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Karin Stiehr: Ehrenamtlich helfen [...]

Cover Karin Stiehr: Ehrenamtlich helfen. Das Buch zur Fernsehserie ARD-Ratgeber Recht. Deutscher Taschenbuch Verlag (München) 2003. 201 Seiten. ISBN 978-3-423-58058-8. 8,50 EUR.
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Zum Thema

Nicht erst seit dem Jahr der Ehrenamtlichkeit ist bürgerliches Engagement wieder verstärkt in aller Munde. Die Fragen wann und wo ehrenamtliches Engagement möglich ist, wie ehrenamtliches Engagement organisiert werden sollte und welche Absprachen für ehrenamtliche Helfer und ebenso für die Organisationen ehrenamtlicher Hilfe notwendig sind, sie werden im neuen Ratgeber der ARD-Redaktion der Sendung "Ratgeber Recht" aufgegriffen und vertieft. Juristendeutsch soll dabei für Laien verständlich gemacht werden.

Schwerpunkt des Buches bildet im Gegensatz zum allgemein gehaltenen Titel das Engagement älterer Menschen, welches geplant beginnt und in Seniorenhilfevereinen organisiert werden kann. Nur bedingt erfasst ist auch das Engagement der Menschen, die beispielsweise als Mitglieder einer Organisation in die Mitarbeit hineinwachsen (Bsp.: Jugendarbeit, "klassische" Kirchen- und Vereinsarbeit).

Die Autorin

Karin Stiehr ist Mitarbeiterin des Instituts für Soziale Infrastruktur und hat als solche das Projekt "Seniorengerechte Rahmenbedingungen für das soziale Engagement" im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt. Sie veröffentlichte unter anderem bereits "Versicherungsschutz im sozialen Ehrenamt" und gemeinsam mit ihrem Kollegen Jürgen Schumacher das "Handbuch für die Freiwilligenarbeit von und mit älteren Menschen" (vgl. die socialnet Rezension des Buchs).

Aufbau, Inhalt, Gliederung

Das Buch gliedert sich in vier Kapitel:

1. Sie möchten sich freiwillig engagieren?

2. Freiwillige Arbeit ist unbezahlt, aber nicht kostenlos - welche Leistungen können Sie von Ihrer Trägerorganisation erwarten?

3. Versicherung von Schadensrisiken

4. Gestaltungsmöglichkeiten für Ihre freiwillige Mitarbeit

Über die verschiedenen Kapitel hinweg sind immer wieder Musterbriefe und Musterformulierungen eingearbeitet. Darüber hinaus sind in den Anhängen sowohl eine Mustersatzung für Sozialhilfevereine, eine Liste von Kontakt- und Vermittlungsstellen für freiwillig Engagierte, sowie eine Kopiervorlage des Formulars "Überblick über den Versicherungsschutz von Freiwilligen, di in unserem Auftrag tätig sind" und eine Haftpflicht-Fachinformation des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft eingearbeitet.

Zielgruppe

Der Titel verleitet dazu, das Buch zunächst allen zu empfehlen, die planen, sich ehrenamtlich zu engagieren oder sich bereits ehrenamtlich betätigen. Dies führt allerdings dazu, dass das Buch auch denjenigen angeraten würde, für die es nicht geschrieben ist. Es ist m.E. nicht für diejenigen geschrieben, die insbesondere als junge Menschen engagiert sind, sondern vielmehr für diejenigen, die bewusst im Seniorenalter die Entscheidung treffen, sich ab sofort ehrenamtlich engagieren zu wollen. Die Personen also, die noch nach einem geeigneten Forum und geeigneten Organisationsformen Ausschau halten, bilden die Zielgruppe des Taschenbuchs. Leider wird dies nicht auf den ersten Seiten oder im Klappentext so deutlich gemacht wie auf Seite 150: "Die folgenden Empfehlungen gelten in erster Linie dann, wenn Sie sich für die freiwillige Mitarbeit in einer noch nicht oder kaum bekannten Trägerorganisation interessieren."

Einschätzung

Karin Stiehr gibt in ihrem Taschenbuch einen Überblick über die Vielfalt und die unterschiedlichen Aspekte ehrenamtlichen Engagements. Sie betrachtet die möglichen Organisationen, für die der neue Ehrenamtler tätig werden kann, die dort vorhandenen Arbeitsstrukturen, Ressourcen und die dort vorhandene Qualifizierung ebenso wie die notwendigen Absprachen zu Zeiteinteilung, Verantwortung, Abgrenzung von Tätigkeitsbereichen und Regelungen zur Schweigepflicht.

Einen knapp 70seitigen Schwerpunkt bildet die Versicherung von Schadensrisiken. Allgemeine Haftpflichtversicherungen und Zusatzversicherungen werden hier genauso dargestellt und bewertet wie die unterschiedlichen Schäden, die vom Ehrenamtlichen gegenüber Dritten verursacht werden können oder Schäden, die der Ehrenamtliche selbst an Körper, Gesundheit und Eigentum erleiden kann.

Da der Ratgeber der ARD-Ratgeber Recht sehr weit angelegt ist, ist der Leser selbst gefordert, kritisch zu überdenken, welche Organisationsempfehlungen und welche Risiken auf die von ihm anvisierte Tätigkeit zu übertragen sind.

Leider sind auch die Anhänge nicht in jeder Hinsicht unkritisch zu nutzen. Karin Stiehr stellt so beispielsweise eine Mustersatzung für Seniorenhilfevereine vor, beschränkt sich aber selbst auf die steuerrechtlich notwendigen Bestimmungen. Außen vor bleiben die vereinsrechtlichen Anforderungen des BGB, obwohl auch diese den Rahmen des Taschenbuchs nicht gesprengt hätten und vielmehr dazu beigetragen hätten, ein rundes Bild einer Vereinssatzung zu vermitteln. Erfreulich ist der Anhang 2, der eine Fülle von Kontakt- und Vermittlungsstellen für freiwillig Engagierte zusammengetragen hat und auch auf die modernen Kommunikationsmöglichkeiten wie Emailadressen nicht verzichtet. Die Anhänge 3 und 4, die sich ergänzend zum Hauptteil mit Versicherungsfragen beschäftigen, können insbesondere älteren Lesern - die zweifellos durch die Vorstellung von Seniorenhilfevereinen eben auch angesprochen werden sollen - nur als Kopiervorlage dienen, da die Schriftgröße der Dokumente zu klein ist, um auch als Senior die vorgestellten Versicherungschecklisten zu lesen.

Fazit

Karin Stiehr legt mit ihrem ARD-Ratgeber Recht einen Überblick über die Tätigkeitsfelder der "Kontaktbörsen" für Ehrenamtliche, der Freiwilligenagenturen und ähnlichen Organisationen vor und beleuchtet ihn gerade für den interessierten Neueinsteiger. Das Buch kann als erste Orientierungshilfe zahlreiche Fragen bezüglich eines Einstiegs in das Ehrenamt aufwerfen, die allerdings anschließend in persönlichen Gesprächen näher vertieft werden müssen. Insofern ist das Buch auch für Trägerorganisationen verwendbar, um sich auf die Vorstellungs- und Einarbeitungsgespräche mit neuen Ehrenamtlichen besser und umfassender vorzubereiten, insbesondere auch Versicherungsfragen offensiv anzugehen.


Rezension von
Robert Hotstegs
Direktor des Instituts für Jugendleiter und Qualifikation (Institut juleiqua)
Referent für Jugendgruppenleiterschulungen
Homepage www.juleiqua.de


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Zitiervorschlag
Robert Hotstegs. Rezension vom 20.01.2004 zu: Karin Stiehr: Ehrenamtlich helfen. Das Buch zur Fernsehserie ARD-Ratgeber Recht. Deutscher Taschenbuch Verlag (München) 2003. ISBN 978-3-423-58058-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1306.php, Datum des Zugriffs 04.03.2021.


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