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Peter Rossmann: [...] Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters

Rezensiert von Dipl. Sozialarb./-pädagogin Heidrun Wulfekühler, 04.05.2012

Cover Peter Rossmann: [...] Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters ISBN 978-3-456-85010-8

Peter Rossmann: Einführung in die Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2012. 2., überarbeitete Auflage. 176 Seiten. ISBN 978-3-456-85010-8. 29,95 EUR. CH: 39,90 sFr.
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Thema

Der Autor möchte ein wissenschaftlich fundiertes und verständliches Lehrbuch mit knapper Übersicht der Methoden, Theorien und Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie für soziale, pädagogische und medizinische Ausbildungsgänge vorlegen. Er soll als „strukturierender Basistext“ zur „Orientierung für alle“ (Rossmann 2012, Rückseite) dienen und den Leser vertraut machen mit den Grundlagen der körperlichen, kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dabei weist er sowohl auf klassische als auch auf neuere Beiträge in der Diskussion hin (Rossmann 2012, Vorwort).

Autor

Prof. Dr. Peter Rossmann ist außerordentlicher Universitätsprofessor für Integrationspädagogik und heilpädagogische Psychologie am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Universität Graz/Österreich. Neben Forschungstätigkeiten entwickelt er psychologische Tests für Kinder, ist Autor von Publikationen in der Kinder- und Jugendpsychologie und gibt Vorlesungen zur Einführung in die Entwicklungspsychologie für Studierende der Psychologie und Pädagogik.

Entstehungshintergrund

Das Buch erscheint in zweiter Auflage und wurde komplett überarbeitet und aktualisiert.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in zwei Teile und elf Kapitel unterteilt und umfasst insgesamt 187 Seiten.

Teil 1 beschäftigt sich mit den Grundlagen der Entwicklungspsychologie: der Zweck und Gegenstand (Kapitel 1), die historischen Anfänge (Kapitel 2), die Methoden (Kapitel 3) und die Grundfrage der Entwicklungspsychologie (Kapitel 4).

Im ersten Kapitel verortet Rossmann die Entwicklungspsychologie und nennt ihre Zielrichtung, ihren Blickwinkel sowie ihre Berührungspunkte zu anderen Wissenschaften. Begriffe zur Differenzierung von Entwicklungsprozessen werden eingeführt, wie z.B. „Wachstum“ und „Prägung“.

Im zweiten Kapitel skizziert Rossmann die Entstehung der Entwicklungspsychologie. Er weist auf die lange Tradition des bestehenden Interesses an der Entwicklung des Menschen hin, die bis in die Antike zurückgeht. In Ansätzen erfahren wir etwas von den Ideen und Konzepten der Philosophen, die die Diskussion und Erforschungen geprägt haben bzw. immer noch Einfluss nehmen, z.B. Rousseau. Empirische Untersuchungen, die neue Herangehensweisen für eine Wissenschaft eröffneten, werden angesprochen (z.B. Tiedemann und Darwin) und welche schließlich zu der eigenständigen Wissenschaft „Psychologie“ verhalfen. Klassiker des 20.Jahrhunderts der nun eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin wie z.B. Piaget, Watson, Lorenz werden angeführt sowie neue Forschungsdesigne als wichtige Kernstücke der fortlaufenden Entwicklung der Disziplin benannt.

Das dritte Kapitel trägt der Entwicklungspsychologie als empirische Wissenschaft Rechnung und führt ihre Methoden aus. Rossmann merkt in der einführenden Passage an, dass hier nur Teilaspekte der psychologischen Forschungsmethoden in den Blick genommen werden können, welche allerdings wesentlich sind „für das Verständnis der Ergebnisse entwicklungspsychologischer Forschung“ (Rossmann 2012, 19). In vier Unterkapiteln beschäftigt er sich (1) mit der Art der Datengewinnung (systematische Beobachtung, Befragung mittels Interview, Fragebogen und Tests, sowie Messung physiologischer Variablen), (2) dem Ausmaß der Kontrolle über die Beobachtungssituation (Fallberichte als Anlässe zur weiteren wissenschaftlichen Untersuchung, die Chancen bzw. Schwierigkeiten korrelativer Studien, der Einsatz und die Variationen von Experimenten), (3) der Abbildung von Alterseffekten (unterschiedliche Studien, die Alterseffekte sichtbar machen, wie Querschnittstudien, Längsschnittstudien und sequenzielle Studien) und schließlich (4) mit der ethischen Verantwortung in der Forschung (Eingriff in die Privatsphäre macht ethische Reflexion und Standards imperativ; Hinweis auf Regeln der „Society for Research in Child Development“).

Das vierte Kapitel setzt sich mit der entwicklungspsychologischen Grundfrage nach dem Einfluss von Anlage und Umwelt auseinander. Rossmann weist darauf hin, dass die Antworten in der Geschichte immer wieder unterschiedlich ausgefallen sind und diese je nach Zeitgeist variierten.

Teil 2 des Buches setzt sich nun im Einzelnen mit den weiteren Lebensabschnitten auseinander. Die 7 Kapitel behandeln die Entwicklung vom Embryo bis zum Ende des Jugendalters.

Kapitel 5 zeigt die pränatale Entwicklung auf. Neben den zu erwartenden Schritten erörtert es auch Faktoren, die die Entwicklung beeinträchtigen, wie z.B. die psychische und soziale Situation der Mutter.

Kapitel 6 behandelt Fakten, Faktoren und Verläufe zur Geburt.

Kapitel 7 führt die körperliche, kognitive, sozial-emotionale Entwicklung des Neugeborenen aus.

Kapitel 8-11 (Kapitel 8: erstes und zweites Lebensjahr; Kapitel 9: Vorschulalter; Kapitel 10: Schulalter; Kapitel 11: Jugendalter) folgen einem gleichen Aufbau: sie fragen jeweils nach der körperlichen, kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung. Je nach Lebensabschnitt fokussieren sie sich auf die ihm charakteristischen Themen und Problemstellungen. Durchgehend nimmt Rossmann in den Kapiteln Bezug auf klassische Erklärungsmodelle (z.B. Piagets Stufenmodell zur kognitiven Entwicklung, Bowlbys Bindungstheorie, Eriksons Modell der psychosozialen Entwicklung oder Kohlbergs Ebenen zur moralischen Entwicklung) sowie auf neuere Studien und Modelle.

Diskussion

Das Buch lädt vom Auftritt und Aufbau her zum Lesen ein. Insbesondere in der Hoffnung einen grundlegenden Überblick zu erhalten als Nicht-Psychologe, begeistern die klare Struktur, der knapp gehaltene Text und das Sachregister. Der Text präsentiert sich zunächst in gutverdaulichen fachlichen Häppchen. Die Sprache ist zumeist einfach und der Ton ansprechend. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis erlaubt nach Bedarf direkt zu einer konkreten Problemlage bzw. Lebensabschnitt zu springen und dort gezielt nachzulesen. Sehr anschaulich sind die Beschreibungen von Experimenten und Studien, ihrer Erkenntnisse und die Erörterung ihrer Schwachstellen (siehe insbesondere Kapitel 8-11).

Bei all diesen Vorzügen sind aber auch Schwachstellen zu benennen: dem Anspruch einen Grundlagentext mit Rundumblick gleichermaßen für den sozialen, pädagogischen und medizinischen Bereich anzubieten wird der Autor nur teilweise gerecht. In Anbetracht der beabsichtigten Kürze dieses Textes ist eher hinderlich, Themen wie z.B. den Methoden (zur Datengewinnung etc.) so viel Raum zu geben. Auf der anderen Seite wird zwar Bezug genommen auf Theorien und wesentliche Grundbegriffe der Psychologie, diese dann aber wenig bzw. gar nicht erklärt. Man wünschte sich hierzu ein Kapitel zu Beginn des Buches. Die Schwerpunktsetzung ist nicht immer hilfreich: dies fällt z.B. auf in den Ausführungen in elementare Kenntnisse der Genetik oder aber in den Erklärungen der pränatalen Entwicklung; sie sind zwar interessant, doch hier wirkt der Text zu bio-medizinisch orientiert und weniger relevant aus pädagogischer und sozialberuflicher Sicht. Weiterhin ist anzumerken, dass es z.T. zwar vielfältige Hinweise auf weiterführende Literatur gibt, jedoch fehlt sie an einigen Stellen.

Fazit

Bei der Lektüre dieses Buches möchte man viele Rückfragen stellen. Das ist möglicherweise genau der richtige Anfang. Wer eine Einführung möchte, die eine Ahnung von und einen Vorgeschmack auf die Basics gibt, der hat mit diesem Buch das richtige Handwerkszeug. Wer einen Text möchte, der ausführlichere in sich runde Grundlagen bietet, wird mit diesem Buch nicht ausreichend bedient sein.

Rezension von
Dipl. Sozialarb./-pädagogin Heidrun Wulfekühler
M.A.
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Es gibt 1 Rezension von Heidrun Wulfekühler.

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Zitiervorschlag
Heidrun Wulfekühler. Rezension vom 04.05.2012 zu: Peter Rossmann: Einführung in die Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2012. 2., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-456-85010-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13136.php, Datum des Zugriffs 28.05.2022.


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