Stefanie Weimer, Maureen Pöll: Burnout - ein Behandlungsmanual
Rezensiert von Prof. Dr. phil. Barbara Wedler, 04.05.2012
Stefanie Weimer, Maureen Pöll: Burnout - ein Behandlungsmanual. Baukastenmodul für Einzeltherapie und Gruppen, Klinik und Praxis. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2012. 150 Seiten. ISBN 978-3-608-89123-2. D: 22,95 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 32,90 sFr.
Reihe: Leben lernen - 250.
Thema
Weimer, Stefanie/ Pöll, Maureen: Burnout – ein Behandlungsmanual. Baukastenmodul für Einzeltherapie und Gruppen, Klinik und Praxis. Klett-Cotta. 2012
Autorinnen
Stefanie Weimer studierte Psychologie und ist Psychologische Psychotherapeutin. Maureen Pöll ist ebenfalls Psychologin. Beide arbeiten in der Frankenalb-Klinik Engelthal, St. Weimer im stationären Bereich und M. Pöll in der Psychiatrischen Institutsambulanz.
Entstehungshintergrund
Die Autorinnen schließen mit diesem Buch die Lücke zwischen den theoretischen sowie persönlichen Betrachtungen zum Burnout hin zu den hilfesuchenden Menschen mit Burnout-Syndrom. Das Manual basiert auf den Bedürfnissen dieser „ausgebrannten“ Menschen und bietet mit dem variablen Modul-System ein anwendungsbereites Hilfsmitteln für eine effektivere Psychotherapie. .
Aufbau
Der Inhalt des Buches untergliedert sich wie folgt, wobei sich Kapitel 1-6 in Unterpunkte unterteilen.
Vorwort: Burnout geht uns alle an
- Einleitung
- Theoretische-wissenschaftlicher Kontext
- Aktueller Stand der Wissenschaft zum Thema Burnout
- Verwendete testpsychologische Verfahren zur Evaluation
- Behandlungsmanual
- Anhang
Danksagung, Literaturliste und eine CD mit Arbeitsblättern und Handouts als pdf-Dateien ergänzen dieses Programm.
Inhalt
Thomas Kraus verweist im Vorwort auf Burnout als Spiegel der modernen Leistungsgesellschaft „mit ihrer Entgrenzung der Arbeitswelt, der Entfremdung in den Beziehungen und der Entmenschlichung in den Medien.“ (S. 7).
In der Einleitung wird der Prozess vom verhaltenstherapeutischen Programm bei Angst und Lebenskrisen zum „Baukasten-Programm“ mit dem zusätzlichen Schwerpunkt der Behandlung von Burnout dargestellt. Da Burnout als Übergangsstadium betrachtet wird, sollen die Module anregen, informieren bzw. helfen bei Neubewertungen, Perspektivenwechsel etc. Die Autorinnen erläutern den Aufbau der Module und die Nutzung des Manuals in der (klinischen Gruppen)Praxis.
Den theoretisch-wissenschaftlichen Kontext bilden die klassische Lerntheorie sowie die kognitive Verhaltenstherapie. Basierend auf die Selbstmanagementtherapie werden verschiedenen verhaltenstherapeutische Elemente und Interventionen genutzt, die Fertigkeiten und Kompetenzen entwickeln und stärken, um einem erneuten Burnout entgegentreten zu können. Im verhaltenstherapeutischen Prozess kommen neben Psychoedukation, Verhaltensanalysen auch angewandte Methoden der Verhaltenstherapie und -medizin zum Einsatz.
Obwohl Weimer und Pöll sich bei der Definition von Burnout auf Klassifikationssysteme wie DIMIDI, ICD 10 und das DSM IV stützen, bleibt nach dem aktuellen Stand der Wissenschaften offen, ob Burnout überhaupt die Kriterien für psychisches Kranksein erfüllt. Die Autorinnen erläutern die allgemein anerkannten und weitestgehend erforschten Erklärungsansätze kurz und begründen den Transfer des Erklärungsansatzes von Burisch in das Behandlungskonzept zum Burnout.
Unter Pkt. 4 werden die verwendeten testpsychologischen Verfahren zur Evaluation und deren Ergebnisse vorgestellt. Weimer und Pöll greifen auf standardisierte Verfahren zurück: die Burnout-Screening-Skalen von Hagemann/ Geuenich, die Symptom-Check-Liste 90 R von Franke sowie das Beck Depressions Inventar 2 von Hautzinger/ Keller und Kühner. Die Evaluation erfolgt über eine Aufnahme- und Abschluss-, sowie eine Veränderungsmessung. Die ersten Ergebnisse liefern wesentliche Erkenntnisse für den Umgang mit Burnout(Betroffenen). Wichtig ist die Tatsache, dass die Mehrheit der befragten Patienten sich selbst in die Klinik einwiesen. Mehr als 30 % dieser Patenten hatten bereits im Vorfeld eine Behandlung in Anspruch genommen. Ebenso interessant ist der Fakt, dass bei fast 30 % der Burnout Patienten weniger als 12 Monate zwischen den ersten psychischen Auffälligkeiten und dem Behandlungsbeginn lagen. Neben weiteren Daten fallen überdurchschnittliche Werte in der Verbindung der Skalen zum Beruf und Zwanghaftigkeit auf (fast die Hälfte der Patienten).
Unter Punkt 5 wird das eigentliche Behandlungsmanual vorgestellt. Es wird nach den Modulen 1-6 untergliedert. Die Modulbeschreibungen werden in der Regel nach dem gleichen Muster aufgebaut:
- Ziel des Bausteins
- Inhalt der Sitzungen (Anleitung für den Gruppenleiter/ Erläuterung des theoretischen Hintergrundes/ Fallbeispiel)
- Ergebnisse des Moduls.
Der klar strukturierte Aufbau der Module mit dem ergänzenden notwendigen Hintergrundwissen belegt zum einen die wissenschaftliche Basis des Behandlungsmanuals (Wissen zum Krankheitsbild, Selbstanalyse nach dem SORC Schema u.a.m.) und die theoretisch fundierte Übertragung auf die Handlungsschritte.
Die im Anhang abgebildeten Arbeitsblätter beinhalten theoretischen Input für die Teilnehmer, Erläuterungen zu den Erklärungsansätzen und Analyseschemata sowie Arbeitsmodelle, Arbeitsanleitungen und Denkanstöße. Abgerundet werden die Arbeitsblätter mit einer Abschlussbefragung.
Am Ende des Anhangs findet sich die Danksagung der Autorinnen an alle (indirekt) Beteiligten bei der Weiterentwicklung dieses Behandlungsmanuals.
Diskussion
Das Behandlungsmanual ist eine logische Folge in der Reihe vieler Bücher (u.a. M. Meckel, G. Kypta) zum Thema Burnout. Die inhaltliche Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Thema in eine entsprechende Psychotherapie erfolgt auf verhaltenstherapeutischer Basis und wird für den Rezipienten nachvollziehbar aufbereitet. Psychologische und vor allem psychotherapeutische (Vor) Kenntnisse sollte der Leser mitbringen. In erster Linie ist dieses Buch ein Behandlungsmanual, das die psychotherapeutische Praxis bereichern wird und auf die Arbeit mit Menschen ausgerichtet ist. Bezogen auf die befragten Patienten liefern die ersten Evaluationsergebnisse wichtige Erkenntnisse, die viele Möglichkeiten bzgl. Frühintervention erahnen lassen. Die große wissenschaftliche Leistung des Manuals liegt in der wissenschaftlichen Reflexionen zum Thema Burnout und dem Transfer des Erklärungsansatzes von Burisch in das Behandlungskonzept zum Burnout. Im Ergebnis weist das Manual einen Weg, Schritt für Schritt, Modul für Modul aus dem Burnout.
Fazit
In kurzer und gebündelter Form erhält der Leser psychologisches sowie methodisches Grundlagenwissen zum Burnout und ein erprobtes Behandlungsangebot. Der Abdruck des Arbeitsmaterials sowie die Ergänzung der Materialien auf der beiliegenden CD veranschaulichen die Baukastenmodule und machen sie selbsterklärend. Das Buch unterstützt, macht Mut und möchte angewendet werden. Ein Buch für Psychotherapeuten, Coaches etc. und jeden, der mehr als über Burnout reden möchte! Der Wert dieses Manual ist mit den Worten von Kraus (S. 7) treffend benannt: „Burnout lehrt uns, besser zu leben.“
Rezension von
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
Professur für klinische Sozialarbeit und Gesundheitswissenschaften
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