socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Reinhold Schone, Wolfgang Tenhaken: Kinderschutz in Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe

Cover Reinhold Schone, Wolfgang Tenhaken: Kinderschutz in Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe. Ein Lehr- und Praxisbuch zum Umgang mit Fragen der Kindeswohlgefährdung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. 320 Seiten. ISBN 978-3-7799-2681-8. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.

Reihe: Basistexte Erziehungshilfen.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema

Die Gewährleistung eines effektiven Kinderschutzes in Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe stellt für deren Mitarbeiter eine verantwortungsvolle Herausforderung dar. Das Buch bietet einen fundierten Einstieg in die wichtigsten Fragen rund um das Thema.

Herausgeber

Die Herausgeber sind für eine Veröffentlichung zu diesem Thema als ausgewiesene Experten prädestiniert. Reinhold Schone ist Professor für Organisation und Management in der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen, Wolfgang Tenhaken, Dipl. Soz. Arb., M.A., ist Fachlehrer an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen. Die vorliegende Schrift ist Resultat einer „Reihe von Fortbildungen von sozialpädagogischen Fachkräften in verschiedenen pädagogischen Bereichen (Kindertageseinrichtungen, Offenen Ganztagsschulen, Hilfen zur Erziehung), die die Fachhochschule Münster und das dortige Institut für Praxisentwicklung und Evaluation (IPE) in Kooperation mit dem Verein „Kinder haben Rechte" e.V. durchgeführt hat“ (S. 9).

Aufbau und Inhalt

Die zehn Beiträge werden von den Herausgebern in der Einleitung fünf Themenkomplexen zugeordnet.

Im ersten Teil (Kap. 1 und 2) werden Rechtsgrundlagen erörtert. Reinhold Schone erklärt im ersten Kapitel „Kindeswohlgefährdung – Was ist das?“ den Rechtsbegriff einer Kindeswohlgefährdung und seine Handhabung in konkreten Gefährdungslagen, die er durch Typisierung greifbar macht. Die jeweilige Gefährdungslagen charakterisiert er kurz und verdeutlicht sie anhand von Beispielen. Im zweiten Kapitel beschreibt er sodann die Aufgaben des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD) bei Verdacht einer Kindeswohlgefährdung.

Der zweite Teil (Kap. 3 und 4) greift das Thema Kindeswohlgefährdung aus Sicht freier Träger bzw. ärztlicher Sicht auf. Kerstin Feldhoff betrachtet den Schutzauftrag aus der Perspektive freier Träger, geht auf die in § 8a SGB VIII vorgesehenen Vereinbarungen zwischen öffentlichen und freien Trägern ein, umreißt die familiengerichtlichen Handlungsmöglichkeiten und schließt mit Fragen des Datenschutzes. Im Anschluss gibt Heidrun Gitter einen Überblick aus kinderärztlicher Sicht auf verschiedene Misshandlungsformen und deren Auswirkungen auf die betroffenen Kinder/ Jugendlichen.

Der dritte Teil (Kap. 5 und 6) konzentriert sich auf die kollegiale Beratung und das Gespräch mit den Eltern/Kindern über Anhaltspunkte einer Kindeswohlgefährdung. Wolfgang Tenhaken erläutert „die gefährdungsdiagnostischen Möglichkeiten der kollegialen Beratung als Instrument sozialpädagogischen Fallverstehens“ (S.11). Monika Thiesmeier stellt „Techniken vor, wie man mit Eltern über die eigenen (Gefährdungs-)Einschätzungen in ein (möglichst fruchtbares) Gespräch kommen kann“ (S.11).

Der vierte Teil (Kap. 7-9) widmet sich drei besonderen Lebenssituationen von Familien, die in der Praxis zu spezifischen Gefährdungen von Kindern bzw. Jugendlichen führen können. Anja Quast geht auf die Lebenssituation suchtbelasteter Familien, insbesondere alkoholkranker Eltern, und den Konsequenzen für das Kindeswohl ein. Sabine Wagenblass schildert die Situation von Kindern psychisch kranker Eltern und den sich daraus ergebenden Unterstützungsbedarf. Ahmet Toprak und Aladin El-Mafaalani widmen sich schließlich den besonderen Anforderungen an den Umgang mit Familien türkisch-muslimischem Hintergrunds.

Im fünften und letzten Teil (Kap. 10) weist Johannes Schnurr auf die Möglichkeiten und Chancen der Kooperation und Netzwerkarbeit zur Abwendung von Kindeswohlgefährdungen hin.

Diskussion

Die zehn Kapitel decken die wichtigsten Themenfelder der Kindeswohlgefährdung ab. Zu überlegen wäre bei einer Neuauflage, ob nicht dem sexuellen Missbrauch ein eigenes Kapitel zu widmen ist und die praktisch wichtige Inobhutnahme bzw. die Zusammenarbeit mit der Polizei berücksichtigt werden können.

Die Kapitel sind von kompetenten Fachleuten geschrieben worden, so dass fachliche Kritik weitestgehend überflüssig ist und man sich auf Bemerkungen beschränken kann. So erübrigen sich Anmerkungen zu den Kapiteln von Reinhold Schone sowie von Kerstin Feldhoff, die zuverlässig und solide die Rechtsgrundlagen resümieren. Gleiches gilt aus fachlicher Sicht im Grunde auch für das Kapitel zur Kindesmisshandlung aus ärztlicher Sicht. Zu bemerken wäre hier nur, dass die Aussagekraft der Lokalisation von Verletzungsspuren (S. 120 ff.) trotz der in dem Kapitel 4 gemachten Einschränkungen vielleicht noch etwas zurückhaltender gesehen werden muss. So werden z.B. vielfach blaue Flecken im Rückenbereich als auffällig bezeichnet, erweisen sich aber im Kindertagesstättenbereich häufig als Folge eines Sturzes von der Schaukel. Zu der gelungenen Darstellung kollegialer Beratung von Ternhaken ist lediglich klar zu stellen, dass sie die rechtliche Verantwortung der fallführenden Fachkraft nicht aufhebt. Unter der Darstellung spezifischer Gefährdungslagen in den Kapiteln 6 bis 9 sticht vor allem der ausgezeichnete Beitrag von Anja Quast zum Umgang mit alkoholbelasteten Familien hervor. Auch das Kapitel von Thiesmeier zum Elterngespräch ist gut und konsequent praxisorientiert. Etwas stärker hätte man vielleicht herausstellen sollen, dass in dem Gespräch über Anhaltspunkte einer Kindeswohlgefährdung den Eltern breiter Raum zur Darstellung der Situation aus ihrer Perspektive einzuräumen ist. Das Kapitel zur migrationssensiblen Wahrnehmung des Schutzauftrags verkürzt die Thematik wohl etwas. Der Umgang mit Familien türkisch-muslimischen Hintergrunds wird sehr gut ausgearbeitet. Es fehlt jedoch die Markierung der Grenze, bis wohin es möglich ist kulturell abweichenden Erziehungsvorstellungen entgegenzukommen und ab wann es gilt, substantielle Rechte von Kindern zu schützen. Nur das Schlusskapitel zu Kooperation und Netzwerkarbeit von Johannes Schnurr befriedigt nicht. Die Behandlung der beiden instruktiven Beispiele in diesem Kapitel (S. 255-260) verkennt, dass das Jugendamt in beiden Fällen auf Grund seiner Garantenstellung zu weitaus intensiverer Aufklärung und Intervention verpflichtet wäre.

Fazit

Das Buch besticht durch die solide und breite Bearbeitung des aktuellen Themas Kinderschutz. Die Herausgeber Reinhold Schone und Wolfgang Tenhaken haben Fachleute unterschiedlicher Professionen zu einem informativen und anregenden Sammelband über das wichtige Thema zusammengebracht. In ihren Beiträgen setzen sie sich mit den Rechtsgrundlagen, den besonderen Perspektiven freier Träger und Kinderärzten, praktischen Fragen der kollegialen Beratung und des Gesprächs mit betroffenen Eltern, drei besonderen Lebenssituationen, in denen es zu spezifischen Gefährdungen kommt sowie Kooperation und Netzwerkarbeit zur Abwendung von Kindeswohlgefährdungen auseinander. Die durchgängig eingestreuten Praxisbeispiele verdeutlichen die behandelten Thematiken. Das Buch ist jedem, der sich für die Materie interessiert, als systematischer Einstieg zu empfehlen.


Rezension von
Prof. Dr. Michael Els
Fachbereich Soziale Arbeit, Hochschule Niederrhein Datenschutzbeauftragter der Hochschule Niederrhein


Alle 11 Rezensionen von Michael Els anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Michael Els. Rezension vom 27.07.2012 zu: Reinhold Schone, Wolfgang Tenhaken: Kinderschutz in Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe. Ein Lehr- und Praxisbuch zum Umgang mit Fragen der Kindeswohlgefährdung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2012. ISBN 978-3-7799-2681-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13089.php, Datum des Zugriffs 08.08.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung