere (Umwelt, Anlage, körperliche Faktoren, Schule, Temperament) unbedingt auch mit zu beachten sind. Im Grunde wird hier die aktuell gültige Form der biopsychosozialen Erklärungsmuster psychischer Störungen für Laien dargestellt.

Das letzte Kapitel „Hilfe und Unterstützung: Depressionen sind gut behandelbar“ macht dann wieder Mut: Hier wird zum einen ausführlich aufgezeigt, was Eltern selber tun können (das Kind ernst nehmen, kooperieren, Stress abbauen, Zuwendung und Struktur bieten, etc.) und zum anderen auf Möglichkeiten, professionelle Hilfe (Therapie, Erziehungshilfen, Medikation, Jugendhilfe, Krisenintervention) in Anspruch zu nehmen.

Abgerundet wird das Buch durch hilfreiche Adressen und Kontakte, Literaturempfehlungen und ein umfangreiches Sachwortregister.

Diskussion

Ein Ratgeber für Angehörige und Betreuer von depressiven Kindern und Jugendlichen war überfällig. Dieser Ratgeber ist klar strukturiert aufgebaut und orientiert sich, wie bei den Autoren nicht anders zu erwarten, an dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Besonders positiv hervorzuheben ist der ausführliche Einbezug auf die Theorie Klaus Grawes. Der Umgang mit den Grundbedürfnissen bildet die Grundlage jeder modernen Psychotherapie und ist auch immens hilfreich für die Frage: „Wie soll ich mich verhalten?“, die sich jeder, der sich mit depressiven Menschen konfrontiert sieht, stellt. Das Thema „Selbstverletzendes Verhalten“ wird in diesem Buch nur angerissen. Bei Jugendlichen tritt es jedoch zunehmend auf und führt zu großer Verunsicherung bei Eltern, Lehrern und Betreuern. Wem dieses Thema im Rahmen dieses Buches nicht ausführlich genug bearbeitet wird, seien die Veröffentlichungen von Hawton und Kollegen (2008, vgl. die Rezension unter www.socialnet.de/rezensionen/6213.php), Brunner und Resch (2009, vgl. die Rezension unter www.socialnet.de/rezensionen/8513.php) und Petermann und Winkel (2009) empfohlen. Die einleitend beschriebenen Depressionen des Kleinkindalters werden gar nicht abgehandelt. Dies hätte den Rahmen dieses Buch allerdings gesprengt. Da in der Reihe „Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie“ jedoch bereits der nächste Band zum Thema „Psychische Störungen im Säuglings- und Kleinkindalter“ bereits in Vorbereitung ist (Bolten et al. 2012), kann davon ausgegangen werden, dass der hierzu parallel veröffentlichte Ratgeber diese Lücke zufrieden stellend schließen wird.

Fazit

Im Gegensatz zu den Ratgebern der „gelben Reihe“ (Groen et al. 2012) ist dieses Buch umfangreicher und auch anspruchsvoller zu lesen. Für Menschen mit niedrigerem Bildungsstand ist dieses Buch daher eventuell etwas zu anspruchsvoll verfasst. Für Eltern und Betreuer, die tiefer in die Materie einsteigen wollen, ist es uneingeschränkt zu empfehlen.


Rezension von
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 12.10.2012 zu: Gunter Groen, Franz Petermann: Wie wird mein Kind wieder glücklich? Praktische Hilfe gegen Depressionen. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2011. ISBN 978-3-456-85008-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13050.php, Datum des Zugriffs 18.02.2020.


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